Andreas Trinko – der neue Rasen-König triumphiert im Wimbledon der HTT

Der Vitiser Andreas Trinko ist seit Dienstag Abend neuer Rasenkönig der Hobby-Tennis-Tour. Der 24jährige Niederösterreicher feierte im Endspiel der 24. Auflage von “HTT-Wimbledon” einen imposanten Viersatz-Erfolg über Christoph Beutler, und sicherte sich nach 2:20 Stunden Spielzeit mit 6:3, 7:5, 2:6, 6:4 den prestigeträchtigen und 2000 Punkte bringenden Major-Titel beim dritten Grand-Slam-Turnier des Jahres. Trinko trat damit die Nachfolge des bereits im Semifinale gescheiterten 2fachen HTT-Wimbledonsiegers Vladimir Vukicevic an, der sich nach 29 Siegen en suite, erstmals seit 5. Juli 2012 wieder auf einem der Kunstrasen-Courts von WAT Landstrasse geschlagen geben musste. Ein Bericht von C.L

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Andreas Trinko – unerwarteter HTT-Wimbledonsieger 2015 – für Insider aber keine Überraschung

Am Ende kam sein Triumph für alle überraschend! Andreas Trinko, 1,94 Meter-Hüne aus dem nördlichen Waldviertel ist HTT-Wimbledonsieger 2015. Klingt gut, und trotzdem muss man zweimal hinschauen um zu realisieren, dass da am vergangenen Wochenende in der Tat ein HTT-Nobody den erwartungsfrohen Top-Ten-Stars, einen der begehrtesten und prestigeträchtigsten Titel der Hobby-Tennis-Szene weggeschnappt hat. Erstmals überhaupt in der 25jährige Geschichte von HTT-Wimbledon hat sich ein Spieler außerhalb der Top 100 in die mit großen und klingenden Namen besetzte “Hall of fame” des Rasenklassikers in Wien-Landstrasse eingetragen. Trinko triumphierte als Nr. 103, und das noch dazu in ganz großem Stil. Wobei, für Trinko-Freunde und Kenner der Person des neuen HTT-Wimbledonsiegers kam der Erfolgs-Run des 24jährigen weniger unerwartet. Sein niedriger 3er-ITN, und sein Auftritt heuer im Jänner bei den HTT-Australian-Open, wo er immerhin das Viertelfinale erreichte, hievten den jungen Niederösterreicher durchaus mitten hinein in den erweiterten Favoritenkreis. Und dann ist da noch der nicht unwesentliche Umstand, dass Kunstrasen ein durchaus gewohntes Terrain für Trinko darstellt. Im Heimatclub des frischgebackenen HTT-Wimbledonsiegers haben sie auch Kunstrasen aufgelegt. Dort spielte er von klein auf, und daher weiß er ganz genau, worauf es beim Spiel auf dem schnellen Untergrund ankommt.

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Warum der Grand-Slam-Triumph des Andreas Trinko an einem seidenen Faden hing

Trotzdem hing der Titel am Sonntag Nachmittag an einem seidenen Faden. Gemeinsam mit seinem Mannschaftskollegen und Doppel-Partner Philipp Schneider war man am Tag zuvor recht feierwütig unterwegs, und drei Einzel und ein Doppel schienen für den verkatert wirkenden Trinko eine echte “mission impossible”. So bettelte Trinko den Veranstalter an, doch eines der geplanten Singles auf Montag zu verschieben, was der aber ablehnte. Und im Nachhinein könnte das der Schlüssel für Trinkos Erfolgslauf bis zum Titelgewinn gewesen sein. Ein selbstgebastelter Super-Montag mit Matches gegen den serbischen HTT-French-Open-Viertelfinalisten Nenad Sarcevic, den bis dahin überragend spielenden Roman-Bezwinger Patrick Wiesmühler und als Draufgabe noch ein semifinales Treffen mit dem an Nummer 4 gesetzten HTT-Australian-Open-Champion Bernhard Scheidl, da hätte sich selbst ein fitter Andreas Trinko übernommen! Stattdessen brauste der Vitiser mit nur 11 abgegebenen Sätzen in drei Spielen gegen Chris Cummins, Martin Vesely und Nenad Sarcevic in Richtung Viertelfinale, und wahrte damit wohl unbewusst (s)eine seriöse Titel-Chance.

