Semifinale Schmalkost vor ersten rein internationalen Masters-Endspiel

Das Endspiel der 26. Auflage der HTT-Tour-Finals im UTC La Ville bestreiten der 3fache rumänische HTT-US-Open-Sieger Damian Roman und Überraschungsmann Nenad Sarcevic aus Serbien. Damit gibt es zum ersten Mal in der umfangreichen Geschichte dieses Turniers ein rein internationales Finale, und heute Abend logischer Weise auch den ersten internationalen Tour-Finals-Champion der Open Era zu bestaunen. Roman prolongierte am Mittwoch Abend im Semifinale seinen neu gestarteten Erfolgslauf nach der Auftaktniederlage bei den HTT-Finals mit einem klaren 6:2, 6:4 über den in der Gruppenphase als einzigen Spieler ungeschlagen gebliebenen Kitzbühel-Sieger Martin Zehetner. Bereits zuvor profitierte Serbiens Überraschungsmann Nenad Sarcevic von der verletzungsbedingten Aufgabe von HTT-Wimbledonfinalist Christoph Beutler, der beim Stand von 3:6, 1:3, mit Schmerzen im Schlagarm aufgeben musste. Ein Bericht von C.L

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Damian Roman gewinnt Neuauflage des HTT-Erste Bank Open-Finales und feiert seinen dritten Sieg in Folge gegen Kitzbühel-Sieger Martin Zehetner

Rumäniens Hartplatzkönig Damian Roman hat seinen neuen Haupt-Konkurrenten bei den “big events” der Hobby-Tennis-Tour den Niederösterreicher Martin Zehetner erneut geschlagen, und damit den “kleinen HTT-Klassiker” zum dritten Mal in Folge zu seinen Gunsten entschieden. Nach dem in fünf Sätzen gewonnenen HTT-US-Open-Final-Krimi von 2014, und dem Stadthallensieg vor wenigen Wochen, trafen Roman & Zehetner in der Neuauflage des HTT-Erste Bank Open 500 Finales also wieder aufeinander, und abermals behielt der Ranglisten-Vierte aus Rumänien die Oberhand. Im gestrigen Semifinale der HTT-Tour-Finals war man dann auch stark an das Stadthallen-Finale erinnert, als Roman eine solide Leistung gegen einen völlig von der Rolle agierenden Zehetner genügte. Und ein ähnliches Szenario bekam man auch in der gestrigen semifinalen Nightsession zu sehen. Während Roman einen Traumstart hinlegte, der Sicherheit und Selbstvertrauen gab, wirkte ausgerechnet jener Mann der in der Gruppenphase als einziger Spieler mit drei Vorrundensiegen zu überzeugen wusste, wie ein verunsichertes Häufchen Elend. Schon im ersten Aufschlagspiel ließ Zehetner mit vier unforced errors erkennen, dass das wieder einmal eines seiner berüchtigten Horror-Matches werden würde, mit denen er in der jüngeren Vergangenheit bei fast jedem seiner Auftritte vorstellig wurde. Drei Mal hatte Zehetner in dem nur 26 Minuten dauernden ersten Satz seinen Aufschlag abgegeben, und war damit um ein deutliches und bitteres 2:6 nicht herumgekommen.

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Roman holt 65. HTT-Karriere-Einzelsieg und geht mit beeindruckender Bilanz von 14:1 Siegen aus den letzten 15 Matches in das HTT-Tour-Finals Endspiel gegen Nenad Sarcevic

