Markus Hobiger träumt beim Jänner-HTT-250-Turnier vom 2. Titel seiner Karriere

Sie sind auf immer und ewig in den umfangreichen und prestigeträchtigen Bestenlisten der Hobby-Tennis-Tour verankert, sie haben ihren Platz in den Annalen mit epochalen Erfolgen längst sicher, doch triumphale Heldentaten von “anno dazumal” sind in der rauen Gegenwart des Hobby-Tennis-Sports eben auch keine Garantie mehr für tolle und erfolgreiche Resultate. Ihre Wohnzimmer daheim schmücken prächtige Grand-Slam-Trophäen und golden schiemerndes olympisches Edelmetall, ihre sportlichen Visitenkarten zieren Major-Siege und Nummer 1 Positionen, doch anno 2012 reicht das ab und an nicht einmal mehr für ein 250er-Achtelfinale. Die Rede ist von den beiden ehemaligen “Wimbledonsiegern der HTT” Bernhard Nagl und Michael Kunz, die sich am gestrigen Samstag Abend überraschend und vorallem vorzeitig vom 11. Jänner-HTT-250-Turnier im UTC La Ville verabschieden mussten. Ein Bericht von C.L

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Ex-Wimbledonsieger Michael Kunz verpatzt mit Auftakt-Niederlage gegen Michael Pichler seinen Saison-Start und das Jubiläum seines 70. Turnier-Starts

Ex-Wimbledon-Champion Michael Kunz steckt weiter ganz tief in der Krise. Der 40jährige Deutsch Wagramer, 2008 der gefeierte Held im Rasen-Mekka der Hobby-Tennis-Tour musste bei seinem Saison-Debüt erneut einen herben sportlichen Tiefschlag einstecken. Der Doppel-Olympiasieger von 2010 unterlag zum Auftakt des 11. Jänner-HTT-250-Turniers im UTC La Ville in einem äußerst schwachen Match TC Hrubesch-Star Michael Pichler in drei Sätzen mit 6:2, 4:6 und 2:6. Kunz wirkte müde, körperlich nicht in Bestform und wie eigentlich schon die letzten Jahre über, schlagtechnisch äußerst unkonstant. Immer wieder einmal läßt der Niederösterreicher in seinen Matches zwar sein großes Können aufblitzen, doch diese gelegentlichen Genie-Streiche des 40jährigen reichen eben derzeit nicht für einen Single-Erfolg auf 250er-Ebene. In einem vorallem von massigst Doppelfehlern geprägten Erstrunden-Duell, hatte Pichler im Finish nur mehr die Aufgabe, auf sogenannte unforced errors seines Gegenübers zu warten. Und die kamen – beinahe muss man sagen – verlässlich, was Kunz bereits die vierte Erstrunden-Niederlage in Serie bescherte. Dabei hatte der einstige Aufschlag-Gigant aus Deutsch Wagram so viel vor für seinen Jubiläums-Auftritt. “Ich habe zuletzt im Wintercup 15 Matches ohne eine einzige Niederlage bestritten”, zeigte sich Kunz vor seinem 70. Turnierstart voller Zuversicht, die freilich nach 105 enttäuschenden Saison-Auftakt-Minuten einer gewissen Frustration gewichen war. “Ich bin ja leider selber schuld. Ich war am Freitag Abend schon wieder unterwegs. Das mache ich jetzt definitiv nicht mehr”, versprach der im Ranking auf Position Nr. 85 abgerutschte ehemalige Top-Ten-Star.

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Bernhard Nagl verliert Duell zweier ehemaliger Ranglisten-Leader gegen Roman Ainberger

