Mocker-Triumph beim Future-Tour-Final 2015 im UTC La Ville

Moritz Mocker hat bei der 3. Auflage der Future-Tour-Finals im UTC La Ville seinen bislang größten Karriere-Erfolg erobert. Der erst 15jährige vom ASVÖ SC Wien bezwang in einem sehenswerten und für Future-Verhältnisse bemerkenswert hochklassigen Endspiel die britische Nummer 2 der Hobby-Tennis-Tour Christian Cummins in 1:59 Stunden Spielzeit mit 5:7, 6:1, 6:3, und feierte damit nur drei Wochen nach seinem Premieren-Erfolg beim Oktober-Future den zweiten Titel seiner noch jungen HTT-Laufbahn. “Momo” – wie er unter Freunden gerufen wird – ist damit nach Martin Haslinger im Jahre 2013 der zweite Future-Final-Champion, der sich im zarten Alter von nur 15 Jahren den Titel bei einem der drei HTT-Final-Events sichern konnte, während Englands Chris Cummins am Versuch scheitert, nach dem spanischen Vorjahreserfolg durch Luis Agullo Castell, für einen zweiten internationalen Future-Final-Erfolg in Serie zu sorgen. Ein Bericht von C.L

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Moritz Mocker gewinnt dreifaches Jubiläums-Turnier

Der große Triumphator und Abräumer beim Future-Final 2015 im UTC La Ville heißt Moritz Mocker. Der 15jährige krönte am Dienstag Abend in der supermodernen Traglufthalle des UTC La Ville ein grandios verlaufendes Saisonfinish, und sicherte sich beim Saisonfinale der erfolgreichsten Future-Stars des Jahres neben dem prestigeträchtigen Titel auch noch eine mächtige Silber-Trophäe und einen pompösen Siegerscheck, der ihm für 2016 ein komplettes Gratisjahr auf der HTT bescherte. Mocker siegte zudem bei einer dreifachen Jubiläums-Veranstaltung, war das Future-Tour-Final doch das 950. Single-Event der Open Era, gleichzeitig das 330. Hallen-Turnier der Geschichte und bereits der 115. Saisonbewerb in der in zwei Wochen mit dem HTT-Masters zu Ende gehenden Saison.

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Mocker holt im ersten Satz drei Mal ein Break auf, muss sich aber schließlich nach 55 Minuten mit 5:7 geschlagen geben

Am Ende eines fantastischen Tennis-Abends lagen sich drei Generationen des Mocker-Tennisclans am Centercourt des UTC La Ville in den Armen. Sohnemann Moritz hatte gerade den ersten Matchball verwandelt, als er im Jubelmeer seiner Box mit Papa und Opa versank. Und das vollkommen zu Recht, denn was der 15jährige in den knapp zwei Stunden zuvor seinem in der Halle vor Ort mitzitternden Anhang präsentierte, war eine mehr als reife, abgebrühte und spielerisch überaus gelungene Darbietung. Eine, die man dem Jungstar vom ASVÖ in dieser Form gar nicht zugetraut hatte, und die für Insider und Experten durchaus auch überraschend kam. Und zunächst lief das wichtigste Saisonfinale auf Future-Ebene für den Teenie-Star auch gar nicht nach Wunsch. Zwar gelang “Momo” drei Mal in Folge das Kunststück, ein jeweils unnötig kassiertes Break mit einem prompten Re-Break auszugleichen, beim vierten Versuch und 5:6 aber spielte Cummins seine ganze Routinie aus, und brachte sich mit der in 55 Minuten errungenen 1:0 Satzführung auf die vermeintliche Siegerstraße. Gerade noch rechtzeitig zum zwölften und letzten Game des ersten Satzes waren auch die Eltern von Cummins in der Halle eingetroffen, und sie sahen einen lockeren und viel Zuversicht ausstrahlenden Sohn, der sich anschickte seinen dritten Saisontitel zu erobern.

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In nur 29 Minuten ist Moritz Mocker zurück im Titelrennen

17 Minuten später hatten die Cummins-Hoffnungen einen ersten Dämpfer erlitten, lag Englands einziger HTT-Saison-Champion doch mit gleich zwei kassierten Breaks rasch mit 0:4 zurück. Das eine letztlich gelungene Re-Break zum 1:4 war aus Sicht des Briten aber nur von kosmetischer Natur, und färbte einen eigentlich total verpfuschten und katastrophal gelaufenen zweiten Satz nicht komplett tief-schwarz. Denn helle Momente hatte der 36jährige in diesem zweiten Durchgang vor den Augen seiner aufgeregt mitfiebernden – und nur für drei Tage in Wien weilenden – Eltern nicht. Lediglich 29 Minuten hatte Mocker benötigt, um sich mit 6:1 zurück ins Titelrennen zu bringen, während Cummins mit 22 unerzwungenen Fehlern bei nur 6 erzielten Punkten den Anfang vom Ende beinahe selbst einleitete. Auffallend auch die Horror-Quote von sage und schreibe 0 Prozent an Punkten nach dem zweiten Aufschlag. Trotzdem kam im Cummins-Lager keinerlei Panik auf, zumal auf der anderen Seite des Netzes ja ein 15jähriger nach den kleinen gelben Filzkugeln fischte, und der – so dachte man – würde in einem allesentscheidenden dritten Satz eines so wichtigen und prestigeträchtigen Endspieles wie jenem beim Future-Tour-Final schon noch das große Zittern bekommen.