Im zweiten Satz genügte dem HTT-US-Open-Sieger dann ein Break zum 3:2, um mit einer starken und konzentrierten Service-Performance von 70 % an ersten Aufschlägen und gar 79 % an gewonnenen Punkten nach dem ersten Aufschlag,  sich weitere 38 Minuten später den Finaleinzug mit 6:2, 6:4 und seinem insgesamt 65. HTT-Karriere-Einzelsieg zu sichern. Für Roman ist es zudem bereits sein 11. HTT-Karriere-Finale, in dem er nach Titel Nr. 9 strebt, womit er im Kopf an Kopf Duell mit dem serbischen Ranglisten-Ersten Vladimir Vukicevic auch wieder zum erfolgreichsten internationalen Spieler der HTT-Geschichte aufsteigen würde. “Ich bin sehr glücklich über den Finaleinzug, weil ich zu Turnierbeginn nicht damit gerechnet hatte. Einfach und schnell war nur der erste Satz, danach war es knapp und wenn er das Break zum 5:5 macht, dann kann alles passieren, auch weil ich noch immer mit körperlichen Problemen kämpfe. Da hatte ich sicher auch Glück zum Schluss. Ein großer Dank geht an meine Frau, die mich vorbereitet hat für dieses Match. Ohne sie hätte ich das heute nicht gewonnen. Das war ganz wichtig für mich”, so der HTT-US-Open-Sieger, der in das finale Duell und die Neuauflage des Vorrunden-Matches mit Nenad Sarcevic mit einer beachtlichen Matchbilanz und jeder Menge Selbstvertrauen geht. Aus den letzten 15 Matches ging Roman mit nur einer Niederlage, und die kassierte er ausgerechnet von seinem heutigen Finalgegner. “Wenn ich meine normale Leistung bringe, dann wird es kein Problem zu gewinnen, allerdings ist der Nenad der Überraschungsmann des Turniers und er hat bisher tolle Leistungen hier gebracht. So wird es verdammt schwer ihn zu biegen, und in meinem Augen ist er auch der klare Favorit für dieses Finale”, so der Stadthallensieger bei der Pressekonferenz.

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Martin Zehetner in der Pressekonferenz nach seinem “schwarzen Mittwoch”

Derweil saß Martin Zehetner nach seiner deutlichen Niederlage und dem verpassten 10. HTT-Karriere-Finale enttäuscht und geknickt am Rednerpult und suchte irgendwie ratlos nach Erklärungen, warum es knapp vor dem großen Finale wieder nicht geklappt hat. “Ich hätte heute eigentlich eine Partie auf Augenhöhe erwartet, was aber leider nicht der Fall war. Ich bin ganz schwer in die Partie gekommen, aber der Damian hat auch sehr aggressiv und gut gespielt, wenige Eigenfehler gemacht, wie man an der Statistik sieht. Am Schluss hätte ich vielleicht noch mit dem Break zum 5:5 zurückkommen können, aber insgesamt ist der Damian heute der verdiente Sieger”, stellte Zehetner fest. “Nach 7 Tagen fühlt man sich vielleicht gar nicht körperlich müde, aber mental strengt das an, wenn man jeden Tag Einzel oder Doppel spielt. Aber das soll keine Ausrede sein. Ich kann mir sonst die heutige Leistung nicht erklären. Es war irgendwie ähnlich wie in der Stadthalle auch vom Spielverlauf her”, betonte der 34jährige vom TC Deutsch Wagram, der sich auch schon so seine Gedanken darüber machte, ob Damian Roman nicht sowas wie sein neuer Angstgegner ist. “Darüber habe ich in der Tat schon nachgedacht. Die erste Partie auf Sand habe ich ja noch gewonnen, und das HTT-US-Open-Finale von 2014 war ganz eng, wo ich letztlich bitter nach 5 Sätzen und 4 Stunden verloren habe. Die letzten Partien waren aber sehr eindeutig für ihn. Sein Spiel liegt mir einfach nicht. Er macht wenig Fehler, spielt sehr aggressiv, ich kann es nicht wirklich sagen”, suchte Zehetner nach Erklärungen, ehe er noch eine abschließende Tour-Finals-Bilanz nach dem “schwarzen Mittwoch” suchte: “Jetzt unmittelbar nach dem Match ist die Enttäuschung natürlich groß, aber wenn ich auf das Turnier zurückblicke, dann hatte ich drei Siege gegen sehr gute Spieler in einer ganz schweren Gruppe. Ich bin auch froh, dass ich mich mit dem Martin Steinbauer im Doppel qualifiziert habe, und wir haben im Doppel auch ein Super-Turnier gespielt. Ob es besser gewesen wäre auf das Doppel zu verzichen um im Einzel weiterzukommen, kann man nicht sagen, das wäre reine Spekulation. Ich bin aber froh, im Doppel dabei gewesen zu sein. Das Masters war wie die meisten Turniere der HTT sensationell, das einzige was mich nervt sind die späten Beginnzeiten. Das war heute schon meine dritte Night-Session und das nagt wirklich”, so der Ranglisten-Siebente.

