Die 8 Mastersteilnehmer stehen seit Sonntag Abend fest

Seit Sonntag 16:56 Uhr ist es fix! Markus Hobiger hat nach einer 2:6, 5:7 Niederlage im Viertelfinale des November-Grand-Prix-Turniers die letzte Chance vergeben, sich für das am kommenden Donnerstag beginnende Masters der Hobby-Tennis-Tour zu qualifizieren. Da der 32jährige Guntramsdorfer trotz des frühen Ausscheidens von Gerald Kostolani den Titel beim aktuellen Turnier hätte gewinnen müssen, stehen nun die acht Mastersteilnehmer definitiv und spekulationsfrei fest. Der Ranglisten-Erste Andreas Harbarth, der Wimbledonsieger der HTT Thomas Müller, der letztjährige Salzburger Sandplatzkönig Markus Seitner, Tourrekordler Christoph Kramer, Olympiasieger Franz Mayrhuber, der French-Open-Champion der Hobby-Tennis-Tour Alexander Geisler, der slowakische Hallen-Grand-Slam-Gewinner Branislav Grznar und der 3fache Saisonsieger Gerald Kostolani sind die “8 Glorreichen”, die am kommenden Wochenende um den prestigeträchtigsten Titel des Jahres kämpfen dürfen. Ob sie das auch “wollen” (im Fall von Kostolani) und “können” (im Fall von Müller) ist noch offen, und läßt bis zur Auslosung am Mittwoch (14:00 Uhr live auf www.hobbytennistour.at) noch ein bißchen Spannung und jede Menge Raum für weitere Spekulationen offen. Ein Bericht von C.L

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Markus Hobiger als Ersatzmann zum Masters – das große Reizthema zum Sonntag

Die Situation rund um Kostolani und Müller und ihre unsicheren Masters-Starts sorgte für eine in dieser Form noch nie dagewesene Situation im Circuit. So kommt es heuer erstmals in der 20jährigen Tour-Geschichte trotz entschiedenem “Race to the Masters” zu einer Art Parallel-Rennen um die Position des ersten Ersatzmannes, der sich im gegenwärtigen Moment durchaus berechtigte Chancen auf einen Start im exklusiven Achterfeld beim Masters machen kann. Bis zum vergangenen Samstag galt für diesen “neunten Platz” eigentlich der Februar-First-Series-Sieger Markus Hobiger als erster Kandidat und fast schon gesetzt. Doch mit fortgeschrittenem Turnierverlauf beim November-Grand-Prix hat sich ein neuer ernsthafter Gegenspieler für den 32jährigen Niederösterreicher herauskristallisiert. Deutschlands Nummer 1 Robin Douglas hat nach einem halben Jahr Pause im Finish der Saison plötzlich sein Interesse an einer Masters-Teilnahme entdeckt. Sehr zum Leidwesen von Markus Hobiger, der am gestrigen dritten November-GP-Spieltag aber zum ganz großen Gesprächsthema unter den anwesenden Tourstars wurde. Eine lebhaft geführte Diskussion entwickelte sich, ob es nicht klüger, besser, und laut Meinung so manchen Mitspielers notwendig wäre, dass Hobiger bei Absage eines derzeit qualifizierten Spielers nicht seinen Masters-Startplatz an den 2. Ersatzmann abtreten sollte. “Hobiger beim Masters”, das ist schon seit vielen Wochen das große Reizthema im Circuit, doch das die Stars der Szene so lautstark darüber diskutierten, daran trug der im Fokus stehende Guntramsdorfer selbst die meiste Schuld. Sein trister Auftritt im Achtelfinale gegen Ronald Raith heizte die Diskussion erst so richtig an und warf tatsächlich die Frage auf, ob sich Hobiger als erster Ersatzmann eine Masters-Premiere antun sollte.

