Gesetzten-Sterben beim 24. Sangenor-Mai-Grand-Slam-Turnier geht munter weiter

Nach dem frühen Aus des an Nummer 8 gereihten Alexander Scheller, hat es am zweiten Spieltag der 24. Auflage des Sangenor-Mai-Grand-Slam-Turniers gleich drei weitere gesetzte Spieler erwischt. Alexander Lovrek war direkt aus Valencia angereist und nach den Reisestrapazen nicht in der Lage, gegen Stefan Karrer in drei spannenden Sätzen sein Zweitrunden-Ticket zu lösen. Das vorzeitige Aus ereilte am Freitag Abend auch Terra-Rossa-Star Andreas Tolunay, der sich in einer im Eklat endenden Partie gegen Kevin Alexander Köck knapp in drei Sätzen geschlagen geben musste. Die Sensation zum Tag war aber mit Sicherheit das Ausscheiden von Renee Glatzl. Der an Nummer 5 gereihte Topstar vom Team Donaufeld, scheiterte in seinem Auftakt-Match an Michael Haslinger und einer akuten Handgelenksverletzung. Dazu gab es einen neuen – von Martin Kova aufgestellten – HTT-Rekord, und Doppel-Olympiasieger Marcus Rotter kann doch noch gewinnen! Ein Bericht von C.L

img_8884

Renee Glatzl scheitert mit Handgelenksverletzung an Michael Haslinger, und muss sich erstmals seit dem HTT-Wimbledon-Turnier 2012 wieder in Runde 1 eines Grand-Slam-Turniers geschlagen geben

Der erste absolute Topstar der 24. Auflage beim Sangenor-Mai-Grand-Slam-Turnier 2015 im UTC La Ville ist raus! Renee Glatzl, Jänner-Grand-Slam-Champion von 2014 und insgesamt 6facher Turniersieger auf der Hobby-Tennis-Tour, strauchelte am Freitag Nachmittag in Runde 1 des zweiten Saison-Grand-Slam-Turniers, und zog gegen den Hollabrunner Underdog Michael Haslinger nach einer bitteren Auftakt-Niederlage den Kürzeren. Glatzl war nach einem Sturz auf sein rechtes Handgelenk im Vorfeld dieses Turniers mit dem Wissen in sein 204. Karriere-Single gegangen, dass es wohl ganz schwierig werden würde, ein absolutes Spitzenresultat einzufahren. So war es dem 21jährigen Neo-Donaufelder im ersten direkten Duell mit Michael Haslinger nicht möglich, seinen im Circuit so gefürchteten Vorhand-Drive einzusetzen. Stattdessen musste sich Glatzl mit dem ungewohnt wirkenden Vorhand-Slice behelfen, und das ging nur genau so lange gut, bis Haslinger “den Braten gerochen hatte”. 6:3 hatte die Nummer 5 des Turniers den ersten Satz gewonnen, im zweiten Heat lange dagegen gehalten und nur hauchdünn mit 5:7 verloren, ehe er im dritten Durchgang nur mehr die wunderschöne “Tennisgarnitur” seinen Ausrüsters von Team Donaufeld am “4er” des UTC La Ville präsentierte. Bei 1:4 stoppte Glatzl den Wahnsinn, und damit war die erste Auftakt-Niederlage des Jungstars auf Grand-Slam-Ebene seit dem HTT-Wimbledon-Turnier im Jahre 2012 besiegelte. Dazu hatte Glatzl ein weiteres trauriges Kapitel in Sachen HTT-French-Open aufgeschlagen. Beim 6. Antreten seit seinem Debüt im Jahr 2006 setzte es für den Jungstar zum dritten Mal eine Auftakt-Pleite, besser als im Achtelfinale (2013 – Niederlage gegen Mathias Wagner) konnte sich der Power-Server beim Sandplatz-Höhepunkt der HTT nie in Szene setzen. “Ich wollte es einfach versuchen, und ein paar Grand-Slam-Punkte für die Jahreswertung mitnehmen, rechtfertigte Glatzl sein Antreten, während Sieger Michael Haslinger trotz Sensations-Erfolges “die Kirche im Dorf lassen wollte”. “Der Renee war sichtlich gehandicapt, von daher möchte ich diesem Sieg keine so große Bedeutung beimessen”, betonte Haslinger.

