Turnierbeginn beendet Diskussion der letzten Tage

Das Warten hat ein Ende. Nach den Aufregungen und Diskussionen um die nicht unumstrittene Masters-Qualifikation, nach diversen Vorschauen und Analysen, und nachdem eifrigst der Ausgang des Turniers getippt wurde, sind nun die Filzkugel-Artisten der Hobby-Tennis-Tour endlich am Zug. Dann stehen von heute Abend an bis einschließlich Dienstag wieder “Serve & Volley sowie Chip & Charge” im Mittelpunkt des Geschehens, wenn die erfolgreichsten Spieler der abgelaufenen Saison beim bereits 17. Masters-Turnier der Geschichte um den prestigeträchtigsten Titel der Hobby-Tennis-Szene kämpfen. Eine Vorschau von C.L

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Nach 27 Turnieren mit 769 Spielen beginnt am Abend das 17. Masters 2006

Der Vorhang im Masters-Qualifikations-Theater scheint also gefallen, die Causa Tashi Liu erhitzt aber auch am Tag der Masters-Eröffnung noch immer die Gemüter. Der Asiate wird ob seines Verhaltens in den vergangenen Tagen weiter kritisiert, sein Mitwirken in letzter Minute durch die verletzungsbedingte Absage von Christoph Wagner nach wie vor hinterfragt. Das Fehlen der Nummer 1 und der Start des Ersatzmannes ändert aber nichts daran, dass im Vorfeld des 17. Masters-Turniers wieder einmal die viel strapazierte und jedes Jahr aufgestellte These vom “stärksten Masters aller Zeiten” gebraucht wird. Der Mix aus vier Debütanten (Ebner, Harbarth, Altsinger & Kunz) mit vier zum Teil recht routinierten Masters-Startern (Nagl, Kova, Dzafic & Liu) läßt an der spielerischen Front einiges erwarten. Viele Tour-Insider sind sich aber auch sicher, dass das Saisonabschluss-Turnier der Top 8 in dieser Zusammensetzung wohl nie mehr über die Bühne gehen wird. Zu viele gute, teilweise zu spät in die Saison eingesteigene Hobby-Tennis-Spieler tummeln sich mittlerweile auf der Tour. Trotz der Wagner-Absage ist durch die kuriose Situaton im Champions-Race keiner der Masters-Teilnehmer schlechter als auf dem eigentlich zur Quali notwendigen achten Rang platziert. Nach 27 Saisonturnieren und insgesamt 769 Spielen stehen also die Top 8 fest, für uns ein Grund, die Stars der Veranstaltung an diesem Wochenende im Tennispoint Vienna ein wenig vorzustellen.

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Der Mann für die “big events” Titelverteidiger Nagl wieder im Kreis der Favoriten

Angeführt wird das elitäre acht Mann starke Teilnehmerfeld vom Titelverteidiger höchst persönlich. Bernhard Nagl, dieser Name wird im Vorfeld immer wieder mit der Frage nach den Topfavoriten genannt. Kein Wunder, ist der Vorjahressieger aus Mödling der Mann für die “big events” auf der Hobby-Tennis-Tour. Wann immer in den letzten beiden Saisonen die “größten Pokale” und die “meisten Punkte” für die Tour-Rankings vergeben wurden, dann war der 28jährige zumeist mit der Präzision eines Uhrwerks zur Stelle. So auch heuer, wo der Ranglisten-Zweite die Grand-Slam-Titel in der Halle und auf Sand für sich entscheiden konnte, und erst im Endspiel des Rasen-Grand-Slam-Turniers mit einer Niederlage gegen Andreas Harbarth Abschied von seinem Traum nach dem Gewinn des Grand-Slams nehmen musste. Der Rest der Saison war eher durchwachsen, ehe er sich mit Beginn der Hallensaison Ende Oktober wieder in Erinnerung brachte. Der Titelgewinn beim Oktober-GP hat der Konkurrenz wieder klar vor Augen geführt, dass mit Nagl der beste und erfolgreichste Hallenspieler der letzten beiden Jahre beim Masters mitmischen wird. Untermauert wird dieses Faktum auch durch seine sensationellen Bilanzen, die den 28jährigen bei seinem Streifzug durch die Indoor-Bewerbe der Tour begleiten. Seit 15 Spielen ist “Bernie” in der Halle unbesiegt, beim Masters selbst seit 5 Matches ohne Niederlage und von seinen letzten 29 Auftritten in der Halle, gewann der Titelverteidiger unglaubliche 28 Matches. Beim Masters selbst ist Nagl zum dritten Mal am Start, 2004 hinderte ihn eine schwere Grippe und ein phantastisch aufspielender Patrick Schwing am Titelgewinn, den er dann ein Jahr später gegen Christoph Wagner nachholen konnte. Und mit einem zweiten Masters-Titel würde Nagl nicht nur zu den bisherigen Zweifach-Titelträgern Klaus Hofer, Martin Kova und Claus Lippert aufschließen, nein Nagl könnte den abwesenden Christoph Wagner auch noch als Champions-Race-Sieger ablösen.

