Damian Roman triumphiert als erster “Internationaler” beim HTT-Finals

Damian Roman hat als erster internationaler Spieler der HTT-Geschichte den prestigeträchtigen Titel bei den HTT-Tour-Finals gewonnen. Der 33jährige Rumäne bezwang am Donnerstag Abend im Endspiel der 26. Auflage der HTT-Tour-Finals im UTC La Ville den serbischen Ranglisten-Achten Nenad Sarcevic nach überzeugender Vorstellung in nur 79 Minuten mit 6:1, 6:1, und avancierte mit seinem fünften HTT-Turniersieg im Jahr 2015 zum erfolgreichsten Spieler der am gestrigen Abend nach 121 Turnieren zu Ende gegangenen Saison. Der 3fache HTT-US-Open-Champion revanchierte sich mit dem im Endspiel gelandeten Kantersieg zudem auch eindrucksvoll  für die Auftakt-Niederlage gegen Sarcevic in der Gruppenphase. Mit seinem insgesamt 9. HTT-Karriere-Erfolg ist Damian Roman gemeinsam mit seinem serbischen Doppel-Partner Vladimir Vukicevic auch wieder der – an Turniersiegen gemessen – erfolgreichste internationale Spieler der Open Era. Ein Bericht von C.L

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Erstmals seit Tashi Liu im Jahr 2001, stand wieder ein HTT-Tour-Finals-Endspiel mit internationaler Beteiligung auf dem Programm

In der Saison 2001, also vor mittlerweile 14 Jahren war es, als ein gewisser Tashi Liu aus China als erster und bislang einziger internationaler Spieler den Sprung in ein Masters-Finale schaffte. Seitdem hatten die ausländischen Tennis-Cracks Sendepause in Sachen Endspiel bei den HTT-Tour-Finals, obwohl sich namhafte Legenden der Vergangenheit und hochkarätige HTT-Asse der Gegenwart wie der charismatische Robin Douglas aus Deutschland, der spielstarke Slowake Branislav Grznar, Spaniens Nummer 1 Ignacio Martin oder der serbische HTT-Superstar Vladimir Vukicevic bei den HTT-Finals versuchten. Ein Vierteljahrhundert währt nun bereits die Historie dieses traditonellen Saisonfinales der Top 8, und erst 25 Jahre nach der Masters-Premieren-Auflage schafften es gleich zwei internationale HTT-Asse ins Endspiel der 26. Auflage dieser mittlerweile zum Event empor gestiegenen Veranstaltung am Altmannsdorfer Ast.

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Die ersten 25 Minuten des Finales mit nur 3 Games und der Ehrung für Philipp Wiegele zum Gesamtsieger der La Ville Indoor Series

Das zweite Aufeinandertreffen zwischen Damian Roman und Nenad Sarcevic innerhalb einer Woche, lockte richtig viele Besucher ins Union Tennis Center La Ville am Dr. Karl Waltl Weg. Und sie bekamen von Beginn an einen zwar nervösen und zerfahrenen, letztlich aber völlig offenen und hart umkämpften Auftakt beider Protagonisten präsentiert. Es war eine intensive Anfangsphase, in der es fast 25 Minuten dauerte, bis die beiden Finalisten die ersten drei Games absolviert hatten. Sarcevic wirkte vor vielen serbischen Fans zwar hoch motiviert aber doch sehr verkrampft, und ließ nicht weniger als 6 Break-Möglichkeiten alleine im Eröffnungs-Game aus. Auch Roman hatte mit den einzigartigen Rahmenbedingungen zu kämpfen, und hielt ebenfalls mehr schlecht als recht seine beiden ersten Aufschlagspiele. Höhepunkt in dieser Anfangsphase war da noch die vom entthronten HTT-Tour-Finals-Champion glänzend anmoderierte Ehrung für den 3fachen HTT-Saison-Gewinner Philipp Wiegele als großer Gesamtsieger der La-Ville-Indoor-Series.

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Wie ein Punkt womöglich das Endspiel kippte

Es stand das vierte Game des ersten Satzes an, und dieses zweite Aufschlagspiel der serbischen Nummer 2 sollte bereits die Vorentscheidung in diesem Finale bringen. Als sich das Publikum und wohl auch die Spieler schon auf einen lange andauernden Tennis-Marathon eingestellt hatten, sorgte ein Szene dafür, dass aus dem packenden Infight am Centercourt eine Solo-Show wurde. Sarcevic hatte einen seiner – in dieser Turnierwoche so oft und exzellent – platzierten Rückhand-Winner übers Netz gejagt, und samt seinen Fans bereits zum Jubel angesetzt, als Roman den kleinen gelben Filz im Out sah, und ihn auch dementsprechend bewertete. Statt Spielball für den Serben zum 2:2, gab es Breakball für den Rumänen zum 3:1, und nachdem Sarcevic gleich darauf eine Vorhand ins Aus beförderte, war das 26. Endspiel der HTT-Tour-Finals-Geschichte mit dem ersten Break auch schon “vor”entschieden. 52 recht einseitige Minuten später, war das Finale auch schon zu Ende. 52 Minuten, in denen bei Sarcevic nichts zusammen lief, in denen er vier weitere Breaks kassiert, selbst drei Break-Chancen ungenützt ließ, nur mehr einmal sein Service durchbrachte, und schließlich mit 47 unforced errors das Opfer einer dramatischen Fehler-Quote wurde.

