Der verrückteste Spieltag der HTT-US-Open-Geschichte

Einer der – an Ergebnissen gemessen – kuriosesten Spieltage der insgesamt 96 Turniere umfassenden Grand-Slam-Geschichte und der wohl mit Sicherheit verrückteste Tag der HTT-US-Open-Ära, so wird der 30. August 2015 wohl in die an Höhepunkten so reiche HTT-Major-Historie eingehen. Bei 36 Grad im Schatten schmolzen die Titelhoffnungen vieler prominenter Namen am Sonntag in der von einem strahlend blauen Himmel strahlenden August-Sonne wie Butter. Unter den Hitze-Opfern fanden sich am Ende eines langen und aufsehen erregenden Tennistages so bekannte Namen wie jene des Champions von 2010 Fabian Mayrhuber, von BMTC-Open-Sieger Stefan Grubmüller oder von HTT-Australian-Open-Gewinner Bernhard Scheidl. Andere arrivierte HTT-Asse wie Wimbledon-Finalist Christoph Beutler oder Ex-Masterssieger Lukas Planteu konnten ein frühzeitiges Aus im Achtelfinale hingegen gerade noch vermeiden. Ein Bericht von C.L

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“Hoch Jessica” mischte die Karten im Kampf um die letzte Grand-Slam-Trophäe kräftig durcheinander

Das wohl letzte Mega-Wetter-Hoch des Jahrhundertsommers 2015 namens “Jessica” sorgte mit einer weiteren Hitzewelle weit über der 35 Grad-Marke für verschärfte Bedingungen beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres. “Hoch Jessica” mischte die Karten im Kampf um die letzte Major-Trophäe des Jahres neu, und wirbelte das hochkarätig besetzte und mit 32 Spielern limitierte Teilnehmerfeld am letzten August-Wochenende kräftigst durcheinander. Wer am letzten Sommer-Weekend 2015 physische Schwächen zeigte, der wurde in der Glutzhitze von Maria Enzersdorf gnadenlos bestraft. Mit teils unmenschlichen Leistungen glänzten am vergangenen Wochenende letztlich alle teilnehmenden HTT-Stars, aber der Aufstieg in eines der vier prestigeträchtigsten Halbfinali des Tour-Zirkus blieb am Ende nur den “Härtesten unter der Südstadt-Sonne” vorbehalten.

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Kevin Alexander Köck räumt mit Traumleistung Stefan Grubmüller aus dem Weg und erreicht erstmals in seiner Karriere das Viertelfinale eines HTT-Grand-Slam-Turniers

Der Auftakt zum an Sensationen so reichen dritten HTT-US-Open-Spieltag 2015 erfolgte gleich im Eröffnungsspiel am frühen Sonntag Morgen zwischen dem an Nummer 4 gereihten Stefan Grubmüller, und Grünefeldt-Bezwinger Kevin Alexander Köck, der bislang in vier Anläufen noch nie über ein Grand-Slam-Achtelfinale hinauskam. Das sollte sich am Sonntag zu früher Stunde am Centercourt des ehemaligen Tennispoint Südstadt ändern. Zwar musste sich der 17jährige Wiener im Duell mit der Nummer 4 der Setzliste “programmgemäß” im ersten Satz mit 2:6 geschlagen geben, doch was dann folgte, kann man getrost als ganz gewaltige Gala-Vorstellung bezeichnen. Köck forcierte auf einem längst sonnenüberfluteten Centercourt das Tempo, und drückte mit präzisem Winkelspiel und ungeheurem Tempo von der Grundlinie einen der laufstärksten Spieler im gesamten Circuit in die Defensive. Nach zwei gespielten Stunden und einem 2:6, 6:2, 6:3 Erfolg hatte Köck nicht nur den ersten gesetzten Spieler des Bewerbs aus dem Weg geräumt, sondern auch erstmals in seiner Karriere das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers erreicht.