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Shooting-Star Andreas Harbarth startet mit makelloser Bilanz in sein erstes Masters

Allgemein so sind sich Tour-Insider und auch die Konkurrenten einig, wird der Masterssieger 2006 wohl aus einem Trio stammen. Neben Nagl werden dabei die Namen Andreas Harbarth und Michael Kunz genannt. Die beiden Masters-Debütanten als große Favoriten gehandelt, und in der Tat spricht sehr viel für einen Erfolg der heuer groß herausgekommenen Tour-Newcomer. Speziell Andreas Harbarth genießt bei den Mitspielern eine riesige Portion Respekt. Erspielt hat sich Harbarth diesen mit einer gewaltigen zweiten Halbsaison 2006. Gleich vier Turniersiege darunter vor allem sein “Wimbledon-Triumph auf der Hobby-Tennis-Tour” haben ihn zum Shooting-Star des Jahres gemacht. Zum Drüberstreuen sicherte er sich bei Olympia die Goldmedaille im Doppel, im Ranking schoss der Mann aus dem Nichts bis auf Rang 4 empor. Neben seiner unbestrittenen Klasse am Platz, sprechen aber auch die “statistischen Zahlen” eine klare Sprache für einen Harbarth-Triumph am kommenden Dienstag. Der 23jährige hat heuer mit Ausnahme von Olympia gegen Franz Korger nur gegen Christoph Wagner auf der Tour verloren, und der ist ja bekanntlich nicht mit von der Partie. Gegen alle anderen Spieler hat Harbarth eine makellose Bilanz vorzuweisen. Er selbst dämpft derweil seine Erwartungshaltung, will von einem möglichen Turniersieg nichts wissen. “Ich selbst wäre mit einem Semifinale zufrieden, mir kommt das Spiel auf Teppich in der Halle überhaupt nicht entgegen. Dort fühle ich mich nicht so wohl wie auf Sand”, erklärte der Rasen-Grand-Slam-Sieger im Vorfeld. Eine Wortmeldung, auf die die Konkurrenz freilich nichts gibt, die von allen Spielern ohne Ausnahme als “übliches Understatement und taktisches Geplänkel” abgetan wird.

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Michael Kunz will beim Masters den “Hallen-Hattrick” feiern

Spätestens seit dem Beginn der Hallensaison muss man wohl auch den Namen Michael Kunz auf der Masters-Rechnung ganz oben notiert haben. Der 35jährige Niederösterreicher sicherte sich in den vergangenen sieben Tage mit den Siegen beim November-Super-4-Turnier und beim November-GP nicht nur die Fahrkarte zum Masters, sondern auch jede Menge Selbstvertrauen und Anerkennung bei der Gegnerschaft. Die ist ob der gezeigten Hallen-Performance des 4fachen Saisonsiegers gewarnt, und speziell von seinen Aufschlag-Darbietungen beeindruckt. Das Service ist ohne Zweifel einer jener Gründe, warum Kunz in der Halle bereits seit 10 Spielen unbesiegt ist. Mit dem erwähnten Super-Finish mit zwei Hallentiteln hat Kunz aber auch das Image des ewigen Without-Top-Ten-Stars abgelegt. Denn der im Juni auf die Tour gekommene Deutsch Wagramer konnte vorerst nur auf den kleinen Turnieren mit seinem Kanonen-Aufschlag für Angst und Schrecken sorgen. Bei den “großen Events” hatte Michael aber stets Ladehemmung, ehe er in der Halle zu großer Form auflief. Die soll ihm nun auch die Chance auf das sensationelle Kunststück “Masterssieg im Einzel und Doppel in einer Saison” wahren. Mit dem Hallen-Hattrick, dem dritten Indoor-Titel in Serie könnte er dem bislang einzigen “doppelten Masters-Champion” Patrick Schwing (2004) nachfolgen. “Ich komme hierher um das Turnier zu gewinnen. Es wird nicht leicht, aber wenn ich so spiele wie in der letzten Wochen, dann ist alles möglich, dann kann ich hier jeden schlagen”, zeigt sich Kunz im Vorfeld höchst zuversichtlich.

