Sarcevic nach Sieg im “serbischen Bruderkampf” im Masters-Semifinale

Serbiens Nummer 2 Nenad Sarcevic ist bei seinem HTT-Tour-Finals-Debüt weiterhin nicht zu stoppen und die große Überraschung zur Halbzeit des Saisonfinales der HTT-Top 8 Spieler im UTC La Ville. Der 32jährige war am gestrigen vierten Spieltag in seinem zweiten Gruppenspiel auch vom Ranglisten-Ersten Vladimir Vukicevic nicht zu bändigen, und gewann das “serbische Derby” gegen den 2fachen HTT-Wimbledonsieger in 1:39 Stunden glatt und souverän mit 6:3 und 6:2. Damit steht Sarcevic bereits vorzeitig als Gruppensieger und zweiter Semifinalist hinter Kitzbühel-Sieger Martin Zehetner fest. Im zweiten Match der Gruppe A wahrte derweil der 3fache HTT-US-Open-Champion Damian Roman seine Chance auf einen Platz im Halbfinale. Der 33jährige Rumäne hatte allerdings Schwerstarbeit zu verrichten, ehe er den rekonvaleszenten Peter Klager bei dessen Tour-Comeback nach fast einem halben Jahr Pause in 2:24 Stunden mit 5:7, 6:4, 6:3 niedergerungen hatte. Ein Bericht von C.L

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Nenad Sarcevic ist nach zwei Spieltagen und seinem Sieg über Landsmann Vladimir Vukicevic der einzige Spieler, der bei den HTT-Tour-Finals 2015 noch ohne Satzverlust ist

In der mit Grand-Slam-Champions gespickten Vorrunden-Gruppe A der HTT-Tour-Finals 2015, steht sensationeller Weise Serbiens neuer HTT-Tennisheld Nenad Sarcevic als erster Aufsteiger und Semifinalist fest. Und das noch dazu in höchst souveräner Manier, ist der 32jährige doch nach zwei Vorrundentagen der einzige Spieler im kompletten und hochkarätigst besetzten Teilenhmerfeld, der noch ohne Satzverlust ist. Nach seinem Auftaktsieg am Freitag Abend gegen den 3fachen HTT-US-Open-Sieger Damian Roman, wies der Überraschungsmann aus Belgrad am frühen Sonntag Abend auch seinen Landsmann und Freund Vladimir Vukicevic, und damit den Ranglisten-Ersten und 2fachen HTT-Wimbledon-Champion in die Schranken.

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Nenad Sarcevic dominiert 99 Minuten dauernden serbischen Bruderkampf

Turnier-Direktor Claus Lippert hatte nach zwei gesehenen Spieltagen schon konstatiert, dass ausgerechnet die Nummer 8 des prestigeträchtigen Saison-Abschluss-Events am Altmannsdorfer Ast die beste und überzeugendste Performance aller Starter am Centercourt des UTC La Ville abgeliefert hatte. Und der ehemalige Masterssieger ging sogar noch weiter, indem er Sarcevic zutraute, auch im weiteren Verlauf des Turniers eine bestimmende Rolle zu spielen, auch bereits für das am Sonntag Nachmittag anstehende innerserbische Duell mit dem Ranglisten-Ersten Vladimir Vukicevic. “Das wird sich nicht ausgehen, vorallem vom mentalen Bereich her nicht, weil der Vladi sowas wie sein Mentor ist”, konterte der 2fache HTT-Tour-Finals-Champion Philipp Schneider noch am Tag zuvor. Und dann ist es sich doch ausgegangen, und das noch dazu in ganz imposanter und beeindruckender Art und Weise. Sarcevic dominierte den 99 Minuten dauernden “serbischen Bruderkampf” nach Belieben, und ließ die Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour schlecht wie selten erlebt aussehen.

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Sarcevic gewinnt ersten Satz des ersten Duells zweier Spieler aus einer Nation in der Geschichte der HTT-Tour-Finals seit 1990

Denn während Sarcevic erneut befreit und groß aufspielte, erzeugte das erste Duell zweier Spieler aus einer Nation in der Geschichte der HTT-Tour-Finals (ausgenommen natürlich Österreich) scheinbar einen immensen Druck auf HTT-Superstar Vladimir Vukicevic, der wie schon im letzten Jahr ausgerechnet beim Saison-Höhepunkt nicht in bester Form zu sein scheint. Dabei hatte Vukicevic den ersten “kleinen” Schlagabtausch für sich entschieden. Sarcevic hatte die Wahl gewonnen, und das Aufschlagrecht an sein Gegenüber geschoben, und der holte sich souverän die 1:0 Führung. Doch schon im zweiten Aufschlagspiel der Nummer 1 kam Sand ins Getriebe, und der Vukicevic-Motor gehörig ins Stottern. Ausgerechnet jener Schlag, der am Ende insgesamt zur Achillesferse im Spiel des HTT-Branchen-Primus wurde, leitete den Siegeszug des Nenad Sarcevic ein. Mit einem vergebenen Vukicevic-Volley bekam der Ranglisten-Achte seine erste Break-Chance, und die nützte er zur 2:1 Führung. Bei eigenem Aufschlag bombensicher unterwegs, sicherte sich Sarcevic Minuten später gegen einen total verunsicherten Vukicevic das nächste Break zum 4:1, und damit war der 32jährige in diesem ersten Satz durch, weil der 2fachen HTT-Wimbledon-Champion auf der anderen Seite des Netzes im Rest des ersten Satzes kein einziges Aufschlagspiel mehr durchbringen konnte.

