Sandplatz-König kommt gegen Hartplatz-Queen mit einem blauen Auge davon

Der Sieger des ersten HTT-Masters-1000-Saisonturniers Peter Klager hat am frühen Samstag Nachmittag die Siegesserie von Hartplatz-Queen Ines Kreilinger auf den Courts des Tennispoint Südstadt auf recht glückliche Art und Weise beendet. Die Titelverteidigerin unterlag dem 2fachen HTT-French-Open-Champion zum Auftakt des 20. März-Masters-Series-1000-Turniers nach 2:04 Stunden mit 6:1, 4:6, 1:6, und kassierte nach 6 Siegen en suite die allererste Niederlage beim März-1000er-Event überhaupt. Als glorreiche Heldentat wird der Klager-Sieg in seinem 80. HTT-Karriere-Match allerdings nicht in Erinnerung bleiben. Im Gegenteil, der Ranglisten-Dritte bettelte im Geschlechter-Duell mit der mehrfachen Olympiasiegerin fast zwei Sätze lang um eine Niederlage, die am Ende gar nicht unverdient gewesen wäre. Eineinhalb Stunde lang nervte der 6fache Turniersieger mit einem permanenten Gejammere ob der widrigen äußeren Verhältnisse, spielte grottenschlecht, stand bei 1:6, 4:4 dicht vor dem Aus, und kam am Ende doch noch mit einem blauen Auge davon. Ein Bericht von C.L

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Peter Klager schrammt gegen Hartplatz-Queen Ines Kreilinger nur haarscharf an seiner allerersten HTT-Auftakt-Niederlage vorbei

Das große Schlagerspiel zur ersten Runde der 20. Auflage beim März-Masters-Series-1000-Turnier in der Südstadt zwischen dem 2fachen HTT-French-Open-Gewinner Peter Klager und Vorjahressiegerin Ines Kreilinger hat am Samstag Nachmittag zwar nicht das gehalten was der “battle of sexes” versprochen hatte, dennoch war das erste direkte Duell zwischen Klager und Kreilinger am zweiten Spieltag des 20. Saisonturniers abseits des Wetters das große sportliche Gesprächsthema. Denn entgegen den allgemeinen Erwartungen gab es nicht die große One-Man-Show des Peter K., sondern beinahe die nächste Hartplatz-Gala der Ines K. Bei äußerst turbulenten Windbedingungen haderte Klager vom ersten Ballwechsel an mit den unwirtlichen Gegebenheiten, und leistete sich mit 0:7 Punkten einen echten Fehlstart. Ein Malheur, das Klager im Normalfall locker zu korrigieren im Stande ist, doch diesmal artete das Ganze in einer blamablen Pleite aus. Der Auftritt des 22jährigen Ausnahmekönners war eines Top 3 Spielers mehr als unwürdig. Nerviges Gejammere über nicht änderbare Fakten hatten ein sportliches Fiasko zur Folge. Eine unterirdische Aufschlag-Performance, grottenschlechte Grundlinienschläge, ein echtes Trauerspiel aus Sicht des favorisierten Sandplatzkönigs, während sich Kreilinger in professioneller Manier mit den grausigen Wetterverhältnissen arangierte, und für eine taktische Meisterleistung mit dem Gewinn des ersten Satzes belohnt wurde. Mit 6:1 hatte die an der Grundlinie souverän agierende Oberösterreicherin den ersten Durchgang heimgespielt, und um ein Haar hätte Hartplatz-Queen Kreilinger dem Sandplatzkönig vom TWR 21 sogar eine historische Niederlage zugefügt. Noch nie hat Klager seit seiner HTT-Zugehörigkeit eine Erstrunden-Pleite kassiert, am Samstag Nachmittag hätte er sie aber wohl verdient. Bis 4:4 war die Titelverteidigerin auf Kurs Achtelfinale, ehe sie ein enges Game zum 4:5 nicht gewinnen konnte, und schließlich nach Abwehr von zwei Satzbällen das 4:6 zur Kenntnis nehmen musste. Der in der Folge nachlassende Wind, und ein stärker und vorallem sicherer werdender Peter Klager sorgten im Finish dafür, dass die große Überraschung zum zweiten Spieltag schließlich ausgeblieben war.