img_8899

Alexander Lovrek muss Reisestrapazen Tribut zollen und verliert in drei Sätzen gegen Stefan Karrer, Andreas Tolunay verliert eine im Eklat endende Major-Auftakt-Partie gegen Kevin Alexander Köck und muss sich mit der bereits 7. Erstrunden-Niederlage in Serie abfinden

Jeweils in drei Sätzen mussten sich am zweiten Spieltag des Sangenor-Mai-Grand-Slam-Turniers auch die Gesetzten Alexander Lovrek und Andreas Tolunay geschlagen geben. Der an Nummer 8 gerankte Alexander Lovrek musste sich in seinem Erstrunden-Vergleich mit dem ebenbürtigen Stefan Karrer mit 6:3, 5:7, 3:6 beugen, und dabei wohl den Reisestrapazen seines Valencia-Trips Tribut zollen. Damit verpasste der 41jährige nicht nur ein Zweitrunden-Duell mit der einzigen Dame im Feld Julia Burgstaller, sondern auch die relativ gute Auslosung, die sich in seinem Raster-Viertel nach dem Ausscheiden von Alexander Scheller ergab. Die bereits 7. Erstrunden-Niederlage in Serie kassierte derweil Terra-Rossa-Star Andreas Tolunay in seinem Erstrunden-Match mit Kevin Alexander Köck. Im Duell zweier HTT-250er-Saison-Champions begegnete man sich lange Zeit auf Augenhöhe, wobei Tolunay zunächst wie der sichere Sieger aussah. Köck schaffte aber die Wende, holte sich Durchgang 2 mit 6:3, und hievte die Partie direkt hinein in einen Abbruch wegen Dunkelheit. Dann kam es zum Eklat, weil man sich in einer elends langen und vorallem ohne Lösung endenden Diskussion um die Fortführung der Begegung widerfand. Eine Finalisierung in der Halle lehnte Tolunay zunächst ab, Alternativtermin für den kommenden Tag um das Spiel auf Sand fortzusetzen, konnte Tolunay auch nicht anbieten. Nach langem Hin & Her einigte man sich schließlich bei 2:2 im dritten Satz auf eine Indoor-Fortsetzung, und dort setzte Tolunay dann die Partie endgültig in den Sand. Wutentbrannt verließ der 22jährige Februar-HTT-250-Champion das La-Ville, während sich Köck auf ein mögliches Zweitrunden-Duell mit Comeback-Star Gerald Stangl einstellen darf.

img_8928

Martin Kova bei seinem 17. HTT-French-Open-Start mit einer Erstrunden-Niederlage gegen Wolfgang Dworzak

Er ist noch immer der HTT-French-Open-Rekordchampion und jener Spieler, den man unweigerlich mit dem Mai-Grand-Slam-Turnier und seiner umfangreichen Geschichte in Verbindung bringt. Die Rede ist von Martin Kova, der in den Rekordbüchern dieses traditionsreichen Sandplatz-Klassikers so oft aufscheint wie kein anderer Spieler. Mit 4 Triumphen auf der roten Asche (2000, 2001, 2003, 2004) ist der mittlerweile 32jährige gemeinsam mit Klaus Hofer (Sieger 1994, 1996, 1998, 1999) der erfolgreichste HTT-French-Open-Akteur der Open Ära. Noch imposanter sind die statistischen Fakten, die Kova in seiner so außergewöhnlichen Karriere bei diesem Turnier angesammelt hat. Am Freitag Abend war der 30fache Turniersieger zum bereits 17. Mal im HTT-French-Open-Einsatz, womit der ehemalige Ranglisten-Erste seit seinem Debüt im Jahr 1999 keines der Mai-Grand-Slam-Events ausgelassen hat. Grandios liest sich auch seine Matchbilanz bei diesem Mega-Event. In 47 Matches errang Kova 35 Siege bei 12 Niederlagen, und mit 14 Siegen in Serie hält Kova auch “noch” den Rekord für die meisten Einzelerfolge bei den HTT-French-Open in Serie.