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Mocker mit ganz abgebrühter und nervenstarker Vorstellung im Entscheidungssatz

Doch Mocker behielt in allen kritischen Phasen dieses dritten Satzes nicht nur die Nerven, sondern in extrem cooler Art und Weise auch “Touch & Konstanz”, die er sich im zweiten Satz erarbeitet hatte. Ein frühes Break zum 1:0 und ein gehaltenes Aufschlag-Game zum 2:0 gaben die nötige Sicherheit und jede Menge zusätzliches Selbstvertrauen, mit dem er im weiteren Verlauf des dritten Satzes dann auch die folgenden engen Phasen einer möglichen Trendwende bravourös meisterte. So zum Berispiel, als er einen Breakball zum 3:0 vorfand, und Cummins ausgerechnet mit einem für Mocker unerreichbaren Netzroller antwortete. Der Brite legte nach, zauberte einen unglaublichen Vorhand-Cross-Passierball aus dem Handgelenk, und riß seine Eltern mit einem hinterher geschossenen Vorhand-Winner von den Sitzen. Ein lautes “Come on Christian” hallte durch den Ballon am Dr. Karl Waltl Weg, doch diese Szenen blieben bei “Momo” ohne der erwarteten Wirkung. Genauso wie Minuten später, als Mocker ein von Cummins großartig gespieltes Return-Game als Re-Break zum 3:3 hinnehmen muss. Mocker schlug bombastisch zurück, holte sich zu Null das nächste und letztlich alles entscheidende Break zum 4:3. Ein Game als “Meisterprüfung”, denn damit hatte Cummins wohl erkannt, dass sein 15jähriges Gegenüber trotz der immensen Wichtigkeit dieses Tennisabends nicht ins Wanken geriet. Im Stile eines abgebrühten Routiniers erledigte “Momo” dann auch seinen Job im achten Game des Entscheidungssatzes, als er einen Breakball von Cummins zum 4:4 mit einer seidenweichen Slice-Rückhand entschärfte, und gleich darauf einen atemberaubenden Volley zum 5:3 setzte. Längst hatte Mocker den gesamten Druck über das Netz auf seinen britischen Kontrahenten geschoben, und der knickte auch prompt ein. Nervös servierte er seinen fünften und letzten Doppelfehler zum 15:40, und auch den ersten Matchball Mockers verwandelte Englands Nr. 2 höchst persönlich mit einem Rückhand-Fehler, der als insgesamt 75ster in der Match-Statistik des Briten aufschien.

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Moritz Mocker: “Es ist eine große Ehre für mich, ein solches Turnier gewonnen zu haben”

Mocker hingegen hatte mit seinem 100. Punkt den größten Erfolg seiner Karriere fixiert, und mit dem imaginären Preisgeldscheck von 2.500,– Euro – für eine gesamte HTT-Saison ohne Nenngeld – die höchste Börse seiner noch so jungen Laufbahn eingestreift. “Nach diesem Sieg fällt mir natürlich ein riesiger Stein vom Herzen. Es war in so kurzer Zeit jetzt das zweite HTT-Finale, das ich für mich entscheiden konnte. Es war eines meiner besten Matches bisher gegen einen sehr starken und überaus fairen Gegner. Nach dem ersten Satz hatte ich kurze Zweifel, aber dann habe ich immer wieder zum Siegespokal geschaut und war so wieder top motiviert. Es ist eine große Ehre für mich, ein solches Turnier gewonnen zu haben. Ein Jahr gratis Hobby-Tennis-Tour zu spielen, ist natürlich der Wahnsinn. Und ich werde das auch voll ausnützen, denn die HTT ist eine super motivierende Tour mit hohem Niveau und toller Organisation. Ich möchte mich an dieser Stelle auch noch bei meinem Trainerteam und meiner Familie bedanken”, zeigte sich Moritz Mocker in einer ersten Stellungnahme rundum glücklich.

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Die Stimmen zum Finale aus dem britischen Lager

“Ich bin natürlich enttäuscht aber auch sehr stolz, dass ich heute bis zum letzten Punkt gekämpft habe, weil mein Gegner hat einfach fantastisch gespielt. Ich habe leider zuviele Fehler gemacht, aber der bessere Spieler hat heute letztlich verdient gewonnen”, so der unterlegene Cummins. “Vorallem bei den Überkopfbällen war ich zu fehlerhaft, und er hat zudem kaum Fehler gemacht, und nach einer Weile hatte ich auch gar keinen Plan mehr, wie ich Mocker hätte schlagen können. Er hat einfach alle Bälle zurückgebracht. Mocker ist noch extrem jung, ich denke er hat eine große Zukunft vor sich”, so der 36jährige, der sich aber stolz und glücklich zeigte, dass er vor den Augen seiner aus England angereisten Eltern spielen konnte. “Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, dass meine Eltern heute bei diesem Finale dabei waren”, erklärte der 2fache Future-Saison-Champion. Und auch die angesprochenen Eltern von Chris Cummins äußerten sich zum Auftreten ihres Sohnes: “Ich bin sehr stolz wie Christian gespielt hat, zumal ich seinen jungen Gegner sah, und der hat kaum Fehler begangen. Er spielt wirklich außerordentlich gut. Wir haben jede Minute dieses Finales genoßen”, so die Cummins-Mother. “Ich hatte eine tolle Zeit heute hier beim Finale. Natürlich wollte ich das Christian gewinnt, ich bin sein Vater. Aber ich denke auch, dass sein junger Gegner hervorragend gespielt hat, vorallem auch sehr konstant mit wenigen Fehlern. Es war toll anzusehen dieses Finale, und am Ende des Tages war es wohl das gerechte Resultat”, urteilte Papa Cummins.

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