Kaum besser – zumindest was das Resultat betrifft – lief der Jänner-HTT-250-Erstrunden-Auftritt von Bernhard Nagl. Der 33jährige vom Mödlinger TC musste sich nach zwei verlorenen Tie-Breaks gegen Roman Ainberger wie im Vorjahr bereits in Runde 1 verabschieden, was nach dem vielversprechenden Vorwochen-Auftritt beim Jänner-Grand-Slam wieder die Euphorie im Nagl-Lager bremsen könnte . Dabei hatte es Glücksgöttin Fortuna dieser Tage richtig gut mit ihm gemeint! Vor einer Woche beim Major-Saison-Auftakt bescherte die römische Schicksalsgöttin dem 4fachen Grand-Slam-Gewinner ein günstiges Los um an Achtelfinalpunkte heranzukommen, und auch diesmal beschenkte Fortuna den ehemaligen Ranglisten-Ersten mit einem Platz in der von Experten als leichter gehandelte obere Tableau-Hälfte. “Ich möchte heuer wieder intensiver Tennis spielen, und ich bin nach langer Zeit wieder ziemlich motiviert”, zeigte sich der Mödlinger vor einer Woche bei den Australian Open der HTT angriffslustig wie zu besten Zeiten. Dazu kam der aktuelle Jänner-HTT-250-Raster, der Lust auf mehr machte als nur eine gewonnene Runde, und bei Nostalgikern sogar Hoffnungen auf  eine Nagl-Rückkehr in die Siegerlisten der Hobby-Tennis-Tour weckte. Diese Fans der guten alten Zeit, wo alles schöner und besser war, hatten aber ohnehin ihre helle Freude an diesem gestrigen zweiten Spieltag und dem Erstrunden-Treffen zwischen Bernhard Nagl und Roman Ainberger. Ein Duell zweier absoluter Tour-Heros der Vergangenheit, die zusammen 33 Turniersiege feierten, 7 Grand-Slam-Titel eroberten und insgesamt 89 Wochen die Entry-List der HTT als Nummer 1 anführten. Nagl lag in beiden Sätzen mit 5:3 voran, ehe er jeweils die Tie-Break-Entscheidung verpatzte, jene des ersten Durchgangs mit dem bitteren Endstand von 8:10. “Schade, ich hatte mir einiges vorgenommen für dieses Turnier. Ich bin aber mit meinem neuen Schläger noch nicht richtig zurecht gekommen”, urteilte Bernie nach seinem 185. Karriere-Match, während sich Roman Ainberger im Achtelfinale auf ein Duell mit Peter Steinberger freuen darf.

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Markus Hobiger müht sich zum Auftakt des Jänner-HTT-250-Turniers über Alexander Sterzl weiter, und träumt vom zweiten Titel-Gewinn seiner Karriere

Mit einem blauen Auge ist am späten Samstag Abend hingegen der an Nummer 1 gesetzte Markus Hobiger davongekommen. Der 35jährige Guntramsdorfer blieb im vierten Antreten beim Jänner-HTT-250-Turnier erstmals überhaupt in einem Auftakt-Match siegreich, und zog mit einem 1:6, 6:1 und 6:1 Erfolg über Böck-Bezwinger Alexander Sterzl ins Viertelfinale des dritten Saison-Events ein. Ehe der smarte Tour-Dauerbrenner aber seinen 101. Karriere-Einzelsieg unter Dach und Fach gebrachte hatte, waren “zittern, zweifeln und kämpfen” angesagt. Zittern & zweifeln, weil Alexander Sterzl nach seiner mehr als einjährigen Pause im ersten Satz eine unerwartet starke Performance auf den 7er-Court des UTC La Ville zauberte, und den Ranglisten-Dreizehnten aus Guntramsdorf mit 6:1 förmlich an die Wand spielte. Danach war “kämpfen” angesagt, um einen konditionell stetig abbauenden Gegner aus dem Turnier zu werfen, und sich selbst den Traum vom zweiten Karriere-Titel womöglich doch noch erfüllen zu können. Genau davon träumt “Hobi” nämlich seit der Auslosung am vergangenen Donnerstag. Und weil sich seine vermeintlich schärfsten Rivalen im oberen Tableau am Samstag Nachmittag verabschiedeten, scheint beim 35jährigen sowas wie Euphorie in Sachen zweitem Tour-Titel ausgebrochen zu sein. “Ich kann es diesmal schaffen, aber es wird nicht einfach. Ich bin jetzt aber einmal froh, das Match gegen Sterzl gewonnen zu haben. Er hat im ersten Satz nämlich einfach alles getroffen. Da war ich wirklich schon extrem verzweifelt. Der Knackpunkt war das Game zum 2:1 im zweiten Satz. Danach bin ich sicherer in meinem Spiel geworden”, strahlte der Sieger, während Alex Sterzl irgendwie als der unbelohnte Held des Abends beim Interview stand. “Das mir im ersten Satz alles so leicht von der Hand ging, war im Nachhinein betrachtet wahrscheinlich gar nicht so gut. Ich wollte danach das Tempo weiter hochhalten, was ich körperlich aber noch nicht durchstehe. Ich hätte einfach früher einen Gang runterschalten müssen”, analysierte der 41jährige nach seinem dritten Jänner-HTT-250-Start.

