Tristesse pur

Jänner-Without-Top-Ten-Turnier kommt nicht so richtig in Schwung

Dem Jänner-Without-Top-Ten-Turnier 2006 fehlen weiterhin die Highlights und ein wenig Stimmung. Auch der 2. Spieltag am Samstag, mit neuerlich vier Matches auf dem Programm, versank in trostloser Atmosphäre und verkam am Ende zu einer matten Kopie des Vortages. Ein Eröffnungsspiel mit enttäuschender Spielkultur, ein erstes Dreisatzmatch, das zum “Langweiler” mutierte, eine mit Spannung erwartete Rückkehr der “indischen Bombe”, die allerdings nicht zündete und zum “Rohrkrepierer” wurde, und schließlich das Duell der “Defensivkünstler”, das in einer kurzweiligen One-Man-Show ausartete.

Ein Bericht vom 2. Spieltag beim Jänner-Without-Top-Ten-Turnier von Claus Lippert.

Novaks Auftaktpleiten “Die Achte”

Die “unendliche Geschichte” der “Novak`schen Erstrundenpleiten” erfährt auch beim Jänner-Without-Top-Ten-Turnier eine Fortsetzung. Schön langsam wird aus dieser Story ein Fortsetzungsroman, wo Werner am frühen Samstag Nachmittag Kapitel Nummer 8 schrieb. Der 36jährige scheiterte nämlich gleich zum Auftakt nach einer indiskutablen Vorstellung an Ermin Dzafic und handelte sich mit einem 2:6, 3:6, die 8. Erstrundenniederlage in Serie ein. In einem von niedrigster Spielkultur geprägten Duell zweier zuletzt nicht gerade erfolgsverwöhnter Spieler, sicherte sich Dzafic als der weniger schwache Spieler den Einzug ins Viertelfinale. Es war teilweise erschreckend, in welcher Form sich Novak präsentierte. In einem wahren Sammelsurium an Fehlern hatte Werner an diesem Tag in jeder Hinsicht etwas zu bieten. Fehler am Netz oder von der Grundlinie, Fehler mit der Vorhand oder mit der Rückhand, der Linkshänder lief in ein spielerisches Debakel. “Das war heute wahrscheinlich das schlechteste Match meiner Karriere. Es hat überhaupt nichts funktioniert. Ich bin nie ins Spiel gekommen. Dabei kam mir die Spielweise meines Gegners entgegen. Er hat so gespielt, wie ich eigentlich vor hatte, ihn zu schlagen”, analysierte der 36jährige eine der bittersten Stunden seiner Karriere. Werner wäre aber nicht Werner, wenn er dem momentanen Negativ-Lauf nicht auch was Witziges abgewinnen würde. Und so forderte er den Veranstalter auf: “Schreib ganz einfach – Jetzt hat Novak die achte Erstrundeniederlage in Serie kassiert, damit fehlen ihm nur mehr zwei Niederlagen auf seinen Rekord aus der letztjährigen Hallensaison. Ob er das schaffen wird?”. Während Novak also nach der 8. Pleite erstmals recht heftig und hart mit sich selbst ins Gericht ging, und mit Eigenkritik nicht sparte, zeigte sich Dzafic trotz Beendigung seiner “kleinen Un-Serie” mit 2 Niederlagen zuletzt, auch nicht gerade euphorisch. “Wenigstens die Niederlagenserie ist zu Ende, und ich habe wieder einmal eine Runde überstanden. Was meine Leistung heute wert ist, kann man nicht sagen. Denn eigentlich habe ich fast nichts zu diesem Sieg beitragen müssen, weil Werner mit seinen vielen Fehlern alles selbst erledigt hat. Wirklich gut habe ich wohl aber auch nicht gespielt”, urteilte der Sieger, der am Sonntag im Viertelfinale gegen den Sieger der Partie Krammer gegen Fassl übrigens den 50. Einzelsieg seiner Karriere einfahren könnte

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Missglücktes Comeback – Jelena Trifunovic verliert ihr Hallen-Debüt nach schwacher Leistung gegen Dinter in drei Sätzen

