Victor Stabrawa hofft trotz Achtelfinal-Aus beim Jänner-Grand-Slam auf Nummer 1 Position

Neben der Frage, wer am kommenden Mittwoch zu Titelehren beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres gelangen wird, kommt dieser Tage noch ein weiterer äußerst interessanter und delikater Aspekt hinzu. Der wegen einer Verletzung nicht am Start befindliche Vorjahressieger Lukas Planteu wird ohne Chance auf eine erfolgreiche Titelverteidigung 2000 Ranglistenpunkte kampflos verlieren, und damit auch seine erst vor zwei Wochen geerbte Ranglistenführung los. Der Platz an der Spitze wird also vakant, und nach dem gestrigen dritten Spieltag kommen dafür gleich vier Akteure in Frage. Sandplatzkönig und French Open-Sieger Victor Stabrawa, Ex-Masterssieger Franz Mayrhuber, seine Neffe der amtierende Wimbledon-Champion Fabian Mayrhuber und der aktuelle US-Open-Gewinner Franz Korger dürfen sich noch berechtigte Hoffnungen auf eine Thronbesteigung machen. Wer sich wann und wie den Platz an der Sonne sichern kann, und wie sich die Favoriten am Sonntag beim Major-Saison-Auftakt am Altmannsdorfer Ast geschlagen haben, erfährst du im nachfolgenden Bericht von C.L

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Sandplatzkönig Victor Stabrawa darf trotz Achtelfinal-Aus gegen Johannes Loibl noch vom Sprung an die Ranglisten-Spitze träumen

Die großen Sensationen sind am dritten Spieltag des 21. Jänner-Grand-Slam-Turniers im UTC La Ville zwar ausgeblieben, die ein oder andere Überraschung hatte aber auch der gestrige Sonntag-Nachmittag mit seinem äußerst interessanten und hochklassigen Programm zu bieten. Beispielsweise ist der Major-Auftakt 2012 für den topgesetzten Ranglisten-Zweiten Victor Stabrawa bereits im Achtelfinale zu Ende gegangen. Der 20jährige vom WAT Ottakring, musste sich in einem der zahlreichen Schlagerspiele dem von vielen Insidern als Geheimfavoriten forcierten Johannes Loibl mit 3:6 und 2:6 geschlagen geben. Ein äußerst dynamischer und speziell mit der Vorhand bärenstark agierender Loibl, ließ eigentlich in keiner Phase des Matches Zweifel an seinem Erfolg aufkommen. Druckvoller und initiativer als der Ranglisten-Zweite, hatte Loibl am Ende des Tages den Aufstieg ins Viertelfinale auch redlich verdient. “Wir haben beide nicht unser bestes Tennis gespielt”,  stellte der Sieger fest, während der unterlegene Stabrawa mit sich selbst noch viel härter und kritischer ins Gericht ging. “Ich habe bis Mittwoch ganz toll trainiert und phantastisch gespielt. Wenn ich locker drauf bin, dann spiele ich einfach ganz anders. Leider ist mir das heute nicht gelungen. Ich hätte auf der Rückhandseite Loibls meine Chancen gesehen, aber irgendwie habe ich es nicht geschafft, ihn dort anzuspielen. Es ist komisch. Ich habe derzeit auch bei jedem Schlag die Angst, einen Fehler zu machen”, klagte der 20jährige nach seinem Aus. Damit gehen Stabrawa exakt 1.020 Punkte seiner im Vorjahr durch die Finalteilnahme errungenen 1.200 Zähler verlustig. Und dennoch könnte sich der eigentlich als Enttäuschung wahrgenommene Jänner-Grand-Slam-Auftritt Stabrawas noch zu einer Erfolgsgeschichte entwickeln. Nämlich dann, wenn Franz und Fabian Mayrhuber nicht das Semifinale erreichen, und Franz Korger den Titel verfehlt. Dann nämlich wäre Victor Stabrawa erstmals in seiner noch jungen Karriere die neue Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour.

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Udo Philipp läßt Olympiasieger Patrick Wiesmühler lange um Aufstieg ins Viertelfinale zittern