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Prinz-Schützlinge Martin Haslinger und Jonas Trischler legen bei ihrem Tour-Debüt eine erste Talentprobe ab

Am ersten Turnier-Wochenende des neuen Jahres hatte er mit seinem Sieg beim Jänner-HTT-500 für Furore gesorgt, diesmal schickte er zwei seiner jungen Schützlinge in den Kampf um Ranglistenpunkte. Na ja, eigentlich ging es dem ersten Saison-Champion 2012 Christoph Prinz in seiner Funktion als Tennistrainer eher darum, dass seine Juniors Martin Haslinger und Jonas Trischler Matchpraxis und Turniererfahrung sammeln konnten. Und genau dieses Vorhaben ging auch letztlich auf, wobei die beiden Jungstars vom TC Hollabrunn bei ihrem Tour-Debüt unerschrocken und munter drauf los spielten. Martin Haslinger eröffnete mit seinem Premieren-Match im Circuit gegen Matthias Hilgarth den zweiten Spieltag, und konnte trotz Niederlage in drei Sätzen überzeugen. Unglaublich reif und abgebrüht wirkte sein Auftritt, mit beinahe stoischer Ruhe spulte der 13jährige sein auf Sicherheit aufgebautes Grundlinientennis ab, und stellte sein Gegenüber im ersten Satz vor äußerst große Probleme. Am Ende spielte Hilgarth im Duell mit dem Newcomer wohl auch das Quentchen mehr Erfahrung aus, was ihm einen Platz im Achtelfinale des Jänner-HTT-250-Turniers sicherte. Eine echte Talentprobe legte unmittelbar danach auch Jonas Trischler ab. Dem 15jährigen Hollabrunner war zwar bei seinem ersten Auftritt im Tour-Zirkus kein Satzgewinn gegönnt, die Art und Weise wie er sich aber dem längst arrivierten und etablierten Peter Steinberger entgegenstemmte, und wie er sich auch spielerisch präsentierte, war ein echtes Versprechen für die Zukunft, und ein dickes Lob von seinem Bezwinger wert. “Der Jonas hat phasenweise wirklich gut gespielt. Ich musste immer konzentriert bleiben”, so der Sieger. “Leider habe ich ein paar blöde Fehler gemacht, aber im Großen und Ganzen bin ich schon zufrieden”, meinte Trischler in seinem allerersten Statement auf der Hobby-Tennis-Tour.

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Christian Kornprobst und Karsten Schütze als personifizierte Hoffnungsträger einer neuen “deutschen Welle”

“Schwarz-Rot-Gold” könnte über kurz oder lang wieder in Mode kommen. Die Rede ist von Deutschlands Hobby-Tennis-Spielern, die in den letzten Jahren mit Ausnahme von Alleinunterhalter David Hühne ein Mauerblümchendasein im Circuit fristeten. Dabei war Tennis-Deutschland einst eine echte Großmacht hinter den rot-weiss-roten Cracks. Mit Robin Douglas, David Hühne, Christian Brix, Jörg Gerber, Marko Bogdanov, Max Morwind, Thea Werhahn oder Victoria Otto, spielten unsere Lieblingsnachbarn stets eine außerordentlich erfolgreiche Rolle. Zuletzt freilich war die neue deutsche Welle massiv abgeebbt, und selbst der einzig konkurrenzfähige “Piefke” David Hühne aus den Top Ten gefallen. Nun könnte aber wieder sowas wie ein kleiner “schwarz-rot-goldener” Tennisboom entstehen. Die neuen Namen, die diesen Aufschwung tragen könnten, heißen Christian Kornprobst und Karsten Schütze. Erstgenannter machte den leichten Hauch des deutschen Aufwärtstrends sogar resultatsmäßig fest, indem er am Samstag Abend Serbiens neuen Tor-Jungstar Filip Markovic ziemlich deutlich mit 6:1, 6:4 bezwang. Der 26jährige Ingolstädter hatte eigentlich schon vor einer Woche bei seinem Tour-Debüt gegen Markus Biegler trotz Niederlage spielerisch zu überzeugen gewusst, beim zweiten Anlauf am Samstag Abend reichte es aber zum ersten Einzelsieg seiner noch jungen Tour-Karriere. “Ich habe wenige Fehler gemacht und mich gut bewegt, das waren die Hauptpunkte für meinem Erfolg”, freute sich Kornprobst, der nun im Achtelfinale mit Rumäniens Nummer 1 Rares Maftei Bekanntschaft machen darf. Einiges darf man in naher Zukunft auch von Karsten Schütze erwarten. Der Deutsche musste sich zwar in Runde 1 dem Olympiasieger von 2010 Philipp Mayer mit 3:,6 4:6 geschlagen geben, doch alleine der Umstand, von Mitspielern im Vorfeld sogar als leichter Favorit für diese Begegnung gehandelt worden zu sein, macht deutlich, wie nachhaltig sich Schütze in nur kurzer Zeit einen Namen gemacht hat. Ausschlaggebend dafür war wohl sein letztwöchiger Auftritt in Runde 2 des Jänner-Grand-Slam-Turniers, wo er gegen Wimbledonsieger Fabian Mayrhuber eine prächtige Figur abgab.”Leider habe ich mich heute mit vielen Fehlern selbst verunsichert”, klagte Karsten.

