Masters hievt sich am dritten Spieltag aus Mini-Krise

Das Semifinale beim 17. Masters 2006 steht fest. Mit den Paarungen Bernhard Nagl gegen Michael Kunz und Andreas Harbarth gegen Martin Kova wurden einige Tour-Insider unter ihnen auch Christoph Wagner in ihren Tipps bestätigt. Mit dem dritten Spieltag beim Saisonabschluss der Top 8 hievte sich das Turnier aber auch aus seiner “Mini-Krise” vom Freitag, kam es doch zum Abschluss der Vorrundenphase immerhin zu drei spannenden, teilweise recht hochklassigen Matches um den Halbfinalaufstieg. Eine Zusammenfassung des dritten Masters-Spieltages von C.L

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Entscheidungsspiel zwischen Ebner und Kunz endet im dritten Satz mit Abbruch

Am Freitag Abend noch, stand die 17. Masters-Auflage unter heftiger Kritik von Selak & Co, 48 Stunden später rehabilitierten sich Nagl & Co mit einem gelungenen, knapp über siebeneinhalb Stunden dauernden Auftritt für die “schwache Freitag-Abend-Show”. Dennoch war an diesem dritten und letzten Spieltag der Gruppenphase nicht alles “eitle Wonne”, endete die Vorrunde doch mit einem kleinen “Skandälchen”. Die für den Aufstieg ins Semifinale entscheidende Begegnung der roten Gruppe zwischen Jänner-Without-Top-Ten-Sieger Hans Ebner und dem 4fachen Saison-Champion Michael Kunz musste beim Stand von 6:4, 5:7, 3:2 für Ebner abgebrochen werden. Grund dafür war die abgelaufene Zeit am für drei Stunden bestellten Court Nr. 3. Da zur Zeit des Unterbruchs kein weiterer freier Platz zur Verfügung stand, entschloss sich Hans Ebner “trotz Führung” auf eine Fortsetzung des Entscheidungsspieles zu verzichten. Das Angebot, den dritten Satz nach der Parallelpartie Nagl gegen Liu oder am Montag vor dem Semifinale fortzusetzen, lehnte der Ranglisten-Dritte ebenfalls ab. “Ich hatte einen gewaltigen Lauf. Ich bin mir auch sicher, dass ich nach einer Unterbrechung nicht mehr jene Form hätte ausspielen können. Schon gar nicht am Montag Abend”, lautete die Begründung des Korneuburgers. Und in der Tat, war es höchst bedauerlich, wie die Neuauflage des November-Grand-Prix-Finales zwischen Hans Ebner und Michael Kunz um den zweiten Aufstiegsplatz in der roten Gruppe zu Ende ging. Eine Stunde und 12 Minuten waren zum Zeitpunkt des Abbruchs erst gespielt, und dennoch standen die beiden Tour-Stars in ihrem Schlagabtausch um ein Halbfinal-Ticket bereits Mitte des dritten Durchgangs. “20 Minuten haben uns gefehlt”, waren sich Hans und Michael einig.

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Neuauflage des November-GP-Finales wird zum hochklassigen “NÖ-Derby”

Davor zogen die beiden ältesten Masters-Teilnehmer im Niederösterreich-Derby eine perfekte Hallenshow ab. Vor 5 Tagen deklassierte Kunz im Endspiel des November-Grand-Prix-Turniers seinen zwei Jahre älteren Gegner in nur 35 Minuten mit 6:2 und 6:0. Ebner war dabei nahezu chancen -und ratlos, wie er beim Masters die “Hürde Kunz” wohl überspringen wird können. “Ich habe keine Ahnung wie ich das machen werde, ich muss mir erst etwas überlegen”, wirkte Ebner damals planlos. Doch in der 5tägigen Phase des Überlegens, dürfte Ebner den perfekten Plan ausgearbeitet haben, um das (Aufschlag)Bollwerk Kunz auszuschalten. Der Korneuburger retournierte Klassen stärker als am vergangenen Dienstag, und er stellte sich um einiges besser ein auf die Service-Granaten seines Gegners als beim Final-Debakel vor 5 Tagen. Lohn dafür war im dritten direkten Duell mit dem Deutsch Wagramer der erste Satzgewinn. Und Ebner ließ sich vom großen Ziel, mit seinem 42. Saisoneinzelsieg das Halbfinale beim Masters zu ereichen auch nicht durch den Satzausgleich abbringen. Im Gegenteil, schien ein hochkonzentrierter und topmotivierter Ebner einem müde wirkenden Gegenüber im alles entscheidenden dritten Heat die “Butter vom Brot” zu nehmen, ehe das kurioseste Spielende einer Masterspartie folgte. Zwar versuchte Ebner noch den nachfolgenden fremden und “weniger talentierten Tennisspielern” auf Court 3 den Platz abzukaufen, doch als auch dieser Versuch scheiterte, begab sich der Tennis-Gentleman der Hobby-Tennis-Tour unter die Dusche.