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Auf Glatzls Spuren – Christoph Straninger und Vladimir Vukicevic scheiteren bei ihren Kantersiegen nur knapp am Rekord für das schnellste Single der HTT-Geschichte

Der in lediglich 29 Minuten am Eröffnungstag errungene Kantersieg von Renee Glatzl über Ex-HTT-Wimbledonsieger Michael Kunz hat nicht nur für riesiges Aufsehen unter den HTT-Stars, sondern auch für Nachahmungstäter in den Reihen des März-Masters-Series-1000-Turniers gesorgt. Um eine lächerliche Minute hatte Glatzl am Freitag Nachmittag den seit April 2007 bestehenden Harbarth-Rekord für das schnellste Single der HTT-Geschichte verfehlt, und dabei scheinbar die Mitstreiter in der Südstadt animiert, eine kuriose und in dieser Breite noch nicht dagewesene Rekordjagd zu starten. Matches mit einer Dauer um die 30 Minuten haben allerhöchsten Seltenheitswert im Tour-Zirkus, doch an diesem ersten Outdoor-Weekend des Jahres gab es eine fast schon inflationäre Flut an Kantersiegen in Rekordnähe zu bestaunen. Vorjahresviertelfinalist Christoph Straninger schrammte mit seinem 6:0, 6:1 Erfolg über Marcus Schischlik nach exakt 30 Minuten nur 2 Minuten an der 8jährigen Bestmarke und läppische 60 Sekunden am gestrigen Glatzl-Wert vorbei. “Dieses eine Game von Schischlik zum 1:1 im zweiten Satz hat mir den Rekord gekostet”, schmunzelte Straninger, ehe am späten Nachmittag mit dem serbischen Ranglisten-Ersten Vladimir Vukicevic der nächste Rekordjäger an der historischen 28 Minuten-Hürde scheiterte. 31 Minuten benötigte der 2fache HTT-Wimbledonsieger aus Sombor, ehe er sich mit einem 6:2, 6:0 über Daniel Pfeifer sein Achtelfinal-Ticket beim ersten März-Masters-Series-1000-Start seiner Karriere gesichert hatte.

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Markus Hobiger nach Duell mit seinem HTT-Idol und trotz siebenter Erstrunden-Niederlage beim achten März-Masters-Series-1000-Start zufrieden

Von den 12 Erstrunden-Partien am zweiten Spieltag des 20. Saisonturniers endeten nicht weniger als 7 Spiele mit einem sogenannten Kantersieg. Glasklare Erfolge landeten am gestrigen Samstag auch der März-Masters-Series-1000-Champion von 2012 Patrick Wiesmühler, Vorjahresfinalist Stefan Grubmüller, der ehemalige Ranglisten-Erste und 2fache Masterssieger Franz Mayrhuber, Challenger-Stadthallen-Finalist Daniel Riel und der frischgebackene Cash 4 Car Cup-Sieger Philipp Schneider. Letztgenannter setzte sich im Eröffnungsspiel des Tages in 56 Minuten gegen Markus Hobiger durch, und nützte den knapp einstündigen Auftritt beim 6:2, 6:1 als “erstes Kennenlernen der schwierigen Bedingungen” im Tennispoint Südstadt. Der 2fache Masterssieger mit einer durchschnittlichen Darbietung, da war Hobiger am Ende nicht nur die drohende Höchststrafe in Form einer Doppel-Null erspart geblieben, sondern dem 38jährigen Guntramsdorfer sogar ein ganz passabler Auftritt gegönnt. Bei 2:4 hatte “Hobi” gar zwei Breakbälle um auf 3:4 zu stellen, ehe ihn bei seinem achten März-Masters-Series-1000-Start die siebente Erstrunden-Niederlage ereilte. “Ich habe mich nach der Auslosung riesig gefreut. Endlich ist es zum Duell mit meinem HTT-Idol gekommen. Mit meiner Leistung heute bin ich sehr zufrieden. Hoffentlich kann ich in zwei Wochen beim April-HTT-150-Turnier meine heutige Vorstellung wiederholen”, strahlte Hobiger nach seinem 254. Turnierstart bei der abschließenden Pressekonferenz.

