Victor Stabrawa stoppt Klager-Traum vom HTT-French-Open-Hattrick

Nach vier Jahren Pause ist Victor Stabrawa wieder Mai-Grand-Slam-Sieger und zurück auf dem Sandplatz-Thron der Hobby-Tennis-Tour. Zum zweiten Mal nach seinem Premieren-Triumph in der Saison 2011 hat sich der mittlerweile 23jährige Wiener in die Siegerliste des größten und wichtigsten Sandplatz-Turniers der Stadt eingetragen, und mit einem in 2:09 Stunden errungenen 6:4, 6:3, 6:3 Erfolg über Titelverteidiger Peter Klager verhindert, dass dieser als erster Spieler in der Open Ära die HTT-French-Open drei Mal in Folge gewinnen konnte. So nebenbei endete am Mittwoch Abend um exakt 20:27 Uhr auch die imposante Siegesserie des Peter Klager bei den HTT-French-Open im UTC La Ville, wo er sensationelle 17 Matches lang nicht zu besiegen war. Stabrawa wiederum jubelte über seinen ersten Turniersieg seit Jänner 2013, und den insgesamt 9. Titel seiner großartigen Karriere. Ein Bericht von C.L

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Stabrawa verhindert mit seinem 2. Mai-Grand-Slam-Titel einen historischen HTT-French-Open-Moment

WAT Ottakring-Star Victor Stabrawa hat am Finaltag des 24. Sangenor-Mai-Grand-Slam-Turniers mit einem glatten Dreisatz-Erfolg über Vorjahressieger Peter Klager einen historischen HTT-French-Open-Moment verhindert. Der 23jährige, im Vorfeld von Kollegen und Experten als krasser Außenseiter im Kampf um die HTT-Sandplatz-Krone gehandelt, wuchs im Endspiel des 38. Saisonturniers über sich hinaus, und fügte dem ohne Satzverlust in sein drittes Mai-Grand-Slam-Finale gestürmten Peter Klager dessen allererste Niederlage im Rahmen dieses Events nach 17:0 Siegen zu. Dabei hatte der nach seinem halbfinalen Kantersieg über Martin Zehetner mit Selbstvertrauen vollgepunpte Klager ganz gewaltig losgelegt, und zunächst den Anschein erweckt, als würde er im zweiten direkten Vergleich mit Stabrawa rasch für klare Fronten sorgen wollen. Es war ein furioser Auftakt, den der topgesetzte Klager auf den sonnenüberfluteten Centercourt des UTC La Ville zauberte. Ein rasches Break samt 40:0 Führung bei eigenem Aufschlag, da liebäugelten eingefleischte Klagers-Fans bereits mit dem von noch keinem Spieler in der 25jährigen Geschichte erreichten HTT-French-Open-Hattrick. Aus heiterem Himmel kam Stabrawa aber zum Re-Break, und es sollte nicht der einzige Vorsprung und Vorteil an diesem Abend gewesen sein, den Klager leichtfertig ausgelassen hatte. Zum 4:3 hatte sich der Titelverteidiger wieder mit einem Break in Vorteil gebracht, kurz darauf aber ein 40:15 bei eigenem Aufschlag mit vier unerzwungenen Fehlern in Serie vergeigt. Statt 5:3 stand es 4:4, und Minuten später hatte sich der 6fache Turniersieger vom TWR 21 ein 4:6 eingehandelt, und damit den ersten Satz im Verlauf dieser 24. Auflage des Sangenor-Mai-Grand-Slam-Turniers abgegeben.

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Monströses 15-Minuten-Blackout kostet Klager den zweiten Satz