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Hans Ebner nimmt Abbruch im Stile eines Gentlemans hin

So wie das untypische Spielende ein Novum darstellte, muss man auch die Reaktion Ebners als beispielgebend und ihres gleichen suchend erwähnen. Es wird auch das ein Novum bleiben, wie er “gentleman-like”, stets die Fassung wahrend das Horror-Szenario in eine Allerwelts-Situation verwandelte. Man muss sich das einmal vorstellen. Da spielt einer das ganze Jahr eine phantastische Saison, qualifiziert sich problemlos für das Masters, wahrt dort in einer extrem schweren Gruppe seine Chancen bis zum letzten Vorrundenspieltag, und liegt dann im dritten Satz der Entscheidungspartie in Führung, das große Ziel die Halbfinal-Quali knapp vor Augen. Und was macht Ebner? Er nimmt das ärgerliche Finish seiner Partie unaufgeregt zur Kenntnis, wünscht seinem “imaginären Bezwinger” alles Gute für den weiteren Turnierverlauf, und stellt sich den Fragen des Veranstalters. “Ich habe heute wirklich sehr gut gespielt. Ich war mir schon in den letzten Tagen sicher, dass ich dieses Spiel gewinnen werde. Ich war so gut drauf, richtig warm gespielt, ich hätte Kunz heute im dritten Satz sicher geschlagen, zumindest hatte ich das so im Gefühl. Außerdem war Kunz im dritten Satz schon ziemlich angeschlagen. Er wirkte müde, und ist auf viele Bälle gar nicht mehr hingelaufen. Das mit dem Abbruch ist Pech, aber man sollte daraus kein Drama machen. Ich bin mit dem heutigen Spiel und meiner Leistung sehr zufrieden. Es war ein phantastischer Abschluss einer ganz tollen Saison. Bis Jänner muss ich ein wenig fiter werden, meine Vorhand verbessern, und dann greife ich 2007 wieder voll an”, erklärte Ebner, um Stunden später auch noch in einem Telefongespräch mit dem Veranstalter nochmals festzuhalten, dass er absolut nicht sauer den Heimweg antrat. “Es ist immer schade wenn ein Match so zu Ende geht. Ich kann die Reaktion von Hans aber nicht ganz verstehen, wir hätten das Spiel auf dem Court beenden können. Aber er hat sich eben anders entschieden, und das muss man auch akzeptieren. Ich glaube aber schon, dass ich das Spiel auch so gewinnen hätte können, immerhin war im dritten Satz bis zum Abbruch alles mit dem Aufschlag gegangen. Irgendwie ist die Ungwissheit wie das Spiel geendet hätte da, und das ist ungut. Aber ich hake dieses Thema jetzt ab, konzentriere mich voll auf das Semifinale. Ich muss zugeben, dass ich jetzt doch die Müdigkeit schon spüre. Aber die zwei Tage werde ich mich noch durchbeißen”, so Kunz.