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Christoph Beutler bremst auf dem Weg ins Finale sogar Masterssieger Philipp Schneider und den auf Rasen für unschlagbar gehaltenen Vladimir Vukicevic aus

Danach war der 24jährige nicht mehr aufzuhalten. Den Montags-Doppelpack gegen die arrivierten HTT-Klientel namens Patrick Wiesmühler und Bernhard Scheidl brachte Trinko ohne Satzverlust und mit dem imposanten Game-Verhältnis von 24:8 hinter sich, und damit war die Nummer 103 der HTT-Computer-Rangliste für sein erstes Finale auf der Hobby-Tennis-Tour qualifiziert. Dort wartete mit Christoph Beutler sogar ein Spieler ohne aktuelles HTT-Ranking, wenngleich unbekannt der 31jährige von der Marswiese keineswegs im Circuit ist. Im März 2014 gab er mit dem Titelgewinn beim März-HTT-500-Turnier schon einmal seine Visitenkarte ab, und wer doch noch irgendwelche Zweifel hegte, der wurde spätestens mit dem Auftritt des Wieners in den Tagen und Runden vor dem fünfundneunzigsten Major-Endspiel der Open Ära entsprechend aufgeklärt. Beutlers Siegeszug in Richtung Finale war noch um die Spur beeindruckender als jener von Trinko. Die ersten beiden Runden waren für den 31jährigen zwar auch nicht mehr als ein netter Spaziergang um die Bedingungen auf den Courts des WAT Landstrasse im Wettkampf-Modus kennenzulernen, aber spätestens ab dem Achtelfinale mischte Beutler die ganz große und berühmte HTT-Gegnerschaft auf. Im Viertelfinale musste der 2fache Masterssieger Philipp Schneider dran glauben, im Viertelfinale ließ er einen völlig schockierten Peter Rössel mit nur einem Game zurück, und im Halbfinale landet der Kunstrasen-Spezialist von der Marswiese den ganz großen Coup, als er sogar den auf Rasen für unbezwingbar gehaltenen serbischen Branchen-Primus Vladimir Vukicevic über die Klinge springen ließ. Damit wahrte Beutler vor dem finalen Showdown mit Trinko auch die Chance, als erst zweiter Spieler der Geschichte nach Harald Selak (2004), den HTT-Wimbledon-Titel ohne Ranking zu gewinnen.

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Trinko mit dem besseren Start, ehe Regen für eine 40minütige Unterbrechung sorgt

Und dann war es so weit, zum 24. Mal in der Open Ära ging es um den Wimbledon-Titel der Hobby-Tennis-Tour! So nebenbei wurde auch noch der 39. Major-Champion der Geschichte, und der 49. Sieger im 54. Turnier der laufenden Saison gesucht. Ohne die ganz bekannten Namen, die Top-Ten-Stars und jene die in der Vergangenheit dieses Events glorreich in Erscheinung getreten sind. Stattdessen gab es den finalen Showdown zwischen dem bis ins Finale überragend spielenden Vukicevic-Bezwinger Christoph Beutler, und dem aus der 2.650 Einwohner zählenden Gemeinde Vitis stammenden Andreas Trinko, der den besseren Start in diesen 54. Saisonfinale verzeichnete. Ein Break, ein frühes 3:0, das gab dem 24jährigen die nötige Sicherheit für sein Major-Debüt. Mit diesem Selbstvertrauen steckte Trinko auch das kassierte Re-Break zum 2:3 locker weg, und knackte postwendend zum zweiten Mal das Service seines fehlerhaft startenden Gegenübers zum 4:2. Bei 5:2 und 30:40 steht Trinko dann zum ersten Mal an diesem Nachmittag ganz dicht vor dem Gewinn des ersten Satzes, doch in dieser heiklen Phase demonstriert auch Beutler erstmals seine große Klasse. Mit einem genialen Half-Volley wendet er vorerst das Schlimmste ab, ehe der schon traditionell in den letzten Wochen auftretende Regen zum Spielverderber wird. 40 Minuten lang dauert die Unterbrechung, in der Beutler Gelegenheit hatte darüber nachzudenken, was er anders machen muss, um in diesem Endspiel eine Chance zu haben. Vorerst freilich musste er seinem Kontrahenten den Vortritt lassen, denn Trinko ließ in diesem ersten Heat nichts mehr anbrennen, und brachte sich mit 6:3 in Stellung Richtung HTT-Wimbledon-Titel 2015.