Nun gut, dachten die Klager-Fans – darunter auch seine Eltern im Publikum – dann muss der Peter das “historische Ding” namens Mai-Grand-Slam-Hattrick eben in vier Sätzen nach Hause holen. Das Unternehmen “dritter HTT-French-Open-Sieg in Serie” schien gut auf dem Weg und wieder seriös anzulaufen, als der Titelverteidiger zu Beginn des zweiten Satzes das Spiel in die Hand nahm, und weitaus initiativer als in Durchgang 1 gegen Defensiv-Künstler Stabrawa zu Werke ging. Dem 22jährigen gelang das frühe Break zum 1:0, das er gleich darauf mit einem durchgebrachten Aufschlagspiel zum 2:0 bestätigte, und das er beinahe in doppelter Ausführung abgesichert hätte. Zwei Break-Möglichkeiten zum 3:0 ausgelassen, wer weiß im Nachhinein, welche Groß-Chance der Sandplatzkönig der beiden vergangenen Jahre da liegengelassen hatte. Die vielen vergebenen Top-Chancen rächen sich auf Dauer vorallem im Kopf, und so ist vielleicht auch das monströs ausgefallene 15-Minuten-Blackout zu erklären, mit dem Klager wohl sein eigenes Schicksal in Form seiner allerersten HTT-French-Open-Niederlage selbst besiegelte. 15 Minuten wie ein Albtraum, eine Viertelstunde, in der Klager völlig von der sprichwörtlichen Rolle agierte, und sich desaströsest einen 0:2 Satz-Rückstand einhandelte. Ab seiner 3:2 Führung ging im zweiten Satz gar nichts mehr, musste Klager seinem Gegenüber vier der fünf folgenden Games zu Null überlassen und dabei statistische Horror-Zahlen über sich ergehen lassen. Von 3:5 im zweiten Satz bis 0:1 zu Beginn von Durchgang 3, musste Klager drei Games in Serie zu Null beklagen, insgesamt 0:16 Punkte verdauen, und nur ein Pünktchen aus den letzten 21 Ballwechseln waren fast schon sowas wie Majestätsbeleidung für den Sandplatz-König von 2013 und 2014.

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Stabrawa auch im dritten Satz ganz souverän

Klager wurde in dieser Phase brutal und bitterst vorgeführt, von einem Victor Stabrawa, der einerseits recht Fehler minimierend sein viertes Karriere-Grand-Slam-Finale bestritt, vorallem aber taktisch äußerst clever den Erfolgsweg in Richtung zweitem HTT-French-Open-Titel beschritt. Immer wieder streute der 23jährige vom WAT Ottakring seine bei der Konkurrenz so gefürchteten Mondbälle ein, dazu mixte Stabrawa seine Grundlinienschläge mit viel Topspin, vorallem aber waren es die extremen Tempowechsel, mit denen die Nummer 10 des Turniers seinem Gegenüber keinerlei Rhythmus gewährte. Zwei Mal konnte sich der Titelverteidiger im dritten Satz noch retten, als er kassierte Breaks zum 0:1 und 2:3 postwendend ausgleichen konnte. Den Aufschlagverlust zum 3:4 – übrigens wieder zu Null – konnte der Ranglisten-Zweite aber nicht mehr kompensieren. Stabrawa hielt sein Service, und langte im letzten Game des 24. Sangenor-Mai-Grand-Slam-Finales noch einmal ordentlich mit einem “zu Null-Game” hin.

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Die statistischen Daten rund um den HTT-French-Open-Sieg des Victor Stabrawa

Damit stand der 6:4, 6:3, 6:3 Erfolg des Victor Stabrawa fest, der völlig verdient auch in dieser Klarheit ausgefallen ist, und auf einer soliden, fehlerarmen Leistung basiert. 102 Punkte, 74 Prozent an ersten Aufschlägen, im Vergleich zum Semifinale gegen Heiter diesmal nur 5 statt 21 Doppelfehlern, und vorallem eine halbwegs ausgewogene Punkte-Fehler-Bilanz von 35:44 machten den Stabrawa-Erfolg möglich, mit dem auch wieder einige bemerkenswerte Statistken einher gehen. Der 23jährige feierte wie erwähnt seinen zweiten HTT-French-Open-Turniersieg nach 2011, womit er der sechste Spieler in der Open Ära seit 1990 ist, der das Mai-Grand-Slam-Turnier mehr als einmal gewinnen konnte. Neben den beiden Rekord-Gewinnern Martin Kova und Klaus Hofer mit je vier Titeln, steht Stabrawa nun auf einer Stufe mit den 2fach-Champions Bernhard Nagl, Alexander Geisler und Peter Klager. Mit seinem insgesamt dritten HTT-Grand-Slam-Titel kletterte der WAT-Ottakring-Star in der ewigen Bestenliste aller Major-Champions auf Platz 7, gleichauf mit den ebenfalls drei Mal erfolgreichen Roman Ainberger, Mario Kiss und Patrick Schwing. Stabrawa feierte seinen insgesamt 40. Einzelsieg auf Sand, schraubte seine Match-Bilanz auf roter Asche auf 40:7 und freute sich über den 6. Sandplatz-Titel seiner Laufbahn. Obendrein ist Stabrawa im 38. Saisonturnier 2015 bereits der 35ste verschiedene Sieger, und in der neuesten Ausgabe der HTT-Entry-List mit Position Nr. 8 in die Top 10 zurückgekehrt.

