Marcus Schischlik als Spielverderber bei Kramer-Jubiläum

HTT-Rekordteilnehmer Christoph Kramer hat beim 9. März-Challenger-Turnier im UTC La Ville zwar sein 25. Karriere-Finale erreicht, dieses aber am Dienstag vor Ostern klar verloren und damit den 12. HTT-Turniersieg seiner seit 1997 währenden Laufbahn deutlich verfehlt. Der mittlerweile bereits 33jährige und im HTT-Computer-Ranking auf Position Nr. 224 abgestürzte Leopoldsdorfer unterlag im Endspiel des 23. Saisonturniers dem 13 Jahre jüngeren Marcus Schischlik vom Tennisclub Bambini Wien in gerade einmal 80 Minuten mit 1:6, 3:6, und muss damit weiter auf seinen ersten HTT-Titelgewinn seit seinem Sensations-Triumph bei den HTT-US Open im September 2012 warten. Schischlik hingegen baute seine makellose HTT-Finalbilanz auf 3:0 Siege aus, und qualifizierte sich frühzeitig für das Mitte November anstehende Challenger-Tour-Final im UTC La Ville. Ein Bericht von C.L

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Christoph Kramer in fast 20 Jahren Tourzugehörigkeit mit allen Höhen & Tiefen eines Hobbysportlers

Von den aktuell über 1.100 im HTT-Computer-Ranking gereihten Spielern, ist keiner routinierter als er. Mit 288 gespielten Turnieren und 581 absolvierten Matches, ist Christoph Kramer der Evergreen schlechthin unter der Stars der Hobby-Tennis-Tour. Seit September 1997 tourt der Rekordspieler bereits durch den Circuit, und hat in den bald zwei Jahrzehnten seiner Tour-Zugehörigkeit alle Höhen und Tiefen eines Hobbysportlers durchlebt. Die besten Zeiten des mittlerweile 33jährigen liegen allerdings schon ein Weilchen zurück und sind schon leicht nostalgisch angehaucht. Immerhin stand Kramer im Oktober 2012 auf dem sensationellen 2. Platz der HTT-Entry-List, und er ist einer von insgesamt nur 39 Spielern der 25jährigen HTT-Geschichte, die es geschafft haben, sich einen der vier prestigeträchtigsten Titel im gesamten Tour-Zirkus, nämlich einen Grand-Slam-Sieg zu sichern. Von diesen Glanzzeiten ist Kramer anno 2016 freilich meilenweit entfernt, und so hat der 11fache Titelträger zu Saisonbeginn seine Ziele komplett neu definiert, und seine Marschrichtung dementsprechend ausgerichtet. Ein Challenger-Titel soll her, mit dem er sich für das große Challenger-Tour-Final qualifizieren würde, um dort noch einmal durchzustarten und sich ein Gratis-Jahr auf der HTT zu krallen. Für die Teilnahme auf der Challenger-Tour musste freilich der ITN-Wert des Leopoldsdorfers passen, und so reduzierte Kramer seine Einsätze auf den Tenniscourts dieses Landes seit Saisonbeginn auf ein Minimum. Im Jänner ging das Unternehmen “Challenger-Titel” mit dem Semifinal-Aus gegen den späteren Sieger Michael Schwärzli schief, und auch beim zweiten Versuch vor einer Woche scheiterte der ehemalige HTT-US-Open-Champion am geplanten Titelgewinn.