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Beutler lässt 6 Break-Chancen im zwölften Game zum 6:6 ungenützt, und verliert auch den zweiten Satz mit 5:7

Die scheinbar frühe Entscheidung in Durchgang 2 führt Trinko im fünften Game herbei, als er Beutlers zwischenzeitliche Aufschlagschwäche mit zwei Doppelfehlern zum Break auf 3:2 nützt. Dieses Break transportierte der 24jährige dann bis ans Satzende bei 5:4, wo er sich aufmachte, auf die 2:0 Führung zu servieren. Just in diesem Augenblick zeigte aber auch Trinko erstmals Nerven. Ein völlig verhautes und katastrophal gespieltes Aufschlag-Game, in dem weder von der Grundlinie – mit zwei Fehlern – noch beim Aufschlag – zwei Doppelfehler – was ging. Es wäre wohl der ideale Zeitpunkt aus Sicht Beutlers gewesen, diesem Match eine Wende zu verleihen. Doch Beutler stellte sich in diesem Moment ungeschickt an, spielte bei 15:30 einen unnotwendigen und in dieser Phase höchst gefährlichen Stoppball, und servierte bei 15:40 seinem 1,94 Meter großen Gegner auch noch einen kinderleicht zu verwandelnden Smash. Wieder lag Trinko mit Break voran, und ein zweites Mal ließ sich der Vitiser dann nicht mehr bitten, dachten zumindest die Zuschauer am Centercourt des WAT Landstrasse. Beutler fand bei 0:40 drei Chancen auf das Erreichen des Tie-Breaks vor, kurz darauf retournierte der 31jährige noch drei Mal mit der Break-Gelegenheit vor Augen, doch wenn man insgesamt 6 hochkarätige Möglichkeiten zum dringend nötigen Re-Break auslässt, dann steht man am Ende auch nicht unverdient mit einem 0:2 Satzrückstand da.

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Beutler holt dritten Satz, muss sich mit mangelnder Chancen-Auswertung aber letztlich in vier Sätzen geschlagen geben

Durchgang 3, der gerade einmal 29 Minuten dauert, ist schnell erzählt. Beutler besinnt sich endlich auf seine Stärken, während Trinko eine Künstlerpause einlegt, und zwei Mal beim Aufschlag “pennt”. Ein Break zu Beginn zum 2:0, und ein weiteres am Ende zum 6:2, und Beutler war zumindest ergebnistechnisch wieder mitten drin im Kampf um seinen ersten HTT-Grand-Slam-Erfolg. Den aktuellen Erfolgslauf richtig genützt hätte Beutler dann womöglich zu Beginn des vierten Satzes, wenn er nach souverän durchgebrachtem Aufschlagspiel zum 1:0, die durch Trinkos siebenten Doppelfehler entstandene Break-Gelegenheit zum 2:0 in Zählbares umgemünzt hätte. Am Ende war es dann auch die mangelnde Effektivität, die Beutler beim Return und bei seinen insgesamt 12 Break-Möglichkeiten an den Tag legte. Wie man es besser macht, demonstrierte kurz darauf Andreas Trinko, dem im vierten Satz das erste Break zum 2:1 glückt. Vorentscheidend war das aber noch nicht, weil sich auch Trinko nochmals bei eigenem Service eine Blöße geben sollte. Und zwar im achten Game, als Beutler von einem Vorhand-Fehler seines Gegners bei 30:40 profitiert, und zum 4:4 ausgleichen kann. Ein spät geschafftes Break, und doch kein Kapital daraus geschlagen, das gab es ja schon im Satz zuvor, und auch jetzt in der Entscheidung. Beutler agierte wieder nicht zwingend genug, offerierte Trinko mit einem schwach gespielten Game erneut ein “leichtes” Break am Silber-Tablet, und damit saß der 24jährige knapp nach 19:15 Uhr mit dem Wissen auf den Bank, in Kürze auf den Gewinn des HTT-Wimbledon-Titels aufschlagen zu können. So manch anderer Major-Debütant hätte spätestens jetzt wohl den schweren Arm bekommen, nicht aber Andreas Trinko. Der Waldviertler hat bei 40:30 Matchball, und im Stile eines großes Rasen-Champions verwandelt er diesen mit perfekt vorgetragenem “Serve & Volley” zu seinem bisher größten Karriere-Triumph.

