Vukicevic holt HTT-Australian-Open nach tollem 5-Satz-Final-Krimi

HTT-Superstar Vladimir Vukicevic hat sich erstmals seit Juni 2014 wieder in die elitäre Siegerliste der HTT-Grand-Slam-Turniere eingetragen. Der serbische Ranglisten-Erste triumphierte in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in einem hochklassigen und spannenden Endspiel der 25. HTT-Australian-Open-Auflage gegen den an Nummer 4 gesetzten Jänner-HTT-500-Sieger Christoph Beutler nach 4:15 Stunden Spielzeit in fünf Sätzen mit 6:4, 7:5, 2:6, 5:7, 6:3, und trat damit die Nachfolge des im Semifinale gescheiterten Vorjahressiegers Bernhard Scheidl als Jänner-Grand-Slam-Champion an. Für den 34jährigen aus Sombor war es der insgesamt 10. Turniersieg seiner Karriere, und der dritte Titel auf Major-Ebene. Für den unterlegenen Christoph Beutler ging hingegen auch sein zweites HTT-Grand-Slam-Finale nach HTT-Wimbledon 2015 verloren, und zudem musste sich der 31jährige Wiener nach 9 Siegen in Folge erstmals im Jahr 2016 geschlagen geben. Ein Bericht von C.L

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255 Minuten, 333 Punkte – Vukicevic und Beutler sorgen für epochale Tennisnacht im UTC La Ville

Was für ein Finale, was für ein großartiges Match! Das Endspiel der Jubiläums-Ausgabe der HTT-Australian-Open 2016 im UTC La Ville wird den beiden Akteuren, den Zuschauern vor Ort und den Fans daheim am Live-Ticker wohl noch längere Zeit in Erinnerung bleiben. Es war eine von zwei phantastischen Spielern geprägte epochale Tennisnacht, die von der Dramaturgie eines aufregenden Fünf-Satz-Marathons lebte. In den Hauptrollen zwei der aktuell besten HTT-Stars, die sich 255 Minuten lang auf Augenhöhe duellierten, und in 333 ausgespielten Punkten das Publikum begeisterten. Serbiens HTT-Tennis-Hero Vladimir Vukicevic avancierte zum strahlenden und auch glücklichen Gewinner des Grand-Slam-Saison-Auftakts, während Christoph Beutler am Ende nur die Rolle des unbelohnten Helden für eine sehenswerte aber letztlich knapp gescheiterte Aufholjagd blieb.

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Beutler gibt sicher geglaubten ersten Satz ab

Gleich das erste Game dieses vierten direkten Aufeinandertreffens der beiden HTT-Top-5-Stars lieferte einen Vorgeschmack auf die nachfolgenden vier Stunden. Vukicevic und Beutler sorgten für einen fulminanten Auftakt des HTT-Australian-Open-Finales, indem sie 9 Minuten und 20 Ballwechsel lang um das Eröffnungsspiel fighteten. Beutler hatte am Ende seine achte Break-Chance zum 1:0 genützt, und blieb in der Folge bei eigenem Aufschlag bis 4:2 unantastbar. Bei 4:3, 30:0 und eigenem Service patzte der 31jährige aber plötzlich vier Mal in Folge mit seiner Vorhand, und so kam Vukicevic praktisch aus dem Nichts zu seiner ersten Break-Möglichkeit und dem Re-Break auf 4:4. Und von diesem “kleinen Schock” erholte sich die Nummer 4 des Turniers im ersten Durchgang nicht mehr wirklich, denn kurz darauf gab Beutler noch ein zweites Mal seinen Aufschlag ab. Sein erster Doppelfehler bei Satzball Vukicevic beendete schließlich eine Serie von vier in Serie abgegebenen Games, womit sein serbisches Gegenüber nach 45 Minuten den psychologisch so wichtigen ersten Satz gewonnen hatte.

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Beutler gewinnt nach Verlust des zweiten Satzes den dritten Durchgang und startet eine sehenswerte Aufholjagd

Im zweiten Durchgang steuerte Vukicevic mit dem gewonnenen ersten Heat im Rücken lange Zeit ganz souverän in Richtung 2:0 Satzführung. Ein Break zum 3:1 schien zu genügen, als sich der Branchen-Primus 5:2 absetzte, und bei 5:3 auf den Satzgewinn aufschlug. Doch Beutler demonstrierte Kampfgeist und guten Willen, nahm dem topgesetzten Serben zu Null dessen Aufschlag ab, und verkürzte mit dem erhofften Re-Break auf 4:5. Auf dem Weg zum 5:5 wehrte Beutler mit eigenem Aufschlag zwei Satzbälle seines Gegners ab, und dennoch sah sich der 31jährige HTT-Wimbledon-Finalist von 2015 elf Minuten später einem 0:2 Satzrückstand gegenüber. Kuriosum am Rande. Mit seinem ersten Doppelfehler hatte er Satz 1 abgegeben, und Doppelfehler Nr. 2 sorgte für den Verlust des zweiten Durchgangs nach weiteren 57 gespielten Minuten. 0:2 in Sätzen zurück, dazu die Nummer 1 vor der Brust, doch “aufgeben” kam für den 2016 mit 9:0 Siegen ungeschlagen in diesem Endspiel angetretenen Beutler nicht in Frage. Beutler minimierte seine Eigenfehler-Quote drastisch, nahm Vukicevic zwei Mal dessen Aufschlag ab, und verkürzte nach 33 weiteren Minuten auf 1:2 in Sätzen.

