13jähriger Tour-Neuling verhindert Heimsieg von Sascha Kobsik

Junior-Star Bernhard Hauer hat seinen famosen Erfolgsrun beim September-Challenger-Turnier “auf Donaufeld” mit einem siegreichen Finalauftritt gekrönt. Der 13jährige vom Heeres TC feierte mit seinem fünften Einzelsieg am letzten Sommer-Weekend des Jahres seinen ersten HTT-Titelgewinn, und sorgte damit nach dem Vorwochen-Triumph von Stephan Kortenhof beim September-HTT-250-Turnier auch für den zweiten Turniersieg eines 13jährigen binnen sieben Tagen. Im Endspiel am Dienstag Nachmittag besiegte der “Rookie” in einem abwechslungsreichen, spannenden und phasenweise auch hochklassigen Challenger-Match den Sieger von 2013 Sascha Kobsik in 1:42 Stunden mit 6:4, 7:6. Für den unterlegenen Lokalmatador heißt es derweil weiter warten auf Titel Nr. 4. Letztmalig triumphierte Kobsik beim November-Challenger 2013, womit sich die sieglose Durststrecke des 33jährigen nun schon auf 28 Turnierstarts verlängerte. Ein Bericht von C.L

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Megaspannender Schlussphase ging fehlerhafter Auftakt des 10. September-Challenger-Finales bevor

“Ich bin überglücklich hier gewonnen zu haben”, äußerte sich ein sichtlich erleichterter Bernhard Hauer in einer ersten Reaktion nach seinem überraschend gelungenen Triumph beim September-Challenger-Turnier “auf Donaufeld”. Und diese Erleichterung beim 13jährigen Shooting-Star aus Liesing war auch nur zu verständlich, angesichts einer nervenaufreibenden und megaspannenden Schlussphase seiner Final-Premiere auf der Hobby-Tennis-Tour. Auch die vielen interessierten Zuseher in der Nordmanngasse hielt es nicht auf ihren Sitzen, als sich Hauer und Kobsik einen völlig offenen und teils richtig verrückten Schlagabtausch lieferten. Doch dazu später mehr! Zu Beginn agierten beide Spieler höchst nervös und fehlerhaft. Der erst 13jährige Hauer stand in seinem ersten HTT-Finale, und das noch dazu “auswärts” am berühmt berüchtigten Centercourt des TC Donaufeld, wo schon mal die Post abgehen kann, wenn sich einer der Heimischen zum Aufschlag bereit macht. Und Kobsik spürt mittlerweile den Druck des nahenden Challenger-Tour-Finals, das er nur zu gerne bestreiten würde, das er aber zum zweiten Mal in Folge nach 2014 zu verpassen droht.

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Hauer als “coole Socke” holt nach 40 Minuten den ersten Satz mit 6:4

Mit diesen Vorzeichen präsentierten Hauer und Kobsik dem Publikum einen eher durchwachsenen und von massigst Fehlern geprägten Auftakt in dieses 91. Saisonfinale, in dem Kobsik als Erster die Chance hatte, sich abzusetzen. Zwei Breakchancen zum möglichen 2:0 ließ der 3fache Challenger-Champion ungenützt, und prompt kassierte der Lokal-Hero Minuten später selbst das erste Break zum 1:2. Erst im achten Game kann Kobsik diesen frühen Ausrutscher kompensieren, nimmt dem unroutinierten Junior dessen Aufschlag zum 4:4 ab, und damit schien dieses Endspiel den erwarteten Verlauf zu nehmen. Der erfahrene und mit 76 Turnierstarts recht routinierte Lokalmatador gegen den erst 13jährigen Final-Rookie in seinem insgesamt erst siebenten HTT-Karriere-Single, die Weichen schienen gestellt in Richtung “Heimsieg”. Doch während sich Kobsik bei eigenem Aufschlag ein zweites Mal die Blöße gab, avancierte Hauer zu einer echt “coolen Socke”. Kobsiks Chance zum postwendenden Re-Break wehrt der “kleine Underdog” ganz frech und in großem Stil mit “Serve & Volley” ab, ehe er nach 40 Minuten mit einem bombensicher verwandelten Smash das 6:4 und die damit verbundene 1:0 Satzführung fixiert.

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Hauer mit 4:1 Führung im zweiten Satz und Kobsik mit zerstörtem Racket

Beide Akteure hatten zu diesem Zeitpunkt je 32 Punkte auf ihren “Habenkonto”, und einen ganz engen ersten Durchgang hinter sich gebracht. Und an diesem Bild änderte sich auch im zweiten Heat nichts. Zwar hatte Hauer den weitaus besseren und entspannteren Start in Satz Nr. 2, als er sich mit einem frühen Break 2:0 absetzen konnte, und Kobsik kurz vor dem drohenden zweiten Break zum möglichen 0:3 sogar dazu verleitete, ein Racket am Centercourt zu zerlegen. Der damit abgebaute Frust verhalf Kobsik zwar zum 1:2, doch schon Minuten später wähnte sich der an Nr. 7 gesetzte Wiener einem aussichtslos scheinenden 1:4 Rückstand gegenüber. 8:1 Punkte in den folgenden beiden Games brachten Kobsik zurück in die Partie und auf 3:4 heran, ehe er das anschließende Return-Spiel mit vier katastrophalen Fehlern quasi an seinen Gegner verschenkte. 5:3 – Hauer stand nun ganz dicht vor dem großen Premieren-Triumph und Kobsik mit dem Rücken zur Wand. Niemand am Centercourt ahnte in diesem Augenblick, dass dieser Partie noch richtig geile und megaspannende 31 Minuten bevorstehen würden.