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Trinko begeht nur 28 unerzwungene Fehler in 231 ausgespielten Ballwechseln

6:3, 7:5, 2:6, 6:4, die Glückszahlen des Andreas T., der um exakt 19:24 Uhr die Arme zum Zeichen des Sieges in den bewölkten Wiener Himmel reckt, und nach 6 Spielen in nur 3 Tagen höchst verdient den goldenen Pokal aus den Händen von WAT Landstrasse Nachwuchstalent Martin Priban entgegen nimmt. Wie immer nach einem Grand-Slam-Finale lohnt sich auch ein Blick auf die Match-Facts von hobbytennistour.at, die einen ganz interessanten Aspekt ans Tageslicht beförderten. 119:112 Punkte, eine normale Statistik auf den ersten Blick. 231 Ballwechsel heißt das aber auch, und jetzt kommt er, der statistische Hammer dieses Turniers. Lediglich 28 unerzwungene Fehler bei 231 ausgespielten Punkten unterliefen Trinko, eine mehr als sensationelle Quote, die man in 25 Jahren Hobby-Tennis-Tour zumindest auf Major-Ebene so noch nicht zu sehen bekam. “Voll cool, der Titelgewinn freut mich voll. Ich habe im Finale mit Christoph Beutler immerhin jenen Mann geschlagen, der den bisherigen HTT-Rasenkönig deutlich besiegt hat. Das soll schon was heißen. Da ich in meiner Jugend auf Kunstrasen aufgewachsen bin, fühle ich mich auf diesem Belag einfach extrem wohl” strahlte der frischgebackene Rasen-Champ.

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Vladimir Vukicevic verliert erstmals seit 5. Juli 2012 ein Match bei WAT Landstrasse

Trinkos Triumph als Nr. 103 der HTT-Rangliste war natürlich am Ende die Top-Story dieses Turniers, aber es gab auch noch viele andere höchst interessante Geschichten rund um das 95. Major-Event der Open Ära. Natürlich war das Aus des auf Rasen als unschlagbar geltenden Vladimir Vukicevic ein brand heißes Gesprächsthema. Der 33jährige aus Sombor war drei Jahre lang das Maß aller Dinge auf den Courts des WAT Landstrasse, holt 5 Titel, dazu die olympische Goldmedaille und knackte als erster Spieler der Geschichte den HTT-Wimbledon-Fluch, wonach es keinem Spieler je gelungen war, einen Grand-Slam-Sieg auf Rasen mit Erfolg zu wiederholen. Dieses Kunststück vollbrachte der Ranglisten-Erste aus Serbien im letzten Jahr, heuer sollte es der Hattrick werden. Und der erfolgreichste internationale Spieler der Geschichte vermittelte der hungrigen Konkurrenz in den ersten drei Runden gleich einmal auf eindrucksvollste Art und Weise, dass er höchst gewillt schien, seine Erfolgsserie auf Rasen weiter auszubauen. Vukicevic “verprügelte” die überfordeten Gegner reihenweise. In Runde 2 zog sich Raphael Huber nach seinem Auftaktsieg über Matthias Hason wenigstens noch mit drei Games achtbar aus der Affäre. Die gnadenlose Doppel-Null setzte es hingegen für den bis ins Achtelfinale prima spielenden Andreas Kucera, und im Viertelfinale auch für Rasen-Spezialist Robert Heiss, der seinerseits mit Erfolgen über den niederländischen Qualifikanten Arthur Van Schendel, und die beiden hoch eingeschätzten Kevin Alexander Köck und Robert Gravogl zu überzeugen wusste. Ausgelaugt und völlig platt wurde Heiss im Viertelfinale gegen den serbischen Rasenkönig aber zum Schlachtopfer. Für Vukicevic war es der 29. Einzelsieg auf Rasen in ununterbrochener Reihenfolge. Eine gradiose Marke, die allerdings keine Aufstockung erfuhr. Weil im Semifinale ein entfesselt spielender Christoph Beutler wartete, der einen unentspannt wirkenden und nicht in gewohnt starker Rasenform auftretenden Vukicevic die erste Rasen-Niederlage seit 5. Juli 2012 zufügen sollte. Doppelt bitter aus Sicht des Serben, der den Traum vom HTT-Wimbledon-Hattrick begraben musste, und dem ein weiterer Rekord verwehrt blieb. 29 Einzelsiege en suite sind auf Rasen unerreicht, ein Sieg fehlte aber, um die längste Siegesserie eines Spielers auf einem der vier Beläge einzustellen. 30 Mal in Folge siegte Claus Lippert auf Hartplatz, ein für unerreichbar gehaltener Rekordwert, an dem Vukicevic nur haarscharf vorbeischrammte.