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Mit Trauerspiel das Viertelfinale erreicht und zum 2. Mal gegen Ronny Raith gewonnen

Denn was der 32jährige Niederösterreicher am frühen Samstag Nachmittag am 4er-Court des TPV ablieferte, war wahrlich nichts was auch nur im entferntesten mit “Masters” zu tun hatte. Fürchterlich im spielerischen Bereich, so quälte sich “Hobi” fast drei Stunden lang ins Viertelfinale. Angespannt, verkrampft und weit weg von seiner besten Form, mühte sich der 32jährige durch sein zweites direktes Duell mit Raith, ehe er sich abermals knapp in drei Sätzen durchsetzen konnte. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr standen sich Raith und Hobiger in Runde 1 des November-WTB-Turniers 2008 erstmals gegenüber, damals gingen im dritten Satz die Lichter der Hallenbeleuchtung kurzfristig aus, diesmal wohl jene Hobigers in Sachen “Mastersteilnahme”. Noch im Eindruck des exakt 2:49 Stunden dauernden Marathon-Matches, hatte Hobiger seinen knappen Erfolg auf die ganz starke Leistung seines Gegners zurückgeführt. Ob Hobiger da im falschen Spiel mitwirkte? “Ich habe so schlecht gespielt und war in keiner Phase richtig kosequent bei der Sache”, analysierte der unterlegene Raith nach seinem 5. November-Grand-Prix-Antreten, das ihn zum 4. Mal bis ins Achtelfinale brachte. Erst mit dieser Aussage konfrontiert, revidierte Hobiger seine Einschätzungen und diktierte dem Veranstalter eine Phrase in den Notizblock, mit der er seit einigen Wochen viele seiner Auftritte beschreibt. “Ich habe gegen Raith schlecht gespielt. Positiv war nur mein Kampfgeist und am Ende das Ergebnis”. Übrigens: Das Hobiger-Statement nach seinem Dreisatz-Erfolg beim November-WTB-Turnier 2008 gegen Raith lautete damals: “Ich habe verdammt schlecht gespielt. Das einzig Positive heute ist, dass ich eine Runde weiter gekommen bin. So viele Fehler, es war eine einzige Katastrophe und eine grottenschlechte Leistung. So brauche ich nicht vom Turniersieg zu träumen”. En Jahr später wieder miserabel gespielt, will Hobiger “das Träumen” diesmal aber nicht lassen, womit wir nochmals bei den Masters-Ambitionen des 32jährigen sind.

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Die heiße Debatte rund um einen möglichen Mastersstart von Markus Hobiger

Vom verdienten Mastersstart bis zur Aufforderung im Falle seiner Teilnahme den Platz an den nächst besseren abzutreten, Hobiger sah sich am Sonntag Abend nach Ende des Spieltages vielen interessanten Meinungen gegenüber. “Er hat seinen Mastersplatz verdient, aber eine Teilnahme wäre sportlich wertlos”, brachte es Gerald Stangl kurz und bündig auf den Punkt. “Er hat absolut, in keinster Weise und nie und nimmer was beim Masters verloren, aber es ist seine Entscheidung”, befand Robin Douglas, der ja selbst noch um diesen neunten Champions-Race-Platz kämpft”. Auch Deutschlands Nummer 2 David Hühne meldete sich zu Wort: “Der Stefan Rieger hat auch letztes Jahr als Ersatzmann Masters gespielt, warum also nicht auch der Markus Hobiger. Aber sportlich ist es eigentlich sinnlos”. Treffend auch die Meinung von Second-Series-Star Peter Wenitzky: “Das muss der Hobi nach seinem Gefühl entscheiden, und nicht das tun was die anderen sagen oder fordern”. Hobiger selbst schien die heiße Debatte rund um seine Person zu genießen, und er beendete die Diskussion mit einem klaren Statement: “Ich habe es von den Punkten her verdient und werde im Falle einer Absage der Qualifizierten an den Start gehen, egal wie ich dann dort abschneide”. Allerdings könnte sich das Thema “Hobiger & Masters” in den nächsten 48 Stunden auch erledigt haben, dann nämlich wenn März-Super-4-Sieger Robin Douglas am Dienstag den Titel holt.

