Vukicevic holt ersten Sieg als Nummer 1, verpasst aber angepeiltes Tour-Finals-Semifinale

Serbiens Rasenkönig Vladimir Vukicevic hat beim HTT-Masters im UTC La Ville seinen ersten Sieg als Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour gefeiert, sein angepeiltes Ziel das Halbfinale bei der Jubiläums-Ausgabe der Tour-Finals zu erreichen, aber klar verpasst. Der 2fache HTT-Wimbledonsieger gewann am Dienstag Abend zwar das Topspiel am “tennislife.at-Day” gegen Glatzl-Bezwinger Harald Schachinger in 2:24 Stunden mit 6:2, 5:7, 6:2, hätte zum Aufstieg unter die Top 4 beim Saisonfinale der HTT aber einen Zweisatzsieg mit 6 Games Differenz benötigt. Der lag in einem unheimlich spannenden Showdown um das letzte Semifinal-Ticket auch lange Zeit im Bereich des möglichen, führte der 33jährige doch bereits 6:2, 5:2, ehe er den berühmten “schweren Arm” bekam. Lachender Dritter war am Dienstag Abend HTT-Australian-Open-Champion Renee Glatzl. Der 20jährige profitierte vom Ergebnis des letzten Gruppenspieles zwischen Vukicevic und Schachinger, und erreichte mit nur einem Sieg aufgrund des besseren Satzverhältnisses zum zweiten Mal in Folge des Semifinale der HTT-Tour-Finals im UTC La Ville. Seine glatte 4:6, 1:6 Niederlage im zweiten Match des gestrigen sechsten Spieltages gegen HTT-US-Open-Sieger fiel da nicht mehr ins Gewicht. Ein Bericht von C.L

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Damian Roman macht “ultraspannenden Hitchcock-Thriller” zur Night Session möglich

Kein noch so genialer Krimi-Autor hätte diesen gestrigen Schluss-Tag der Gruppenphase bei den HTT-Tour-Finals im UTC La Ville spannender schreiben können, kein noch so kreativer Regisseur die Dramaturgie der sportlichen Entscheidung in Gruppe A besser inszenieren können. Ja, es war ein ultraspannender Hitchcock-Thriller, phasenweise auf phantastischem Niveau, den uns Glatzl-Bezwinger Harald Schachinger und Serbiens Nummer 1 Vladimir Vukicevic am Dienstag Abend zu später Stunde am Centercourt des UTC La Ville geboten haben, und der hunderte HTT-Fans daheim am Live-Ticker fesselte. Das es überhaupt zu einer so unglaublichen Dramatik kommen konnte, war Sportsmann Damian Roman zu verdanken, der sich – obwohl als einziger in dieser Gruppe A fix qualifiziert – zu keinerlei Konzessionen oder Spielchen hinreißen ließ, und sich gegen Renee Glatzl mit 6:4, 6:1 (dazu unterhalb mehr) ungeschlagen den Gruppensieg sicherte, und dafür sorgte, dass das abschließende Duell nicht eines um den berühmten Blumentopf wurde. Ganz im Gegenteil: Der souverän ausgefallene Roman-Erfolg hatte plötzlich auch dem bis dahin in der Gruppenphase mit zwei Niederlagen total enttäuschend abschneidenden Vladimir Vukicevic wieder die Chance eröffnet, mit einem klaren Zweisatzsieg ins Semifinale einzuziehen. Und auch Schachinger profitierte im Vorfeld der abschließenden Night-Session vom Glatzl-Debakel. Mit einem Sieg, egal wie er auch ausfallen würde, hätte sich der 27jährige Deutsch Wagramer für die Vorschluss-Runde beim Saisonfinale der Top 8 qualifiziert.