Den “niveauarmen Auftakt” endlich überstanden, quälten im zweiten Match des Tages Florian Dinter und Jelena Trifunovic die Zuseher am Centercourt. Und das exakt 121 Minuten lang, ehe Dinter im “ersten Duell der Geschlechter” im neuen Jahr mit 6:3, 4:6, 6:2 die Oberhand behielt. Was soll man sagen zu einem Spiel, in dem ein 16jähriger Teenager seine Trainingsleistung nicht abrufen kann und vor den Augen ihres Trainers weit unter Normalform über den Court läuft, während dieser weiß, dass sein Schützling die vorhandenen technischen Möglichkeiten nicht ausspielen kann. Und auf der anderen Seite des Netzes stand ein junger Mann, der auch seiner Herbstform nachläuft, und zeitweise geblendet von den gelegentlichen Genie-Blitzen seiner Gegnerin wie gelähmt wirkte. Dinter schlich phasenweise apathisch und lethargisch über den Platz, beinahe im Bode-Miller-Stil, wenn der im Starthaus steht. Ob am Ende Dinter die Partie gewonnen, oder Trifunovic das Match verloren hat, versuchte Tourcoach Harald Selak gemeinsam mit Jelena zu analysieren. “Ich bin heute wirklich von ihrer Vorstellung enttäuscht. Sie hat zuletzt im Training echt überzeugt. Ich war mir sicher, dass sie diese Erstrundenpartie gewinnen wird. Aber sie hat heute gerade einmal 50 Prozent ihres Leistungsvermögens ausgespielt”. Auch Trifunovic selbst war nach ihrem missglückten Hallen-Debüt auf Tour-Ebene enttäuscht. “Im letzten Satz waren zwei Entscheidungen gegen mich. Aus meiner Sicht waren die Bälle klar “in”, aber mein Gegner hat sie “out” gegeben. Das hat mich aus der Konzentration gebracht und mir letztlich das Match gekostet”, polterte der weibliche Jungstar der Tour. “Alles Ausreden” ließ Coach Selak die auch aus seiner Sicht “skandalösen Outrufe” Dinters nicht als Gründe für die Niederlage und die schwache Leistung Jelenas gelten. “Ich höre immer nur die anderen sind schuld. Ich will von Jelena hören, dass sie selbst schuld am Ausscheiden trug und nicht ihre Leistung im Match abrufen konnte”. Und nach einiger Zeit des “Niederlage-Verdauens” versuchte die 16jährige August-Without-Top-Ten-Finalistin die Gründe ihres Scheiterns zu erklären. “Mir fehlt ganz einfach die Spiel- und Matchpraxis. Ich habe seit September gerade einmal drei Sparring-Matches bestritten”. Eine korrekte Einschätzung, wenn man den ersten Tour-Auftritt Jelenas seit 23.9.2005 betrachtete. Sie wirkte vor allem zu Beginn des Spieles nervös, gehemmt und “unlocker” in den Beinen, im Schlagarm und erst recht im Kopf. Nur sporadisch zeigte der Teenie, was in ihr steckt. Da landeten die kleinen gelben Filzkugeln von Jelenas Vorhand abgeschossen wie Granaten im Feld von Dinter. Mehr als erschrecken konnte sie ihn aber nicht, weil die Konstanz fehlte. “Daran arbeiten wir ja gerade im Moment. Ich erkläre ihr immer, dass er genügt wenn der Ball mit 140km/h unerreichbar im Feld des Gegners landet. Aber Jelena will halt mit 200 km/h den Punkt machen, und da passieren eben die vielen Fehler”, meinte Selak. Wie auch immer. Das Jelena aggressives, druckvolles und letztlich vor allem auch erfolgreiches Tennis zu spielen im Stande ist, wissen wir. Das hat sie ja auch im Vorjahr schon bewiesen. Es ist eben nicht jeden Tag Sonntag, und solche Spiele gehören auch zur Entwicklung eines jugendlichen Tennisspielers. Auch wenn es heute nicht zum Sieg reichte, eine wichtige Erfahrung war es allemal. Und auch der Sieger, der übrigens sein 15. Match auf der Tour bestritten hatte, war nach verwandeltem Matchball heilfroh über den knappen Sieg. “Ich bin überrascht, dass es zum Erfolg gereicht hat. Beim Einspielen habe ich gesehen, wie stark Jelena ist. Ich bin vor allem happy, dass ich im dritten Satz trotz 0:2 Rückstand noch gewonnen habe”, freute sich Dinter.