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Harbarth spaziert mit angezogener Handbremse gegen Dzafic durch den Nachmittag

Nicht ganz unschuldig, und zumindest indirekt am Abbruch der Entscheidungspartie der roten Gruppe beteiligt war Andreas Harbarth. Natürlich machte sich der 23jährige, vorzeitig als Gruppensieger feststehende Ranglisten-Vierte keine Gedanken wie lange die Halle gebucht ist, wozu auch, ist das auch nicht seine Aufgabe. Doch der Shooting-Star des Jahres “vertrödelte” noch dazu mit angezogener Handbremse spielend seinen dritten und letzten Vorrunden-Auftritt gegen Ermin Dzafic. Erst nach 91 Minuten kam der 4fache Saisonsieger eiligen Schrittes zum Shakehands ans Netz, schneller zumindest als in so manchem Ballwechsel davor. Harbarth agierte im Schongang, eroberte seinen neunten Einzelsieg in Serie komplett ohne Beinarbeit, und schloss die Gruppenphase mit einem 6:4, 7:5 Erfolg über Dzafic im Stile eines Tennislehrers ab. So schön und so leicht bekam noch keiner der Harbarth-Gegner die kleinen gelben Filzkugeln “serviert”. Dzafic nahm das “moderate drucklose” Spiel seines Gegners dankend an, und feierte seinen Masters-Abschied mit neun gewonnenen Games. Der 23jährige ist aber lange genug in der Szene um zu wissen, wie sein siebenter und vorerst letzter Masterseinsatz einzuschätzen ist. Unmittelbar nach Spielende sagte der Juni-Without-Top-Ten-Sieger zu seinem Bezwinger: “Du hast heute maximal 30 Prozent deines Leistungsvermögens ausgespielt”. Die fehlenden “70 Harbarth-Prozent” wurden am Ende dem Veranstalter und den Herren Kunz & Ebner in Form von 20 fehlenden Minuten zum Verhängnis. “Natürlich ist das ärgerlich, aber er hat das sicher nicht mit Absicht gemacht. Wenn er um die Situation gewusst hätte, dann wäre alles wahrscheinlich ganz anders gekommen. Der heutige Fall macht aber wieder einmal sehr deutlich, wie schwer es geworden ist, in der Halle Tennisturniere zu organisieren”, meinte der Veranstalter, um folgendes Beispiel anzuführen. Das Finale Ebner gegen Kunz vor fünf Tagen dauerte 35 Minuten. Ich bin einmal davon ausgegangen, dass es diesmal wohl eineinhalb Stunden dauern wird. Harbarth hat beim Masters gegen Kunz und Ebner einmal knapp über eine Stunde und einmal 50 Minuten gespielt. Drei Stunden waren daher aus der Erfahrung und vor allem auch aus Kostengründen zu buchen. Harbarth “timte” aber die Spielzeit genau nach seinen Bedürfnissen hin, wie er nach dem Spiel erklärte. “Ich habe um 14 Uhr einen Termin im zweiten Bezirk. So ist sich das schön ausgegangen. Ich habe mich nicht für das Semifinale geschont, sondern für das anschließende Training das noch auf mich wartet”, lachte der Juni-Grand-Slam-Sieger.

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Ermin Dzafic zieht psoitives Masters-Abschluss-Resümee

Der sonntägige Harbarth-Spaziergang bescherte Dzafic also neun unerwartete Games und eine dadurch schwer einzuschätzende Eigenleistung, trotzdem konnte der 23jährige eine positive Abschlussbilanz seines zweiten Masters-Auftritts ziehen. “Ich kann mit meiner heutigen Leistung zufrieden sein. Natürlich ist mir bewusst, dass Harbarth nicht voll gespielt hat. Aber ich habe einige schöne Punkte gemacht. Mein Ziel einen Satz beim Masters zu gewinnen habe ich erreicht, obwohl die Niederlage gegen Kunz noch immer ein wenig schmerzt. Insgesamt war mein Auftritt hier ok, nächstes Jahr werde ich wohl kaum mehr ins Masters kommen”. Dzafic spielte ein wirklich ambitioniertes, freches und druckvolles letztes Vorrundenmatch, punktete immer wieder mit gewaltigen Vorhandschüssen und einer Serie perfekt gespielter Stopps. “Drei, vier Games hätte Dzafic in jedem Fall mit seiner Leistung gemacht und verdient”, lobte auch Harbarth.

