Die Favoriten haben ins Oktober-Without-Top-Ten eingegriffen

Am zweiten Spieltag des Oktober-Without-Top-Ten 2006 haben erstmals auch die Favoriten des letzten Outdoor-Events des Jahres ins Turniergeschehen eingegriffen. Michael Kunz, Robin Douglas & Co gaben sich erwartungsgemäß keine Blöße, die Schlagzeilen an diesem Samstag beim 120. Sandplatz-Turnier der Geschichte produzierten aber andere Spieler. Ein Bericht von C.L

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Walter “Hulk” Posteiner sorgt für die Show des Nachmittags

Der Mann des Tages, oder der Spieler über den man am zweiten Spieltag am meisten gesprochen hat war mit Sicherheit Walter Posteiner. Vor einer Woche noch in aller Munde ob seines Semifinal-Einzugs beim September-Grand-Prix-Turnier und dem grandiosen Auftaktsieg über Michael Berger, sorgte der 40jährige diesmal für die Unterhaltung an diesem wolkenverhangenen Nachmittag. Ende des zweiten Satzes im Erstrundenmatch mit Christian Schindler ging die Action los. Posteiner verlor Durchgang 1 mit 2:6, kämpfte sich aber bravourös und in gewohnter Manier ins Spiel zurück. Lohn dafür war vorerst ein erspielter Satzball, den er aus seiner Sicht auch verwandelt hatte, der tatsächlich aber um wenige Zentimeter im Out landet. Es war die Szene des Spieles, praktisch der Aufgalopp für eine Posteiner-Show der etwas anderen Art. Zunächst krachte Walters Schläger etliche Male gegen die Mauer und Zaunbegrenzung, und als sein Racket den Geist nicht aufgeben wollte, riß er sich in Hulk-Manier sein T-Shirt vom Körper. Grün vor Wut, erreichte er noch den Tie-Break, vergab dort als Zugabe noch zwei weitere Satzbälle, ehe Christian “Gösser” Schindler den Sack zumachen konnte. “Ich bin voll übermüdet, habe keinen Bock mehr”, fluchte Posteiner beim Abgang. Die Lacher und das Interesse der Zuseher waren ihm dennoch gewiss.

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Favoriten setzen sich problemlos durch

Am zweiten Spieltag wurde es auch erstmals für die Favoriten des Turniers ernst. September-Without-Top-Ten-Sieger Michael Kunz hat seinen Auftakt kurz und schmerzlos gestaltet. Im Eröffnungsspiel des Tages deklassierte er Mersich-Bezwinger Jakob Kerschenbauer mit der Höchststrafe, womit er einerseits seine Chancen auf den Without-Top-Ten-Titel-Hattrick in dieser Saison wahrte, und auch im Kampf um einen Masters-Startplatz weiter im Gespräch bleibt. Co-Favorit Robin Douglas musste sich am gestrigen Samstag in Geduld üben. Zunächst wurde der Deutsche von seinem Erstrundengegner Daniel Zecevic grundlos und unentschuldigt versetzt, ehe er zumindest im Doppel erstmals Turnierluft schnuppern konnte. Mit Alex Udovc an seiner Seite, gewann der September-Grand-Prix-Halbfinalist gegen das Duo Posteiner-Svatek mit 6:1 und 6:4. Die Zeit dahin konnte sich Douglas auch mit einem Training mit der Nummer 1 der Tour Christoph Wagner vertreiben. Ebenfalls souverän und ohne Probleme ist der Olympia-Zweite von 2004 Michael Kovar in sein erstes Oktober-Without-Top-Ten-Turnier gestartet. Der 19jährige Mödlinger erreichte das Achtelfinale mit einem morgendlichen Doppelschlag und lediglich sieben abgegebenen Games. Zunächst schaltete er in der Runde 64 Josef Scharbl mit 6:0, 7:5 aus, wobei Kovar in diesem Erstrunden-Kracher mit dem klaren Gewinn des ersten Satzes den Grundstein zum Aufstieg legte. “Den ersten Satz habe ich wohl ein bißchen verschlafen”, konstatierte Scharbl. Eine Runde später setzte sich Kovar dann im Duell der beiden Vize-Olympiasieger gegen Armin Zadic (Kovar 2004, Zadic 2006) deutlich durch. Den 2:6, 0:6 Ausrutscher nannte Zadic “einen Rückfall in alte Zeiten”. “Ich habe heute so schlecht gespielt wie zu Beginn der Frühjahrssaison als ich zweimal gegen Posteiner fürchterlich verloren habe. Ich bin im Moment aber auch im Kopf nicht richtig frei”.