Nächster Gegner von Stabrawa-Bezwinger Johannes Loibl ist Olympiasieger Patrick Wiesmühler, der sich in einer höchst attraktiven Achtelfinal-Partie gegen den French-Open-Finalisten von 2010 Udo Philipp durchsetzte. Der Steirer, erstmals seit Mai 2011 wieder im Einsatz auf der HTT, verblüffte speziell im ersten Satz mit einer famosen Vorstellung. Der 34jährige hatte mit dem vorgegebenen Wiesmühler-Tempo keine Probleme, und hielt Durchgang 1 mehr als nur offen. In Wahrheit hätte Philipp mit dem nötigen Quentchen Glück in der ein oder anderen Situation auch zu einer Satzführung gegen den Olympiasieger kommen können. Immerhin führte der ambitionierte Steirer mit 3:0 und ließ mit zwei Chancen zum möglichen Break und einem komfortablen 4:0 auch den “golden boy” vom ASVÖ zittern. Unbestritten ist aber auch “Wiesis” individuelle Extraklasse, mit der er sich aus dieser kritischen Lage manövrierte. Der Satzgewinn zum 6:4 war der Lohn für eine erfolgreiche und sehenswerte Aufholjagd. Lob gebührt aber auch dem später unterlegenen Udo Philipp, der nicht wie von vielen Experten erwartet, im zweiten Satz wegbrach. Im Gegenteil. Der auf Rang 32 im Entry-Ranking gereihte Steirer war auch in Heat Nr. 2 mega-präsent, und dem Olympiasieger ein ebenbürtiger Gegner. Will man an der Darbietung Philipps unbedingt einen Kritikpunkt finden, dann ist es wohl die mangelnde Chancen-Auswertung, die dem 34jährigen zum Verhängnis wurde. Die wenigen Möglichkeiten die man gegen so einen Top-Mann bekommt, muss man einfach nützen, wenn man am Ende als Sieger vom Platz gehen möchte. “Ich bin trotzdem überaus zufrieden. Speziell im ersten Satz war das phasenweise ein wirklich beachtliches Niveau das wir geboten haben. Das taugt mir, und gibt mir auch wieder einiges an Motivation für die kommenden Aufgaben. Es war für mich an diesem Wochenende auch wichtig zu sehen, ob ich zwei Matches beschwerdefrei durchspielen kann, und wie weit weg ich nach meiner lange Pause wirklich bin. Gratulation an den Patrick. Er ist einfach der bessere Spieler und hat verdient gewonnen”, ergänzte Philipp. “Vorallem im ersten Satz ist das Spiel nicht gerade unglücklich für mich gelaufen. Mit Netzrollern und Linienbällen hatte ich sehr viel Glück. Das muss man schon sagen. Ich bin mir auch bewusst, dasss ich mich im Viertelfinale gegen Loibl noch steigern muss, ich weiß aber auch, dass ich das schaffen werde, und ich freue mich schon extrem auf dieses Match”, meinte Wiesmühler.

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Franz Korger nützt fehlende Wagner-Form für eine Überraschung, und für Kiss-Bezwinger Stefan Loibl ist wieder Alltag auf der Hobby-Tennis-Tour eingekehrt

Eine weitere Überraschung lieferte am frühen Abend der achtelfinale Tophit zwischen US-Open-Sieger Franz Korger und Super-4-König Christoph Wagner. Der bei weitem nicht in Bestform befindliche Top-Serve-Star unterlag dem 2,02 Meter großen Aufschlagriesen vom TC Vösendorf mit 4:6, 6:1, 4:6, und musste sich unerwartet früh vom ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres verabschieden. Der Jänner-Grand-Slam-Finalist von 2006 war aufgrund seiner doch recht langen Tennispause nie an diesem Wochenende entsprechend in Schwung gekommen, um bei diesem glänzend besetzten Turnier eventuell in die Nähe seines 14. Karriere-Titels zu kommen. “Damit habe ich ohnehin nicht gerechnet. Ich bin zu weit weg von irgendeiner Normalform, vorallem die Vorhand war eine Katastrophe”, betonte Wagner, während sich Korger über den Viertelfinaleinzug sichtlich freute. “Ich habe es einfach ausgenützt, dass der Christoph nicht in Hochform ist. Ansonsten wäre es gegen ihn natürlich noch viel schwerer als ohnehin schon geworden”, so Korger, der nun im Viertelfinale auf Sensationsmann und Kiss-Bezwinger Stefan Loibl trifft. Für den 29jährigen vom TC Zistersdorf war nach dem rauschenden und für kräftig Schlagzeilen sorgenden Mega-Coup gegen Mario Kiss wieder sowas wie Alltag eingekehrt. Und der machte dem Niederösterreicher deutlich, dass Sternstunden wie jene vom Vorabend eben nicht alltäglich sind. Immerhin aber warf Loibl mit dem an Nummer 12 gereihten Martin Mayerhofer den zweiten Gesetzten innerhalb von 24 Stunden aus dem Bewerb. Imposant war dieser Auftritt allerdings weniger, mühte sich Loibl doch zu einer erst im Tie-Break sicher gestellten Satzführung, mit der er sogar noch richtig happy sein musste. Weil Martin Mayerhofer einen Satzball ausließ, als er bis dahin geduldig abwartend, seinem Gegenüber  immer wieder den Slice von seiner Rückhand anbot, ehe er ausgerechnet beim Satzball mit dem Drive den Fehler einstreute. Satz 2 war dann nur noch Formsache, mit 0:6 aus Sicht Mayerhofers allerdings eine recht unschöne. Immerhin hatte der ehemalige TC Kapellerfeld-Star aber im Match davor seine Setzung bestätigt, und den asiatischen Newcomer Bernard Cabildo mit 6:4, 6:1 in die Knie gezwungen.

