Kunz & Scharbl sind Doppel-Masters-Sieger 2006

Jetzt ist sie also endgültig vorbei die Freiluftsaison der Hobby-Tennis-Tour im Jahr 2006, und geendet hat sie am Donnerstag Nachmittag mit einem echten Knalleffekt. Michael Kunz und Josef Scharbl haben im Endspiel des Doppel-Masters-Turniers 2006 die hochfavorisierten Titelverteidiger Claus Lippert und Franz Korger mit 6:1, 6:1 verprügelt. Der Finalbericht von C.L

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Lippert-Korger im Finale noch viel schwächer als in der Vorrunde

Wie hatte der dreifache Doppel-Champions-Race-Sieger Claus Lippert angesprochen auf die deutliche Vorrundenniederlage gegen Kunz-Scharbl vor dem Finale noch gemeint: “Ein zweites Mal werden wir nicht so schwach spielen wie am vergangenen Sonntag”. Wie recht er doch haben sollte. So schwach wie im ersten direkten Duell mit den neuen Doppel-Masters-Siegern im letzten Vorrundenspiel der blauen Gruppe waren die Vorjahressieger Lippert-Korger diesmal nicht. Nein, sie waren noch viel schwächer. Ausgezogen waren die beiden Doppel-Stars um den zehnten gemeinsamen Titel beim Masters zu holen, vom Centercourt und dem Traum einer erfolgreichen Titelverteidigung Abschied nehmen mussten sie wie geprügelte Hunde. Dabei wurde im Vorfeld des Saisonanschluss-Turniers der besten Doppelspieler der Tour nur darüber gerätselt wer die Topfavoriten ins Finale begleiten wird dürfen.

Indiskutabel und inferior – die Finalvorstellung der Titelverteidiger

Das waren am Ende die Juni-Super-4-Sieger Michael Kunz und Josef Scharbl, die von der Konkurrenz zwar als “zu beachten” eingestuft wurden, mit dem Titelgewinn aber nicht in Zusammenhang gebracht wurden. Auch nicht nach dem souveränen Vorrundenauftritt, folgte danach doch wieder ein Zittersieg im Semifinale gegen Jeannine und Reinhard Hos. Lippert-Korger werden das Ding schon wieder schaukeln, sich im entscheidenden Moment sicher nochmals steigern, lautete die allgemeine Meinung zum Masters-Finale. Doch von “schaukeln und steigern” war in den knapp 50 finalen Minuten keine Spur. Im Gegenteil: Indiskutabel, katastrophal, einfach inferior muss man das bezeichnen, was Lippert und Korger als Finalvorstellung anzubieten hatten. Kaum einmal ein selbst erzielter Punkt, total außer Form und komplett verunsichert machten die 4fachen Saisonsieger aus dem wichtigsten Doppelmatch des Jahres eine lockere Trainingseinheit für die neuen Champions.

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Kunz-Scharbl spielen momentan das “modernste Doppel” auf der Tour

Der Spielverlauf ist schnell beschrieben und bei weitem weniger interessant als die anschließenden Aussagen der vier Finalprotagonisten. Schon der Beginn des dritten Doppel-Masters-Finales deutete das bevorstehende Debakel der Champions-Race-Sieger an. Mit 0:7 Punkten startete man katastrophal in ein Spiel, in dem man schon vor dem ersten Ballwechsel “mental” im Rückstand war. Natürlich hatten Kunz und Scharbl durch den Vorrundensieg einiges an Rückenwind und Selbstvertrauen in dieses zweite Duell innerhalb von 96 Stunden mitgenommen. Die rasche 4:0 Führung verstärkte dieses Gefühl zusätzlich, sorgte für so was wie einen kleinen Spielrausch bei Michael und Josef. In diesem “Rausch” erst einmal richtig in Fahrt gekommen, demolierten sie die Vorjahressieger mit einer sensationell hohen Quote an ersten Aufschlägen, mit einer beinahe fehlerfreien Vorstellung am Netz, und das alles in einer höchst modernen Art Doppel zu spielen. Jeweils bei 0:4 glückte den enttäuschenden Titelverteidigern zumindest “das Anschreiben” mit einem Ehrengame. Mehr war am Ende nicht möglich, so unglaublich das auch klingen mag. Wenn ein Claus Lippert in einem ganzen Match nur einen einzigen Volley – und den erst im zweiten Versuch – verwandeln kann, wenn ein Franz Korger mehr Returns an den Zaun setzt als ins gegnerische Spielfeld, und die Gegner souverän und konstant ihr Spiel durchziehen, dann können eben auch solche Resultate zustande kommen.