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Masterssieger Philipp Schneider muss weiter auf seinen ersten Grand-Slam-Sieg im Einzel warten, tröstete sich aber mit dem Erfolg im Doppel

Der entthronte HTT-Wimbledonsieger war aber nicht der einzige Verlierer der mit 5 Mann recht spärlich angerückten Phalanx an Top-Ten-Stars. Auch der 2fache Masterssieger Philipp Schneider schaffte es wieder einmal nicht, seinen ersten HTT-Grand-Slam-Titel einzufahren. 2013 feierte der gebürtige Horner im HTT-Wimbledon sein Debüt, seither scheiterte er in sieben Versuchen, sich endlich in den exklusiven Kreis an elitären Grand-Slam-Siegern einzureihen. Im Viertelfinale besiegelte Christoph Beutler mit einem 6:3, 6:4 Erfolg eigentlich nur das, was Schneider schon vor dem ersten Aufschlag zum dritten Grand-Slam-Turnier des Jahres wusste. “Im HTT-Wimbledon gewinne ich sicher nicht meinen ersten Major-Titel”, so der 35jährige, der sich immerhin über das Vorrücken auf Platz 2 in der HTT-Computer-Rangliste und den Sieg im Doppel als kleines Trostpflaster freuen durfte.

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Ist die Ära der “HTT-Big Four” zu Ende?

Berechtigt scheint aufgrund der Ergebnisse vielleicht auch die Frage, ob die 24. Auflage des HTT-Wimbledon-Turniers die Ära der “big four” beendet hat. Ja, auch die Hobby-Tennis-Tour hat – bzw. hatte ihr “großen Vier”. Was für die ATP Djokovic, Federer, Murray und Nadal, ist für die HTT das Quartett Vukicevic, Schneider, Roman und Klager. Zwei Jahre lang haben die “big four” zuletzt das Geschehen bei den großen Turnieren auf der Hobby-Tennis-Tour beherrscht. Klager avancierte mit einem Doppelpack auf roter Asche zum König des Sandplatzes, Vukicevic genoss nach zwei HTT-Wimbledon-Titel den Ruf der Rasengott zu sein, Damian Roman spielte seine Klasse auf Hartplatz aus, und holte sich zwei Mal in Folge den HTT-US-Open-Titel, und Philipp Schneider glänzte mit zwei Masters-Erfolgen bei den hochkarätigst besetzten Tour-Finals 2013 und 2014. 2015 aber scheint alles anders zu sein. Zwar liegen die “big four” anders als auf der ATP noch immer auf den Rängen 1 bis 4 im HTT-Entry-Ranking, doch der noch vor wenigen Wochen recht deutliche Vorsprung ist massiv zusammengeschmolzen. Und die großen Titel holten andere! Ein Berhard Scheidl, der sich bei den HTT-Australien-Open zu Titel-Ehren vollierte, ein Victor Stabrawa, der sich zum HTT-French-Open-Champ rutschte, und eben Andreas Trinko, der die HTT-Elite beim Wimbledon-Turnier der HTT hinter sich ließ.

