Jänner-Grand-Prix-Turnier kommt nur langsam auf Touren

Zäh, sehr zäh ist er angelaufen, der erste Spieltag des neuen Tennisjahres beim Jänner-Grand-Prix-Turnier 2007. Lag es an den üppig komsumierten Weihnachtskeksen oder an der knapp sechswöchigen Spielpause, das die Akteure des Eröffnungstages beim Saisonauftakt im Tennispoint Vienna nur mäßig überzeugen konnten? Keine Ahnung, doch sie hatten alle eines gemeinsam, egal ob Gewinner oder Verlierer an diesem Freitag Abend. Sie waren mit sich und ihrem Spiel höchst unzufrieden. Eine Zusammenfassung des ersten Spieltages beim Jänner-GP von C.L

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Thomas Seeman deklassiert Christoph Kramer mit 6:1, 6:1

“Unzufrieden”, wurde zum Modewort des Tages. So auch gehört von einem Mann, der mit einem zumindest auf dem Papier souverän wirkenden 6:1, 6:1 Auftaktsieg das neue Tennisjahr erfolgreich eröffnete. Die Rede ist von Hallen-Super-4-Semifinalist Thomas Seemann, der bei seinem Jänner-GP-Debüt auf Anhieb das Achtelfinale erreichte. “Aber wirklich gut habe ich nicht gespielt. Plötzlich war ich 3:0 vorne, ohne zu wissen warum. Das Match war eigentlich enger als das Ergebnis aussagt. Kramer hatte viele Games mit 40:15 Führung”, resümmierte der Sieger. Schwer enttäuscht zog derweil Christoph Kramer aus der Halle ab, auf dem schnellsten Weg in sein Bett, heißt es doch am Samstag Früh um 4:15 Uhr Tagwache. “Es ist heute überhaupt nichts gegangen. Ich hatte den Kopf aber auch nicht frei für Tennis. Ich muss morgen zeitlich aufstehen, und nach jedem zweiten Ballwechsel habe ich auf die Uhr geschaut. So kann man nicht spielen”, urteilte Kramer, der sich noch am Vortag voll motiviert auf den Saisonauftakt freute.

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Die erste Überraschung: Bölzlbauer schlägt Aigner im Eröffnungsspiel des Turniers

Das Turnier und die neue Saison eröffnet wurde schon eine Stunde vor dem Seemann-Kantersieg, und vorbehalten blieb diese Ehre den Herren Raimund Aigner und Martin Bölzlbauer. Noch vor einer Woche trafen sich die beiden Protagonisten des Eröffnungsspieles in einer Disco und vereinbarten, sich in den nächsten Tagen einmal zu einem Tennismatch zu verabreden. Doch der Zufall kam den beiden zuvor. “Als ich in der Auslosung den Namen Aigner gesehen habe, musste ich lachen”, erzählte Bölzlbauer. Und gut lachen hatte der 24jährige auch nach dem Duell mit Aigner. Ein 6:3, 6:4 Erfolg stand am Ende eines relativ ausgeglichenen, aber keineswegs hochklassigen Matches. Die neue Tennissaison hat gleich im ersten Match ihre erste handfeste Überraschung. Denn Aigner galt nicht nur aufgrund seiner letzten Vorstellungen zum Saisonende 2006 als Favorit für diese Erstrundenpartie. “Das wird der Aigner machen”, glaubte auch Juni-Grand-Slam-Sieger Andreas Harbarth, der sich abseits des Turniers in der Squash-Box für das Jänner-Grand-Slam-Turnier in zwei Wochen fit machte. Doch ein ungewohnt fehlerhafter Aigner lief in knapp eineinhalb Stunden in das von ihm schon im Vorfeld befürchtete Aus. “Ich hatte schon vor dem Turnier Bedenken. Einerseits war ich in der Winterpause ein paar Tage im Spital und mein Fuß war auch ein Fragezeichen. Meine Leistung heute war aber ganz schlecht. Man kann auch keine positive Schularbeit schreiben, wenn man seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. In meinem Fall spüre ich, dass ich über die Feiertage ein bißchen Gewicht zugelegt habe, und die Spielpraxis fehlte mir aufgrund der Pause auch. Ich wusste zeitweise nicht einmal wie ich den Schläger halten sollte. Aber ich werde jetzt trainieren und schon bald viel stärker zurück kommen”, bilanzierte der November-GP-Halbfinalist. “Überragend war es nicht, Aigner ist mir mit seinen vielen Fehlern sicherlich entgegengekommen. Aber für das erste Match nach der Winterpause war es ganz ok”, meinte der Sieger, der nun im Achtelfinale am Sonntag auf den Sieger der Partie Ainberger gegen Holter treffen wird, und so nebenbei auch seine Serie, noch nie in der ersten Runde ausgeschieden zu sein, ausbauen konnte.