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Müller-Ersatz Ohanessi wirft Gerald Stangl aus dem Turnier und steht im Semifinale

Allerdings hat Robin Douglas vorerst selbst noch alle Hände voll zu tun, um sich im Rennen um diesen – noch nie so wie heuer begehrten – neunten Champions-Race-Rang zu halten. Denn der 30jährige musste am Sonntag Abend sein Viertelfinal-Duell mit Newcomer Johannes Kiraly beim Stand von 7:5, 2:5 abbrechen. “Der Kiraly ist verdammt stark. Der Grznar kann ihn wegschießen, doch alle anderen werden auch Probleme mit seinem Spiel bekommen”, glaubt der Deutsche. Vorausgesetzt er besiegt heute Abend in der Fortsetzung den Neuling vom TC Vösendorf, dann würde als vorletzte Hürde zum Titelgewinn im Semifinale überraschend Jan Ohanessi warten. Der persische Terra-Rossa-Star hat sich prächtig in der Tour-Familie integriert und auch sportlich längst im Circuit Fuß gefaßt. Nur wenige Tage nach seinem ersten Finaleinzug beim November-First-Series-Turnier, steht der 27jährige abermals im Semifinale. Dabei ist Ohanessi eigentlich nur durch die kurzfristige Absage des verletzten Thomas Müller in den Turnierraster gerutscht. Und dort vertrat der symphatische Perser die Nummer 1 des November-Grand-Prix-Turniers bislang exzellent. Das er Gerald Stangl im Viertelfinale mit 6:3, 6:3 ziemlich deutlich aus dem Rennen nahm, war nicht unbedingt zu erwarten. Auch der Umstand, dass Stangl in seinem 35. Karriere-Turnier ein bißchen an den Folgen einer überstandenen Grippe scheiterte, konnte dem sensationellen Eindruck den Ohanessi hinterließ nicht trüben. Vorallem beim Service beeindruckte der November-First-Series-Finalist Gegner und Zuseher gleicher Maßen. “Der Return war heute der entscheidende Schlag. Er hat großartig retourniert, ich hingegen brachte kaum einen Aufschlag von ihm ins gegnerische Feld”, sah Stangl die Gründe für sein Aus, so wie im Vorjahr übrigens wieder im Viertelfinale. Das Halbfinale der unteren Rasterhälfte bestreiten Robert Libal und Philipp Mayer. Beide mit einem Freilos ausgestattet und bislang ohne Satzverlust, sicherten sich Libal & Mayer recht locker einen Platz in der Vorschlussrunde des 18. November-Grand-Prix-Turniers. Der “US Open-Sieger der HTT von 2008” Robert Libal blieb gegen David Hühne bei einem 6:1, 6:4 Erfolg ungefährdet. Für den Deutschen war es beim dritten November-GP-Start seiner Karriere trotz Niederlage wieder ein kleiner ergebnistechnischer Schritt nach oben. 2007 in Runde 1 noch an Roman Ainberger gescheitert, 2008 gegen Gerald Stangl im Achtelfinale ausgeschieden, könnte nach dem Gesetz der Serie und dem Viertelfinal-Aus heuer im kommenden Jahr das Halbfinale winken. Mit seinen ersten beiden Indoor-Einzelsiegen hat sich September-WTB-Sieger Philipp Mayer einen Platz im Halbfinale gesichert. Nachdem der Schärdinger im Achtelfinale am Samstag die Nummer 1 des Turniers Christoph Kramer ausschaltete, mühte er sich gestern gegen Markus Hobiger mit 6:2, 7:5 in die Vorschluss-Runde.

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Robert Piatek zieht an einem hitzigen Oktober-Second-Series-Nachmittag ins Finale ein

