“Niklas & Roxana” – die Talente-Show bei den HTT-Australian-Open

Ein aufregendes Turnier-Wochenende bei der 25. Ausgabe der HTT-Australian-Open liegt hinter uns. Schnee-Chaos, gestresste Spieler nach mühsamer Anreise, Rettungseinsatz, Gesetzte die beinahe im Kollektiv das Zeitliche segneten, Favoriten die ihrer Rolle nicht gerecht wurden u.v.m. Ja das erste Grand-Slam-Weekend des Jahres 2016 hatte es wirklich in sich. Auch wenn das unerwartete Schneider-Aus für den meisten Gesprächsstoff unter den Aktiven und Zuschauern sorgte, so hatte der Major-Auftakt im UTC La Ville noch viele andere ganz spannende und interessante Geschichten zu bieten. Ein kleiner Querschnitt dazu von C.L

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Riesige Jugendwelle schwappt auch 2016 über die Hobby-Tennis-Tour

Bereits die ersten Wochen des neuen Jahres haben deutlich gemacht, dass sich ein gewisser und in der Saison 2015 entstandener Trend auch heuer weiter unaufhaltsam fortzusetzen scheint. Die Rede ist von der riesigen Welle an talentierten Jugendlichen, die in der jüngeren Vergangenheit über die Hobby-Tennis-Tour schwappte. Eltern und Trainer haben in der HTT längst das perfekte Betätigungsfeld für ihre Schützlinge ausgemacht, und so sorgen Teenager jeglichen Couleurs Woche für Woche für sehenswerte Leistungen und nachhaltige Schlagzeilen im Circuit. Vor exakt einer Woche gipfelte der Jugendwahn sogar in einem Kids-Triumph, als ein gerade einmal elfeinhalb Jahre junges Milchgesicht den arrivierten Future-Assen das Fürchten lehrte. Felix Steindl avancierte mit seinem finalen Zweisatz-Triumph beim Jänner-Future gegen den Serben Zdravko Jankovic einerseits zum jüngsten Turniersieger aller Zeiten und als Nr. 1.034 der HTT-Computer-Rangliste auch zum Titelträger mit dem schlechtesten Ranking der Open Era. Ein Grand-Slam-Auftritt kommt für den Jungspund zwar noch zu früh, auf jugendliches Toptennis musste man als Zuschauer der HTT-Australian-Open-Jubiläums-Ausgabe aber nicht verzichten. Für die beachtlichsten Darbietungen auf “Junior-Ebene” sorgten wohl Niklas Grünefeldt und Roxanne Repasi.

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Niklas Grünefeldt steht wie 2015 im Viertelfinale der HTT-Australian-Open, und das obwohl er gar nicht auf der Nennliste hätte stehen dürfen

Vorallem Erstgenannter lieferte an den ersten vier Tagen der neuen Grand-Slam-Saison nicht nur fantastische Leistungen ab, sondern wandelte diese auch in sensationelle Ergebnisse um. Herausragend war dabei natürlich der als Sensation geltende Zweitrunden-Triumph über den viel höher eingeschätzten Philipp Schlaffer, doch auch der Rest seines zweiten HTT-Australian-Open-Auftritts nach 2015 konnte sich sehen lassen. Der 14jährige in Diensten des TC Deutsch Wagram räumte nämlich nach dem “großen Sieg” auch noch den zweifachen HTT-Australian-Open-Halbfinalisten Thomas Müller und den eigentlich stark in Form befindlichen Christof Prüger aus dem Weg. Damit stand Grünefeldt so wie im Vorjahr im Viertelfinale seines mittlerweile unbestrittenen Lieblingsturniers auf der HTT. Und das obwohl er eigentlich gar nicht auf der Nennliste hätte stehen dürfen, zumindest wenn es nach Grünefeldt Mama Sabine gegangen wäre. Weil Niklas seit Wochen an Schulterschmerzen laboriert, hatte Mama Sabine für den Sohnemann eine Tennis- und Turnierpause vorgesehen. “Ich habe mich aber schon sehr auf mein erstes HTT-Turnier seit längerer Zeit gefreut, und vorallem bei den HTT-Australian-Open die mir vom letzten Jahr in guter Erinnerung blieben, wollte ich unbedingt dabei sein. Durch permanentes Betteln und Bitten konnte ich sie schließlich überzeugen”, erzählte der 14jährige, der am Dienstag im Viertelfinale auf Jänner-HTT-500-Champion Christoph Beutler treffen wird.