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Olympia-Held Fabian Mayrhuber muss sich bei seinem 5. HTT-US-Open-Antreten gegen Tour-Neuling Andreas Roch mit 0:6, 5:7 geschlagen geben

Richtig prominent – obwohl diesmal ungesetzt – war der sportliche Rausschmiss eines von drei am Start befindlichen HTT-US-Open-Champions der letzten 24 Jahre. Mit Fabian Mayrhuber erwischte es im Achtelfinale jenen Mann, der noch vor zwei Wochen die olympischen Spiele mit allen drei möglichen Tennis-Goldmedaillen dominierte, und der bei seinen bisherigen vier HTT-US-Open-Starts in den Jahren 2009, 2010, 2011 und 2013 drei Mal im Finale stand, nie schlechter als im Semifinale abschnitt, und im zweiten Anlauf 2010 sogar den Titel davontragen konnte. Für einen neuerlichen Major-Triumph hatten die Experten den Namen Mayrhuber wohl ohnehin nicht auf der Rechnung, ein Aus im Achtelfinale kam aber selbst für die größten Pessimisten überraschend. Zumal sein Gegner im Kampf um eines der begehrten Viertelfinal-Tickets mit Andreas Roch ein in HTT-Kreisen noch recht Unbekannter war. Die Betonung liegt freilich auf “noch”, denn der 22jährige Tour-Neuling vom BMTC ließ am letzten August-Wochenende mehrmals sein außergewöhnliches Können aufblitzen. Der junge Niederösterreicher hatte in Runde 1 den Kitzbühel-Challenger-Champion Felix Sagasser mit 6:1, 6:3 geschlagen, und damit das durch die verletzungsbedingte Absage von Franz Mayrhuber überraschend zu Stande gekommene Grand-Slam-Debüt des 17jährigen verpatzt. Wie stark “der Neue” aber wirklich ist, demonstrierte er im Achtelfinale, wo er Fabian Mayrhuber im ersten Satz die unter Spielern so verhasste “Null” verpasste, ehe er im zweiten Satz auch von einem nachlässig und fehlerhaft agierenden WAC-Star profitierte. Mayrhubers Vorstellung im ersten Satz kann man ganz ohne Zweifel als “Katastrophe” abtun, jene im zweiten Satz war zumindest vom Bemühen des 11fachen Turniersiegers geprägt. Bei 5:3 hatte der 2fache Major-Champ durchaus die Chance einen dritten Satz gegen den Grand-Slam-Rookie vom BMTC zu erreichen, doch just in seinem 50. Karriere-Turnier erwies sich der 26jährige als echter Chancentod.

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HTT-Australian-Open-Champion Bernhard Scheidl wird im Achtelfinale vom steirischen HTT-Star Alexander Schager gestoppt

Nachdem zeitig in der Früh mit Stefan Grubmüller der erste der vier topgesetzten Spieler die Segel streichen musste, erwischte es in einer weiteren Vormittags-Partie auch die als Mitfavorit gehandelte Nummer 3 der HTT-US-Open. Bernhard Scheidl, seines Zeichens heuer bereits zum HTT-Australian-Open-Champion gekrönter Burgenländer, war von vielen Szenekennern und HTT-Insidern als aussichtsreicher Anwärter auf den letzten Grand-Slam-Titel des Jahres gehandelt worden. Mit seiner offensiven Spielweise musste man mit dem “Volley-Gott” aus Neusiedl rechnen, doch der 29jährige bestätigte mit seiner achtelfinalen Performance gegen Alexander Schager einmal mehr seinen Ruf als unberechenbarster der hochkarätigen Top-Ten-Stars. In Kitzbühel zu Beginn des Monats hatte niemand den “Serve & Volley-Spezialisten” auf dem Zettel, und prompt raste der “Flachländer” just in den Tiroler Bergen bis ins Endspiel, wo ihm nur ein “verkorkster Volley” im Duell mit Martin Zehetner den Weg in einen dritten Satz verwährte. Aufgrund seines Kitzbühel-Auftritts und der Tatsache, dass perfekt vorgetragenes Serve & Volley auf Hartplatz richtig effektiv sein kann, avancierte Scheidl praktisch von alleine zu einem der aussichtsreichen Titelkanditaten beim letzten Saison-Major in der Südstadt. Im Achtelfinale kam dann aber das Aus, weil der amtierende HTT-Australian-Open-Sieger mit Alexander Schager auf einen hervorragend eingestellten Gegner traf, der glänzend “retournierte”, famos “passierte”, und in vielen Phasen des zweiten Satzes, Scheidl mit dessen eigenen Waffen höchst erfolgreich begegnete.