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Hans Ebner feiert mit 40 Einzel-Saison-Siegen seine Masters-Premiere

Ein weiterer Debütant liegt in Lauerstellung, in Schlagdistanz zu den Topfavoriten. Hans Ebner krönt dieser Tage seine erste volle, und perfekt gelungene Saison auf der Hobby-Tennis-Tour mit seiner Masters-Premiere. Mit 37 Jahren ist er der Oldie im Feld. Was der Korneuburger zu Leisten im Stande ist, zeigte er vor wenigen Wochen im September-GP-Endpiel gegen Andreas Harbarth. In einer hochklassigen Partie lieferte er dem späteren Sieger einen ebenbürtigen Schlagabtausch. Und Ebner braucht sich auch in der von vielen Tour-Experten als schwerer eingestuften “roten Gruppe” nicht zu verstecken. Immerhin stand der Niederösterreicher heuer in 7 Finalspielen, darunter jenem beim Sand-Grand-Slam-Turnier, und er ist jener Spieler mit den meisten Einzelsiegen in diesem Jahr. Mit 40 Match-Erfolgen hat der Ranglisten-Dritte schon jetzt die siebent beste Marke in der Tourgeschichte geschafft. Nur mehr ein Sieg fehlt ihm auf die nächstbeste Serie, und die hält Patrick Schwing mit 41 Saisoneinzelsiegen, aufgestellt im Jahr 2004. “Ich komme wie alle anderen Spieler auch zum Masters um es zu gewinnen. Ich werde mein Bestes geben, allein schon deshalb, weil ich vielleicht nie mehr zum Masters kommen werde. Aber es wird verdammt schwer, mein Schlüsselspiel in der Gruppe wird das Kunz-Match werden. Ich habe zwar noch keine Ahnung wie ich ihn schlagen kann, aber ich muss mir irgendwas überlegen. Gegen Harbarth habe ich sowieso keine Chance. Beim September-GP im Finale bin ich über mich hinausgewachsen, haben alle Schläge funktioniert. Er hat mich unterschätzt, im Normalfall sind nicht mehr als zwei drei Games pro Satz für mich möglich”, gibt sich Ebner kämpferisch und realistisch zugleich.

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Schlägt gar die Stunde von Martin Kova, der sich in der Außenseiterrolle wohl fühlt

Der “Grand senior” beim Masters und das im Alter von “zarten 23 Jahren” ist Martin Kova. Zum unglaublichen neunten Mal in Folge hat sich der ehemalige Ranglisten-Erste für den Showdown der besten Acht qualifiziert, und damit all seine Kritiker einmal mehr Lügen gestraft, die ihm die Masters-Quali nicht mehr zugetraut haben. Und viele Insider sehen noch bevor er auch nur einen Aufschlag zur 2006er Ausgabe gemacht hat, seinen letzten Auftritt im Kreise der Topstars gekommen. Dafür sprechen nicht nur seine Ergebnisse und Leistungen in diesen Jahr, sondern auch die langsam schwindende Motivation, die sich mit dem Auslassen der gesamten bisherigen Hallensaison äußerte. Doch genau darin liegt die große Chance, dass es am Dienstag Abend zum dritten Mal nach 2001 und 2003 einen Masterssieger namens Martin Kova geben wird. Keiner kann sich besser motivieren, an Widrigkeiten aufbauen und sich auf den Augenblick so konzentrieren wie er. Wenn die Konkurrenz nichts auf ihn gibt, ihn abschreibt und in Sachen Favoritenrolle links liegen läßt, dann kann nur Kova daraus positive Energie ziehen. Dabei war eigentlich der 23jährige der erste Spieler über den heuer so richtig groß und viel gesprochen wurde. Die Saison ging nämlich höchst erfolgreich für den 2fachen Masterssieger los. Sieg beim Auftakt-Turnier im Jänner, im Finale übrigens gegen Hans Ebner, ehe Kova auch heuer sein großes Ziel endlich das Jänner-Grand-Slam-Turnier in der Halle zu gewinnen mit einer Erstrundenniederlage gegen Markus Altsinger ad acda legen musste. Dafür holte sich der 6fache Grand-Slam-Sieger den Titel beim April-GP, wo er mit Sandturniersieg Nr. 15 in der Ewigenbestenliste der erfolgreichsten Sandplatzspieler der Tour-Geschichte zum Führenden Claus Lippert (ebenfalls 15 Sand-Titel) aufschloss. Danach folgte ein “Katastrophen-Sommer”, zumindest für Kova-Verhältnisse. Drei Erstrunden-Pleiten, nur das Achtelfinale bei seinem Turnier dem Mai-Grand-Slam, Kova versank in den Tourtiefen ohne nennenswerte Resultate. Doch beim Masters ist mit ihm zu rechnen, dafür gibt es schon einige echt gute Gründe. Einerseits hat der 23jährige vom Vorjahr noch einiges gut zu machen, scheiterte er doch zum einzigen Mal in seiner Karriere gleich mit drei Vorrundenniederlagen beim Saisonabschluss. Den letzten Einzelsieg beim Masters feierte Martin am 21.11.2004 in der Vorrunde gegen Michael Schremmer. Seither wartet er auf seinen 20. Einzelerfolg beim Masters. Und von der Kritik und der pauschalen Abschreibung der “Marke Kova” einmal ganz abgesehen, kann man einen “brennenden voll motivierten” ehemaligen Ranglisten-Ersten erwarten. “Mein Ziel für heuer ist das Finale. Ich muss das Turnier nicht mehr gewinnen, habe keinen Druck und ich muss auch niemandem etwas beweisen. Ich spiele beim Masters mit, weil es für mich eine Herausforderung ist, aber mein großes Ziel ist der Sieg beim Jänner-Grand-Slam-Turnier das ich endlich einmal gewinnen will”, äußerte sich Kova.