Ebner-Solo beim Jänner-Without-Top-Ten-Turnier – auch Klaus Leister kann den Jänner-GP-Finalisten nicht gefährden

Von trostlosen Stimmungen, Formtiefen und sonstigen negativen Einflüssen unbeeindruckt, spaziert derweil Hans Ebner durch den Jänner-Without-Top-Ten-Raster. Der 36jährige Niederösterreicher fertigte nach seinem souveränen Erstrundenerfolg über Christian Schindler auch Achtelfinalgegner Klaus Leister deutlich ab. 6.2, 6:0, nach knapp 50 Minuten beendete Ebner die One-Man-Show und ein letztlich einseitiges Spiel. Dabei hatte man einen interessanten, ausgeglichenen Schlagabtausch zweier Defensivkünstler erwartet. Ebner mit dem Aufwind seiner Leistungen im Jänner, und Leister mit neuem Racket, der angenommene Höhepunkt des zweiten Spieltages war als fulminanter Schlußpunkt angesetzt. Doch daraus wurde nichts, weil Ebner auch im zweiten Antreten beim Jänner-Without-Top-Ten-Turnier seine ganze Klasse ausspielte. Der Jänner-GP-Sieger beeindruckte Gegner und Zuseher mit einer unglaublichen Ballsicherheit, glänzte mit Übersicht, imposanter Beinarbeit, und “knackte” seinen Gegner mit einer sensationell niedrigen Eigenfehler-Quote. “Da war nichts zu machen. Ebner hat phantastisch gespielt”, streute der Unterlegene seinem Bezwinger Blumen. “Es ist verdammt schwer gegen Ebner zu spielen. Er beherrscht jeden Schlag, macht mit der Vorhand Druck, hat einen extrem gefährlichen Rückhand-Slice und auch sein Service ist sehr gut. Ich bin leider momentan nicht so gut in Form und auch körperlich nicht in der Lage um solch konstante Spieler zu bezwingen. Ich muss mir auch überlegen, ob ich die Rückhand wieder einhändig spiele. Um meinen Oberarm zu schonen, habe ich zuletzt beidhändig geschlagen. Mir hat auch meine recht lange dauernde Krankheit im Dezember viel an Substanz gekostet. Und das viele Doppelspiel in letzter Zeit war meinem Tennis im Einzel auch nicht unbedingt förderlich. Das soll aber alles keine Ausrede sein, Ebner hat hervorragend gespielt und verdient gewonnen. Jetzt ist er für mich der absolute Favorit auf den Turniersieg”, verkündete Leister.

Patrick Meinhart entschärft “indische Bombe” – Jaswinder Saroy beim Comeback chancenlos

Für den Vorjahres-Viertelfinalisten und Sensationsmann der 2005er Ausgabe des Jänner-Without-Top-Ten-Bewerbes Jaswinder Saroy ist das Turnier nach nur einem Auftritt schon wieder vorbei. Der indische Tourbeitrag unterlag im “Duell der Comebackspieler” Patrick Meinhart doch recht deutlich mit 1:6, 2:6, und kassierte die vierte Erstrundenniederlage in Folge. Das Kräftemessen der Underdogs, die beide zuletzt beim November-GP 05 im Einsatz waren, endete mit einem unspektakulären Spiel, in dem Meinhart stets “Herr der Situation” war, und das Erstrundenduell immer im Griff hatte. So feierte der 16jährige im 15. Spiel seiner Laufbahn einen völlig verdienten Sieg, und analysierte danach zufrieden: “Ich bin froh über den Erfolg. So hoch und klar habe ich noch nie gewonnen. Nach meiner längeren Pause durch die Operation habe ich am Ende der Partie schon ein wenig die Müdigkeit verspürt”. Und auf die Frage nach seinen Erwartungen für den achtelfinalen Auftritt gegen Andreas Hradtezky meinte der Junior selbstbewusst. “Na einen Sieg natürlich”. Von einem Sieg war Jaswinder Saroy am Samstag Nachmittag weit entfernt. Der Asiate wirkte beim ersten Tour-Auftritt 2006 indisponiert und fehlerhaft. “Es hat nichts geklappt. Ich bin schlecht zum Ball gestanden, die Griffhaltung war falsch, das war einfach gesagt nichts. Ich bin aber auch erst vorige Woche aus Indien zurückgekehrt. Von 25 Grad dort auf -10 hier in Österreich, das war ein Kälteschock. Ich muss wieder trainieren, zum Glück haben wir ja noch bis Mai Zeit um für die Meisterschaft in Form zu kommen. Ich denke im Frühjahr werde ich wieder stärker spielen, sicher besser als im Vorjahr”, zeigte sich Jaswinder optimistisch. Und zum Abschied vom Jänner-Without-Top-Ten-Turnier lieferte er noch einen Gag zum Schmunzeln. Auf die Frage welche Ziele er für die neue Saison habe, antwortete Saroy: “Unter 80 möchte ich kommen, aber nicht auf die Ranglistenplätze bezogen, sondern auf mein Gewicht”.

Claus Lippert, 05.Jänner 2006