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Matte Major-Biographie – Wiesmühler trotz Sieg über OTC-Champion Damian Roman auf Grand-Slam-Ebene weiter unter Wert unterwegs

Zwei unter Wert geschlagene Spieler waren am Ende auch Damian Roman und Patrick Wiesmühler. Roman – einer aus den erwähnten “big four” – und noch 48 Stunden vor seinem ersten Auftritt gefeierter Held und Titelträger bei den OTC Open, musste schon im Achtelfinale die Segel streichen. Ein entfesselt aufspielender Patrick Wiesmühler machte die Hoffnungen Romans auf ein weiteres Spitzen-Resultat zunichte, und nährte gleichzeitig die eigenen Hoffnungen, endlich einmal bei einem Major-Event richtig “laut” in Erscheinung zu treten. Denn Wiesmühlers HTT-Major-Biographie liest sich noch grausamer als jene von Philipp Schneider, und sie ist angesichts des Könnens das der 22jährige mit bringt, eigentlich kaum zu glauben. Seit seinem Debüt im Jahr 2011, ist Wiesmühler bei 9 Grand-Slam-Starts noch kein einziges Mal über das Viertelfinale hinausgekommen. Nach der achtelfinalen Topleistung und dem Sieg über OTC-Champion Damian Roman, spekulierten HTT-Experten schon mit dem Wiesmühler-Durchbruch auf Grand-Slam-Ebene, ohne aber scheinbar den späteren Champion Andreas Trinko auf der Rechnung gehabt zu haben.

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Schwere Zeiten für ehemalige HTT-Wimbledon-Sieger – Michael Kunz und Fabian Mayrhuber scheitern in Runde 1

Schwere Zeiten beim dritten Grand-Slam-Turnier des Jahres brachen derweil für ehemalige HTT-Wimbledon-Champions an. Fabian Mayrhuber, WAC-Star und 2011 der ganz große Sieger mit dem goldenen Pokal in Händen, musste nach einer knappen Dreisatz-Niederlage gegen den serbischen Tour-Newcomer Nenad Sarcevic mit der enttäuschenden Ausbeute von 90 Ranglisten-Punkten von dannen ziehen. Der als Nummer 9 gesetzte Wiener kam so um das Achtelfinal-Rendezvous mit dem späteren Champion, oder ersparte er sich gar eine böse Niederlage? Apropos böse Niederlage! Ganz bitter artete auch der Auftritt von Michael Kunz bei seinem erklärten Lieblings-Turnier aus. Unvergessen ist natürlich sein größter Karriere-Erfolg, als er sich im Jahr 2008 die Rasenkrone nach einem triumphalen 5-Satz-Sieg über den damaligen Ranglisten-Ersten Andreas Harbarth aufsetzte. Von diesem epochalen Sieg träumt Kunz immer noch, doch die Zeiten sind andere geworden, und mehr als schöne Erinnerungen sind bei Kunz-Auftritten auf den Rasen-Courts des WAT Landstrasse derzeit nicht drin. Der mittlerweile 44jährige aus Deutsch Wagram musste sich bei seinem 9. HTT-Wimbledon-Antreten zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren in Runde 1 geschlagen geben. Dabei hatte sich der 8fache Turniersieger aufgrund der gar nicht schlechten Auslosung einiges ausgerechnet. “Schade, ich bin enttäuscht über mein Abschneiden. Da wäre mehr möglich gewesen”, so der HTT-Wimbledon-Champ von 2008.

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Martin Kova zum 17. Mal im Wimbledon der HTT mit von der Partie und mit nunmehr 595 Karriere-Matches die Nummer 1 der ewigen Bestenliste

Und noch ein ehemaliger HTT-Wimbledon-Sieger strauchelte bereits zum Auftakt in Runde 1 des dritten Saison-Grand-Slams, wenngleich das Scheitern des Champions von 2003 Martin Kova immerhin noch mit einigen tollen Rekorden verbunden war. Zunächst einmal war schon alleine Kovas Erscheinen eines für die Rekordbücher. Zum bereits 17. Mal schlug der HTT-Evergreen vom TC Top Serve im Wimbledon der HTT auf. Nur 2001 und 2011 fehlte der mittlerweile 32jährige und auf Rang Nr. 157 zurückgerutschte ehemalige Ranglisten-Erste. Als Kova 1997 sein HTT-Wimbledon-Debüt feierte, da waren viele der diesmal am Start befindlichen Spieler noch nicht einmal auf der Welt, und der aktuelle Champion Andreas Trinko knapp zwei Monate von seiner ersten Schultüte entfernt. Imposantere Major-Daten als jene von Kova wird man aus dem umfangreichen HTT-Archiv wohl kaum finden. Der 32jährige spielte am Wochenende sein 64. Grand-Slam-Turnier, und sein bereits 154. Grand-Slam-Single-Match. Unfassbare Zahlen, die der 6fache Grand-Slam-Turniersieger dann sogar noch toppen konnte. Seit Freitag Abend und seinem Erstrunden-Auftakt gegen Lokalmatador Andreas Kucera gibt es keinen Spieler in der gesamten Open Ära der HTT seit 1990, der mehr Matches absolviert hat als Martin Kova. 595 Mal war der 30fache Titelträger im HTT-Einsatz, und damit überholte er nun auch Claus Lippert, der in seiner Karriere auf 594 Einzelmatches kam. “Alles schön und gut, aber die andere Seite ist jene, dass ich jetzt schon ein Jahr sieglos bin”, lächelte der HTT-Rekordler.