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Franz Mayrhuber siegt im 250. HTT-Match seiner Karriere, Patrick Wiesmühler holt 50. HTT-Einzelsieg, und Jürgen Buchhammer als mögliches erstes Opfer der Windlotterie beim März-Masters-Series-1000-Turnier

2012 stand er hier im Semifinale, genauso wie ein Jahr danach beim in die Halle verlegten März-Masters-Series-1000-Turnier 2013. Die Rede ist von Franz Mayrhuber, der sich am Samstag Nachmittag im 250. HTT-Match seiner Karriere keine Blöße gab, und gegen Hartplatz-Debütant Bernhard Kienast einen ungefährdeten 6:2, 6:2 Erfolg erringen konnte. Der 50jährige scheint einer der wenigen Spieler im Feld des 20. Saisonturniers zu sein, der mit den windigen Verhältnissen vor Ort seine Freude hat. “Falls ich am Montag noch im Turnier sein sollte, wünsche ich mir noch stärkeren Wind”, grinste der Routinier verschmitzt. Nichts zu lachen hatte am zweiten Spieltag hingegen Jürgen Buchhammer bei seinem vierten März-Masters-Series-1000-Start. Der 32jährige, der im Vorjahr erst im Viertelfinale an der späteren Siegerin Ines Kreilinger gescheitert war, konnte seiner Favoritenrolle im Duell mit Erste Bank Open Challenger-Finalist Daniel Riel nicht gerecht werden, und warf beim Stand von 0:5 frustriert das Handtuch. Das erste entnervte Windopfer dieses stürmischen Outdoor-Weekends? Buchhammer wollte sich dazu nicht näher äußern! Top eingestellt auf die schwierigen Verhältnisse war auch Vorjahresfinalist Stefan Grubmüller, der sich gegen Patrick Wimmer mit 6:1, 6:1 ins Achtelfinale katapultierte. Ein beeindruckendes 6:0, 6:0 gegen einen wirklich stark spielenden “Samba-Server” gönnte sich Patrick Wiesmühler im Duell mit Reginaldo Dos Santos Silva Junior. Wiesmühler der 2012 den vielleicht kuriosesten Turniersieg der HTT-Geschichte eroberte, als er nämlich mit nur einem Sieg ein ganzes Turnier für sich entschied, feierte gegen Brasiliens Nr. 1 den 50. Einzelsieg seiner HTT-Karriere, und zählt zu den ganz großen Favoriten auf den Gewinn des zweiten HTT-Masters-1000-Turniers in diesem Jahr.

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Dominik Jaros gewinnt einziges Dreisatz-Match des zweiten Spieltages, Adam Goodsell feiert “70er”, und Andreas Tolunay kann gegen Jänner-Grand-Slam-Sieger Bernhard Scheidl nicht das “März-Masters-Series-1000-Wunder” vom letzten Jahr wiederholen

Was tat sich sonst noch auf den beiden Hartplätzen am südlichen Stadtrand von Wien? Christoph Prüger zog mit einem 7:5, 6:1 über Vorjahres-Halbfinalist Hans Kunst in die Runde der letzten 16 ein, wo ein Generationen-Duell mit Franz Mayrhuber winkt. Ebenfalls im Achtelfinale steht Englands Nummer 1 Adam Goodsell. Der Brite feierte gegen den stark spielenden Tour-Newcomer Peter Thek einen 6:4, 6:4 Erfolg und damit den insgesamt bereits 70. Sieg seiner HTT-Laufbahn. Im einzigen Dreisatz-Match des zweiten Spieltages behielt Tour-Neuling Dominik Jaros gegen Alexander Pichler die Oberhand. Der “Neue” siegte nach zweieinhalb Stunden Spielzeit mit 5:7, 6:3, 6:1 und trifft nun im sonntägigen Achtelfinale auf Christoph Straninger. Im Vorjahr noch Riesentöter und in allen Schlagzeilen, endete das heurige März-Masters-Series-1000-Turnier ohne Erfolgserlebnis für Andreas Tolunay. Der 22jährige vom TC Terra Rossa hatte im vergangenen Jahr für Furore gesorgt, als er sensationeller Weise den späteren Mastersstarter Harald Schachinger in Runde 1 entzaubert hatte. Wunder gibt es immer wieder, aber eben nicht in schöner Regelmäßigkeit. Und ein solches wäre wohl ein Erfolg von Tolunay am Samstag Nachmittag gegen den amtierenden HTT-Australian-Open-Champion Bernhard Scheidl gewesen. Zu Beginn spekulierte der Februar-HTT-250-Sieger aus Hernals in seinem 260. Karriere-Single noch mit einer neuerlichen Überraschung, zumal er bis 3:3 sein Service halten konnte. Scheidl aber genügte schließlich ein Break zum 4:3, um sich auf die Siegerstraße zu begeben. Im zweiten Durchgang führte der burgenländische Jänner-Grand-Slam-Sieger rasch mit 3:0, damit war der Einzug ins Achtelfinale nur mehr Formsache.

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