Schneider wahrt mit Arbeitssieg die Chance auf Tour-Finals-Titel Nr. 3

Kitzbühel-Sieger und Erste-Bank-Open-Finalist Martin Zehetner hat bei den HTT-Tour-Finals im Union Tennis Center La Ville seinen zweiten Vorrundensieg gefeiert und damit als erster Spieler das Semifinale des Saisonfinales der Top 8 am Altmannsdorfer Ast erreicht. Der 34jährige vom TC Deutsch Wagram – der im Vorjahr noch mit zwei Siegen in der Gruppenphase der HTT-Tour-Finals gescheitert war – kämpfte am Samstag Nachmittag in einem phasenweise hochklassigen und insgesamt recht dramatischen Tennis-Marathon den zum Auftakt ebenfalls siegreich gebliebenen HTT-Wimbledon-Finalisten Christoph Beutler nach 2:24 Stunden Spielzeit mit 7:6, 4:6, 6:4 nieder, womit ihm schon vor dem letzten Spieltag auch der Gruppensieg in Pool B nicht mehr zu nehmen ist. Im zweiten Single-Match des Saibel-Sicherheitstechnik-Days wahrte derweil Titelverteidiger Philipp Schneider seine “Halbfinal-Chance” und damit auch die Möglichkeit auf seinen dritten HTT-Tour-Finals-Titel in Serie. Der Ranglisten-Zweite mühte sich in der abschließenden Night-Session gegen HTT-Australian-Open-Champion Bernhard Scheidl zu einem 5:7, 6:3, 6:3 Erfolg, und kann sich am kommenden Montag mit einem Erfolg über Christoph Beutler für das Semifinale des 120. Saisonturniers qualifizieren. Ein Bericht von C.L

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Beutler mit fast 90 Fehlern und einer herrlichen Kabarett-Nummer

In der super-ausgeglichenen Vorrunden-Gruppe B der HTT-Tour-Finals 2015 hat Kitzbühel-Sieger Martin Zehetner am Samstag Nachmittag als erster Spieler vorzeitig sein Ticket für die Vorschluss-Runde des traditionellen Saisonfinales der Top 8 gelöst. Der Niederösterreicher hatte am Ende nach 144 gespielten Minuten eines äußerst intensiv geführten Schlagabtausches am Centercourt des UTC La Ville mit 132 zu 126 Punkten hauchdünn die Nase vorne. Wenn andererseits aus Sicht von Christoph Beutler beachtliche 58 Winner nicht zum Sieg reichen, dann muss was schief gelaufen sein. Und das war es auch aus Sicht des HTT-Wimbledon-Finalisten, der insgeamt 74 unforced errors und dazu noch 15 Doppelfehler produzierte. Im ersten Satz allerdings entschieden nur Kleinigkeiten, weil beide Akteure ihren Aufschlag halten konnten, und so hatte Zehetner erst im Tie-Break das bessere Ende für sich. Zwei Mal sah der Niederösterreicher im zweiten Satz dann wie der sichere Sieger aus, jeweils mit Break voran liegend und gegen einen Christoph Beutler, der phasenweise mehr damit beschäftigt schien, seine eigene Leistung teils kabarettreif zu analysieren. Zwei Mal konterte Beutler aber mit einem Re-Break, und wie aus dem Nichts kam der 31jährige von der Marsweise plötzlich sogar zum Satzausgleich. Beim Stand von 4:5 und 40:30 leistete sich Zehetner nämlich ein nur drei Ballwechsel dauerndes Blackout mit zwei Rückhand-Fehlern und einem Volley-Patzer, und das genügte, um sich auch im zweiten Vorrunden-Match der HTT-Tour-Finals in einem entscheidenden dritten Ssatz wieder zu finden.

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Zehetner nach Schneider-Sieg über Scheidl fixer Gruppensieger und erster Semifinalist bei den HTT-Tour-Finals 2015

Das erste direkte Aufeinandertreffen der beiden HTT-Top-Ten-Stars schien dann erneut vorentschieden, als sich Zehetner mit zwei Breaks eine klare 4:1 Führung herausgekämpft hatte. Das prompte Re-Break Beutlers zum 2:4 sollte letztlich aber für den 31jährigen nicht mehr reichen, weil sich sein Gegenüber im Finish bei eigenem Aufschlag solide agierend zeigte, und nach 2:24 Stunden mit einem Rückhand-Slice-Winner an die Linie den zweiten Vorrunden-Erfolg fixierte. 6 Stunden später und nach Ende des zweiten Single-Duells der Gruppe B, hatte der knappe Dreisatz-Erfolg Zehetners dann noch eine Extranote bekommen. Weil sich Philipp Schneider gegen Bernhard Scheidl durchgesetzt hatte, stand der Kitzbühel-Champion schon vor dem letzten Vorrunden-Spieltag am kommenden Montag als erster Semifinal-Aufsteiger und fixer Gruppensieger fest.

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Philipp Schneider wahrt mit 105. HTT-Karriere-Einzelsieg seine Semifinal-Chance

Während Zehetner also schon für sein erstes HTT-Tour-Finals-Semifinale planen kann, musste der 2fache Masterssieger Philipp Schneider am Samstag Abend alle Kräfte mobilisieren, um sich in einem mühevollst errungenen Arbeitssieg über HTT-Australian-Open-Gewinner Bernhard Scheidl mit 5:7, 6:3, 6:3 hinweg zu setzen. Mit diesem, seinem 105. HTT-Karriere-Einzelsieg wahrte der bislang enttäuschend spielende Titelverteidiger die Chance auf seinen dritten HTT-Tour-Finals-Triumph in Serie. Allerdings sah es lange Zeit nicht gut aus für den 35jährigen, der noch immer leicht kränklich durch einen richtig schlecht gespielten ersten Satz “torkelte”. Einen 2:5 Rückstand konnte der 4fache Saisonturniersieger nach zusätzlicher Abwehr von zwei Satzbällen zwar kurzfristig noch zum 5:5 egalisieren, den Verlust des ersten Satzes aber nur hinauszögern und nicht verhindern. 28 unerzwungene Fehler waren dann doch zu viel! Allerdings wäre Schneider nicht 13facher HTT-Turniersieger, wenn er nicht heikle Situationen wie jene des grottenschlecht gespielten und völlig verdient verlorenen ersten Satzes wegzustecken im Stande wäre.

