Sieg in 29 Minuten – Glatzl verpasst Rekord für schnellstes Match nur um 1 Minute

Um exakt 15:09 Uhr eröffnete Michael Kunz am gestrigen Freitag Nachmittag mit eigenem Aufschlag im Auftakt-Match gegen Renee Glatzl die Outdoor-Saison 2015 und zugleich einen ersten Spieltag beim März-Masters-Series-1000-Turnier, der wenig Lust auf Tennis unter freiem Himmel machte. Dichte Wolken über Maria Enzersdorf, unterkühlte 10 Grad und immer wieder stürmisch auffrischender Wind, trübten recht rasch die Vorfreude der HTT-Stars auf den ersten Freiluft-Auftritt in diesem Jahr. Ein bißchen was von “Roulette” hatte dieser Eröffnungstag bei der 20. Auflage des März-Masters-Series-1000-Turniers, der mit 4 Spielen zur ersten Runde am Ende aber doch planmäßig über die Bühne gegangen war, und beinahe einen neuen Rekord für das kürzeste und schnellste Single der Tour-Geschichte mit sich gebracht hätte. Ein Bericht von C.L

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Renee Glatzl feiert im dritten Duell mit unterirdisch spielendem Michael Kunz seinen ersten Sieg, verfehlt beim 6:0, 6:0 in 29 Minuten aber den HTT-Rekord für das schnellste Match der Geschichte um lächerliche 60 Sekunden

Jungstar Renee Glatzl ist am Freitag Nachmittag im Eröffnungsmatch der Freiluftsaison 2015 nur haarscharf am Rekord für das schnellste Einzelmatch der Open Ära vorbeigeschrammt. Der 20jährige Mastersfinalist deklassierte zum Auftakt des März-Masters-Series-1000-Turniers einen völlig indisponierten Michael Kunz in nur 29 Minuten mit 6:0, 6:0, und verpasste die von Andreas Harbarth gehaltene und vom 5. April 2007 stammende Bestmarke um eine lächerliche Minute. Genau am selben Court und ebenfalls beim März-Masters-Series-1000-Turnier war es, als Harbarth vor 8 Jahren im Endspiel einen völlig überforderten Heinz Kahler in nur 28 Minuten vom Platz schoss, und sich seinen Eintrag in die HTT-Rekordbücher sicherte. Bei äußerst schwierigen Bedingungen und im 201. HTT-Match seiner Laufbahn, hatte Glatzl leichtes Spiel, um einen in indiskutabler Verfassung befindlichen Michael Kunz durch Sonne und Mond zu schießen. Glatzl, der zum ersten Mal überhaupt beim März-Masters-Series-1000-Turnier in der Südstadt am Start war, begnügte sich bei widrigsten Verhältnissen damit, den kleinen gelben – und immer wieder vom Wind verwehten – Filz im Spiel zu halten, ehe Kunz mit einer unfassbaren Fehler-Lawine sein Debakel quasi selbst einleitete. Nach 14 Minuten war Durchgang 1 erledigt, nach einer weiteren Viertelstunde auch Satz Nummer 2, ehe Glatzl den Rekord für die schnellste Partie der Geschichte knappest verfehlt, und Kunz seine Horror-Negativ-Bilanz auf den Hartplätzen der Südstadt um ein weiteres trauriges Kapitel erweitert hatte. Beim 6. Antreten hier beim März-Masters-Series-1000-Turnier, handelte sich Kunz die fünfte Erstrunden-Niederlage nach 2007, 2008, 2012 und 2014 ein. Aus den letzten 10 Matches hier in Maria Enzersdorf schaute gerade einmal ein Sieg heraus, bei seinen letzten 9 Turnieren im Tennispoint Südstadt setzte es 8 Startpleiten, und insgesamt brachte es Kunz bei 15 Spielen auf den beiden Hartplätzen am südlichen Stadtrand von Wien bei 11 Niederlagen nur auf läppische 4 Siege. “Das war heute gar nichts. Mir war im Vorfeld klar, dass gegen den Renee nichts zu holen sein wird, aber mit einer Doppel-Null habe ich auch nicht gerechnet. Allerdings bin ich richtig weit weg von den besten Spielern”, konstatierte der unterlegene Michael Kunz. Als kleiner Trost für den 43jährigen Deutsch Wagramer bleibt nur ein Blick auf die Head to Head Bilanz mit seinem gestrigen Bezwinger. Da führt Kunz nach drei Duellen gegen Glatzl immer noch mit 2:1.