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Internationale Tour-Stars glänzen in der HTT-Wimbledon-Qualifikation

Zum Abschluss wollen wir noch einen Blick aud die internationalen HTT-Stars werfen, die in den letzten Wochen mit großartigen Nennergebnissen und sensationellen Resultaten aufwarten konnten. Quer über den Globus sind sie verteilt, die HTT-Helden aus aller Herren Länder, die heuer schon 10 Titel erobern konnten, und allein in den letzten Wochen fünf Mal die Pokale entführten. 104 Turniersiege haben Vukicevic & Co in der Open Ära schon gefeiert, den 105. Titel verfehlten die “Inter-Stars” im Wimbledon der HTT aber deutlich. Mit Vukicevic im Semifinale als ihren Besten, standen immerhin fünf internationale Akteure im Achtelfinale. Während für Italiens Stefano Cotugno und auch für Nenad Sarcevic in zwei Sätzen Endstation war, hatte ein Mann mit Hut und dem klingenden Namen Junior Reginaldo Dos Santos Silva in seinem achtelfinalen Duell mit dem an Nummer 5 gesetzten BMTC-Star Peter Rössel die große Chance, als erster Brasilianer in ein HTT-Grand-Slam-Viertelfinal einzuziehen. Die spektakulären Punkte machte der Samba-Server, den Sieg aber trug Rössel in drei Sätzen davon. Erfolgreicher waren die internationalen HTT-Spieler da schon in der Qualifiaktion, wo sie mit grandiosen Darbietungen alle vier Hauptbewerbs-Plätze ergatterten. Artur Van Schendel aus den Niederlanden, Vinzenz Vaca aus Zypern, Istvan Felszeghi-Nemes aus Ungarn und der Brite Christian Cummins buchten ihre Plätze im erlesenen Wimbledon-Hauptfeld, wobei vorallem der Auftritt von Cummins ein interessanter war. Weil sich Englands Nummer 1 Adam Goodsell müde fühlte, und seine Nennungen kurz vor Auslosung zurückzog, drohte dem HTT-Wimbledon-Turnier ein Event ohne britische Beteiligung. Denkste! Christian Cummins sprang kurzfristig in die Bresche, und glänzte gleich mit einer souverän geschafften Quali. Aus Nordengland stammend, lebt Cummins seit 13 Jahren in Österreich und moderiert die Morning-Show beim Radiosender FM4. Die bitterste Niederlage am gesamten Turnier-Wochenende musste aber wahrscheinlich der Jüngste im Feld einstecken. Martin Priban, slowakischer Lokalmatador bei WAT Landstrasse stand in Runde 1 der Quali gegen den US-Amerikaner Frederik Campbell ganz dicht vor seinem ersten Major-Sieg, als er bei 6:4, 5:1 die Nerven über Bord schmiss, und im dritten Satz mit einer Null alle Hoffnungen auf ein vereinsinternes Duell mit Artur Van Schendel begraben musste. Am längsten war der Junior aber dennoch im Turnier, denn wenn der erste Sieg bei einem HTT-Grand-Slam-Turnier zwar noch warten muss, so erkundete Martin am Dienstag Abend bei der Siegerehrung doch gleich einmal, wie es sich anfühlt, so einen goldenen HTT-Wimbledon-Pokal in Händen zu halten!

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