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11 Asse reichen nicht – Scheidl mit unglückllicher Niederlage

Es folgten zwei Sätze mit gleichem Ergebnis und doch völlig unterschiedlichem Verlauf. In Durchgang 2 lag Schneider rasch und deutlich 4:0 und 5:1 voran, ehe er mit 6:3 den Satzausgleich unter Dach und Fach gebracht hatte. Im dritten Satz allerdings sah es lange Zeit nach einem spannenden Kopf an Kopf Rennen aus, eine Entscheidung im Tie-Break schien sich anzubahnen, zumal beide Akteure äußerst souverän in ihrem jeweiligen Metier agierten. Schneider war während der Partie über den Return zurückgekommen, und Scheidl servierte phasenweise richtig exzellent, hämmerte dem 2fachen Titelträger insgesamt 11 Asse vor die Füße. Wie aus heiterem Himmel schlug Schneider dann aber im ominösen siebenten Game des dritten Satzes zu. Es war schon wirklich eine kuriose Szenerie, nachdem Scheidl bei eigenem Aufschlag 40:0 führte und am besten Weg zum 4:3 schien. Doch mit seinem in der Zwischenzeit wieder schlagkräftigen Return hatte Schneider nicht nur das 40:0 seines Gegners zum Einstand egalisiert, sondern vorallem auch den Druck auf den Aufschläger erhöht. Und das zeigte prompt Wirkung, denn Scheidl musste fortan auch am zweiten Aufschlag mehr Risiko gegen einen immer besser und vorallem effektiver returniernden Gegner gehen. Der Doppelfehler am Ende zum 3:4 war schließlich fast vorhersehbar, während Schneider neben seiner Leistungssteigerung auch noch das nötige Glück auf seiner Seite hatte. Was bei 4:3, 30:30 passiert wäre, wenn ein Rückhandball Schneiders nicht via Netzband seine Flugbahn geändert hätte, sondern dem am Netz lauernden Scheidl auf den Schläger gefallen wäre, ist zwar reine Spekulation, kann sich aber jeder der Scheidls Volley-Stärke kennt, selbst leicht ausmalen. Mit 5:3 aber war der Käse gegessen, Scheidl gab sein letzten Aufschlagspiel zu Null ab, und begrub mit einem 7:5, 3:6, 3:6 auch die Hoffnungen auf einen Platz im Semifinale.

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Bernhard Scheidl: “Wenn ich solche Leute schlagen möchte, dann muss ich mich körperlich steigern”

“Ich habe sehr gut begonnen, wie auch schon im ersten Einzel gegen Beutler. Ich habe auf einem guten Level aufgeschlagen und returniert. Ich habe schon einige Male gegen den Philipp gespielt und daher gewusst, dass er in seinen Matches meistens über den Return irgendwann zurück kommt, und irgendann muss ich dann am Aufschlag mehr riskieren um zu Punktgewinnen zu kommen. Im Endeffekt hat Schneider die Partie routiniert heimgespielt, und ich muss mich einfach körperlich verbessern, wenn ich solche Leute schlagen will” analysierte Scheidl in einer ersten Stellungnahme. Derweil zeigte sich der HTT-Australian-Open-Sieger aber von den Rahmenbedingungen dieses Events beeindruckt. “Das war eine Wahnsinns-Show heute am Centercourt, mit Musik, Einlauf, Vorstellung. Man ist sonst immer gewohnt maximial vor einem kleinen Kreis an Bekannten zu spielen, aber heute war das  ein ganz anderer Rahmen. Das macht natürlich riesig Spaß, weil man sich mit genügend Fantasie kurz einmal einbilden kann, wirklich bei den “Finals” mitzupielen. Deshalb war ich am Anfang nervös und angespannt”, so Scheidl, der dann nach seinem vorzeitig Scheitern im Kampf um einen Halbfinalplatz bei den Tour-Finals 2015 schon vor dem letzten Gruppen-Match eine kleine Bilanz zog. “Mein Ziel war eigentlich für mich selber, in jeder Partie dran zu sein und zu zeigen, es verdient zu haben, hier dabei zu sein”.

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Titelverteidiger mit der Gesamt-Situation unzufrieden

“Ich bin völlig unzufrieden mit der Gesamtsituation. Ich war vor zwei Wochen wirklich in Topform, und zwar körperlich und auch schlagtechnisch. Ich habe mich unheimlich auf dieses Turnier gefreut, und dann kam eine Verkühlung, die mir wirklich viel “zamghaut” hat. Ich bin körperlich angeschlagen, ich fühle mich nicht wohl am Platz, ich kann dieses geile Turnier nicht richtig genießen, und finde einfach nicht richtig zu meiner Form. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite bin ich jetzt schon extrem stolz, dass ich diese Situation vorerst einmal gemeistert habe. Die Partie am Donnerstag war schon eine harte Niederlage, und heute habe ich auch wieder furchtbar begonnen, habe dann zum Glück am Return meinen Rhythmus gefunden, und konnte mich so wieder in dieses Turnier reinkämpfen”, so der Titelverteidiger.

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