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Ines Kreilinger macht “battle of sexes” gegen Michael Tiefenbacher zu einem echt sehenswerten Highlight

Zum echten Knüller und zum magisch anziehenden Publikumsmagnet wurde am gestrigen dritten Spieltag die Night Session zwischen Olympiasiegerin Ines Kreilinger und Tirols neuem Tour-Star Michael Tiefenbacher. Die vielen Besucher, beinahe ausnahmslos im Lager der an 10 gesetzten Oberösterreicherin, bekamen zwar nach zwei überaus aufregenden und attraktiven Stunden nicht den erhofften Sieg zu bejubeln, ihr Kommen brauchten sie aber auch nicht zu bereuen. Ganz im Gegenteil! Der mit großer Spannung erwartete “battle of sexes” bot Spannung, Powertennis und einen Geschlechterkampf, der der Damenwelt zu aller Ehre gereichte. Ines Kreilinger machte mit ihrem permanent druckvoll vorgetragenen Spiel dem favorisierten männlichen Gegenüber nicht nur das Leben äußerst schwer, sondern dieses Achtelfinale zu einem sehenswerten Highlight. Tiefenbacher hatte spielerisch ganz sicher nicht seinen allerbesten Tag, und so alle Hände voll zu tun, speziell die Rückhand-Granaten seiner Gegnerin zu entschärfen und letztlich den Einzug ins Viertelfinale ohne Satz- und weiteren Substanzverlust zu fixieren. Das gelang dem Kaunertaler aber vorallem mit dem Aufschlag, der ihn immer wieder in vielen engen Momenten rettete. So auch in den beiden Tie-Breaks, die letztlich für die Entscheidung sorgten. Wie überhaupt einmal mehr das Service den Ausschlag zu Ungunsten der Olympiasiegerin gab. Nicht der “Zweite”, mit dem Kreilinger ihre Rallys eröffnen kann, sehr wohl aber der “Erste”, mit dem die 22jährige fast nie zu freien Punkten kommt. So muss sich die Oympiasiegerin jeden Punkt und jedes Game beinhart erarbeiten, was wiederum reichlich Kraft – die sie noch nicht in Überfluss besitzt – kostet. Am Ende war Kreilinger mit 6:7, 6:7 die unbelohnte Heldin eines grandiosen Tennis-Abends, und einmal mehr mit zwiespältigen Gefühlen bei der anschließenden Analyse. “Nach den letzten Tagen bin ich über diese Leistung sehr froh, weil ich sie nicht erwartet habe. Allerdings bin ich schon sehr enttäuscht, weil es wieder knapp nicht gereicht hat. Mit dem Anhang, meinen Freunden und den Zuschauern die extra gekommen sind, war es aber der Wahnsinn hier zu spielen”, so die 22jährige.

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Martin Kova zieht sich nach seinem 50. Grand-Slam-Karriere-Start auf unbestimmte Zeit aus dem Circuit zurück

Zu später Stunde setzte es dann noch für zwei ehemalige Topstars recht klare Niederlagen. Durch jene von Bernhard Nagl, dem Champion von 2006 steht fest, dass das Jänner-Grand-Slam-Turnier ein neues Siegergesicht bekommen wird. Nagl war aber nach seinem 3:6, 1:6 gegen die Nummer 2 des Turniers Franz Mayrhuber alles andere als unglücklich. “Es hat mir riesig Spaß gemacht gegen den Franz zu spielen. Ich bin jetzt wieder richtig motiviert, und werde heuer wieder intensiver Turniertennis spielen”, so der Mödlinger. Ein Game weniger, aber um vieles weniger motiviert, verabschiedete sich derweil Martin Kova aus dem La Ville. Der 28jährige hatte beim 1:6, 2:6 gegen Titel-Mitfavorit Stefan Seywald nicht den Hauch einer Chance, und kündigte seinen Rückzug für die kommenden Wochen aus dem Circuit an. Allerdings nicht ohne noch seinen eigenen Rekord an Grand-Slam-Teilnahmen weiter auszubauen. Immerhin bestritt der ehemalige Ranglisten-Erste am gestrigen Sonntag sein 50. Karriere-Grand-Slam-Turnier!