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Vukicevic wurde Anfangs-Nervosität schneller los, und gewann den ersten Satz mit 6:2

Das in diesem zweiten direkten Aufeinandertreffen der beiden Topstars auf HTT-Ebene richtig viel auf dem Spiel stand, merkte man an der Anfangs-Nervosität, die auf beiden Seiten sichtlich herrschte. Schneller im Griff hatte sich Vukicevic, der sich scheinbar die Taktik zurecht gelegt hatte, mit kontrolliertem Grundlinien-Tennis und starker Defensiv-Leistung einmal abzuwarten, ob sich der bekannt aggressiv spielende Gegner nicht vielleicht “verschießen” würde. Und genau dieser Plan ging auf, den Schachinger “ballerte” alleine im ersten Satz 25 unforced errors und 5 Doppelfehler durch die Halle 5 des UTC La Ville, und sich selbst nach nur 38 gespielten Minuten und drei kassierten Breaks in eine eher ungemütliche Ausgangsposition für den Rest der Partie. Um 23:12 Uhr und nach dem Ende des ersten Satzes war die Rechnung im Semifinal-Poker klar. Vukicevic würde ein 6:4, oder 7:5 im zweiten Satz reichen, um doch noch im letzten Moment auf den Zug in Richtung Halbfinale aufzuspringen, während Schachinger nun zwei Sätze zum Sieg und Semifinal-Einzug benötigen würde. Tja, und dann war da ja auch noch Renee Glatzl, der nach seinem Debakel eineinhalb Stunden zuvor wutentbrannt aus der Halle stürmte, und vom möglichen Semifinale nichts wissen wolte. Daheim am Live-Ticker war auch er wieder im Rennen, und zwar dann, wenn Vukicevic “nur” im Tie-Break gewinnen oder gar erst in drei Sätzen seinen ersten Sieg als Nummer 1 der HTT feiern würde.

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Vukicevic holt sich defensiv und passiv spielend eine 6:2, 5:2 Führung

Vermutlich dürfte Glatzl sein Handy 34 Minuten später abgedreht haben, denn da schien am Centercout des UTC La Ville die entgültige Entscheidung – sowohl im letzten Gruppen-Match als auch in Sachen Halbfinal-Quali – gefallen zu sein. Vukicevic hatte eine Break-Orgie unbeschadet überstanden, und mit zwei durchgebrachten Service-Games zum 1:0 und 5:2 für scheinbar klare Verhältnisse gesorgt. Mit seinem ersten Ass hatte er das 5:2 besiegelt, als er sich bei 6:2, 5:2 zur vermeintlich letzten Wechselpause auf die Bank setzte. Und was sich da im Kopf der 33jährigen abgespielt haben wird, ist wahrscheinlich hier gar nicht möglich zu beschreiben. 1000 veschiedene Gedanken schießen einem da durch den Kopf, die Gefühlswelt in diesen Momenten gleicht wohl einer Hochschaubahn-Fahrt. Es wird eine Mischung gewesen sein, aus Sicherheit aufgrund des klaren Zwischenstandes, aus Unsicherheit, weil im Tennis nichts fix ist und Schachinger mit seiner Art Tennis zu spielen auch einmal fünf, sechs Games raushauen kann, wo auf der anderen Seite des Platzes nichts mehr wächst. Allerdings wird sich Vukicevic nach der Pause wohl mit viel Zuversicht erhoben haben, denn der Matchplan mit “abwarten und sicher spielen”, der ging bis hierher prächtig auf. Und so ist es eigentlich nur zu verständlich, dass der serbische Rasenkönig auch in dieser Phase nichts an seiner Taktik ändern wollte, und weiter passiv spielend an der Grundlinie nach den Schachinger-Geschossen fischte.

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Schachinger startet bei 2:5 und drei abgewehrten Matchbällen eine sensationelle Aufholjagd

