Thomas Peyerl – nur 2 Punkte fehlten zum ersten Saison-Einzelsieg

Das Resümee des ersten vollen Outdoor-Wochenendes auf der Hobby-Tennis-Tour im Jahr 2015 fällt eindeutig aus! Die Jugend ist weiter unaufhaltsam auf dem Vormarsch, und “drauf & dran”, im 21. Saisonturnier bereits den 8. Titel eines U20-Spielers einzufahren. Der einsame Kämpfer im Rudel erfolgshungriger Junior-Stars bei der 5. Auflage des April-HTT-150-Turniers ist Stephan Böhm. Der 43jährige stemmt sich im Semifinale der Phalanx  an Youngsters entgegen, die an diesem April-Weekend im “Centercourt Südstadt” wieder einmal klar den Ton angegeben haben. Ein Bericht von C.L

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Harte Zeiten für arrivierte HTT-Spieler

Es sind harte Zeiten angebrochen für routinierte und lang gediente Spieler im Circuit der Hobby-Tennis-Tour. Als aktuelles Beispiel für diese These dient das derzeit am südlichen Stadtrand von Wien stattfindende April-HTT-150-Turnier, bei dem die Jugend einmal mehr die “Pace” vorgab, während sich die arrivierte HTT-Klientel mit netten Nebenrollen begnügen musste. Die “Kindergarten-Lobby” frühstückte die mit über 1000 Turnierteilnahmen höchst erfahrene “Rentner-Gang” ab, und peilt scheinbar unaufhaltsam die Nachfolge von David Hühne als April-HTT-150-Champion an. Wir machen nochmals einen Blick zurück auf das vergangene Turnier-Wochenende auf der HTT, und beginnen mit dem zweiten Spieltag am Samstag, wo namhafte HTT-Größen von anno dazumal wie Michael Kunz oder Christoph Kramer im Einatz waren.

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Marcus Rotter nach Auftakt-Niederlage gegen Dominic Böhm bereits seit 1.238 Tagen sieglos

Eröffnet wurde der zweite Spieltag aber von Marcus Rotter, der sich im Duell mit Domenic Böhm einem gleich um 26 Jahre jüngeren Kontrahenten gegenüber sah. Allerdings waren wohl nicht die fast drei Jahrzehnte Altersunterschied das große Rotter-Problem an diesem Vormittag, sondern vielmehr die etlichen Kilos zuviel auf den Rippen und die unendlich lange Tourpause mit der daraus resultierenden fehlenden Matchpraxis. Es war also ein ungleiches Duell vom ersten Aufschlag an, in dem Rotter aber gar keine so schlechte Figur machte, sich teuerst verkaufte, und das Beste aus den bescheidenen Möglichkeiten machte. Im 120. Single-Match seiner Karriere, hielt Rotter den ersten Satz lange Zeit offen, ehe ihm im Finish natürlich die Substanz fehlte, um sein talentiertes 14jähriges Gegenüber niederkämpfen zu können. Am Ende setzte es ein 5:7, 3:6, und die insgesamt sechste Erstrunden-Niederlage in Serie. Was eigentlich gar nicht so schlimm klingt! Denn weitaus besorgniserregender liest sich da schon der Umstand, dass Marcus Rotter sein letztes Single auf der Hobby-Tennis-Tour vor fast dreieinhalb Jahren gewonnen hat. Am 20. November 2011 war es, als der 40jährige in Runde 1 des November-Challenger-Turniers eine gewisse Katharina Tiefenbrunner mit 6:2, 6:0 abfertigte, und damit letztmals das Gefühl eines Sieges auf der Hobby-Tennis-Tour auskosten durfte. Damit verlängerte sich die Durststrecke des Doppel-Olympiasiegers von 2010 ohne Sieg auf elends lange 1.238 Tage.

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Das Hartplatz-Dilemma des Michael Kunz – der 43jährige verpasst mit Niederlage gegen Michael Höfler die angepeilte Wiedergutmachung für das März-1000er-Debakel

