Christoph Prinz führt Underdog-Aufstand beim Jänner-HTT-500-Turnier an

Das die 11. Auflage des Jänner-HTT-500-Turniers – übrigens mit der schlechtesten Besetzung seit 2006, als “nur” 26 Spieler um den ersten Tour-Titel des Jahres kämpften – einen neuen Sieger erhalten wird, stand ja schon vor dem ersten Aufschlag des Saison-Openings im UTC La Ville fest. Seit Sonntag Abend aber ist der Kreis der potentiellen Nachfolger von Titelverteidiger Andreas Harbarth auf vier Kandidaten eingeschränkt. Die beiden topgesetzten Top-Ten-Stars Franz Mayrhuber und Franz Korger duellieren sich im Semifinale des Saison-Auftakt-Turniers mit zwei – zumindest laut Ranking – echten Underdogs. Der erst 17jährige serbische Jungstar Filip Markovic, aktuell die Nr. 195 der HTT-Computer-Rangliste ist trotz seines sehenswerten Erfolgslaufs am gestrigen Sonntag, im Halbfinal-Treffen mit US Open Champion Franz Korger krasser Außenseiter, während der punkte- und rankinglose Christoph Prinz bei seinem Comeback-Auftritt, von Tour-Experten als ebenbürtiger Herausforderer des topgesetzten Franz Mayrhuber eingestuft wird. Für Spannung ist also vor dem ersten Semifinale des Jahres gesorgt. Ein Bericht von C.L

Christoph Prinz fegt durch Jänner-HTT-500-Raster und schickt sich an, im dritten Anlauf seinen ersten Titel zu holen

Es ist weniger der Umstand, dass sich die Nummer 1 des Turniers Franz Mayrhuber am gestrigen Sonntag bei seiner Saison-Premiere im Achtelfinale mit Tour-Neuling Harald Weikl über drei Sätze lang plagen musste, als vielmehr die bislang höchst imposante und makellose Vorstellung von Comeback-Star Christoph Prinz, die Experten und Insider der HTT einen offenen Schlagabtausch auf Augenhöhe für das erste Semifinale des Jänner-HTT-500-Turniers im UTC La Ville erwarten lassen. Und in der Tat imponierte der 27jährige Niederösterreicher bei seinem bisherigen “Erfolgsrun ins Semi” mit einer großartigen Performance und noch phantastischeren Resultaten. Nach seinem Auftaktsieg über Olympiasiegerin Ines Kreilinger, setzte der locker und lässig wirkende Zwettler am gestrigen zweiten Spieltag noch eins drauf. Einen Rainer Bauer – der in Runde 1 noch Jungstar Albert Wanka aus dem Bewerb geworfen hatte – mit einer Doppel-Null auf den Heimweg zu schicken, und auch im Viertelfinal-Hit der Nummer 3 des Turniers Christoph Kramer nur vier Games zu überlassen, war schon ein Zeichen von Klasse und auch ein Wink mit dem Zaunpfahl an die verbliebene Konkurrenz im Raster des 11. Jänner-HTT-500-Turnier-Rasters, dass der Waldviertler gewillt scheint, im dritten Anlauf seinen ersten Tour-Titel zu feiern.

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Der neue Rainer Bauer und sein Blick auf eine Doppel-Null