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Kramer im ersten Satz ohne ein durchgebrachtes Aufschlagspiel chancenlos

Im Endspiel des 9. März-Challenger-Turniers im UTC La Ville stellte sich dem 33jährigen ein abgebrüht, trocken und solide spielender Marcus Schischlik entgegen, der in seinem dritten Finale am Ende nach nur 80 Minuten mit 6:1, 6:3 zum dritten Mal die Oberhand behielt. Die Nummer 28 der HTT verzeichnete den weitaus besseren Start in dieses finale Duell um die Nachfolge von Rene Degrinis als März-Challenger-Champion, und Schischlik war es auch, dem das erste Break in diesem Match gelang. Zwar konterte Kramer postwendend mit dem Re-Break zum 1:2, doch am Return lag es nicht, dass sich der Wahl-Niederösterreicher nach nur 35 Minuten mit einem 0:1 Satzrückstand konfrontiert sah. Es “krankte” beim Aufschlag, der bei aller Wertschätzung für den HTT-Rekordstarter in keiner Phase dieser ersten 35 Minuten Challenger-Niveau erreichte. Es fehlte an der nötigen Effektivität, um einen am Return glänzend eingestellten Gegner in Verlegenheit zu bringen. Was nützen Quoten von bis zu 90 Prozent am ersten und zweiten Aufschlag, wenn daraus nur zu unter 40 Prozent auch ein Punktgewinn dabei herausschaut. Kramers einst recht flotter “Erster” war nicht mehr als ein laues Lüfterl am Centercourt, und der zweite – und viel zu gerade “eingeworfene” “Zweite” diente Schischlik immer wieder perfekt zu einer dominant geführten Spieleröffnung. Am Ende hatte Kramer im ersten Satz  nicht ein einziges Mal seinen Aufschlag durchgebracht.

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Kramer vergibt 3:0 Führung im zweiten Satz und ballert sich mit 47 unerzwungenen Fehlern gegen einen solide spielenden Schischlik in die Pleite beim 25. Finale seiner HTT-Karriere

Auf der anderen Seite des Netzes hatte Schischlik längst die Harmlosigkeit seines Gegners an diesem Abend erkannt, und konnte so ohne großes Risiko sein Spiel durchziehen. Es genügte eine unspektakuläre aber höchst solide Vorstellung des 20jährigen, um aus der mangelnden Service-Leistung seines Gegners entsprechend Kapital zu schlagen. Wie es hätte gehen können, demonstrierte Kramer dann im Eröffnungs-Game des zweiten Satzes. Da lag er zwar rasch 0:40 zurück, wehrte mit tollen ersten Aufschlägen aber insgesamt 5 Break-Chancen Schischliks ab, und holte sich seinen ersten Spielgewinn mit eigenem Aufschlag zum 1:0. Zehn Minuten später schien dieses Endspiel eine Wende zu nehmen, als sich Kramer nach einem Horror-Game Schischliks mit vier Grundlinien-Patzern en suite ein Break zum 2:0 sicherte, und kurz darauf ein zweites Mal in diesem Finale sein Service zum 3:0 halten konnte. Kramer schien in seinem ersten HTT-Finale seit März 2015 wieder in die Spur gefunden zu haben, und Schischlik um die Spur zu “relaxt” über den Court zu traben, doch der Schein trügte. Schischlik blieb konzentriert und vorallem ruhig, während Kramer unerklärlicher Weise von der 3:0 Führung wenig beflügelt agierte, und in den fehlerhaften Trott des ersten Satzes zurückfiel. Schischlik machte sechs Games am Stück, während sich Kramer mit insgesamt doch beschämenden 47 unerzwungenen Fehlern selbst in die Niederlage ballerte.

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Marcus Schischlik im Sieger-Interview