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Erneute Talentprobe von Roxana Repasi und die Angst ihres Papas vor dem Drittrunden-Match gegen Lukas Prüger

Einen weiteren Beleg ihres großartigen Könnens und eine echte Talentprobe legte am vergangenen Wochenende auch ein junges Mädchen ab, dem allgemein ganz gute Chancen auf eine größere Tenniskarriere eingeräumt werden. La-Ville-Nachwuchshoffnung Roxana Repasi “tourt” seit Jahresbeginn auch der Hobby-Tennis-Tour, und lieferte bei ihrem “Grand-Slam-Debüt” mit dem Einzug in die dritte Runde erstmals auch ergebnistechnisch richtig stark ab. Die 12jährige, die in ihrer jungen Laufbahn schon zu Landesmeister-Ehren kam, und auch das österreichische Jugend-Nationalteam verstärkt, soll laut ihrem Trainerteam auf der HTT Match-Praxis und Erfahrung für kommende Aufgaben sammeln. Und das tat sie in den vergangenen Tagen äußerst eindrucksvoll. Zunächst kämpfte sie am Samstag OTC-Lady Ulla Weihsbeck in drei Sätzen nieder, ehe sie in der zweiten Runde dem drei Jahre älteren Constantin Kletter das Nachsehen in zwei Sätzen erteilte. Richtig imposant und vorallem aufschlussreich artete aber ihr Drittrunden-Auftritt bei den HTT-Australian-Open aus. Dort “datete” die 12jährige mit Lukas Prüger einen der Titelfavoriten, und es gab nicht wenige Menschen, die vor diesem Match ein wenig in Sorge um das aufstrebende Talent des UTC La Ville waren. Auch Roxana’s Papa gehörte zu diesem Kreis: “Ich habe mir den Lukas und seine Ergebnisse angesehen und richtig Angst um meine Tochter gehabt. Und das berechtigter Weise, denn wer erinnert sich nicht an den Oktober 2013, als Prüger damals als 15jähriges Megatalent im Semifinale eines HTT-500-Turniers mit einer außerirdisch anmutenden Performance die mit einem WTA-Ranking ausgestattete Nummer 11 Österreichs Marlies Szupper mit 6:0, 6:0 auseinanderrnahm.

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Roxana im Duell mit Lukas Prüger im Temporausch

Schaurige Gedanken konnten einem da im Vorfeld dieses ungleichen Drittrunden-Duells durchaus kommen. Auf der einen Seite das zart wirkende Tennistalent, auf der anderen Seite der Power-Server mit der Urgewalt beim Aufschlag und auf der Vorhand. Doch aus dem Horror-Szenario wurde ein gigantischer Beweis für die große Klasse der Roxana Repasi. Die 12jährige fand richtig Gefallen am druckvollen Tennis ihres Gegenübers, und lieferte sich mit dem haushohen Favoriten immer wieder sehenswerte und wirklich rasante Duelle an der Grundlinie. Neben viel Lob und Anerkennung gab es dann noch vier gewonnene Games  oben drauf für eine wahrlich famose Leistung. “Ich bin überrascht und schwer beeindruckt, wie Roxana gegen mich gespielt hat”, lobte Prüger, und auch Papa Repasi zeigte sich glücklich über den Auftritt seiner Tochter. “Das war ein tolles Match”.

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Rekordstarter Martin Kova schrammt gegen Serbiens Jungstar David Antic am 100. Grand-Slam-Einzelsieg seiner Karriere vorbei

Was tat sich sonst noch am Wochenende des 25. Jänner-Grand-Slam-Turniers 2016 im UTC La Ville? Martin Kova hat bei seinem 14. HTT-Australian-Open-Antreten zwar erstmals seit Juni 2014 wieder ein Match auf der Tour gewonnen, nach seinem Auftakt-Sieg über den deutschen Qualifikanten Martin Sprenger am Samstag Abend aber in Runde 2 den 100. Grand-Slam-Einzelerfolg seiner Laufbahn klar verpasst. Der 32jährige Wiener, aktuell nur mehr die Nr. 166 im HTT-Computer-Ranking musste sich in Runde 2 dem 15jährigen Serben David Antic mit 2:6, 4:6 geschlagen geben, und schrammte damit am Major-Rekord für die meisten Einzelsiege auf Grand-Slam-Ebene knapp vorbei. Für sein 230. Karriere-Turnier durfte man vom ehemaligen Ranglisten-Ersten zwar keine Wunderdinge erwarten, doch die Auslosung mit einem Qualifikanten zum Auftakt und dem serbischen Nachwuchstalent in Runde 2, ließ doch auf das beste HTT-Australian-Open-Resultat des 6fachen Major-Champions seit 2013 (damals Achtelfinale gegen Markus Kurzemann) hoffen. Am Ende überstand Kova erstmals nach 2014 und 2015 wieder die erste Runde, mehr war es aber auch nicht.

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Franz Mayrhuber steht bei seinem achten HTT-Australian-Open-Antreten zum siebenten Mal im Achtelfinale

Ein anderer HTT-Evergreen spielte sich hingegen bei den HTT-Australian-Open beim achten Antreten zum beachtlich siebenten Mal ins Achtelfinale. Franz Mayrhuber, ebenfalls ehemals die Nummer 1 der HTT und Sieger von 12 Turnieren, hatte es nach seinem Dreisatzerfolg über den Slowaken Pavol Cabada mit dem jungen serbischen Kova-Bezwinger David Antic zu tun, und im Gegensatz zu Kova keine Probleme um die vierte Runde zu erreichen. Sein 275. Karriere-Single schloss der 51jährige Oberösterreicher – der drei Mal (nämlich 2009, 2011 und 2012) im Semifinale der HTT-Australian-Open stand –  mit einem 6:4, 4:0, Erfolg ab.