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Große Freude und Zufriedenheit bei den neuen Doppel-Masters-Siegern

Spannender als das einseitige Geschehen am Centercourt davor, waren die Stellungnahmen und Analysen der vier Finalisten. “Ein Supergefühl, ich hätte vor dem Turnier nie und nimmer geglaubt das wir den Masterstitel holen können. Aber wir haben uns im Verlauf des Turniers enorm gesteigert”, freute sich Josef Scharbl, der für viele Tourinsider und Mastersbeobachter der beste Spieler des Turniers war. “Wir freuen uns natürlich sehr, sind extrem zufrieden mit unserer Vorstellung hier beim Masters. Das wir dieses Turnier gewinnen können hätte ich schon gedacht, überrascht war ich eher wie klar es uns am Ende gelungen ist. Vor allem hätte ich nicht gelaubt, dass die Vorrundengruppe so eindeutig an uns gehen wird”, zeigte sich Michael Kunz unmittelbar nach Spielende begeistert. Und der vor allem im Endspiel souverän aufschlagende Niederösterreicher hatte im Augenblick des Triumphs auch ein wenig Verständnis für die schwer geschlagenen Endspielgegner. “Es gibt so Tage, da geht einfach überhaupt nichts. So einen hatten Lippert und Korger heute eben. Ich weiß wie das ist. Mir ist es zuletzt so im Viertelfinale des Oktober-Without-Top-Ten-Turniers gegen Robin Douglas gegangen, wo ich in den Sätzen 2 und 3 nur ein Game gemacht habe. Das Schlimme daran ist nicht nur das man extrem schlecht spielt und einem überhaupt nichts gelingt, noch härter ist das Gefühl nicht zu wissen was man tun soll”, meinte Kunz.

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Entthronte Titelverteidiger rätseln über unerwartete Unform

“Das ist der absolute Tiefpunkt, so schlecht habe ich noch nie in einem Doppel gespielt”, ließ Lippert einen ersten verbalen Ärger ab. “Rückblickend auf das Match heute und eigentlich auf das ganze Turnier kann man nur sagen, es ist unglaublich wie schnell man außer Form kommen kann und wie verunsichert man dann plötzlich in einem Metier agiert, wo man sich sonst eigentlich nicht leicht schlagbar fühlt. Ich denke wir hätten mit der heutigen Leistung mit Sicherheit gegen kein Doppel aus dem Mastersfeld gewonnen, und selbst auf der gesamten Doppel-Tour fallen mir nicht viele Teams ein, die wir diesmal besiegt hätten. Wir haben eine auf den Deckel bekommen, vieleicht waren wir zuletzt schon ein bißchen arrogant in der Art wie wir gespielt haben. Andererseits muss man Michael Kunz und Josef Scharbl echt gratulieren. Sie haben ein tolles Tennis im Finale gespielt und daher verdient gewonnen. Und wir dürfen auch nicht unzufrieden sein. Wir haben schon so viele große Titel gewonnen, können daher die heutige Niederlage sicher gut verkraften auch wenn sie recht heftig ausgefallen ist. Und für das gesamte Geschehen auf der Tour war der Erfolg von Kunz und Scharbl auch sehr wichtig und erfrischend”, erklärte Lippert. “Es bleibt uns nichts anderes übrig als die Niederlage zu akzeptieren. Man muss mit Sicherheit auch solche Momente erleben, um dann wieder große Siege feiern zu können. Natürlich ist es enttäuschend wie wir uns präsentiert haben, aber es gibt so Tage das klappt einfach nichts. Claus trifft die Volleys am Rahmen oder gar nicht, ich die Returns nicht, aus unseren Stärken sind im Finale plötzlich unsere Schwachstellen geworden. Die Leistung hätte maximal gegen schwächere Teams aus der Rangliste gereicht, aber nie und nimmer für ein Mastersfinale. Wir waren leider im wichtigen Moment nicht in Form. Ich hatte schon bei meinen ersten Schlägen ein schlechtes Gefühl, irgendwie hat in den letzten Tagen das Timing gefehlt. Meine Gratulation aber an Kunz und Scharbl, sie waren im Finale einfach die Besseren und haben verdient gewonnen”, analysierte Korger.

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Lippert & Korger trösten sich mit Sieg im Doppel-Champions-Race

In der Tat haben sich Michael Kunz und Josef Scharbl verdient in die Siegerliste des Doppel-Masters-Turniers eingetragen. Mit dem 6:1, 6:1 haben sich die beiden Aufschlaghünen nicht nur ihren zweiten Karriere-Titel gesichert, sondern praktisch im direkten Duell die bisherigen Doppel-Könige Lippert-Korger vom Thron gestoßen. Die entthronten Titelverteidiger in einem Turnier gleich zweimal zu schlagen ist bis dato auch noch keinem anderen Team gelungen. Schon allein deshalb sind “Mike & Jo” die verdienten Champions 2006 und problemlos in die doch recht großen Fußstapfen von Lippert & Korger getreten. Auch wenn für die Geschlagenen so manch vor dem Finale angepeiltes Ziel unerfüllt blieb, zum Beispiel der zehnte gemeinsame Doppeltitel, oder Lipperts 80. Karriere-Turniersieg, so gibt es am Ende der Doppelsaison doch auch das ein oder andere Trostpflaster. Immerhin haben die beiden Doppelstars wie im Vorjahr den Titel “Champions-Race-Sieger” an Land gezogen, Lippert übrigens bereits zum dritten Mal in Folge. Und nicht zu vergessen ist auch die Superserie, die “Claus & Franz” in die Rekordbücher der Hobby-Tennis-Tour hievte. 31 Matches in Folge gewonnen, das ist sowohl auf Einzel- wie auch auf Doppelebene unerreicht.

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Claus Lippert, 21. Oktober 2006