Turnierfavoriten im Viertelfinale

Die ersten Viertelfinalisten beim Juni-Without-Top-Ten-Turnier stehen fest. Mit Mario Eberhard, Christian Schindler und Christoph Kramer haben sich großteils die Favoriten für die Runde der letzten Acht qualifiziert. Dazu kommt mit Jelena Trifunovic noch die einzige Dame im Feld, die u.a vom neuerlichen Comeback-Abbruch des Patrick Schwing profitierte. Ein Bericht vom 2. Spieltag beim Juni-Without-Top-Ten-Turnier von C.L

Christoph Kramer weiter souverän und mit Karriere-Einzel-Match Nr. 130

Gleich vorweg: Der zweite Turniertag beim 10. Saisonevent der Hobby-Tennis-Tour verlief für die Debütanten nicht so erfolgreich wie der Eröffnungstag. Doch dazu ein wenig später. Denn die Schlagzeilen des “Super-Samstags” produzierten die arrivierten Stars der Szene. Allen voran das Duo Kramer-Schindler, das beinahe im Gleichschritt das Viertelfinale erreichte. Christoph Kramer setzte nach seinem souveränen Sieg vom Vortag über Christian Mersich seinen Erfolgsrun durch den Juni-Without-Top-Ten-Raster auch am Samstag fort. Der 23jährige feierte in seinem 130. Karriere-Match neuerlich einen Sieg ohne Satzverlust, diesmal gegen Richard Kerschenbauer. 6:1, 6:4, die Glückszahlen die dem Aufschlagriesen beim 4. Juni-Without-Top-Ten-Antreten zum dritten Mal eine Viertelfinalteilnahme sicherten. Das 65. Karriere-Turnier könnte für Kramer zum “goldenen Jubiläums-Auftritt” werden. “Er spielt im Moment mit viel Freude und Selbstvertrauen”, lobte Michael Papousek.

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Christian Schindler erwartet Halbfinal-Duell mit Freund Kramer

Erster Herausforderer Kramers könnte ausgerechnet sein “bester Spezi” und Doppelpartner Christian Schindler werden. Der ebenfalls 23jährige, der wie Kramer derzeit sein 65. Karriere-Turnier bestreitet, kannte in seiner Erstrundenpartie mit Tour-Debütant Vladimir Popovski keine Gnade, und siegte mit 6:1, 6:2. In einer vom heftigen Wind beeinträchtigten Partie am Centercourt diktierte Schindler das Geschehen mit seinen wuchtigen Grundschlägen und seinem erstklassigen Service. So blieb seinem 16jährigen Gegenüber aus Mazedonien meist nur eine Rolle in der Defensive, obgleich der Newcomer speziell von der Vorhand gefälliges Tennis zeigte. “It was not very good” befand der ausschließlich Englisch sprechende Tour-Neuling seinen Premieren-Auftritt. Schindler hingegen war froh, einerseits das Achtelfinale erreicht, und andererseits die Ungewißheit ob des großen Unbekannten hinter sich zu haben. Eine knappe halbe Stunde später stand der 23jährige sogar im Viertelfinale, und dass ohne große Kraftanstrengung. Achtelfinalgegner Thomas Nemetz musste mit einer akuten Sehnenscheidenentzündung im Handgelenk des Schlagarmes vorzeitig aufgeben. “Er hat mir dreimal hart auf den Schläger serviert, da habe ich die Schmerzen wieder gespürt. Ich will einfach kein Risiko eingehen”, begründete Nemetz seine Aufgabe. Noch einmal zurück zum Duo Kramer-Schindler, das am Abend vor dem Turnierraster stand und sich geistig bereits mit einem Duell im Halbfinale auseinandersetzte. “Ich glaube es läuft auf ein Match zwischen uns hinaus”, skizzierte Schindler seine Erwartungen für den weiteren Turnierverlauf. Und das Juni-Without-Top-Ten-Turnier war auch der Schauplatz des bislang einzigen Aufeinandertreffens der beiden “Gösser-Brothers” . 7:6, 7:6 holte sich Kramer vor exakt 5 Jahren das Viertelfinalduell bei der ersten Ausgabe des Juni-Without-Top-Ten-Turniers. Sollte es im Semifinale tatsächlich so weit kommen, dass sich Kramer und Schindler wieder einmal gegenüber stehen, dann würde sich ausgerechnet hier bei diesem Turnier der Kreis schließen.

