Martin Zehetner holt sich ungeschlagen den Gruppensieg in Pool B

Als Gruppensieger stand er ja schon vor dem letzten seiner drei Vorrunden-Auftritte im Rahmen der HTT-Tour-Finals 2015 fest, am gestrigen Montag Abend aber fixierte Kitzbühel-Sieger Martin Zehetner in beeindruckender Manier auch noch den dritten Vorrundenerfolg, womit der 34jährige Niederösterreicher ungeschlagen die hochkarätig besetzte Gruppe B für sich entschied. Im abschließenden und in Sachen “Semifinal-Aufstieg” bereits bedeutungslosen Single, setzte sich Zehetner in der Neuauflage des Kitzbühel-Finales gegen HTT-Australian-Open-Champion Bernhard Scheidl nach 1:26 Stunden Spielzeit mit 6:4, 7:6 durch, und holte zum Drüberstreuen auch noch weitere 200 Punkte für die HTT-Entry-List. Ein Bericht von C.L

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Zehetner, Scheidl & DJ Seb sorgen für tollen und unterhaltsamen Ausklang der Vorrundenphase in Gruppe B

Hatte sich nach jeweils zwei Spieltagen in den beiden Vorrunden-Gruppe der HTT-Tour-Finals 2015 im UTC La Ville mit Nenad Sarcevic nur ein wirklich überzeugend auftretender Spieler in den Fokus der breiten HTT-Öffentlichkeit gespielt, sind dem 32jährigen Serben spätestens am Montag Abend mit Christoph Beutler und Martin Zehetner zwei ganz starke Konkurrenten im Titelkampf beim HTT-Saisonfinale erwachsen. Vorallem die abschließende Darbietung von Kitzbühel-Sieger Martin Zehetner im Duell gegen den amtierenden HTT-Australian-Open-Sieger Bernhard Scheidl war eine tief beeindruckende, mit der er sich nun nachhaltig in die Favoritenrolle auf den Gewinn des HTT-Tour-Finals-Titel gespielt hat. Zum Abschluss des fünften Spieltages stand zwar eigentlich eine sportlich gesehen bedeutungslose Partie auf dem Programm, doch der Kampf um zumindest 200 Ranglistenpunkte zwischen Zehetner und Scheidl wurde ein höchst interessanter und vorallem unterhaltsamer. Zwei Spieler, die ohne Druck über weite Strecken ihr bestes Tennis abrufen konnten, dazu ein glänzend in Form agierender “DJ Seb” am Spielfeldrand, und so gab es einen tollen Ausklang der Gruppenphase in Pool B.

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Aufschläger dominieren den ersten Satz

Schon beim Einspielen für die Neuauflage des heurigen Kitzbühel-Finales kam richtige gute Stimmung auf, als “the voice of the tournament” Christian Cummins die beiden Protagonisten im Stile der ATP World Tour Finals in London vorstellte. Zwischen den kurzweilig verlaufenden Games heizte dann “DJ Seb” die Stimmung mit guter Musik weiter an, und Zehetner & Scheidl taten mit toller Performance noch das ihre zu einem äußerst gelungenen Tennisabend dazu. Zum sportlichen: Der erste Satz ist schnell erzählt, weil sich beide Akteure besonders beim Aufschlag stark präsentierten. So ging es mit dem Service bis 5:4, wobei Zehetner in seinen ersten drei Service-Games nicht einen einzigen Punkt abgeben musste. Break-Chancen waren Mangelware, wobei Scheidl drei am Stück zum möglichen 4:3 vergab, und Zehetner zwei dieser big points zum möglichen 5:3 ausließ. Kurios dann das zehnte und letztlich entscheidende Game des ersten Satzes, wo Scheidl bei eigenem Aufschlag just dort schwächelte, wo er eigentlich am stärksten ist, nämlich am Netz. Zwei Flugbälle verschleudert, einmal perfekt über”lobt”, und schon war der Aufschlag zu Null weg und der Satz mit 6:4 an sein Gegenüber gegangen.

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Zweiter Satz mit erstaunlicher Ähnlichkeit zum Kitzbühel-Finale

Gleich darauf kassierte der womöglich kurz an körperlicher und mentaler Spannung verlierende Zehetner sein erstes Break zum 0:1, und leitete damit einen etwas “bunteren” zweiten Durchgang in Sachen “Breaks” ein. Dem bereits vorzeitig als Gruppensieger feststehenden Ranglisten-Sechsten vom TC Deutsch Wagram gelang aber prompt das Re-Break zum 1:1, noch viel wichtiger aber scheinbar jenes zum 5:3, mit dem das Match entschieden schien. Erst recht, als Zehetner mit einem Service-Winner und Ass Nr. 4 bei 30:0 ganz dicht vor dem Sieg stand. Was dann kam, hatte frappierende Ähnlichkeit mit jenen Geschehnissen von vor 4 Monaten am “Küchenmeister” in Kitzbühel, wo Zehetner im Endspiel der Babolat-Kitzbühel-Trophy 6:1, 4:1 führte, ehe er sich zum Sieg im Tie-Break des zweiten Satzes zitterte. So war es dann auch gestern Abend, als Scheidl plötzlich reihenweise sensationelle Returns und Passierbälle aus dem Handgelenk zauberte, und die Partie am Centercourt einer Verlängerung zuführte. Dort im Tie-Break wurde es trotz 4:1 und 5:2 Führung für den späteren Sieger auch nochmals knapp, ehe er die Zitterpartie mit einem genialen Vorhand-Winner zu seinen Gunsten entschied.

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“Bis 6:4, 5:3 war das wirklich stark von mir”

Am Ende standen 19 Winner bei nur 5 unerzwungenen Fehlern als eindrucksvoller Beleg dafür, welch fantastische Leistung Zehetner am Montag Abend am Centercourt des UTC La Ville geboten hatte. “Ja, das war heute bis 6:4, 5:3 wirklich stark finde ich. Dann ist der Bernhard bei 30:0 für mich auf einmal mit vier Winnern zurückgekommen, und plötzlich war die Partie auf des Messers Schneide. Alle drei Gruppenspiele waren sehr sehr eng, und ich habe alle drei Matches gewonnen. Das macht mich zufrieden, wie auch der Umstand, dass ich mich von Match zu Match gesteigert habe”, so der Kitzbühel-Sieger.

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HTT-Australian-Open-Champion zieht Bilanz nach seiner HTT-Tour-Finals-Premiere

Derweil saß HTT-Australian-Open-Sieger Bernhard Scheidl bei seiner letzten Pressekonferenz im Rahmen der HTT-Tour-Finals 2015, und zog dort ein Resümee über das soeben zu Ende gegangene Duell mit Zehetner und eine erste Bilanz seiner HTT-Tour-Finals-Premiere. “Von der Leistung her muss ich nicht enttäuscht sein. Das einzige was ich mir vorwerfen kann ist, dass die Chancen-Auswertung schlecht war. Das war so in den ersten beiden Matches wo ich jeweils den ersten Satz gewonnen hatte, und heute war es von der Spannung nicht mehr ganz so ernst, und darum habe ich wahrscheinlich auch relativ locker gespielt. Er war weiter, ich draußen, beide schon ein wenig müde, dieses Match hatte heute einen anderen Charakter”, so der Burgenländer, der auf ein Wiedersehen im Jahr 2016 hofft. “Wenn ich es nächstes Jahr wieder zu den Tour-Finals schaffen sollte, dann will ich mindestens ein Match gewinnen”, lachte der Ranglisten-Dritte vom Neusiedler See.