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Beutler hievt HTT-Australian-Open-Finale in einen fünften Satz und sorgt so für ein weiteres HTT-Major-Jubiläum

Im vierten Satz entwickelte sich ein erbarmungsloser Kampf um jeden Punkt und eine Szenerie, die man sich für jedes große Grand-Slam-Finale nur wünschen, und die “Hitchcook” wohl in keinem seiner Drehbücher besser hätte schreiben können. Zwei Topsoieler auf ganz hohem Niveau, vorallem aber mental voll gefordert, Vukicevic und Beutler boten nun die ganz große und mehr als sehenswerte “Major-Show” am Centercourt des UTC La Ville. Vorallem beim 31jährigen von der Marswiese war jetzt Nervenstärke gefragt, erst recht als Vukicevic bei 4:3 und 15:40 zwei Break-Chancen zum 5:3 vorfand. Doch Beutler hatte längst “Lust auf mehr” bekommen, wollte unbedingt seine gestartete Aufholjagd fortsetzen, und ließ sich auch durch ein verkorkstes Aufschlagspiel zum möglichen 6:4 nicht aus der Ruhe bringen. Der Jänner-HTT-500-Champ profitierte vom schwächlichen Versuch seines Gegners, im Finish des vierten Satzes seinen Aufschlag zu halten. Mit den Doppelfehlern Nr. 7 und 8 handelte sich der Ranglisten-Erste ein zweites Break in Folge ein, und nochmals ließ sich Beutler die große Chance zum Satzausgleich dann nicht mehr nehmen. 56 Minuten hatte Durchgang Nr. 4 gedauert, und Beutler war tatäschlich nach 0:2 Satzrückstand wieder im Geschäft.

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Beutler auf den Spuren von Mario Kiss, der im HTT-Australian-Open-Finale 2008 als bislang einziger Spieler der Geschichte einen 0:2 Satzrückstand noch in einen Sieg verwandeln konnte

Damit musste das “grande finale” bei der 25. Jubiläums-Ausgabe der HTT-Australian-Open im fünften Satz entschieden werden. Und damit gab es gleich ein nächstes Major-Jubiläum zu bestaunen, denn erst zum zehnten Mal in der seit Jänner 2002 währenden Best of five-Era der HTT wurde ein Grand-Slam-Endspiel in fünf Sätzen entschieden. Zum dritten Mal nach 2008 und 2011 ging ein HTT-Australian-Open-Finale über die volle Distanz und in dieser zehnten Best of Five Entscheidung der Geschichte stellte sich die spannende Frage, ob Christoph Beutler das seltene Kunststück gelingen würde, einen 0:2 Satzrückstand noch in einen Sieg zu verwandeln. Dieses Husarenstück gelang in der HTT-Open-Era bislang nur einem Spieler, nänlich Mario Kiss, der bei den HTT-Australian-Open 2008 im Endspiel gegen Andreas Harbarth u.a mit der legendären Wasserhol-Aktion Mitte des dritten Satzes den Erfolgsrun seines Gegners bremste und ein 4:6, 5:7, noch in einen 4:6, 5:7, 6:2, 6:3, 6:0 Triumph verwandelte.

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Beutler wehrt im fünften Satz vier Matchbälle ab, ehe ein von Krämpfen geplagter Vukicevic den dritten Major-Titel seiner Karriere perfekt macht

Zurück aus der glorreichen Vergangenheit in die fabelhafte Gegenwart und mitten hinein in den fünften Satz der 25. Jänner-Grand-Slam-Auflage. Und zu Beginn dieses Durchgangs zelebrierten Vukicevic und Beutler Tennis auf wirklich allerhöchstem Niveau. Besonders bemerkenswert war der spielerisch so hochklassige Schlagabtausch aufgrund des Umstandes, dass längst dreieinhalb Stunden intensivstem Tennis hinter den beiden HTT-Stars lagen. Die Vorentscheidung fiel Mitte des finalen Satzes, als Vukicevic den Hauch besser servierte als sein Gegenüber. Denn während sich Beutler einen bitteren Doppelfehler zum 1:3 und dem ersten Break in Durchgang Nr. 5 leistete, hielt die serbische Nummer 1 mit Ass Nr. 3 und vier weiteren Service-Winnern seinen Aufschlag zum 4:1. Als Beutler im folgenden Aufschlagspiel Doppelfehler Nr. 10 produzierte und sich Break Nr. 2 eingehandelt hatte, schien Vukicevic mit einer 5:1 Führung ganz klar in Richtung Titel zu marschieren. Kurz darauf gab es Matchball Nr. 1 für den Ranglisten-Leader, den Beutler aber mit einem herrlichen Rückhand-Passierball abwehrte. Und mit diesem genialen Geschoss leitete Beutler noch einmal eine am Ende zwar unbelohnte, für das Publikum aber mächtig spannende Aufholjagd ein. Höhepunkt dabei war sicherlich das achte Game im fünften Satz, ein Aufschlagspiel Beutlers, das 14 Minuten dauerte, in dem er vier weitere Matchbälle seines serbischen Gegners abwehrte, und auf 3:5 herankam. Vukicevic plagten längst – die eigentlich viel früher erwarteten – Krämpfe, und jetzt konnte den Mann aus Sombor nur mehr ein funktionerender Aufschlag retten. Und in der Tat “haute” Vukicvevic drei Service-Winner en suite raus, womit um 01:22 Uhr der dritte HTT-Grand-Slam-Titel der aktuellen Nummer 1 und der 10. HTT-Karriere-Turniersieg perfekt war.

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