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Berger scheitert an Udovc, Svatek nur mit Mühe im Achtelfinale

Sieg und Niederlage, das ist die Bilanz von August-Without-Top-Ten-Sieger Michael Berger. Der 39jährige musste sich nach seinem Doppelpack-Auftritt mit der Tatsache abfinden, dass gegen zwei “Kaliber” binnen vier Stunden anzutreten, kräftemäßig momentan nicht sein Ding ist. Dabei legte der dreifache Turniersieger auf der Hobby-Tennis-Tour mit dem Auftakterfolg über Christoph Kramer eigentlich recht ordentlich los. Den Verlust des ersten Satzes rasch weggesteckt, holte sich Berger gegen einen stark spielenden Gegner noch das Match und sein Achtelfinal-Ticket. Eine Stunde später gegen den noch immer um einen Masters-Startplatz kämpfenden Alexander Udovc war die Berger-Herrlichkeit vorbei. Udovc bestimmte mit seinen druckvollen Schlägen von der Grundlinie das Geschehen nach Belieben, und zog mit 6:3, 6:3 als dritter Spieler ins Viertelfinale ein. “Zwei Spieler dieser Klasse hintereinander kann ich derzeit nicht schlagen. Es wäre auch im Match gegen Udovc was drinnen gewesen. Im zweiten Satz hätte ich nachsetzen müssen. Udovc war aber sehr stark”, meinte Berger. Mit großer Mühe, letztlich aber doch noch den Weg ins Achtelfinale hat die Nummer 1 des Turniers Philipp Svatek gefunden. Der 25jährige war auch in der Fortsetzung des am Vortag wegen Dunkelheits abgebrochenen Spieles gegen Neuling Clemens Schober alles anders als souverän. 4:6, 6:4, 6:4 lauetete das Endergebnis, das weder den Sieger noch den Verlierer so richtig zufrieden stellen konnte. “Ein Wahnsinn, ich bin komplett außer Form”, schimpfte Svatek, während sich der unterlegene Tour-Newcomer Clemens Schober eher ruhig und sachlich Gedanken zu seinem Tour-Debüt machte. “Ich will jetzt keine Ausreden suchen, denn eigentlich bin selber Schuld. Ich hätte diese Partie gewinnen müssen. Allerdings habe ich jetzt drei Jahre kein Tennis gespielt, da wird in der nächsten Saison sicher noch einiges gehen”, blickte der Debütant zuversichtlich in die Zukunft.

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Holzer entscheidet Centercourt-Mararthon gegen Scheller für sich

Einen Marathon-Auftritt haben am Samstag Nachmittag am Centercourt die Herren Michael Holzer und Alexander Scheller hingelegt. Über zweieinhalb Stunden lang flog der kleine gelbe Filz über das Netz, mit “‘Up and downs” für beide Akteure. Es war eine Hochschaubahnfahrt der Gefühle die Scheller und Holzer in diesen knapp drei Stunden durchlebten. Scheller sicherte sich Satz 1 im Tie-Break, Holzer dominierte den zweiten Heat, ehe im spannungsgeladenen dritten Durchgang die Entscheidung fallen musste. Scheller hatte zunächst bei 5:3 den Sieg vor Augen, doch ein “finale furioso” bescherte Holzer den nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg. Danach war Scheller wie vom Erdboden verschluckt, suchte rasch das Weite um wie er meinte “niemanden mit seiner schlechten Laune zu belästigen”. “Ich will keine Ausreden suchen, und gratuliere Holzer zu seinem Sieg”, richtete er via Handy aus.

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Perepelkin der letzte Kämpfer aus russischem Trio

Das russische Oktober-Without-Top-Ten-Trio ist bis zum Viertelfinale auf einen Mann zusammen geschrumpft. Stanislav Perepelkin hält die Fahnen weiter hoch, siegte der Tour-Debütant doch am Samstag gegen Roman Zimmermann in drei Sätzen. In einem recht ausgeglichenen Match gewann Zimmermann nach 0:3 Rückstand den ersten Satz mit 7:5, ehe der 32jährige im zweiten Heat von der Konstanz seines russisches Gegners überrascht wurde. Die Entscheidung fiel dann leider nicht mit verwandeltem Matchball, sondern mit einer unglücklichen Aktion Zimmermanns. Beim Versuch einen aussichtslos scheinenden Ball zu retournieren, verriss er sich verkehrt zum Netz stehend das Kreuz. Damit endete das am Freitag so erfolgreich angelaufene Comeback Zimmermanns frühzeitig. “‘Ich bin dennoch nicht unzufrieden. Es war ein kleiner Schritt aus der Krise, wenngleich ich noch meilenweit von meiner Höchstform vergangener Jahre entfernt bin”. Zufrieden zog auch Perepelkin nach seinem zweiten Tour-Match Bilanz. “Ich hatte lange Zeit Probleme das richtige Gefühl für das Spiel und die Bälle zu finden, aber danach ist es gut gelaufen”. Zufrieden trotz Niederlage war auch Perepelkin-Landsmann Alexander Komarov. Nach seinem Dreisatzsieg zum Auftakt über Rene Karlik, lieferte sich Komarov auch im zweiten Match seiner Tour-Karriere einen drei Sätze dauernden Marathon. Diesmal allerdings mit dem besseren Ende für seinen Gegner, der Nihad Berzengi hieß und als 6:7, 6:4, 6:2 Sieger den Court verließ. “Ich bin zufrieden, aber ich kann noch besser spielen”, analysierte Komarov.

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Claus Lippert, 8.Oktober 2006