Terra-Rossa-Stars mit sehenswerten Aufholjagden

Mit zwei sensationellen Aufholjagden haben die Tennis-Asse des TC Terra Rossa am Samstag Nachmittag für Furore und Aufsehen gesorgt. Die beiden “Rotjacken” Andreas Tolunay und Reginaldo Dos Santos Silva Junior fighteten sich in eigentlich schon sicher verloren geglaubten Erstrunden-Matches quasi im Duett ins Achtelfinale des zweiten HTT-Masters-Series-1000-Turniers der Saison. Brasiliens Nummer 1 wehrte dabei gegen den niederösterreichischen Jungstar Adrian Vorhemus sogar drei Matchbälle ab, während Tolunay im Auftaktmatch seines 165. HTT-Karriere-Turniers gegen Frankreichs Nummer 1 Nils Klermund gleich mehrmals am sportlichen Abgrund vorbeischrammte. Ein Bericht von C.L

img_4682

Brasiliens HTT-Star Reginaldo Dos Santos Silva Junior wehrt gegen Jungstar Adrian Vorhemus drei Matchbälle ab, und erreicht nach 3:18 Stunden Spielzeit zum dritten Mal in seiner Karriere das Achtelfinale eines HTT-Masters-Series-1000-Turniers

Die Tennis-Cracks des TC Terra Rossa haben am Samstag Nachmittag zum Auftakt des März-Masters-Series-1000-Turniers in Maria Enzersdorf ihre außergewöhnliche Kampfkraft unter Beweis gestellt. Für den ersten Höhepunkt aus Sicht des Hernalser Tennisclubs sorgte dabei Brasiliens erster HTT-Star mit dem klingenden Namen Reginaldo Dos Santos Silva Junior. Der 39jährige war im Erstrunden-Duell mit dem 25 Jahre jüngeren Adrian Vorhemus klar auf Crash-Kurs, ehe er das Generationen-Duell mit seinem 14jährigen Gegner nach aussichtslosem Rückstand, drei abgewehrten Matchbällen und nach 3:18 Stunden Knochenarbeit mit 3:6, 7:6, und 6:2 für sich entschieden hatte. Dabei lief für den Samba-Server zunächst gar nichts nach Wunsch. Vorhemus diktierte mit seiner “doppelten Vorhand” – der 14jährige setzt auf beiden Seiten also sowohl mit rechter als auch mit linker Hand seine Vorhand ein – beinahe nach Belieben das Geschehen, und schien endlich dem lange ersehnten ersten Sieg seit November 2015 entgegen zu steuern. 6:3, 3:0 führte der 14jährige, bei 6:3, 4:1 lag er immer noch sicher im Plansoll und auf Kurs Richtung Achtelfinale, als man draußen unter den Zusehern bei 6:3, 5:3 bereits über Adrians Achtelfinal-Duell mit dem HTT-Australian-Open-Champion von 2015 Bernhard Scheidl zu philosophieren begann. Kein Wunder, hatte doch Vorhemus in diesen Augenblicken gerade drei Matchbälle vor der Brust. Doch dann bewahrheitete sich wieder einmal die These, dass ein Match erst dann vorbei ist, wenn der letzte Punkt gespielt wurde. Vorhemus vergeigte alle drei dieser “big points”, und in der Folge völlig verunsichert auch die gesamte Partie, während sein Gegenüber aus Sao Paulo im dritten Satz zum “Tennis-Samba” ansetzte, und nach 3:18 Stunden Spielzeit zum dritten Mal in seiner Karriere das Achtelfinale eines HTT-Masters-Series-1000-Turniers erreichte.

img_4678

Andreas Tolunay und seine an Ereignissen so reiche März-Masters-Series-1000-Geschichte

Für den zweiten Paukenschlag aus Terra-Rossa-Sicht sorgte zwei Stunden später ein alter Bekannter. Andreas Tolunay hievte sich nach 2:44 Stunden Spielzeit und zwischenzeitlichem 4:6, 3:5 Rückstand bei seinem fünften März-Masters-Series-1000-Antreten zum vierten Mal ins Achtelfinale. Das März-Masters-1000-Turnier und Andreas Tolunay, das scheint eine an Ereignissen reiche Beziehung zu sein. 2011 bei seinem Premieren-Start kämpfte er sich als noch unbekannter Tour-Neuling mit zwei Siegen bis ins Viertelfinale dieses Hartplatz-Klassikers, ehe er 2012 Teil der Wiesmühler-Legende wurde. Bekanntlich war Tolunay ja in 40 Minuten untergegangen, und dabei Wiesmühlers einziger Gegner auf dem Weg zum 1000 Punkte bringenden Titelgewinn. 2014 sorgte der Terra-Rossa-Star dann für den sensationellen Erstrunden-Sieg über Harald Schachinger, ehe er am gestrigen Samstag Nachmittag das nächste Kapitel seiner persönlichen März-Masters-Series-Saga schrieb. Heldenstatus erlangte Tolunay mit seiner Erstrunden-Vorstellung gegen Frankreichs Jungstar Nils Klermund aber freilich nicht. Es war eine eher holprige Vorstellung, mit der sich der 6fache Turniersieger vom TC Terra Rossa durch das Premieren-Duell mit dem französischen Stadthallensieger von 2014 mühte. Klermund hatte während der 164 Minuten am Grand Stand seinem späteren Bezwinger wie kaum ein Spieler in der Vergangenheit die eklatanten Schwächen beim Aufschlag vor Augen geführt. Tolunay war chancenlos gegen den stets einen Meter im Feld stehenden und extrem flach und lange returnierenden Franzosen.

img_4795

Frankreichs Nummer 1 lässt 6:4, 5:3 Führung gegen Tolunay ungenützt

Dem jungen Niederösterreicher genügte über weite Strecken seines 97. Karriere-Matches, den Return zwar offensiv aber doch recht kontrolliert über das Netz zu spielen. Tolunay fand kein Mittel gegen den aggressiv spielenden Gegner, ehe sich dieser im zweiten Satz selbst zu schlagen begann. 6:3, 5:3 führte der 17jährige, und hatte zudem bei einer 6:3, 6:5 Führung insgesamt drei Mal die Möglichkeit mit einem erfolgreich gestalteten Game den Sack zuzumachen. Zwei Mal mit eigenem Service und einmal am Return stand Klermund ganz dicht vor dem Achtelfinaleinzug, doch dort in der Runde der letzten 16 steht nun doch Andreas Tolunay. Und das hat neben dem mentalen Aussetzer bei Klermund zwei weitere Gründe. Was Tolunay spielerisch an diesem Nachmittag nicht drauf hatte, kompensierte er mit Leidenschaft, Kampfkraft und Willensstärke. Der eingeworfene Aufschlag und die geschobene Rückhand waren alles andere als ein optischer Genuss, physisch freilich war Tolunay seinem französischen Widerpart aber deutlich überlegen. Und dann nützte der 23jährige auch noch seine unfassbare Turnier-Erfahrung zu seinem Vorteil. 165 gespielte HTT-Turniere seit 2010, die Routine von 307 absolvierten HTT-Einzel-Matches halfen Tolunay am Ende gegen einen ratlosen Klermund, der mit 46 Turnierstarts und 97 Single-Matches erst auf dem Weg zu jenen Sphären ist, in denen sich Tolunay “routinemäßig” längst befindet.

img_4825