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Beutlers verletzungsbedingte Aufgabe im Semifinale war bereits die vierte “walk over Entscheidung” im Rahmen der HTT-Finals

“Seit zwei, drei Tagen spüre ich einen leichten Schmerz beim Hochziehen des Armes”, so eröffnete ein zerknirschter Christoph Beutler die wohl bitterste Pressekonferenz seiner HTT-Karriere. Eine noch nicht näher diagnostizierte Verletzung im Oberarm stoppte den HTT-Wimbledonfinalisten im Semifinale der HTT-Tour-Finals gegen den serbischen Überraschungsmann Nenad Sarcevic nach nur 38 gespielten Minuten und beim Stand von 3:6, 1:3. Dabei galt Beutler für viele HTT-Insider und Szenekenner als Favorit auf den Tour-Finals-Titel, zumal er im letzten Vorrunden-Match nicht nur Titelverteidiger Philipp Schneider entzaubert hatte, sondern auch mit der Art und Weise wie er sich am Centercourt präsentierte, mehr als überzeugend wirkte. Gepaart mit dem technischen Können, hatte Beutler alle Parameter für einen der ganz großen HTT-Titel zusammen. Doch wenn der Körper nicht mitspielt, dann ist man auf höchstem HTT-Niveau sofort komplett ohne Chance. Beutlers verletzungsbedingter Abgang war bereits die vierte “walk over Entscheidung” im Verlauf der heurigen Tour-Finals und zeigt deutlich, wie hoch die Belastung jener Spieler ist, die sich im Single & Doppel auf Trophäenjagd begaben.

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Die Stimmen zum ersten Single-Semifinale der HTT-Tour-Finals

“Meine Verletzung war aber nicht unbedingt der Ausschlag gebende Punkt heute für meine Niederlage, denn der Nenad hat einfach wieder sensationell gespielt. Vorallem gleich am Anfang vorne weg. Es ist auch nicht so einfach, gegen einen angeschlagenen Gegner zu spielen, und das hat er wunderbar gelöst, von dem her gebührt ihm jedes Lob. Er hat verdient gewonnen und ich wünsche ihm alles Gute für das Finale. Ich denke wenn er seine Form halten kann die er im Verlauf der Woche und auch heute wieder gezeigt hat, dann kann er gewinnen”, so der äußerst faire Verlierer im abschließenden Interview. “Ich bin sehr zufrieden heute gewonnen zu haben, und ich freue mich sehr im Finale zu stehen. Schade ist es natürlich um den Christoph. Ich habe schon zwei Mal gegen ihn vorher gespielt. Er spielt sensationelles Tennis, aber er konnte heute wegen seiner Verletzung nicht aufschlagen. Da habe ich auch ein paar Probleme bekommen, weil es schwer ist sich zu konzentrieren, wenn der Gegner angeschlagen ist und nicht voll spielen kann. Ich wollte daher stets meinen Aufschlag durchbringen. Das war wichtig, und das ist mir richtig gut gelungen heute. Natürlich wissen wir alle, dass der Christoph ein ganz anderes Niveau spielen kann als jenes heute. Ich wünsche ihm gute Besserung, wir werden uns hoffentlich bald wieder auf dem Platz treffen”, so der serbische Stier, der dann noch einen ersten Ausblick auf das Finale riskierte. “Gegen den Damian Roman habe ich je einmal gewonnen und verloren, ich kenne sein Spiel und weiß was ich machen muss. Ich will nur fit sein im Finale und werde mein Maximum geben”, so Sarcevic.

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