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Erster Einzelsieg seit 29. Mai 1999 – Tismanariu kämpft Karlik nieder

Es ist exakt 22:44 Uhr an diesem Freitag Abend, als sich Adrian Tismanariu nach mehr als eineinhalb Stunden und drei hart umkämpften Sätzen gegen Rene Karlik den 33. Einzelsieg seiner Karriere gesichert hat. Ok, das ist an und für sich noch nichts besonderes, wäre es nicht der erste Erfolg des rumänischen Aufschlag-Giganten nach mehr als siebeneinhalb Jahren gewesen. Im alten Jahrtausend, genau am 29. Mai 1999 trat der 26jährige letztmalig den Weg ans Netz zum Shakehands als Sieger an. Und da war es dann auch schon wieder, das Modewort des Tages, gefallen im Kurz-Statement des Siegers. “Ich bin trotz Sieg unzufrieden mit meinem Spiel”. Eigentlich könnte man sich ohne Einschränkung mit dem ehemaligen November-Super-4-Sieger freuen über dessen ersten Einzelsieg nach Ewigkeiten, wäre auf der anderen Seite des Netzes nicht der Indoor-Pechvogel dieser Tage gestanden. Es bleibt dabei, Rene Karlik kann auf den Teppichplätzen des Tennispoint Vienna einfach nicht gewinnen. Die fünfte Erstrundenniederlage in Serie, die siebente inklusive der beiden Dezember-Einladungs-Doppel, der 22jährige muss weiter auf den ersten Einzelsieg in der Halle warten. “Ich bin leider mit Fortdauer des Spieles immer müder geworden. Es war enorm schwer gegen Tismanariu. Er spielt hopp oder dropp. Punkt oder Fehler, das ist seine Devise”, analysierte ein enttäuschter Oktober-Second-Series-Sieger.

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Patrick Meinhart “verprügelt” Andreas Stockerer

Übrigens, den bislang letzten oben erwähnten Sieg seiner Karriere im Mai 1999 eroberte Tismanariu gegen einen gewissen Andreas Stockerer I. Der war siebeneinhalb Jahre später am Eröffnungstag des Jänner-GP-Turniers auch “on court”, wenngleich nur für einen “kurzen Hupfer”. Knapp 40 Minuten wehrte sich der bis auf Rang Nr. 150 im Ranking abgerutschte Stockerer gegen einen gut in Form befindlichen Patrick Meinhart, ehe das 1:6, 0:6 bittere Gewissheit war. “Wäre das heute kein Tennismatch gewesen sondern ein Boxkampf, er hätte mich tod geschlagen”, nahm Andi das Debakel mit Humor. “Eigentlich brauche ich gar nicht zu duschen, so schnell war Meinhart mit mir fertig. Graturliere, der Junge spielt phantastisch Tennis”, anerkannte Stockerer die Leistung seines Bezwingers. Meinhart feierte den 25. Einzelsieg seiner Tour-Karriere und wartet nun im Achtelfinale auf Adrian Tismanariu, mit dem er noch beim ersten Einladungsdoppel-Turnier im Dezember gemeinsam auf dem Platz stand.

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Verunglücktes Tour-Debüt von Matthias Rübenbauer

“Schlecht gespielt, ich bin voll unzufrieden heute. Aber Hauptsache gewonnen”, so kommentierte Florian Dinter seinen ergebnistechnisch erfolgreichen Start in die neue Tennissaison. Das dem 6:3, 7:5 Erfolg über Matthias Rübenbauer ein matter, fehlerdurchzogener 100-Minuten-Auftritt voranging, störte “Flo” aber gewaltig. Genauso wie den unterlegenen Gegner, der nach seinem verunglückten Tour-Debüt über ein äußerst schlechtes Spiel seinerseits klagte. “Ich weiß nicht warum, aber es ging heute überhaupt nichts. Ok ich war ein wenig nervös, weil es mein erstes Match war in dem es um was ging. Aber so schlimm war die Nervosiät nicht. In einem Game habe ich gleich vier Doppelfehler serviert, so kann man einfach nicht gewinnen”, zeigte sich Rübenbauer maßlos enttäuscht. Dabei hatten den Aigner-Freund viele auf der Rechnung, so auch Veranstalter Claus Lippert. “Im Doppel an der Seite von Raimund Aigner hat Matthias im Dezember ganz großartig gespielt. Heute war er im Vergleich dazu wie ausgewechselt”. Und angesprochen darauf meinte der Tour-Debütant: “Kann sein, aber in dem erwähnten Doppel habe ich meiner Meinung nach gar nicht so gut gespielt”. Bleibt nur zu hoffen, dass Matthias nicht nach einer Niederlage die Motivation verloren hat.

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Claus Lippert, 13. Jänner 2007