Während beim 18. November-Grand-Prix-Turnier noch ein Viertelfinal-Resultat aussteht, kennen wir beim 4. Oktober-Second-Series-Turnier bereits einen Finalisten. Zum zweiten Mal nach 2007 hat nämlich der polnische Routinier Robert Piatek das Endspiel eines hektischen und aufregenden Nachtrag-Bewerbs erreicht. Während die Grand-Prix-Stars nämlich am Sonntag Nachmittag “am Stammtisch” heftig debattierten, kamen sich die Second-Series-Asse gleich am Court verbal in die Quere. Zwei Matchabbrüche waren die Folge. Zunächst verließ Hitzkopf Peter Wenitzky im Viertelfinale gegen Robert Piatek beim Stand von 2:6, 1:4 den Platz. “Weil der Robert 1.000 Mal auf die Linie schießt, 10.000 Netzroller hat und meine Bälle alle knapp ins Out gehen. Das macht mir keinen Spaß”, polterte Peter nach seinem dritten Oktober-Second-Series-Start. Piatek nahm die entstandene Pause dankend an, und warf auf seinem Weg ins zweite Oktober-Second-Series-Endspiel eineinhalb Stunden später auch Stephan Kallab aus dem Turnier. Der 14jährige Jungstar seinerseits hatte sein “spezielles Erlebnis” aber auch schon eine Runde davor. Das Duell mit Ungarns Orsolya Riesz artet zu einem kleinen Skandal aus. Riesz legte mit einem Traumstart los, führte rasch mit 3:0 und schien auf dem besten Weg ins Halbfinale, als zwischen der tempramentvollen Ungarin, dem Future-Tour-Masterssieger von 2007 und dessen Mama ein heftiger Disput ausbrach. Es ging um einige Out-Entscheidungen, die den Unmut auf beiden Seiten auslösten. “Ob ein Ball in oder out ist, das entscheiden ausschließlich wir die Spieler, da brauchen wir keine Mama und keinen Zuseher”, fauchte die French-Open-Finalistin beim Abgang. “So macht mir das keinen Spaß. Davor das Match mit dem Basel hat soviel Spaß gemacht, aber für dieses Match habe ich jetzt keine Nerven”, ergänzte die Ungarin. “Ich habe mich erst eingemischt, als sich die Fehlentscheidungen gehäuft haben”, rechtfertigte sich Mama Kallab.

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Ältestes Halbfinale der Tourgeschichte – Austen – Piatek & Pliemitscher bringen 160 Jahre Routine ins Oktober-Second-Series-Semifinale

Alles andere als ruhig und beschaulich ging es auch im Centercourt-Schlagerspiel zwischen den Pliemitschers zu. Die viertelfinale Neuauflage des September-Second-Series-Endspiels zwischen Marcel und Fritz wurde zu einer brisanten Angelegenheit. Während der Junior seinen Triumph von vor zwei Monaten bestätigen und wiederholen wollte, brannte Papa Fritz auf “seine” Revanche. Die ihm am Ende nach 2:06 Stunden mit einem 7:6, 6:2 Erfolg auch eindrucksvoll gelang. Mit gewohnter Sicherheit von der Grundlinie und dem großen Trumpf in Form seines Rückhand-Slice-Balles, hatte der zweifache Saisonsieger im Duell mit dem Sohnemann speziell nach dem Gewinn des ersten Satzes die besseren Karten in der Hand. Mit dem Tie-Break hatte Marcel nicht nur den ersten Satz verloren, sondern alsbald auch seine Nerven. Ganz anders als beim denkwürdgen Familien-Finale beim September-Second-Series-Turnier verlor Marcel die Fassung, die Konzentration und am Ende auch verdient das Match. Es war nach 6 Einzelsiegen auf Second-Series-Ebene in Folge die erste Niederlage für den 15jährigen, die er wie folgt kommentierte: “Sein Vorteil in der Halle ist einerseits, dass meine Bälle nicht hoch wegspringen, und andererseits sein Slice, der hier auf Teppich extrem wegrutscht”. Andere Gründe für die aus seiner Sicht gelungene Revanche sah hingegen Fritz Pliemitscher: “Marcel hat deshalb verloren, weil er sich mental nicht unter Kontrolle hatte. So ist er aus dem Rhythmus gekommen und hat mir dadruch in die Karten gespielt”, so der Routinier, der mit seinem Sieg das älteste Halbfinale der Tourgeschichte komplett machte. Er selbst 44 Jahre alt, Louie Austen – der im Viertelfinale Rotter-Bezwinger Andreas Stockerer ausschaltete – mit 63 Jahren der älteste Spieler im Turnier und dazu noch Robert Piatet mit seinen 53 Jahren, macht insgesamt 160 Jährchen, die drei der vier Halbfinalisten auf dem Buckel haben. Einen noch höheren Schnitt drückte der vierte “Mann” im Semifinale, nämlich der 14jährige Trumauer Jungstar Stephan Kallab.

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Claus Lippert, 23. November 2009