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Victor Stabrawa im Sieger-Interview: “Ich konnte locker drauf los spielen”

“Es ist einfach ein geniales Gefühl, dieses Turnier gewonnen zu haben. Ich hätte nie und nimmer mit dem Titel gerechnet. Mein Ziel war eigentlich, ins Viertelfinae zu kommen, und dort gegen Philipp Schneider zu spielen. Das würde schwer genug werden, und so habe ich gar nicht weiter gedacht. Auch heute für das Finale hatte ich keinerlei Erwartungen, und so konnte ich auch locker drauf los spielen”, erklärte Stabrawa in einer ersten Reaktion. “Besondere Taktik oder Matchplan hatte ich keinen, aber während des Finales habe ich bemerkt, dass ich ihm über die Rückhand spielen muss, um dort auf seine Fehler zu warten, die er mit dem Slice gemacht hat. Danach habe ich einfach losgespielt, und ab dem zweiten Satz war das eine richtig gute Leistung von mir”, analysierte der frischgebackene Mai-Grand-Slam-Sieger. “Nach dem Gewinn des erstes Satzes habe ich gewusst, da ist heute was möglich. So ab Anfang dritter Satz war mir klar, dass ich den Sieg ziemlich sicher in der Tasche habe, weil sich Klager oft ärgerte, und ich richtig gut in der Partie drinnen war”, so der 23jährige, der dann noch Vergleiche zwischen seinen beiden eroberten HTT-French-Open-Titeln zog: “Der erste Sieg 2011 hat mir mehr bedeutet, weil es eben der erste Sieg war, und ich noch jünger war. Aber schwerer war natürlich in jedem Fall der heurige Erfolg, weil das Niveau um ein vielfaches höher war”.

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Klager im Interview über den großen Druck der auf ihm lastete

Während Stabrawa also über die Wiederholung seines 2011er-Triumphs beim Mai-Grand-Slam-Turnier jubelte, musste Peter Klager die bislang bittersten Momente seiner HTT-French-Open-Ära erfahren. Er der erfolgsverwöhnte Seriensieger musste zum ersten Mal nach 17 Siegen das Gefühl einer Niederlage verarbeiten, und er tat das in ähnlich großem Stil wie als strahlender Sieger der vergangenen beiden Jahre. “Natürlich ist es ein bitterer Tag, aber andererseits bin ich riesig froh und sehr erleichtert, dass es endlich vorbei ist. Ich war heute einfach unwillig mich zu bewegen, und das vom ersten Punkt weg. Das hohe Spiel von Stabrawa habe ich erwartet, und irgendwie war ich heute auch vom Pech verfolgt”, so der entthronte Titelverteidiger, der auch den Druck auf seine Person beklagte. “Ich habe das schon oft gesagt. Es wird von einem ständig erwartet das man gewinnt, und niemand hat eine Ahnung, was das für eine unfassbare Arbeit ist, Spiel für Spiel zu gewinnen, weil das die Allgemeinheit erwartet. Hätte ich heute gewonnen, wäre es nichts Neues und nichts Besonderes gewesen. Dann hätte jeder gesagt, war eh klar. Das ist halt schon mühsam. Es ist immer schwieriger wenn man der Gejagte ist, erst recht wenn man schon zwei Mal gewonnen hat, dann versucht jeder gegen dich zu gewinnen”, resümierte Klager, der aber auch einfach nicht seinen besten Tag hatte. Neben müden Beinen und der fehlenden Spritzigkeit, krankte das Klager-Spiel am Mittwoch Abend am Dr. Karl Waltl-Weg vorallem am Aufschlag. 73 Prozent brachte Klager an ersten Aufschlägen ins Feld des Gegners, eine eigentlich ganz gute Quote. Doch erschreckend lesen sich die lediglich im 30 Prozent-Bereich liegenden Werte, die Klager an Punkten nach diesen 73 Prozent erzielen konnte. 64 unerzwungene Fehler bei nur 22 Winnern sind natürlich auch nicht Klager-Standart, und sieben Games in denen er nicht einen einzigen Punkte schaffte, unterstreichen noch die Klager-Ohnmacht über weite Strecken dieses 94. Grand-Slam-Finales der Geschichte. Übrigens: Die Eltern des Ranglisten-Zweiten haben jetzt vor, einmal eine Weile lang kein Endspiel ihres Sohnes mehr zu besuchen. Der Grund: Klager hat die letzten drei HTT-Endspiel verloren!

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