img_8934

594 Karriere-Matches – Martin Kova stellt Uralt-Rekord ein, und zögert sein Karriere-Ende für einen weiteren Mega-Rekord noch ein wenig hinaus

An diesen unglaublichen Bestmarken lässt sich für Kova anno 2015 zwar nicht mehr schrauben, dennoch stellte die HTT-Legende am Freitag Abend einen neuerlichen Rekord auf. Genau genommen stellte er in seinem Erstrunden-Duell gegen Wolfgang Dworzak vom WAC eine bestehende Rekordmarke nur ein, stand der 32jährige vom TC Top Serve doch zum 594. Mal für ein Single-Match auf einem der Courts im Rahmen der Hobby-Tennis-Tour. Damit zog er mit Claus Lippert gleich, der 2007 seine Karriere beendete, und ebenfalls 594 Einzelmatches bestritten hatte. Auf den alleinigen Rekord mit Karriere-Single Nr. 595 muss der nur mehr bei Grand-Slam-Turnieren an den Start gehende Kova aber zumindest noch bis zum heurigen HTT-Wimbledon-Turnier warten. Denn gegen Dworzak hatte “Chancen-Tod” Kova mit 2:6, 1:6 deutlicher als erwartet keine Chance auf seinen 99. Grand-Slam-Einzelsieg. Damit muss der mittlerweile auf Position Nr. 109 im HTT-Computer abgerutschte Kova auch wegen dieser Statistik sein geplantes Karriere-Ende noch ein wenig hinauszögern. Den Rekord für die meisten Einzelsiege auf Grand-Slam-Ebene möchte sich Martin zum Abschluss seiner phantastischen HTT-Karriere auch sichern, und den hält “noch” Claus Lippert, der es auf exakt 100 Siege bei Grand-Slam-Turnieren brachte.

img_8675

Und er kann ja doch noch siegen! Nach 1.285 sieglosen Tagen feiert Marcus “Rotti” Rotter in der HTT-French-Open-Quali einen siegreichen Doppelpack

Im Finish des zweiten Spieltages beim 24. Sangenor-Mai-Grand-Slam-Turnier hat dann noch eine unfassbare Negativ-Serie ein Ende gefunden. Marcus Rotter, Olympiasieger im Doppel von 2009 an der Seite von Michael Kunz kann doch noch gewinnen. Erstmals seit 20. November 2011 und nach exakt 1.285 sieglosen Tagen, konnte sich Rotter endlich wieder einmal zu einem vollen Erfolg auf der HTT gratulieren lassen. Besser noch! Nach dreieinhalb trostlosen und erfolglosen Jahren ohne auch nur einen einzigen Sieg, heimste der 40jährige am Freitag Nachmittag gleich ein Erfolgserlebnis im Doppelpack ein. Zunächst kämpfte “Rotti” in Runde 1 der HTT-French-Open-Qualifikation den Colony-Junior Leon Schwarz in über zweieinhalb Stunden mit 7:5, 4:6, 7:5 nieder, ehe er sich mit einem souveränen 6:0, 6:3 Erfolg über Manfred Ader für das Quali-Finale am Samstag Vormittag gegen Peter Felsbach empfehlen konnte. Zu Ende ist damit auch seine 7 Niederlagen umfassende Pleitenserie an Erstrunden-Ausrutschern, und zudem sind auch die allerersten Siege im Rahmen der HTT-French-Open überhaupt eingefahren. “Jetzt brauche ich dringend meine Badewanne zur Entspannung. Hoffentlich kann ich morgen noch gehen”, verabschiedete sich der Ottakringer.