Prinz vereint ein Tennis in sich, von dem die meisten Spieler im Circuit träumen. Druck machen zu können und gleichzeitig in der Defensive mit schlafwandlerischer Sicherheit zu agieren, das ist es, was den 27jährigen aus Zwettl so gefährlich und erfolgreich macht. Wenn zwei durchaus renommierte Tour-Stars wie Terra Rossa-Star Rainer Bauer und Tour-Rekord-Mann Christoph Kramer in vier Sätzen mit nur vier Games abgespeist werden, dann schlagen selbst bei den Top-Ten-Assen der Tour die Alarmglocken an. Die grandiose Vorstellung des Comebackers aus dem Waldviertel war es aber auch, warum sich die Enttäuschung bei den “gefallenen Helden” in Grenzen hielt. Rainer Bauer sah sich 24 Stunden nach seiner sehenswerten Aufholjagd in Runde 1 gegen Albert Wanka neuerlich mit einem zu Null verlorenen ersten Satz konfrontiert, konnte sich diesmal aber nicht aus der Predulie retten. Im Gegenteil: Der 34jährige fing sich in der Folge das dritte 0:6 im Verlauf des Jänner-HTT-500-Turniers ein, und musste nach knapp 45 Minuten die Überlegenheit seines Gegners anerkennen. Dennoch dürfte Bauer ein durchaus positive Resümee zum Saison-Auftakt ziehen. Die Nr. 58 der HTT-Entry-List aus Hernals hat in den letzten Monaten nicht nur die konditionellen Grundlagen für ein erfolgreiches Tennisjahr 2012 gelegt, sondern auch einen klar erkennbaren Wandel in Sachen Einstellung vollzogen. Der 34jährige hat sich mächtig weiterentwickelt, das belegen seine Interviews nach dem Spiel. Den geänderten Blickwinkel auf die Dinge rund um den kleinen gelben Filzball beweist schon der Umstand, dass es überhaupt Bauer-Interviews nach einem 0:6, 0:6 gibt. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit war der 34jährige nach Niederlagen überhaupt nicht ansprechbar, flüchtete vom Platz und zog sich in sich zurück, um über das “Warum” nachzugrübeln. Anno 2012 geht Bauer aber offensiv und vorallem mit nüchternem Blick an sein geliebtes Hobby ran. Ausrutscher am Centercourt sieht Rainer jetzt nicht mehr so verkrampft, sein Zugang was “Sieg und Niederlage” betrifft, ist nun ein anderer. “Du kannst aus jeder Niederlage was lernen. Du musst nach so einem Ergebnis aufstehen und sehen, was du beim nächsten Mal anders und vorallem besser machen kannst. Die konditionellen Grundlagen sind gelegt, jetzt arbeite ich in jedem Match an meinem Tennis”, so der 34jährige.

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Geht Rekordmann Christoph Kramer vor seiner 16. Saison auf der Hobby-Tennis-Tour langsam die Motivation aus?

Sieben Wochen nach seinem letzten Auftritt im Circuit, ist Rekordmann Christoph Kramer auf die Tour zurückgekehrt. Der 29jährige, der im November letzten Jahres seinen vierten Masters-Start in Folge um lächerliche 12 Pünktchen verfehlte, startete als Nummer 3 gesetzt und mit einem Freilos in Runde 1 ausgestattet, am Sonntag Nachmittag in seine bereits 16. HTT-Saison, die für den Mann mit den meisten Turnierteilnahmen keine einfache werden wird. Das liegt weniger am Umstand an der immer stärker werdenden Konkurrenz, als vielmehr an der Motivation, die bei Kramer langsam aber sicher zum Problem werden könnte. “Ich werde heuer nicht mehr so viele Turniere spielen wie in der Vergangenheit”, ließ der 8fache Titelträger verlautbaren. Das hauchdünn verfehlte Saisonziel für 2011, nämlich sich als erster und einziger Spieler vier Mal in Folge für Einzel- und Doppel-Masters zu qualifizieren, dürfte dem 29jährigen mehr zugesetzt haben, als es nach Außen den Anschein machte. “Ich habe das Masters fast überhaupt nicht verfolgt, nur ein oder zwei Mal den Live-Ticker gesehen”, erzählte der Ranglisten-Neunte. Das sich auch im privaten Umfeld des 29jährigen vor Weihnachten einiges geändert hat, ist ja kein großes Geheimnis, spannend wird nun eher die Frage, wie sich diese Veränderungen auf das Tennis des Top-Ten-Mannes auswirken werden. Erfolgstechnisch gab das Jänner-HTT-500-Event mit Kramers persönlicher Turnierbilanz noch keine allzu große Hürde vor. Ein Sieg – und den holte Kramer im Duell mit Lokalmatador Jürgen Buchhammer – genügte, um sein bisher bestes Jänner-HTT-500-Resultat aus dem Jahr 2003 einzustellen. Damals scheiterte Kramer im Viertelfinale an Michael Papousek, danach kam der 29jährige beim Saison-Auftakt in fünf weiteren Versuchen bei drei Startpleiten nur zweimal über die erste Runde hinaus. Bei seinem 7. Jänner-HTT-500-Antreten musste der 8fache Turniersieger nach seinem Freilos-Aufstieg ins Achtelfinale gegen Jürgen Buchhammer ran. Der Lokal-Hero vom UTC La Ville hielt nach seinem Erstrundensieg über French-Open-Viertelfinalist Andreas Laskos auch mit dem Top-Ten-Mann voll mit, und musste sich erst im Tie-Break und nach zweistündigem harten Kampft geschlagen geben. “Ich hätte dieses Match auch gewinnen können. Ich war knapp dran. Mir fehlt nur mehr ein Schlag, um es das nächste Mal besser zu machen. Den werde ich aber jetzt natürlich nicht verraten”, so Buchhammer. Kramer indes feierte im 455. Match seiner Karriere den 231. Einzelsieg, ehe er sich im Viertelfinale gegen Christoph Prinz eine Lehrstunde geben ließ.