Genau in dieser Phase aber hätte Vukicevic seine Taktik ändern, und einem angeschlagenen Gegner den k.o.Schlag verpassen müssen. Vorallem weil Vukicevic bei 6:2, 5:2 zumindest zwei “Freispiele” hatte, die er zu einem Überraschungs-Angriff oder zumindest mehr Initiative hätte nützen müssen. Dessen war sich der 33jährige im Nachhinein auch bewusst, nur ist man später eben immer klüger. Tja, und so kam es wie es kommen musste, und wurde der HTT-Community ein weiteres dieser unvergesslichen Matches bei den heuer wahrlich großartigen HTT-Tour-Finals 2014 beschert. Die Spannung später im Satz bei 5:5 war gigantisch riesig, doch schon in jedem einzelnen Game davor herrschte eine prickelnde Atmosphäre am Centercourt des UTC La Ville. Erstmalig, als Schachinger bei 2:5 seinen neunten Doppelfehler zum Besten gab, und Vukicevic seinen ersten Matchball hatte. Nur mehr ein Punkt fehlte, und die “Großen Vier” der HTT wären beim Saisonfinale der Top 8 unter sich gewesen. Doch Schachinger feuerte einen seiner berühmten und ultraschnellen Vorhand-Winner aus dem Handgelenk, stellte auf Einstand, und startete mit diesem Motivationsschub eine sehenswerte und niemals für möglich gehaltene Aufholjagd. Gleich darauf gelingt Schachinger das Kunststück, mit einem präzisen und wuchtigen Service-Winner einen zweiten Vukicevic-Matchball zu entschärfen, und damit war der 27jährige so richtig heiß gelaufen, um hier noch einmal kräftig mitzumischen. Vukicevic ließ mit einer verzogenen Slice-Rückhand sogar noch einen dritten Matchball ungenützt, doch bei einer 5:3 Führung und eigenem Aufschlag kein Beinbruch, dachte der Branchen-Primus aus Sombor.

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Unfassbare Spannung im Finish des zweiten Satzes, ehe um 00:21 Uhr die Semifinal-Träume von Vladimir Vukicevic enden

Doch das Match war in seiner heißen Phase in ein neues Stadium eingetreten, und zwar aus Sicht von Vukicevic in jenes des “Zumachen müssens”. Und wie schwer das sein kann weiß wohl jeder, der schon einmal aktiv Turniertennis gespielt hat. Und wie schwierig das für Vukicevic wurde, zumal der ja noch in einer besonderen Situation auf den Sieg servierte, zeigte sich in der Folge. Es ging nicht gut, “Vladi” fabrizierte drei unforced errors, dazu einen Doppelfehler, und das Break zum 4:5 war “passiert”. Jetzt stand der 33jährige wirklich unter Druck, war guter Rat teuer, und das alles bereits einige Minuten nach Mitternacht. Schachinger war jetzt wie in Trance, jagte seinem Gegner alles was er so aus der Hüfte schießen konnte über das Netz, und holte sich das Game zum 5:5. Damit war Vukicevic in diesem Augenblick klar geworden, dass ihm zwei absolute Schicksals-Games bevorstanden. Eines davon zu verlieren, wäre gleichbedeutend mit dem Ende seiner Halbfinal-Hoffnungen. Man kann hier nicht annähernd beschreiben, welche Spannung über dem Centercourt lag, als sich Schachinger mit einem Vorhand-Winner einen Breakball zum 6:5 erspielte, und sich Vukicevic zum Aufschlag bereit machte. Ein Aufschlag, ein Bombenreturn, eine Vorhand von Vukicevic, Schachinger setzt einen Stoppball, der Serbe scheint bereits geschlagen, bringt den Ball noch irgendwie über das Netz, Schachinger scheint einen guten Passierball anzubringen, und Vukicevic volliert in akrobatischer Manier den Ball zum Einstand ab. Kurz darauf hat Vukicevic einen Spielball zum 6:5, der vom Netzband zurück ins eigene Feld “tropft”, ehe Augenblicke später “alles Aus ist”. Eine Slice-Rückhand von Vukicevic segelt ins Out, und mit dem Break zum 6:5 für Schachinger ist Vukicevic um 00:21 Uhr aus dem Semifinal-Rennen bei den HTT-Tour-Finals 2014 im UTC La Ville.

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Schachinger im dritten Satz mit Bauchkrämpfen und leerem Kopf ohne Chance