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Vukicevic im zweiten Satz mit Schmerzen in der Hand und nur bedacht ein Debakel abzuwenden

Knapp vor Ende dieses ersten Satzes gab es dann noch eine Schrecksekunde am Centercourt und in der randvollen Vukicevic-Box, als der Ranglisten-Erste bei einem Netzangriff ausrutschte, und schmerzhafter Weise auf seine Hand fiel. Nach einer 5 Minuten dauernden Behandlungspause kam Vukicevic zwar wieder zurück auf den Platz, seine Talente und Fähigkeiten hatte er aber scheinbar nicht dabei. Denn Sarcevic hatte binnen Minuten das “serbische Derby” mit einer 3:0 Führung gegen einen brutal fehlerhaft spielenden Gegner vorentschieden, und an diesem Tag soviel Konstanz und Selbstvertrauen in seinem Spiel, dass ihm wohl keiner der Top-Ten-Stars an diesem Abend hätte gefährlich werden können. Vukicevic schon gleich gar nicht, weil der zum allem Überfluss auch noch mit Schmerzen in der Hand weiter spielen musste, und nur mehr bedacht schien, ein echtes Debakel abzuwenden. Mit zwei gewonnenen Aufschlagspielen zum 1:3 und 2:4 gelang dieses Vorhaben zumindest, am klaren Sieg des fantastisch spielenden Nenad Sarcevic änderte das aber nichts.

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Nenad Sarcevic: “Ich finde diesen Belag hier “ur-geil”, und ich gehe jetzt bis zum Ende

Und dementsprechend zufrieden und glücklich präsentierte sich Sarcevic im Anschluss bei der gemeinsamen Pressekonferenz im neuen HTT-Media-Center. “Ich habe heuer bei den HTT-French-Open zum ersten Mal auf der HTT mitgewirkt, und mein Traum war es eigentlich nur, in die Top 8 vorzustoßen, um hier bei diesem tollen Turnier dabeisein zu können. Ich verfolge schon seit zwei, drei Jahren die HTT und dieses Turnier, und ich wollte unbedingt hier mitspielen. Ich bin sehr sehr zufrieden, als Gruppensieger festzustehen und im Halbfinale zu sein. Ich denke ich habe sehr gut gespielt heute. Der Vladi ist ein Spitzensportler. Ich freue mich immer wieder gegen ihn spielen zu können. Schade das ihm heute dieser Sturz passiert ist. Ich hoffe es geht ihm bald besser, und er kann weiter im Turnier bleiben und so spielen wie wir ihn alle kennen”, so Sarcevic, der dann auf die Druck-Situation vor dem brisanten Duell mit seinem Landsmann angesprochen wurde. “Ich hatte keinen Druck. Wenn ich hier bei diesem Turnier dabei bin, dann gebe ich mein Maximum, alles was ich kann. Am Anfang hatte ich Probleme mit dem Belag, aber plötzlich mit Beginn der Matches war ich voll fokussiert, habe schnell meinen Rhythmus gefunden, und die Bälle früh genommen und perfekt getroffen. Ganz ehrlich, ich habe auch bei den HTT-US-Open auf Hartplatz gut gespielt. Ich finde dieses Belag “ur-geil”. Und zum Abschluss der Pressekonferenz gab es fast noch sowas wie eine Drohung an die Gegner: “Wenn ich schon hier bin, dann gehe ich bis zum Ende, das ist so. Ich bin ein Kämpfer, das ist der sportliche Geist”.

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HTT-Nr. 1 bei Pressekonferenz niedergeschlagen und mit Kritik an der Turnierleitung

Richtig konsterniert saß derweil Vladimir Vukicevic am Redner-Pult und wirkte so enttäuscht und niedergeschlagen wie noch nie in seiner HTT-Karriere. Es war richtig viel schiefgelaufen an diesem Sonntag. Neben der sportlichen Pleite, der Sturz gegen Ende des erstes Satzes, dazu das Grübeln, warum es ausgerechnet bei den HTT-Tour-Finals wieder nicht mit der Topform klappt. “Ich weiß nicht was ich sagen soll, außer das ich hoffe, weiterspielen zu können. Es tut aktuell weh, aber vielleicht habe ich sogar Glück gehabt. Ich hätte mir die Hand brechen können, es hätte mein Ende bei diesem Turnier sein können. Ich weiß nicht ob ich glücklich sein soll oder traurig. Ich denke beides”, so Vukicevic. “Ich habe heute ein paar Bälle leicht verschossen, und dann war plötzlich das Selbstvertrauen weg. Genau als ich meine Taktik ändern wollte, ist dann der Sturz passiert. Nenad hat gut gespielt, vorallem die wichtigen Punkte, er war heute einfach besser”, betonte der HTT-Rasenkönig. “Es war lustig mit ihm zu spielen, aber mich hat die gestrige Planänderung der Turnierleitung schon geärgert, weil dadurch für mich der Verdacht im Raum stand, dass Nenad und ich das letzte Spiel untereinander ausmachen. Das hat mich geärgert, das ist nicht in Ordnung und einfach nicht fair. Ich war mental für Damian Roman vorbereitet, und damit hat offentsichtich für mich was nicht gepasst. Ich war nicht bereit, das sieht man auch am Ergebnis”, beendete Vukicevic die Pressekonferenz.

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