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Roman Pultz feiert nach Sieg im “Ost-Derby” gegen Wolfgang Tschanett ein äußerst gelungenes Tour-Debüt

Auf der Landkarte sind sie gerade einmal 20 km voneinander entfernt, am Centercourt des UTC La Ville trennten den Mannersdorfer Wolfgang Tschanett und Eisenstadts Roman Pultz im Achtelfinale des Jänner-HTT-500-Turniers aber ergebnistechnisch doch ein kleines Stückchen mehr. So empfand es zumindest der unterlegene Tschanett, der einen Erfolg über Pultz als große Überraschung betrachtet hätte. Natürlich setzte sich der gebürtige Burgenländer gegen den gebürtigen Vorarlberger im “Ost-Derby”am Ende klar in zwei Sätzen durch, doch speziell im zweiten Durchgang war die Achtelfinal-Partie richtig eng und hätte durchaus auch einen anderen Verlauf nehmen können. Nämlich dann, wenn Tschanett bei 3:1 eine seiner beiden Chancen zur möglichen 4:1 Führung genützt hätte. Die big points ausgelassen, fiel der gebürtige Dornbirner in eine Art Schockzustand, während Tour-Neuling Roman Pultz mit einem fulminanten Finish sein Debüt mit dem Sieg samt Aufstieg ins Viertelfinale krönte. Dort stand der Burgenländer im Duell mit US Open-Sieger Franz Korger zwar auf verlorenem Posten, am positiven Eindruck den der 22jährige aus Eisenstadt bei seiner Premiere im Circuit hinterließ, konnte aber auch das 2:6, 1:6 gegen die Nummer 2 des Jänner-HTT-500-Turniers nichts mehr ändern. “Ich bin ziemlich zufrieden mit meinem Tour-Debüt. Eigentlich bin ich ja das Spiel auf Sandplatz gewohnt, die Umstellung hat ein bißchen gedauert. Gegen den Franz Korger war nichts zu holen”, so Pultz.

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Werner Kovarik mit kostenloser Trainerstunde und Filip Markovic wird erstmals bei den Assen der HTT vorstellig