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HTT-Wimbledon-Champion Christoph Beutler rettet sich gegen einen famos spielenden Nikolaus Szava ins Viertelfinale

Einem unerwarteten – wenngleich auch nur haarscharf abgewendeten – Aus im Achtelfinale entgingen derweil die Herren Christoph Beutler und Lukas Planteu. Beides auch höchst prominente HTT-Kundschaft, die in ihren Achtelfinal-Matches eigentlich klar favorisiert worden waren. HTT-Wimbledon-Finalist Christoph Beutler bekam es mit dem immer stärker noch oben strebenden BMTC-Jungstar Nikolaus Szava zu tun, der zum Auftakt Gernot Brunner mit 6:1, 6:3 vernaschte, für das Achtelfinale aber über die Rolle des Statisten nicht hinauskommen sollte. So dachte man zumindest im Vorfeld, ehe der 19jährige im Duell mit dem hoch favorisierten HTT-Wimbledon-Finalisten eine großartige Talentprobe ablieferte. Szava hatte nicht nur den ersten Satz überraschend für sich entschieden, sondern nach verlorenem zweiten Satz und 0:3 Rückstand in Durchgang 3 auch noch die “körperliche und mentale Power”, zu einer atemberaubenden, letztlich aber unbelohnten Aufholjagd anzusetzen. Der BMTC-Jungstar holte vier Games in Folge, führte bei 4:3 und eigenem Aufschlag 30:0, und schrammte so nur hauchdünn am möglichen 5:3 vorbei. Dann wäre es in der brütenden Südstadt-Hitze auch für einen Star vom Kaliber eines Christoph Beutler richtig eng geworden. So aber rettete sich der 31jährige von der Marswiese doch noch ins Viertelfinale, in das sich auch Ex-Masterssieger Lukas Planteu zitterte.

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Andreas Tolunay hat beim 150. Turnierstart die große Sensation gegen Lukas Planteu am Schläger

Und das im wahrsten Sinne des Wortes! Denn im Duell des ehemaligen Ranglisten-Ersten vom Team Donaufeld mit Kova-Bezwinger Andreas Tolunay vom TC Terra Rossa lag fast drei Stunden lang eine echte Sensation in der Luft. Tolunay hatte den ersten Satz knapp mit 6:4 für sich entschieden, und damit sein ansonsten so druckvoll agierendes Gegenüber in einen “Kampf auf Biegen und Brechen” verwickelt. Planteu konnte nicht so druckvoll wie gewohnt agieren, angesichts des Spielstandes auch längst nicht mehr frei auf die kleinen gelben Filzkugeln hämmern, denen obendrein nach rund eineinhalb Sätzen die Luft auszugehen schien. Damit war Tolunay mit seiner “Ball im Spiel halten” Taktik längst in Stellung gegangen, dem Favoriten im Achtelfinale wichtige Ranglisten-Punkte abzujagen. Tolunay hatte Planteu sein Spiel aufgezwungen, den Kärntner Masterssieger von 2011 in die Knie zwingen, das gelang dem 22jährigen Wiener bei seinem Jubiläums-Auftritt aber nicht. Ein Sieg über Lukas Planteu und der damit verbundene erstmalige Einzug beim 14. Major-Antreten in das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers, wäre der perfekte Rahmen für Tolunays 150. HTT-Karriere-Turnier gewesen.

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Internationale Tourstars Nenad Sarcevic und Damian Roman erreichen problemlos das HTT-US-Open-Viertelfinale

Problemlos die Runde der letzten Acht erreichten unterdessen Serbiens Nummer 3 Nenad Sarcevic und der rumänische Titelverteidiger Damian Roman. Erstgenannter deklassierte einen völlig ausgelaugten Christoph Straninger mit 6:0, 6:2, während der 2fache HTT-US-Open-Champion Damian Roman gegen Dominik Jaros mit einem ungefährdeten 6:3, 6:2 den zwölften Sieg in Serie bei diesem Turnier einfahren konnte.