Michael Kovar und Clemens Wimmer erreichen ohne Satzverlust das Jänner-HTT-250-Viertelfinale

Was tat sich sonst noch am zweiten Spieltag des Jänner-HTT-250-Turniers im UTC La Ville? Michael Kovar entledigte sich im Eilzugstempo des an Nummer 3 gesetzten Andreas Tolunay. Der Terra-Rossa-Jungstar war verschnupft in die Halle gekommen, und mit Krämpfen in beiden Beinen rasch wieder auf dem Heimweg, während Mödlings letzte Titelhoffnung (nach dem Ausscheiden von Bernhard Nagl) ungefährdert ins Viertelfinale einzog und immer mehr in die Rolle des großen Favoriten wächst. Ebenfalls bereits im Viertelfinale steht auch der an Nummer 4 gesetzte Clemens Wimmer, der sich am Samstag Abend über Kunz-Bezwinger Michael Pichler mit 6:4, und 6:0 hinwegsetzte.

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Der zweite Spieltag beim Jänner-Challenger im Telegrammstil

Zum Abschluss machen wir noch einen ganz kurzen Blick zum Geschehen des zweiten Spieltages beim 6. Jänner-Challenger-Turnier 2012. Als erster und bislang einziger Spieler steht dort Alexander Rosen als Viertelfinalist fest. Der Schützling von Olympiasiegerin Ines Kreilinger blieb auch im zweiten Match an diesem Wochenende ohne Satzverlust, und schlug Serbiens Miroslav Jelic glatt mit 6:2 und 6:3. Für den serbischen Sieg zum Tag sorgte diesmal Milan Stojkov, der sich im einzigen Dreisatz-Match des Tages gegen Wazil Tomschevsksy durchsetzen konnte. Challenger-Rekordsieger Fritz Pliemitscher hatte bei seinem ersten Antreten 2012 und seit dem Challenger-Tour-Final mehr Mühe als erwartet, um Kapellerfeld-Star Rudolf Ronovsky in Schach zu halten. Pliemitscher hatte im zweiten Durchgang sogar Satzbälle gegen sich abzuwehren, ehe er mit 6:2, 7:6 den Aufstieg ins Achtelfinale realisiert hatte. Dort steht auch Markus Eichleter, der mit einer leichten Verkühlung angereist, für einen missglückten Saisonstart von Ronovskys Teamkollegen Bernhard Sladek sorgte. Mit 6:4, 6:2 zog Eichleter in die Runde der letzten 16 ein, wo nun der topgesetzte Daniel Elender wartet. Immer besser in Fahrt kommt auch Gernot Hansen. Der 34jährige behielt im Duell mit Deutschlands Anja Statt ganz klar die Oberhand, und darf sich nun im Achtelfinale gleich auf ein weiteres Treffen mit charmanter weiblicher Beteiligung freuen. Im Kampf um ein Viertelfinal-Ticket wartet nun Tatjana Aubram, die sich cool, locker und ungefährdet  mit einem 6:1, 6:1 über Top Serve-Junior Filip Marinkovic erstmals beim vierten Jänner-Challenger-Antreten für eine zweite Runde qualifizieren konnte. Problemlos hat auch Harald Voll mit einem souveränen 6:1, 6:3 über Alfred Kallab vom TC Trumau den ersten Schritt in Richtung geplantem Titelgewinn gesetzt. Und mit reichlich Ambitionen ist auch Rainer Draxler hierher ins UTC La Ville gekommen. Der glasklare 6:0, 6:2 Erfolg über Tour-Neuling Dominik Heuber soll nur der Auftakt zu einem erfolgreichen Start in die neue Challenger-Saison gewesen sein. Was er wert war, wird der heutige Sonntag zeigen, wo die Nummer 2 des Turniers Thomas Pratsch auf den Terra-Rossa-Spieler wartet.