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Megageiler Tie-Break – Kobsik mit 3 Satzbällen, ehe Hauer mit 5 Punkten in Folge seinen Premieren-Titel auf der HTT fixiert

Kobsik spielte nun seine ganz großen und allseits bekannten Kämpfer-Qualitäten aus, und Hauer bekam nicht ganz unerwartet den “schweren Arm” beim fixieren des großen Erfolges. So kam es wie es kommen musste! Kobsik hielt sein Service zum 4:5, schob den ganzen Druck auf den nun aufschlagenden Junior, und dieser geriet prompt ins Wanken. Die Idee des 13jährigen, das Ding am Netz zu entschieden, erwies sich als falsch. Mit zittriger Hand verwackelte er sämtliche Volley-Versuche, und so musste er seinen Aufschlag zum 5:5 abgeben. Auch der zweite Hauer-Versuch bei 6:5 mit eigenem Service “das Ding einzutüten” misslang gründlich und zu Null, ermöglichte den Zuschauern vor Ort aber, diese geniale Tie-Break-Entscheidung im Finish miterleben zu dürfen. Und dieser “Breaker” war wahrlich nichts für schwache Nerven. Hauer führte mit einem Mini-Break 3:1, als er fünf Punkte in Folge abgeben musste, und sich bei 3:6 plötzlich drei Satzbällen seines Gegners gegenüber sah. Und in dieser Phase war es nicht etwa ein fehlerhafter Tour-Newcomer, der für diesen grandiosen Zwischenspurt sorgte, sondern ein brillant aufspielender Sascha Kobsik, der sich mit vier Winnern von 1:3 auf 6:3 zu drei Satzbällen kämpfte. Kobsiks Doppelpartner Helmut Hübl hatte sich angesichts des Zwischenstandes und der anbrechenden Dämmerung wohl schon mit Satz 3 und der Absage seines Final-Auftrittes abgefunden, als Kobsik unerklärlicher Weise und zur Überraschung des Publikums massiv zu schwächeln begann. Der 33jährige setzte einen Return ins Netz, verlor ein attraktives Netzduell, vergeigte einen sicher scheinenden Vorhandball, ehe Hauer mit einer gegen die Laufrichtung seines Gegners geschlagenen Vorhand den ersten Matchball zu seinen Gunsten verwandelte.

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“Das Finale war die schwierigste Partie des gesamten Turniers”

“Ich bin überglücklich hier gewonnen zu haben, vorallem nachdem ich im zweiten Satz im Tie-Break 3:6 zurücklag und ich knapp daran war den Satz zu verlieren”, so der 13jährige. “Das Finale war die mit Abstand schwierigste Partie in diesem Turnier, weil mein Gegner bis zum Schluss toll gekämpft und nie aufgegeben hat. Auch ihm gebührt eine Gratulation für diese Leistung”, zollte Hauer seinem bezwungenen Gegenüber jede Menge Respekt und Anerkennung. “Ich habe wohl ein paar unerzwungene Fehler weniger gemacht als Kobsik, und das war dann ausschlaggebend für meinen Erfolg”, ergänzte Hauer. Insgesamt waren es 6 Fehler weniger, was angesichts von 6 Winnern die Kobsik mehr hatte bei letztlich 78:78 Punkten, nicht ins Gewicht fiel. Hauer war einfach bei den “big points” der “coolere und bessere” Spieler, der mit seinem Premierensieg wie immer auch für statistische Nebeneffekte sorgte.

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Hauer mit 13,5 Jahren der achtjüngste HTT-Champion der Geschichte, und das Mixed-Duo Kothmayer-Stangl holt ersten Doppeltitel seit November 2013

So ist Hauer mit 13,5 Jahren der achtjüngste Turniersieger der HTT-Geschichte seit 1990, und das 321. Siegergesicht der Open Ära. Alleine in der rekordverdächtigen heurigen Jubiläums-Saison ist der 13jährige der 56ste neue Turniersieger, der so nebenbei als Nummer 565 ins Turnier gestartet, zum bereits 53. Turniersieger des Jahres 2015 avancierte, der mit einem Ranking jenseits der Top 100 zu Siegerehren kam. Als Belohnung gab es eine gewaltige Verbesserung im Ranking um satte 270 Plätze, vor auf Position Nr. 295 und damit mitten hinein unter die Top 300. Dazu hat sich der Shooting-Star auch für das Challenger-Tour-Final von 20. bis 24. November 2015 im UTC La Ville qualifiziert. Eben dort wird Hauer dann auch Katharina Kothmayer und Domenic Stangl wiedersehen, die sich am Dienstag Abend im Doppel-Bewerb des September-Challenger-Turniers den zweiten gemeinsamen Titel sicherten. Mit einem 6:3, 6:4 Erfolg über das Duo Kobsik-Hübl, feierten Kothmayer und Stangl nach vier Final-Niederlagen en suite den ersten Titelgewinn seit November 2013, als sie beim Challenger-Tour-Final ihren ganz großen Coup landen konnten.

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