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Mario Eberhard im Viertelfinale und mit Verbal-Attacke gegen Berzengi

Der Rekordteilnehmer des Juni-Without-Top-Ten-Turniers Mario Eberhard steht zum dritten Mal nach 2001 und 2004 im Viertelfinale. Der Dauerläufer sorgte in einer emotionsgeladenen Achtelfinalpartie gegen Nihad Berzengi für seinen zweiten Dreisatzsieg innerhalb von 24 Stunden. Das zweite Duell der beiden Akteure auf der Tour wurde wie schon das erste Treffen erbittert und emotional geführt, und es endete wie die erste Begegnung mit einem knappen Sieg des 5fachen Juni-Without-Top-Ten-Starters. Eberhard legte Tempo und Richtung im ersten Satz vor, Berzengi konterte mit Einsatz und Leidenschaft in Durchgang 2, ehe das Duell um einen Platz im Viertelfinale in Heat Nr. 3 auf die emotionale Schiene geriet. Beinahe interessanter als die Tennisschlacht auf dem Court, entwickelte sich das Nachspiel, welches zum verbalen Schlagabtausch wurde. “Er ist ein ganz arger Typ. Im dritten Satz hat er mit serienweise Bälle out gegeben, die einen Meter innerhalb des Feldes waren. Da haben ihn schon die Leute vom Nebenplatz overruled. Dann hat er sich bei Doppelfehlern von mir gefreut und sich gepusht. Ich glaube so was macht man auf einem Tennisplatz nicht. Aber es hat schon vor dem Spiel begonnen. Da wollte er unbedingt am Centercourt spielen. Ich frage mich, was er am Centercourt will. Dazu muss er einmal besser Tennis spielen und nicht mit diesem Hausfrauentennis herumschupfen”, verteilte Eberhard eine saftige Breitseite an seinen Gegner. Berzengi kümmerte die verbale Ohrfeige seines ungeliebten Bezwingers freilich reichlich wenig. Kein Kommentar und volle Konzentration auf das Doppel an der Seite von Jelena Trifunovic, lautete das Motto des im Moment krisengeschüttelten 16jährigen.

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Tour-Debütant Peter Golser trotz Zweitrunden-Debakel zufrieden

Apropos Trifunovic. Der einzige weibliche Turnierteilnehmer steht auch bereits im Viertelfinale. Die Mai-Grand-Slam-Achtelfinalistin profitierte zunächst vom neuerlichen Comeback-Abbruch des Patrick Schwing, ehe sie im zweiten Single mit Tour-Debütant Peter Golser kurzen Prozess machte. 6:0, 6:1, die 16jährige fegte mit der gleichen Geschwindigkeit über ihren Gegner hinweg, wie der lästige Sturm über die Anlage in der Leberstraße. Den führte nach Spielende auch der Verlierer ins Treffen, um fairer Weise sofort aber auch die erstklassige Leistung seiner Bezwingerin zu loben. “Es war heute sehr schwierig mit diesem Sturm zu spielen. Ich bin mit diesen Verhältnissen überhaupt nicht zu Recht gekommen. Aber vermutlich ist die hohe Niederlage nicht nur auf den Wind zurück zu führen. Wahrscheinlich spielt Jelena auch so gut”, meinte Golser, der dennoch mit seinem Tour-Debüt zufrieden war. Zwei Spiele im Einzel ein Doppel mit Marin Zwetkow und jede Menge freies Tennis zauberten ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht des Tour-Neulings aus Wien-Neubau. “Ich habe einen großartigen Tennistag verlebt, werde die Tour sicher weiter empfehlen und auch selbst wiederkommen”, verabschiedete sich Golser.