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Kova ringt Altsinger in zwei Stunden und 38 Minuten nieder

Wären nicht ab 16 Uhr die Tourspieler Marin Zwetkow und Andreas Riener zu einer doppelstündigen Trainingseinheit im Tennispoint avisiert gewesen, hätte den dritten Masters-Spieltag eine Stunde nach dem “roten Skandälchen” auch noch einer in “blauer Ausfertigung” ereilt. Denn auf Court Nr. 4 waren für die beiden Spiele Kova-Altsinger und Nagl-Liu vier Stunden reserviert, und hätte Martin Kova im ersten Satz seines 35. Einsatzes beim Masters gegen Markus Altsinger den Spielball zur 5:1 Führung verwandelt, dann wäre der Platz wohl eine Stunde leer gestanden. Doch statt einem Kova-Solo wurde aus der für den 2fachen Masterssieger so wichtigen Partie ein insgesamt zwei Stunden und 38 Minuten dauernder Marathon, der mal wenig ansehnlich und dann wieder teils spektakulär über die Bühne ging. Der Beginn freilich war eines Masters-Spieles unwürdig. Zwei Jubilare (Kova im 365. Karriere-Einzel, Altsinger im 85. Match seiner Laufbahn) die wenig in Form und mit noch weniger Selbstvertrauen mit unterschiedlichsten Zielsetzungen in diese, ihre letzte Vorrundenpartie gingen. Altsinger wusste ob seiner beiden bisherigen Niederlagen ohne Satzgewinn von der Bedeutungslosigkeit des Spieles, während Kova die sechste direkte Begegnung mit dem 19jährigen unbedingt gewinnen musste. Umso erstaunlicher war zu sehen, wie verkrampft der eigentlich ohne Druck ins Spiel gegangene Altsinger mehr Fehler produzierte als sein unter Strom stehendes Gegenüber. Eine unansehnliche Fehlerorgie war in der Anfangsphase die Folge, in der Kova um die Spur weniger sogenannte unforced errors produzierte, und so zur erwähnten 4:1 Führung kam. “Ein Winner pro Game war genug, um es auch zu gewinnen. Nur das 5:1 muss ich einfach machen, dann läuft das Spiel ganz anders”, meinte Kova rückblickend. Und es kam ganz anders, weil Kova eben die Chance zum 5:1 nicht nützen konnte, und im Anschluss mit fünf abgegebenen Games auch gleich noch den ersten Satz verlor.

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Martin Kova steht beim neunten Antreten zum sechsten Mal im Semifnale

Ein Satzverlust kann aber einen Martin Kova nicht erschüttern, und so schlecht kann der 23jährige gar nicht spielen, als das er sich mit Kampfgeist und Einsatzwillen nicht noch auf die Siegerstraße bringen könnte. So auch am Sonntag Nachmittag, wo der ehemalige Ranglisten-Erste aber plötzlich nicht nur mit Kämpferqualitäten den Weg zurück findet, sondern seinem Auftritt auch eine spielerische Linie beifügen kann. Und da in diesem zweiten Satz auch Markus Altsinger seine Unform der letzten Spiele ablegen konnte, entwickelte sich ein teilweise recht ansprechendes Tennisspiel auf hohem Niveau, das im Satzausgleich durch einen gewonnenen Kova-Tie-Break endete. Mit der “spielerischen Herrlichkeit” war es aber spätestens im dritten und entscheidenden Heat wieder vorbei. “Da hat man genau gesehen, dass Kova unbedingt gewinnen wollte. Und wenn das der Fall ist, dann beginnt er mit seiner Schupferei. So war es auch gegen mich. Das ärgert mich wirklich”, meinte Spielbeobachter Tashi Liu. Und in der Tat verlegte sich der Masterssieger von 2001 und 2003 total auf Defensive, ließ dabei einen ständig wie wild attackierenden Altsinger zwar die Glanzpunkte in Form von spektakulären Winnern, aber auch so manchen unerzwungenen Fehler machen. Das Game zum 4:2 entschied den bis dahin total ausgeglichenen Satz, indem Altsinger bereits 2:0 führte. “Dann ist bei mir nichts mehr gegangen weil ich einen Stich im Oberarm verspürt habe. Ich vermute es dürfte eine Zerrung sein”, begründete Altsinger das abrupte unspektakuläre Finish. Ein Ende, das Kova bei seiner neunten Mastersteilnahme das sechste Halbfinale bescherte, und in dem der 23jährige zum bereits 4x das Kunststück zu Wege brachte, nach einer Niederlage im ersten Vorrundenspiel doch noch den Einzug unter die letzten Vier zu schaffen. Der große Jubel blieb nach dem schwer erkämpften Arbeitssieg freilich aus, immerhin stand zu diesem Zeitpunkt noch das Liu-Match aus und der Aufstieg daher nicht fest, und außerdem fand Kova seine spielerische Darbietung wenig zufriedenstellend. “Es war kein hochklassiges Match. Ich bin sicher nicht in Topform”. “Als halbwegs versöhnlich” bezeichnete hingegen Markus Altsinger seinen letzten Masters-Auftritt für heuer. “Ich wusste schon vor dem Spiel, dass ich keine Chance auf das Semifinale habe. Daher war mein Ziel, einfach Spass zu haben. Ab Mitte des ersten Satzes bin ich ganz gut ins Spiel gekommen, da konnte ich Martin sehr gut und viel ins Laufen bringen. Leider habe ich den Tie-Break verhaut, aber im Vergleich zu den ersten beiden Partien, war das heute ganz in Ordnung”.