Mit desatrösen Bilanzen ist auch Michael Kunz konfrontiert, zumindest auf den Hartplätzen im “Centercourt Südstadt” wie das ehemalige Tennispoint seit Jahresbeginn heißt. Mit den “betonierten” Courts am südlichen Stadtrand von Wien wird Michael Kunz in diesem Leben wohl kaum mehr Freundschaft schließen. Der 43jährige Deutsch Wagramer, der in das 21. Saisonturnier als Nummer 4 gestartet war, erlebte am Samstag Nachmittag den nächsten herben “Hartplatz-Dämpfer” seiner Karriere. Der HTT-Wimbledonsieger von 2008 krachte nach einem Freilos in Runde 1, gleich bei seinem ersten Auftritt im Achtelfinale gegen Michael Höfler in eine 3:6, 3:6 Niederlage, und damit in die nächste Pleite binnen 14 Tagen. Eigentlich stand der 139. Turnierstart des Michael Kunz ja ganz im Zeichen der Wiedergutmachung für die pleitöse Vorstellung beim März-Masters-Series-1000-Turnier vor zwei Wochen, als Kunz in rekordverdächtigen 29 Minuten in ein Doppel-Null-Debakel rauschte, und nur um ein Haar dem Eintrag in die Rekordbücher für das am schnellsten verlorene Match des Open Ära entkam. Nun, Kunz verkaufte sich im Duell mit Höfler nicht nur ergebnistechnisch weitaus besser als vor 14 Tagen beim historischen Debakel gegen Renee Glatzl, zufrieden kann der Deutsch Wagramer nach dem verlorenen NÖ-Derby gegen seinen 17jährigen Gegner aus Brunn aber nicht sein. Auch statistisch verdeutlicht das 3:6, 3:6 das ganze Kunz-Dilemma auf den Hartplätzen der Südstadt. Der 43jährige brachte es in den letzten 12 Matches in der Südstadt auf nur einen mageren Sieg. Bei seinen letzten 10 Turnierstarts am Stadtrand von Wien setzte es 9 Erstrundenniederlagen, schlimmer gehts nimmer!

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Thomas Peyerl trennten im “Nostalgie-Derby” gegen Vorjahresfinalist Christoph Kramer nur zwei Pünktchen vom ersten Saisonsieg

Spannend verlief derweil das “Nostalgie-Derby” zwischen Thomas Peyerl und Christoph Kramer. Zusammen haben sie 437 Turnierteilnahmen hinter sich, und so ist es eigentlich verwunderlich, dass sich die beiden Tour-Routiniers bis zum letzten Samstag erst einmal im dirketen Duell gegenüberstanden. Am 12. Juni 2009 war es, als Kramer in der Runde der letzten 64 beim Juni-HTT-250-Turnier, Peyerl mit 7:6, 3:6, 6:2 niederkämpfen konnte. Die Zeichen standen also auf Revanche, erst recht, als Peyerl bei seinem dritten April-HTT-150-Antreten nach 2011 und 2013 bei 6:3 6:5, 30:0 und eigenem Aufschlag ganz dicht und nur 2 Punkte vom dritten Aufstieg ins Achtelfinale stand. Es wäre nicht nur die gelungene Revanche für das bisher einzige Duell im Jahre 2009 gewesen, sondern auch sein 130. Karriere-Einzelsieg, vorallem aber der erste volle Erfolg im Jahr 2015. Doch Peyerl kassierte das Break zum 6:6, verlor den “Tie-Breaker” und am Ende Durchgang 3 sogar mit 0:6. Vorjahresfinalist Kramer bedankte sich artig, feierte seinen 295. Karriere-Einzelsieg und durfte weiter vom 25. Finaleinzug seiner einzigartigen Laufbahn träumen.

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Alexander Sterzl kann Erstrunden-Leistung nicht bestätigen

Ausgeträumt hatte am Samstag Nachmittag hingegen Alexander Sterzl, der am Tag zuvor noch mit einer beachtlichen 6:1, 6:0 Gala in Runde 1 gegen Lucas Rydl aufwarten konnte, diesen glänzenden Eindruck aber 24 Stunden später nicht bestätigen konnte. Gegen Mauler-Bezwinger Michael Schwärzli war schon nach wenigen gespielten Minuten “Schluss mit lustig”. Natürlich war der 19jährige vom Alt Erlaaer TC ein ganz anderes zu bekämpfendes Kaliber als der “matte Lucas Rydl” in Runde 1, vorallem der Spielverlauf in der Anfangsphase killte aber jegliche Sterzl-Hoffnungen auf eine Achtelfinal-Überraschung. Der “kleine” Schwärzli servierte wie der Teufel, spielte große auf, und demontierte seinen Gegner mit der in Spielerkreisen ungern gesehehen “Null”. Spielerisch hatte Sterzl in diesem ersten Satz nicht viel zu bieten, Moral bewies der mittlerweile bereits 45jährige aber doch! Der September-Challenger-Sieger von 2007 konterte in großem Stil, nahm Schwärzli zwei Mal dessen Aufschlag ab, und führte plötzlich 3:0. Ein Marathon-Game folgte, in dem Sterzl bei eigenem Aufschlag viel Spielbälle zum 4:0 ausließ, ein teurer Luxus wie sich in der Folge herausstellen sollte. Womöglich hätte dieses Achtelfinal-Duell einen anderen Verlauf genommen, wahrscheinlich mindestens einen dritten Satz gesehen, doch “hätte-wenn und aber” zählen ja bekanntlich nicht. Und so demonstrierte Schwärzli nach vollbrachtem Break zum 1:3 seine große Klasse, legte einen zweiten “Run” in diesem Match auf den 2er-Court des “Centercourt Südstadt” hin, und holte sich nochmals 6 Games en suite zum letztlich sicheren 6:0, 6:3 Erfolg über Alexander Sterzl, der ihm im Head to Head auch die 2:0 Führung einbrachte.

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