Ins selbe Horn stieß am Sonntag Nachmittag übrigens Werner Kovarik, der sich im ungleichen Achtelfinal-Duell mit Franz Korger eine kostenlose Trainerstunde sicherte, und beim 1:6, 0:6 gegen den Masters-Starter kräftig am “dazulernen” war. “Gott sei Dank ist mir das erhoffte Ehrengame gelungen. “Mehr war gegen den Franz nicht drin. Das ist eine andere Klasse. Das Tempo war viel zu hoch. Da kann ich nicht mithalten. Auf Challenger-Niveau geht alles mindestens doppelt so langsam. Der Korger spielt für mich das schönste Tennis auf der Tour, von daher macht es immer enorm viel Spaß ihm zuzusehen. Und heute hat es mir riesig viel Freunde bereitet, auch einmal gegen ihn spielen zu dürfen”, lächelte Kovarik nach dem Achtelfinal-Aus bei seinem insgesamt bereits 156. Turnierstart. Gegner vom bislang nicht geforderten und souverän ins Semifinale eingezogenen Franz Korger wird Jungstar Filip Markovic sein. Der 17jährige hat sich für viele Insider etwas überraschend als halbfinaler Korger-Gegner herauskristallisiert. Doch der Junior vom Alt Erlaaer TC wuchs am gestrigen Sonntag gewaltig über sich hinaus, und brachte so erstmals seinen Namen ins Spiel. Filip Markovic, ja diesen Namen wird man sich merken müssen, zumal der Newcomer erst 17 Jahre alt ist, und sich intensiv mit seinem Lieblingssport beschäftigt. Am zweiten Spieltag der neuen Tennissaison wurde der Jungstar bei zwei arrivierten Tour-Teilnehmern vorstellig, und bewies neben spielerischer Klasse, auch einiges an Kraft und Kondition zu besitzen. Im Eröffnungsspiel des Tages vermasselte der 17jährige Serbe seinem Gegenüber einen erstmalig gelungenen Saison-Auftakt. Die Rede ist von Markus Hobiger, der auch im vierten Versuch eine HTT-Saison siegreich zu starten, kläglich scheiterte. Konnte man die bislang vergeblich erhofften Hobiger’schen Erfolgserlebnisse zum Saisonstart (2009 Markus Altsinger, 2010 Christoph Kramer und 2011 Franz Mayrhuber) eventuell noch mit Auslosungspech erklären, stellt der 2012er-Auftakt schon einen echten Tiefpunkt dar. Das Fehlen unheimlich vieler Topstars bescherte dem 35jährigen Guntramsdorfer eigentlich ein Traumlos beim Jänner-HTT-500-Turnier. Als Nummer 4 gesetzt durfte sich “Hobi” über ein in der Öffentlichkeit viel diskutiertes Freilos freuen, ehe sich im Achtelfinale die Nr. 195 im HTT-Computer vor ihm als vermeintlich leicht überwindbare Hürde aufbaute. Doch der Niederösterreicher präsentierte sich in seinem 230. Karriere-Single nicht viel anders und vorallem kaum besser als in den Jahren zuvor.

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Markus Hobiger scheitert auch beim vierten Versuch, siegreich in eine neue Tennissaison zu starten

Wer einen “anderen” Markus Hobiger zum Start in die neue Saison erwartet hatte, wurde bitter enttäuscht. Die Ankündigung des 35jährigen, seinen Körper in Schuss zu bringen und an der Fitness arbeiten zu wollen, dürfte nicht mehr als ein Schuss in den Ofen gewesen sein. Der Festtagsbraten und die Weihnachtskekse dürften dem Niederösterreicher vorzüglich geschmeckt haben, von schlank und rank konnte aber keine Rede sein, und damit war auch keine besondere Leistungsexplosion zu erwarten. Einmal mehr machte Hobigers Auftritt deutlich, dass für Erfolge auf der Tour auch die körperliche Komponente mehr als ausschlaggebend ist. Es ging im Duell mit Markovic auch weniger darum, wieviele der vom Serben gesetzten Bälle Hobiger nicht erlaufen konnte, als vielmehr darum wieviele seiner Grundschläge aufgrund mangelnder Bewegung und schlechter Beinarbeit zum Rohrkrepierer verkamen. Wenn dann einer wie Markovic einen ganzen ersten Satz lang souverän seinen Aufschlag halten kann, dann gibts auch schon einmal ein ganz bitteres 2:6 gegen einen exakt 182 Ränge schlechter platzierten Nobody. Das Hobiger weiterhin aus einem scheinbar unerschöpflichen Reservoir an Motivation und Optimismus schöpft, verdeutlichte Durchgang 2, wo sich der 35jährige beim Aufschlag konsolidieren konnte, und einen noch unroutinierten Jugendlichen in einen Entscheidungssatz zwang. Dort aber spielte Markovic seine Stärken wieder aus, und erreichte damit so wie schon bei seinem Debüt im Sommer vergangenen Jahres beim Juli-HTT-250-Turnier in der Leberstraße das Viertelfinale. Dort wartete übrigens wie schon damals auf der Anlage des TC Top Serve ein gewisser Martin Mayerhofer, der sich mit einem erfolgreichen Doppelpack für das zweite Jänner-HTT-500-Viertelfinale seiner Karriere nach 2009 (Niederlage gegen Mario Kiss) qualifizierte.