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Tashi Liu vergibt Halbfinale mit einer Dreisatz-Niederlage gegen Titelverteidiger Nagl

Nach 158 schweißtreibenden Minuten gegen Markus Altsinger, die Kova übrigens im sechsten direkten Duell den fünften Erfolg einbrachten, standen für den 29fachen Turniersieger weitere 111 zum Teil recht bange Minuten auf dem Programm. Kova wurde Augenzeuge der abschließenden Vorrundenpartie zum Tag zwischen Titelverteidiger Bernhard Nagl und seinem Gegner im Fernduell um einen Halbfinalplatz Tashi Liu. Was viele Insider erwarteten und Kova insgeheim hoffte, nämlich ein kurzer und schmerzloser Nagl-Sprint trat nicht ein, obwohl der 28jährige Vorjahressieger den ersten Satz mit 6:4 für sich entscheiden konnte. Doch im zweiten Durchgang stellte der Asiate wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis, warum er der “König unter den Fightern” ist. Mit einer sensationellen Performance in Sachen Kampfgeist und Motivation, knöpfte er Nagl als erster Spieler einen Satz ab, und brachte den um sein Ticket bangenden Kova trotz kühler Temperaturen in der Halle gehörig ins Schwitzen. Den zweiten Satz holte Liu aber auch durch eine imposante spielerische Leistung, die den Zusehern unter ihnen Ermin Dzafic imponierte. “Liu spielt das Match seines Lebens”, meinte Ermin und auch Kova lobte: “Tashi spielt wirklich sehr stark heute”. Vielleicht ist Liu sogar jener Spieler auf der Tour, der den höchsten Level in Sachen Tennis überhaupt erreichen kann, allerdings ist sein größtes Manko, dass er diesen Level nicht konstant spielen kann. So ist auch zu erklären, dass der 29jährige im dritten Satz total abstürzte. Nagl sicherte sich mit einem 6:1 den bereits achten Einzelsieg beim Masters in Serie, während Liu nur mehr die “Szene des Turniers” blieb. Einen Vorhandkracher Nagls konnte der Asiate nicht mehr erlaufen, und so entschloss er sich, diesen mit einem “Becker-Hecht” an der Grundlinie zu spielen. Ein völlig verdutzter Titelverteidiger staunte allerdings nicht schlecht, als diese gehechtete Liu-Antwort als Longline-Winner auf seiner Seite des Platzes einschlägt. Szenenapplaus und bewundernde Worte der Anerkennung waren dem erst kurz vor dem Turnier ins Teilnehmerfeld gerutschten Liu sicher. “Schön, aber davon habe ich nichts. Ich wollte unbedingt ins Semifinale kommen, aber das habe ich wohl schon im Match mit Kova vergeben. Ich war im zweiten Satz echt stark drauf, schade das der dritte Satz so schnell vorbei war. Nagl hat gut gespielt, aber auch einige glückliche Bälle gehabt. Nächstes Jahr probiere ich es noch einmal”, bilanzierte Liu, der auch im fünften Duell mit Nagl den Kürzeren zog. Der dreifache Saisonsieger hingegen, ist in der Halle mittlerweile seit 18 Spielen ungeschlagen und optimistisch was den weiteren Turnierverlauf angeht. “Ich will meinen Titel verteidigen”.

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Claus Lippert, 20. November 2006