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Sarcevic verfehlt sechsten Debütanten-Titel bei den HTT-Tour-Finals, und Roman avanciert zum 15. Masterssieger der Open Era

Damian Roman wiederum verblüffte die vielen Zuschauer in der Halle mit einer wieder einmal höchst soliden Service-Leistung und mit einer beneidenswerten Nervenstärke in den vielen kritischen und heiklen Situationen, in denen es galt, Break-Gelegenheiten seines Gegenübers abzuwehren. Nach nur 79 Minuten und um exakt 22:34 Uhr hatte Sarcevic eine letzte Vorhand im Out deponiert, und damit die Möglichkeit vertan, als sechster Debütant bei den HTT-Tour-Finals nach Roman Hamm (1993), Franz Kastler (2002), Franz Mayrhuber (2009), Lukas Planteu (2011) und Philipp Schneider (2013) zu triumphieren. Stattdessen stellte Roman im Head to Head auf 2:1, avancierte zum 15. Masterssieger der Open Era seit 1990, bestätigte seine Ausnahmestellung auf Hartplatz, und krönte seine bislang beste HTT-Saison mit dem vierten ganz großen Titel im Jahr 2015. Nach dem Erfolg beim 1.000 Euro OTC Open, dem dritten Titelgewinn bei den HTT-US-Open und dem Sieg beim HTT-Erste Bank Open 500, rundete der HTT-Tour-Finals-Triumph eine fantastische Saison aus Sicht des 33jährigen Rumänen ab.

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Sky full of stars und goldener Konfetti-Regen – die stimmungsvolle Siegerehrung und eine proppevolle Pressekonferenz weit nach Mitternacht

Dann wurde es richtig stimmungsvoll am Centercourt des UTC La Ville. Die Top Ten Kollegen, unter ihnen die absoluten Hochkaräter wie der Ranglisten-Erste Vladimir Vukicevic, wie der 2fache HTT-French-Open-Sieger Peter Klager, wie der 2fache HTT-Tour-Finals-Champion Philipp Schneider oder HTT-Australian-Open-Sieger Bernhard Scheidl standen Spalier, “Moni” die charmante Gattin der HTT-Nr. 1 überreichte die Trophäen, ehe zu den Klängen von “Sky full of stars” ein goldener Konfetti-Regen über die beiden Stars des Abends hinabschwebte. Hunderte von Fotos wurden geschossen, ehe sich Damian Roman mit seiner Entourage zum großen Champions-Dinner ins Flavours von Mario Lazzer zurückzog. Dort wurde dann mit vielen HTT-Stars und den Fans der beiden Spieler bis spät in die Nacht gefeiert, ehe weit nach Mitternacht noch die Pressekonferenz anstand. Und auch da merkte man die besondere Bedeutung, die diese 26. Auflage der HTT-Tour-Finals im Vergleich zu den 25 Ausgaben davor hatte. Das HTT-Media-Center war proppevoll mit interessierten Zuhörern, die den Ausführungen der beiden Finalisten lauschten:

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Der Sieger mit überraschendem Statement: “Ich habe die HTT immer nur als Training für mein eigentliches Ziel die ITF Weltmeisterschaft genützt”

Der Sieger verblüffte dann mit einem ehrlichen Bekenntnis, das den persönlichen Stellenwert des zwei Stunden zuvor eroberten Titels fast gegen Null sinken ließ. “Es freut mich zu sehen, das ich das alles irgendwie erreicht habe, aber mein Ziel war von Anfang an ein anderes. Ich sage euch das jetzt ehrlich: Mit 30 dachte ich, jetzt kommen die Kinder und die Familie, und ich will noch einmal den Nervenkitzel von früher erleben, als ich Leistungssport gemacht habe. Da habe ich die Plattform HTT entdeckt und erstmals in Kitzbühel vor zwei Jahren gespielt. Ich wollte da dabeisein und schauen, wie weit man hier kommen kann. Aber mein eigentliches Ziel war, mit 35 Jahren die ITF-Weltmeisterschaft zu spielen, wo sehr starke Leute dabei sind. Ich habe die HTT nur genützt, um für dieses Ziel zu trainieren. Wenn ich sagen darf, war mein höchstes Ziel immer diese ITF-WM, und das hat mich dazu gebracht, alle Matches und Turniere bisher eher als Training zu sehen. Rein psychologisch ist das für mich ein Vorteil gewesen. Es ist nämlich schwer für alle Spieler, bei den tollen Rahmenbedingungen hier zu 100 Prozent Leistung zu bringen”, so der frischgebackene HTT-Tour-Finals-Champion mit einem überraschenden Statement.