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Serbiens Jungstar Filip Markovic revanchiert sich bei Martin Mayerhofer für die Viertelfinal-Pleite beim Juli-HTT-250-Turnier

Zunächst deklassierte der 25jährige August-HTT-250-Finalist in Runde 1 einen leicht verkühlten Thomas Pratsch und feierte damit seinen 60. Karriere-Einzelsieg. Der Rasen-Challenger-Champion war mit 3:6, 0:6 ohne Chance, genauso wie eine Runde später der Steirer Josef Winkler, der beim 2:6, 1:6 zwar nicht mehr Games als Pratsch an Land ziehen konnte, dennoch besser und überzeugender als der Linkshänder wirkte. Alles in allem war Mayerhofer aber zum Saisonauftakt eher problemlos ins Viertelfinale spaziert, wo nun eben jener junge Mann aus Serbien wartete, den er im letzten Sommer recht brutal mit 6:1 und 6:3 aus seinem Tour-Debüt riss. Markovic hatte damals scheinbar so wenig Eindruck bei seinem Bezwinger hinterlassen, dass sich dieser nicht mal mehr an den 17jährigen erinnern konnte. Ganz anders der neue serbische Hoffnungsträger der HTT, der sich sehr wohl an diesen heißen Samstag im Juli erinnern konnte, und der förmlich auf Revanche brannte. Die ihm am Ende dann auch gelang, weil Mayerhofer im Finish des ersten Satzes bei 5:6 sein Service nicht halten, und in der Folge auch spielerisch nicht mehr entscheidend zusetzen konnte. Damit war der 7:5, 6:3 Erfolg des Juniors Gewissheit, und die erste größere Sensation des neuen Tennisjahres perfekt. Die Nr. 195 der HTT-Computer-Rangliste im Semifinale des Jänner-HTT-500-Turniers, damit hätten wohl nicht einmal die allergrößten Optimisten gerechnet.

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Wie unbekannter Nobody die Nummer 1 des Jänner-HTT-500-Turniers ärgern konnte

Wobei die Night-Session am gestrigen zweiten Spieltag beinahe eine noch viel größere Sensation geliefert hätte. Die Nummer 1 des Turniers Franz Mayrhuber hatte den Centercourt im UTC La Ville betreten, um sich bei seiner Saison-Premiere gegen den weitgehend unbekannten Harald Weikl für den viertelfinalen Schlager gegen Thomas Müller “einzuspielen”. Doch schon nach einer schwachen halben Stunde, wurde aus der vermeintlich lockeren Aufwärmübung, ein ernster Test für die Nummer 3 der Hobby-Tennis-Tour. Mayrhuber war von dem ihm völlig unbekannten Gegner sichtlich überrascht worden, und obendrein von dem entfesselt aufspielenden Underdog aus Laxenburg mit 6:1 fast vorgeführt. Weikl untermauerte wieder einmal das Phänomen, dass man immer wieder zu sehen bekommt, wenn eigentlich chancenlose Außenseiter ohne Druck und Erwartungshaltung gegen die Top-Stars der Szene in den Ring steigen. Der 29jährige ging unbekümmert in dieses Achtelfinale, hämmerte jeden Ball mit vollem Risiko und voller Wucht ins Feld seines Gegners, und wurde damit sogar belohnt. Weikl hatte umgangssprachlich beinahe jede Kugel getroffen, während Mayrhuber einerseits überrascht von der Spielstärke des Herausforderers, auch selbst einen seiner ab und zu einmal auftauchenden Durchhänger hatte. “Als ich bei 1:3 endlich zu meinem Spiel fand, traf der Kerl da drüben einfach jeden Ball”, staunte Mayrhuber. Mit Klasse und Routine stellte der 47jährige Ausnahme-Athlet mit 6:2 aber prompt den Satzausgleich her, womit ein dritter Druchgang die Entscheidung bringen musste. Am Ende war es wieder ein 6:2 für den Masterssieger von 2009, mit dem Mayrhuber seinen Platz im Viertelfinale sicher stellte. Allerdings war Mayerhubers Aufstieg vorallem zu Beginn des Satzes weit weniger souverän ausgefallen, als er letztlich auf dem Papier nun aussieht. Weikl hatte wieder zu seinem “Alles oder Nichts-Tennis” gefunden, und dem Routinier damit bange Moment beschert. Drei Breakchancen im allerersten Game des dritten Satzes ließ Weikl genauso aus, wie kurz darauf ein 40:0 bei eigenem Aufschlag. Als krönenden Höhepunkt der letztlich ausgelassenen Chancenflut vernebelte Weikl einen kinderleichten Überkopfball, den er ohne Risiko ins Feld des längst ausgespielten Gegners fast blind hätte platzieren müssen. Statt 2:0 in Front lag der Laxenburger plötzlich 0:2 zurück. Was ihn im Nachhinein noch mehr ärgerte, schaffte er es doch tatsächlich, dem großen Favoriten bis auf 2:2 auf die Pelle zu rücken. “Schade, ich hätte auch 4:0 führen können”, trauerte Weikl später der kuriosen Anfangsphase des dritten Satzes nach.