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Markus Altsinger taut sich selbst eine “große Leistung” zu

Handeln die Tour-Insider allgemein das Trio “Nagl, Harbarth, Kunz” als Turnierfavoriten, so sehen sie für ein anderes Trio eher nur minimale Möglichkeiten auf eine Überraschung. “Markus Altsinger, Ermin Dzafic und Tashi Liu”, sollte der Masterssieger tatsächlich aus diesem Trio kommen, die Tour hätte zum Abschluss der Saison 2006 eine echte Sensation. Der jüngste Spieler im Feld Markus Altsinger ist zwar jederzeit für die ein oder andere Überraschung gut, eine konstante Vorstellung die letztlich zum Titelgewinn notwendig sein wird, trauen ihm aber nur die wenigsten zu. Dabei hat der Mixed-Olympia-Sieger von 2005 eine ganz ordentliche Visitenkarte auf Teppich in der Halle und Bodenbelägen die so ähnlich sind. So stand der Ottakringer im Jänner sogar im Semifinale des Hallen-Grand-Slam-Turniers, und weitere 90 Punkte für das Champions-Race fuhr der Jungstar beim Kunstrasen-Grand-Slam im Sommer ein. Ansonsten fiel die Saison von Altsinger eher durchwachsen aus. Von einem Turniersieg wie im November 2004, als er seinen bislang ersten und einzigen Titel beim Without-Top-Ten eroberte, scheint Markus Welten entfernt zu sein. Für sein Masters-Debüt hat Altsinger aber große Pläne. “Ich freue mich schon sehr auf das Turnier, meine Form ist in den letzen Spielen zurückgekehrt, ich bin zuversichtlich, hier eine große Leistung bringen zu können”.

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Der große Außenseiter Ermin Dzafic spielt beim Masters sein 50. Karriere-Turnier