Nach 80 gespielten Minuten und einer hochkonzentrierten und soliden Darbietung hatte sich Marcus Schischlik bei der 9. Auflage des März-Challenger-Turniers als 9. Spieler nach Markus Winter, Fritz Pliemitscher, Michael Pichler, Stanislav Perepelkin, Daniel Elender, Clemens Wimmer, Michael Kunz und Vorjahressieger Rene Degrinis in die Siegerliste dieses Events eingetragen, und sich dementsprechend froh gezeigt: “Ich bin sehr glücklich über diesen Turniersieg. Mein Gegner hat über weite Phasen schon ganz gut gespielt, am Ende aber halt verdammt viele Fehler gemacht. Im Hinterkopf hatte ich natürlich den Wunsch, auch 2016 wieder am Challenger-Tour-Final teilnehmen zu können, doch gehemmt hat mich dieser Umstand nicht. Ich wollte von Anfang an mein gewohnt druckvolles Spiel aufziehen, aber ich habe rasch gemerkt, dass das heute nicht nötig war”, so der 20jährige, der dann noch angesprochen auf seine blütenweise Final-Bilanz meinte: “Meine 3:0 Bilanz kann ich mir nicht erklären. Das ist wahrscheinlich Zufall, ausgerechnet an den Finaltagen immer die beste Leistung abrufen zu können”, zeigte sich der frischgebackene März-Challenger-Sieger bescheiden.

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“Ich habe in der ersten Runde 2 Matchbälle abgewehrt, das wäre eine tolle Story geworden. Darum hätte ich dieses Finale so gerne gewonnen”

288 Turnierstarts, 581 absolvierte Single-Matches, 305 Einzelsiege, 11 Turniererfolge, imposante Zahlen die Kramer in den diversen HTT-Statistiken Spitzenplätze garantieren, doch das 25. Karriere-Finale wird der 33jährige Leopoldsdorfer in weniger guter Erinnerung behalten. “Ich bin enttäuscht von meiner heutigen Finalleistung, weil ich sehr viele Eigenfehler gemacht habe, und Schischlik eigentlich gar nicht viel machen musste. Es gibt nicht viel zu sagen, die Enttäuschung ist groß”, so Kramer in einer ersten Reaktion. Und bei der Ursachen-Analyse stolperte der ehemaligen Ranglisten-Zweite dann über das Thema “Match-Praxis”, das schon vor dem ersten Aufschlag klar zugunsten seines Gegners ausgegangen war. Während Kramer aufgrund seines “Challenger-Planes und der zu starken ITN”, mit nur 9 Auftritten tennistechnische Schmalkost ablieferte, hatte Schischlik schon 28 Saison-Matches in den Beinen, als er sich die März-Challenger-Trophäe verdienter Weise abholte. “Das hat sicher eine Rolle gespielt, ohne hier Ausreden zu suchen. Positiv war, dass ich mich von Match zu Match mit Ausnahme des Finales steigern konnte. Ich hätte den Titel so gerne gewonnen, auch weil ich gleich in der ersten Runde zwei Matchbälle abwehren konnte. Das wäre eine tolle Geschichte gewesen”, so Kramer, auf den  in den diversen ewigen Bestenlisten der Hobby-Tennis-Tour in den nächsten Wochen spannende Zeiten zukommen.

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Wird Christoph Kramer der erste Spieler der Open Era mit 600 Karriere-Matches?

Mit 288 Turnierstarts liegt Kramer nur mehr drei Teilnahmen vor seinem ersten Verfolger Markus Hobiger. Droht Kramer in dieser Statistik also überflügelt zu werden, könnte er sich schon in Kürze einen anderen Rekordwert sichern. Mit 581 gespielten Matches liegt der Leopoldsdorfer an dritter Stelle und nur mehr 17 Spiele hinter dem führenden Martin Kova (598 Karriere-Matches) und Claus Lippert mit 594 bestrittenen Single-Auftritten. Da Lippert ja nicht mehr aktiv ist, und Kova sich nur mehr bei den 4 HTT-Majors die Ehre gibt, könnte Kramer in den Wochen vor den HTT-French-Open und HTT-Wimbledon der erste Spieler der Open Era werden, der 600 HTT-Single-Matches gespielt hätte. Und noch ein statistischer Nachschlag zu seiner Jubiläums-Final-Teilnahme Nr. 25. Damit liegt der 33jährige an Position Nr. 8 in der ewigen Bestenliste aller Endspielteilnahmen. Vor ihm auf Platz 7 rangiert Oldboy Franz Mayrhuber mit 27 absolvierten HTT-Finalteilnahmen.