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Franz Mayrhuber gewinnt im Viertelfinal-Schlager zweier ehemaliger Ranglisten-Erster auch das siebente direkte Duell gegen Thomas Müller

So kam es am Ende eines langes Tennistages im letzten Match des Abend zum großen Duell um den letzten offenen Semifinalplatz zwischen den beiden ehemaligen Ranglisten-Ersten Franz Mayrhuber und Thomas Müller, der sich unmittelbar davor gegen Challenger-Star Andreas Tolunay vom TC Terra Rossa klar in zwei Sätzen durchsetzen konnte, und schon vor dem Viertelfinal-Hit mit Mayrhuber einen gelungenen Saisonstart 2012 zu bejubeln hatte. Nach vier Erstrunden-Niederlagen in Serie war Müller nicht nur mit dem Erreichen des Viertelfinales zufrieden, sondern vorallem mit der Art und Weise, wie er sich zum Auftakt in Runde 1 gegen einen äußerst spielstarken Sören Forster präsentierte. Diese Vorstellung sowohl in spielerischer als auch in kämpferischer Hinsicht machten Mut, dass es im siebenten Duell mit dem Angstgegner womöglich erstmals überhaupt zu einem Sieg reichen könnte. Zuversichtlich stimmte den 41jährigen vom WAC aber nicht nur die aktuelle Form zu Beginn des Jahres, sondern auch der Gedanke an die bislang letzte Partie der beiden Top-Stars vor mehr als einem halben Jahr. Auch damals stand man sich beim UTC La Ville gegenüber (allerdings auf Sand im Freien) und auch damals duellierte man sich in einer spannenden Night-Session unter Flutlicht. Im sechsten Treffen der beiden ehemaligen Ranking-Leader gelang Müller damals nicht nur der erste Satzgewinn, nein er war auch richtig knapp dran am allerersten Erfolg über den Slice-König der HTT. Dementsprechend hoch waren Müllers Erwartungen, die er am Ende des Tages trotz 5:7, 3:6 und der siebenten Niederlage im siebenten direkten Duell ergebnistechnisch nicht ganz erfüllen konnte. Dennoch durfte der “Wimbledonsieger von 2009” durchaus zufrieden sein. Auch gegen Mayrhuber zeigte sich “Tom Turbo” spielstark, mit einer Mischung aus sicherem Grundlinientennis und atttraktiven Netzattacken auch kreativ wie kaum ein anderer im Feld. Dazu scheint er körperlich und mental um einiges stärker als in den beiden verkorksten vergangenen Saison, was ein durchaus erfolgreiches 2012er Tennisjahr für den ehemaligen Rasenkönig verspricht.