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Podhradsky endgültig bester Newcomer beim Juni-Without-Top-Ten-Turnier

Von Abschied noch lange nicht die Rede ist beim bislang erfolgreichsten Tour-Neuling Mathias Podhradsky. Der 19jährige aus Deutsch Wagram gewann auch sein zweites Match beim Juni-Without-Top-Ten und qualifizierte sich durch ein 6:4, 6:2 über Johann Krammer für das Achtelfinale. Auch dieses Duell litt unter den extremen Windbedingungen, wie die beiden Protagonisten im Anschluss bestätigten. “Es war nicht lustig, aber andererseits soll das keine Ausrede sein, weil die Verhältnisse für beide Spieler gleich schlecht waren”, zeigte sich der Oldie fair. Sein über 40 Jahre jüngeres Gegenüber aus Niederösterreich zog nur ein Kurzresümee um dann schon den Blick in Richtung Achtelfinale zu richten. “Es war die erwartet schwere Partie. Weil Krammer dieses extrem gefährliche Alt-Herren-Tennis spielt, mit dem ich bislang nie so gut zurecht gekommen bin. Im Achtelfinale zu stehen ist eine gute Sache”, meinte Podhradsky ehe er sich nach Helmut Gruna, seinem nächsten Gegner erkundigte. Der zeigte sich beim 6:1, 7:6 Sieg über Jakob Kerschenbauer einmal mehr als absoluter Juni-Without-Top-Ten-Spezialist. Wo er bei anderen Turnieren reihenweise Auftaktniederlagen einfährt, sorgte “Helmi” hier immer für Erfolge. Zum 3x beim dritten Antreten steht Gruna in der zweiten Runde und nach dem neuerlichen Sieg präsentierte sich Helmut in blendender Laune. “Jetzt gehe ich auf den Turniersieg los”, posaunte er. Ganz andere Töne also, als nach der Erstrundenniederlage gegen Renee Glatzl beim Mai-Grand-Slam, wo er sein Karriere-Ende in Aussicht stellte, und die Tour-Homepage mit der Schlagzeile “Glatzl schickt Gruna in Pension” titelte.

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Nemetz mit Comeback unzufrieden und Neuling Zwetkow mit Auslosungspech

Der Glatzl-Junior war übrigens am Samstag auch im Einsatz, legte beim 3:6, 6:2, 4:6 gegen Thomas Windisch neuerlich eine Talentprobe ab, haderte nach dem Spiel aber mit dem knappen Ergebnis. Ebenfalls am Resultat, allerdings nicht an einem knappen sondern an einem ziemlich eindeutigen hatten die Herren Krendl, Zwetkow und Meinhart zu knappern. Krendl kassierte gegen Richard Kerschenbauer mit 0:6, 0:6 die “Brille”, während Zwetkow der in Bulgarien geborene Tour-Newcomer mit der Auslosung Pech hatte. Viele der zur gleichen Zeit wie er im Einsatz befindlichen Spieler hätte er geschlagen, doch der Kolomaznik-Bekannte musste ausgerechnet mit einem der Turnierfavoriten Bekanntschaft machen. Ermin Dzafic, immerhin 2facher Turniersieger auf der Tour siegte 6:0, 6:1 und machte sich abseits des Courts seine Gedanken über das derzeit stattfindende Turnier. “Das ist sicher das mit Abstand am schlechtesten besetzte Without-Top-Ten-Turnier der letzten Zeit”. Dieser Meinung wird Patrick Meinhart wohl nicht sein. Der 2fache Future-Tour-Sieger hatte gegen Thomas Nemetz keine Chance, und unterlag im Duell der Linkshänder klar mit 1:6, 2:6. Das 85. Karriere-Spiel im 55. Turnier seiner Laufbahn, vorallem aber das erste Match seit 11. November des Vorjahres stellte Nemetz bei seinem Comeback wenig zufrieden. “Patrick hat viele Fehler gemacht, und bei diesem Wind war das Spielen heute auch kein Vergnügen”. Ähnlich souverän wie Nemetz qualifizierte sich auch Jaswinder Saroy für das Achtelfinale. Der Inder wirkte im Duell mit Junior Thomas Hauser im ersten Satz “konsequent” und im zweiten Durchgang “verspielt”. Resultat daraus war ein 6:2, 7:6 Sieg, der ihm ein Sonntags-Treffen mit Teamkollegen Thomas Windisch beschert.