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Tie-Break-Entscheidung bei Dunkelheit – Rene Degrinis läßt Matchball gegen Filip Markovic aus, und verpasst haarscharf die erste große Überraschung des März-Masters-Series-1000-Turniers 2015

Zum tragischen Helden des ersten Spieltages avancierte am Freitag Abend aber Rene Degrinis. Der frischgebackene März-Challenger-Champion vom WTC steuerte in seinem Auftakt-Match gegen Serbiens Jungstar Filip Markovic lange Zeit einem Überraschungssieg entgegen, führte im dritten Satz 5:3, ließ bei 6:5 einen Matchball aus, um sich schließlich im Tie-Break der Nr. 41 des HTT-Computer-Rankings geschlagen geben zu müssen. Am Ende einer zweistündigen Auseinandersetzung haderte Degrinis aber nicht nur mit dem vergebenen Matchball und der dadurch verpassten Überraschung, sondern auch mit den Lichtverhältnissen, die im Finish längst grenzwertig waren. 18:43 zeigte die Uhr, als Markovic bei längst hereingebrochener Dunkelheit sein 90. Karriere-Match mit Erfolg beendet hatte, und zum zweiten Mal nach 2013 ins Achtelfinale des März-Masters-Series-1000-Turniers eingezogen war. Degrinis wiederum verpasste keine 48 Stunden nach seinem Premieren-Titel beim März-Challenger-Turnier im UTC La Ville den sechsten Sieg in Folge. “Das ist natürlich extrem schade. Ein Spiel zu verlieren in dem man Matchball hatte, ist immer besonders bitter”, klagte der unterlegene 25jährige vom WTC, der zumindest den Titel “härtester Mann des Eröffnungstages” eroberte. Immerhin war Degrinis bei grauslichen Wetterverhältnissen der einzige Akteur, der mit kurzem T-Shirt und kurzer Hose zu Werke ging.

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Thomas Müller und Alexander Scheller erspielen sich in jeweils zwei Sätzen einen Achtelfinalplatz beim zweiten HTT-1000er-Turnier des Jahres

Was tat sich sonst noch am ersten Spieltag unter freiem Himmel im Jahr 2015? Ex-Wimbledonsieger Thomas Müller feierte im Generationen-Duell mit Nikolaus Szava einen sicheren und ungefährdeten 6:2, 6:2 Erfolg, und überstand damit bei seinem 6. März-Masters-Series-1000-Antreten zum 5. Mal die erste Runde. Der 45jährige vom WAC profitierte in einer wenig berauschenden und ebenfalls vom stürmischen Wind beeinflussten Partie von seiner Routine, und erspielte sich ohne zu glänzen einen Platz im Achtelfinale, wo entweder der Ranglisten-Dritte Peter Klager oder Titelverteidigerin Ines Kreilinger warten. Ebenfalls bereits im Achtelfinale steht Alexander Scheller. Der 27jährige bekam es zum Auftakt des zweiten HTT-1000er-Saisonturniers mit Haager-Ersatz Michael Kovar zu tun, und feierte im 140. Match seiner Laufbahn mit 6:3, 6:4 den 85. Sieg seiner Karriere. Kovar hingegen war zum ersten Mal seit drei Jahren wieder auf der HTT im Einsatz. Sein bislang letztes Match bestritt der Mödlinger hier beim März-Masters-Series-1000-Turnier im Jahr 2012, als er im Achtelfinale einem gewissen Mario Kiss mit 3:6, 3:6 unterlag.

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