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Roman mit Dankesrede an seine Frau Beate und die restlichen Mitglieder aus seiner TopPlayer-Academie

Zum Finale selbst äußerte sich Roman dann wie folgt: “Nenad ist ein Angstgegner von mir, weil er wie eine Wand für mich ist, und zwei ähnliche Spielstile aufeinandertreffen. Meistens kommt es dann zu engen und spannenden Partien, wie z.B. auch unser Gruppenspiel am zweiten Vorrundentag. Ich hatte mir für heute vorgenommen, aggressiv zu spielen mit der Vorhand, und vor den vielen Zuschauern ein schönes Match zu spielen. Auf meine aggressiven Vorhandbälle sind aber noch schärfere Rückhandbälle von Sarcevic gekommen, und so musste ich meine Takitik umstellen. Aus dem Nichts heraus habe ich ihm ein paar geschupfte Topspin-Bälle hoch ins Feld gespielt, und plötzlich hat er Fehler gemacht. Auf einmal stand es 6:1, 4:1. Ich denke das war heute der Schlüssel zum Erfolg”, so der 33jährige aus Negresti Oas. “Ein Danke möchte ich an die Zuschauer richten, die sehr fair und fachkundig waren und das zu schätzen wussten, was Nenad und ich auf dem Platz gemacht haben. Ich habe das Match genossen, vorallem weil ich immer vorne war”, betonte der Sieger, ehe er noch den sportlichen Wert seiner vielen großen Titelgewinne in diesem Jahr analysierte. “Ganz klar, der sportlich wertvollste Titel war jener bei den HTT-US-Open. Weil es mein dritter Sieg in Folge war, und ich mir das wirklich vorgenommen hatte. Alles andere habe ich rein als Training und Spaß betrachtet, aber der dritte HTT-US-Open-Titel war mir schon ein großes Anliegen, weil meine Rivalen diese Chance heuer auch hatte, und es nicht geschafft haben. (Anmerkung der Red.: Peter Klager scheiterte beim Versuch die HTT-French-Open zum dritten Mal in Folge zu gewinnen, genauso wie Vladimir Vukicevic im HTT-Wimbledon und Philipp Schneider bei den HTT-Tour-Finals). Zum Abschluss möchte ich mich noch bei allen Top-Playern bedanken, die mit mir gemeinsam auf der Tour sind. Und ein großes Danke natürlich an meine Frau Beate, die mich die ganze Zeit sehr untersützt hat”.

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Nenad Sarcevic bedauert den Fehler, zu viele serbische Fans zum Finale mitgenommen zu haben

“Ich bin sehr glücklich und sehr froh, überhaupt hier sein können. Das ich dieses Masters spielen durfte, und noch dazu dieses Finale, wo ich ein Riesenspiel aus meiner Sicht gemacht habe. Ich habe wieder gut gespielt, aber in den Matches zuvor hatte ich schneller meinen Rhythmus als im Finale. Ich habe heute wieder so gut angefangen, so wie die ganze Woche eigentlich. Alles was funktioniert hatte, lief auch am Anfang. Ich hatte mich schon auf der Pressekonferenz als Sieger gesehen und gedacht dieses Match zu gewinnen. Auf einmal war alles weg. Damian hat seine Taktik geändert, ich habe viele Fehler gemacht, und ganz ehrlich war ich im Endeffekt auch körperlich schon ein bißchen müde. Aus diesem Grund konnte ich auch die Rallys nicht mehr gehen, und deshalb habe ich versucht, aggressiver zu spielen. Vielleicht habe ich zu aggressiv gespielt, mehr als ich das kann, und darum habe ich wohl auch mehr Fehler gemacht. Damian hat sensationell gespielt, er verdient den Titel vollkommen, und seine Taktik war entscheidend. Er hat das perfekt gemacht. Da kann man ihm nur gratulieren”, so der 32jährige Serbe, der dann noch ein Geständnis an die Öffentlichkeit brachte: “Ich habe ganz viele Freunde unter den vielen Serben die in Wien leben. Sie wollten mich das ganze Turnier über sehen, und ich habe ihr Kommen immer abgelehnt. Heute habe ich den Fehler gemacht, viele Fans in die Halle mitzunehmen, und aus diesem Grund wahrscheinlich verloren. Weil ich auch für das Publikum spielen wollte, aggressiv und vermutlich Dinge probierte, die ich nicht kann. Ich bin einfach noch zu unerfahren in Sachen Turnierspielen.

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