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Papousek weiter in der Krise

Für zwei renomierte Tour-Cracks kam am Samstag gleich zum Auftakt das Aus. Michael Papousek musste sich in einer wenig berauschenden Centercourt-Partie gegen November-Without-Top-Ten-Finalisten Walter Posteiner geschlagen geben. Die 2:6, 3:6 Schlappe eines allerdings gesundheitlich nicht voll auf der Höhe befindlichen einstigen Topspielers, läßt Wehmut an alte vergangene Zeiten aufkommen. Wo sind sie die Tage, als die einst mächtigste Vorhand der Tour Spieler wie Florian Urach, Franz Kastler oder Sören Forster “verprügelt” nach Hause schickte. In jüngster Vergangenheit setzt es hingegen nur noch “Prügel” für Papousek, der sich mit intensivem Boxtraining aber noch einmal für die Tour in Form bringen möchte. “Mit dem Wind heute war es sehr schwer. Das Match war ohne Niveau, weil es den Walter wohl auch nicht sonderlich gefreut hat”, zog “Michl” eine Kurzbilanz.

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Topstar Patrick Schwing neuerlich verletzt

“Tennis und Patrick Schwing”, was einst eine geniale beinahe unschlagbare Kombination auf der Hobby-Tennis-Tour war, scheint derzeit ein “Drama in mehreren Akten” zu sein. Der 16jährige ehemalige Ranglisten-Erste scheint augenblicklich beim Tennis kein Glück zu haben. Auch der dritte Comebackversuch nach seiner Meniskusoperation endete ohne Erfolg und zum zweiten Mal vorzeitig mit einem Abbruch. Nachdem der 14fache Turniersieger beim April-Without-Top-Ten-Turnier ohne Spielpraxis eine Erstrundenniederlage gegen Michael Schremmer kassierte, musste der 2fache Hallen-Grand-Slam-Sieger vor 14 Tagen unmittelbar vor dem Mai-Grand-Slam-Turnier seine Nennung zurückziehen. Der neuerliche Versuch, über die Without-Top-Ten-Schiene ins Tourgeschehen zurückzukehren, endete am Samstag Mittag abermals mit einem Abbruch. Gegen Jelena Trifunovic musste der als Topstar des Turniers gehandelte Patrick beim Stand von 1:0 mit neuerlichen Schmerzen den Platz verlassen. Ein souveränes Aufschlagspiel mit gewohnt krachenden Aufschlägen jenseits der 180 km/h-Marke, sorgte zunächst für staunendes Kopfschütteln bei den Zusehern. Doch drei Minuten später ging der Favorit “kopfschüttelnd” vom Platz, und gratulierte seiner verdutzten Gegnerin zum Aufstieg. Die “kluge” Jelena zeigte dem einstigen Trainingspartner aus Kinderzeiten mit einem Stopp und einem Longline seine “läuferischen Grenzen” mit der scheinbar nicht ausgeheilten Verletzung auf. “Das zipft mich schon ärgstens an. Im Sommer lasse ich mit alles rausschneiden aus dem Knie”, war der 16jährige gleichzeitig verärgert und enttäuscht. Eine Reaktion die nur allzu verständlich ist, wenn man aufgrund gewisser Umstände nicht und nicht die Leistungen bringen kann, die man von sich selbst gewohnt ist. “Tennis ist im Moment wie verhext für Patrick”, meinte Mama Schwing treffend.

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Claus Lippert, 11. Juni 2006