Der große Außenseiter, der Hecht im Karpfenteich, Ermin Dzafic werden an diesem Wochenende viele Rollen zugedacht, nur nicht jene eines Turnierfavoriten. Der bald 24jährige spielt am Abend sein fünftes Masters-Match und das nach 6jähriger Unterbrechung. Im Jahr 2000 spielte sich ein knapp 18jähriges Bürschchen bis ins Semifinale des wichtigsten Turniers der Hobby-Tennis-Tour. Und Dzafic erinnert sich noch an sein Masters-Debüt. “Da war das Spiel gegen Andreas Hruby, das über zweieinhalb Stunden gedauert hat, und ein einziges Geschupfe war. Wenn ich heute noch so spielen würde, dann wäre ich nie und nimmer beim Masters”. Für dieses, sein zweites qualifizierte sich Dzafic in der knappsten und aufregensten Entscheidung aller Zeiten. Punktegleich mit Tashi Liu stand Ermin nach 27 Turnieren auf dem heiß begehrten und die ganze Saison über verfolgten achten Champions-Race-Platz. Die anschließende recht hitzig geführte Diskussion verstand Dzafic überhaupt nicht. “Es gibt Regeln, und die muss man akzeptieren”, erklärte der in Bosnien geborene und seit 1998 auf der Tour spielende Kova-Freund. Die für reichlich Aufregung sorgende Regel nützte Dzafic nämlich perfekt zu seinen Gunsten, siegte er doch im Juni beim Without-Top-Ten-Turnier auf Sand. Do auch so bestätigte der 23jährige sein Masters-Ticket mit tollen Resultaten, wie u.a den Halbfinalteilnahmen beim März-Super-4 und beim September-Grand-Slam in der Südstadt. Ermin kann wohl als einziger Spieler im Feld ohne Druck und Erwartungshaltung ins Turniergeschehen eingreifen, und wer weiß, vielleicht feiert der Juni-Without-Top-Ten-Champion ausgerechnet bei seinem 50. Karriere-Start auf der Tour die ein oder andere Überraschung.

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Tashi Liu und sein Traum vom Masters-Titel

Das Masters zu gewinnen, das ist der ultimative Traum und das erklärte große Ziel des Tashi Liu. Das wissen alle die ihn kennen, und nur so ist auch zu erklären, warum der 29jährige nach seiner Erstrundenniederlage beim November-GP-Turnier am letzten Freitag gegen Michael Berger so emotional und intensiv reagiert hat. Liu war der Aufreger der Woche, der Mann der so viel Staub aufwirbelte, der die Tourfamilie entzweite. Auf der einen Seite die Liu-Sympathisanten, die mit den Absagen von Wagner und Harbarth beim November-Super-4 so wie Tashi ihre Probleme hatten. Auf der anderen Seite die Liu-Gegner, die sich im Gästebuch der Tour-Homepage recht kritisch zu den Liu-Aussagen äußerten, und den Asiaten zu einem schlechten Verlierer stempelten. “Gewinne ich das Masters, dann beende ich meine Karriere”, unterstrich Liu schon vor Monaten, wie wichtig ihm eine Mastersteilnahme und der Sieg beim prestigeträchtgisten Event des Jahres wäre. Doch von einem Titelgewinn ist der Finalist von 2001 weiter entfernt denn je. Zumindest wenn man der Statistik glaubt, die Liu`s Abstieg bei seinen vier Teilnahmen klar dokumentiert. 2001 im Finale an Martin Kova gescheitert, 2002 im Semifinale ausgeschieden, musste er sich im Jahr 2003 mit nur einem Vorrundensieg frühzeitig verabschieden. Von damals, exakt vom 20. November 2003 datiert auch Lius letzter Masters-Einzelsieg gegen Herbert Döcker. Die Talfahrt des Asiaten beim Masters erreichte dann im Vorjahr ihren Höhepunkt, als er erstmals sogar ohne Vorrundensieg die Heimreise antreten musste. Als Steigerung der absteigenden Liu-Performance beim Masters wäre daher nurmehr eine Nicht-Qualifikation möglich gewesen, und die hätte es ja tatsächlich ohne die verletzungsbedingte Absage von Christoph Wagner gegeben. Doch jetzt ist Liu dabei, und dieser Umstand macht ihn brandgefährlich. Er wird es allen Konkurrenten und Kritikern beweisen, seine beiden Erstrundenniederlagen zuletzt vergessen machen wollen, um sich somit doch noch seinen großen Traum zu erfüllen. “Ich möchte das Turnier unbedingt gewinnen. Das ist eine Fügung, eigentlich war ich nicht qualifiziert durch viele Umstände die teilweise auch nicht in meinem Bereich lagen, und jetzt bin ich plötzlich da. Das wäre eine tolle Sache und eine Mega-Story”. Außer seinem Finaleinzug beim “US Open der Hobby-Tennis-Tour” hatte Liu ergebnistechnisch nicht viel zu bieten. Was der Asiate aber in einzelnen Spielen zu Leisten im Stande ist, zeigte er zuletzt in Runde 1 des November-Super-4-Turniers gegen Michael Kunz, wo er einen Matchball vergab. Und diese Leistung 5 x bis kommenden Dienstag abgerufen, und die wohl umglaublichste Geschichte der Tour und eine Fortsetzung der aufgregenden Diskussion wären perfekt.

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Claus Lippert, 16. November 2006