Schachinger krönte derweil sein Super-Comeback mit einem gewonnenem Aufschlagspiel, womit er nach 74 Minuten Spielzeit den zweiten Satz nach Abwehr von drei Matchbällen und nach 2:5 Rückstand noch mit 7:5 für sich entschied. Der 27jährige wahrte damit auch seine persönliche Halbfinal-Chance, während Vukicevic in der Satzpause am Handy zu sehen war, um mit der diesmal daheim gebliebenen Gattin “Moni” die weitere Vorgangsweise zu besprechen. Kurz lag vielleicht sogar ein w.o. in der Luft, was angesichts der Mega-Enttäuschung in diesen Minuten sogar nachvollziehbar gewesen wäre. Aber Vukicevic ist auch ein fairer Sportsmann, und es dürfte ihm zudem gedämmert sein, dass er noch um seinen ersten Sieg als Nummer 1 der HTT kämpft, mit 200 möglichen Punkten die Nummer 1 am Jahresende retten kann, und dann war es wohl auch eine Frage der Ehre, sich als Branchen-Bester nicht mit drei Niederlagen vom Tour-Final 2014 zu verabschieden. Die Luft aus dieser Partie war trotzdem raus. Vukicevic hatte nichts mehr zu verlieren, bei ihm war der ganze Druck abgefallen, während sich die “Druck-Verhältnisse” jetzt wieder auf Schachinger veschoben. Und der 27jährige bekam angesichts dieser Situation plözlich heftige Bauchschmerzen, wirkte langsam auf den Beinen, und nach der nervenaufreibenden Schlussphase des zweiten Satzes auch mental nicht mehr in der Lage, dieses Match zu gewinnen. Nach 31 Minuten war der Spuk vorbei, Vukicevic hatte sich mit zwei Breaks den dritten Satz mit 6:2 gesichert, und endlich sein erstes Match als Nummer 1 der HTT für sich entschieden. Der Fluch war besiegt, die totale Blamage mit drei Vorrunden-Niederlagen auszuscheiden war abgewendet, und Vukicevic trotz verpasster Halbfinal-Teilnahme erleichtert.

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Vladimir Vukicevic: “Mir hat das nötige Selbstvertrauen heute gefehlt”

“Das Gefühl ist jetzt ein bisschen besser, weil ich wollte hier nicht mit drei Niederlagen aus dem Turnier gehen. Aber natürlich bin ich sehr enttäuscht, weil es wäre heute möglich gewesen, das Unmögliche doch noch zu schaffen. Ich war 6:2, 5:2 vorne, und in dieser Phase habe ich mich nicht getraut. Ich habe schlecht gespielt. Es ist schade, weil ich spüre einen klaren Aufwärtstrend. Ich bin jetzt in jedem Match während dieses Turniers besser reingekommen, und im Semifinale hätte ich mich sicher noch einmal steigern können. Vielleicht wäre ich dann sogar bis zum Ende gegangen. Die Gruppe war für mich mörderisch. Es war so brutal. Aber das macht es so interessant. Wir kämpfen alle, und es geht weiter. Ich hoffe mein Körper spielt nächstes Jahr wieder mit, und dann komme ich retour”, so Vukicevic in einer ersten Stellungnahme. Angesprochen auf die nervliche Anspannung im zweiten Satz bei 6:2, 5:2 meinte der Ranglisten-Erste: “Vom Ergebnis war ich zwar klar vorne, aber in diesem zweiten Satz ging es ständig hin und her. Es war ziemlich ausgeglichen, und ich konnte mir nicht sicher sein. Ich war sogar extrem unsicher. Mir hat das Selbstvertrauen gefehlt, das ich sagen kann ich bin der bessere Spieler, und jetzt machst du das hier fertig. Speziell auf der Vorhand fehlte mir das Vertrauen, und das hat mir am Ende den Aufstieg gekostet”, so der 33jährige, der auch noch eine kurze Saisonbilanz zog. “Angesichts meiner körperlichen Probleme bin ich mit dem Erreichten zufrieden. Ich hätte nicht gedacht, heuer noch Nummer 1 zu werden. Es wäre auch schön, Nummer 1 zu bleiben, aber ich denke entweder Klager oder Schneider werden es schaffen”, glaubt der HTT-Rasenkönig, der am Ende auch noch ein großes Lob für das Turnier an sich parat hatte. “Wir hatten hier spielerisch ein hohes Level. Die Tour-Finals sind ein perfektes Turnier. Ich habe die Internetseite meinen Freunden in Serbien gezeigt, und die sind auch total begeistert. Ein großes Lob kann man hier nur aussprechen”.

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Harald Schachinger “Ich wollte auch für Renee alles in diese Partie reinlegen”

Nach seinem heroischen Auftritt im Vorrunden-Duell gegen Renee Glatzl, lieferte Harald Schachinger also binnen 48 Stunden den nächsten großen Tennis-Krimi ab, und stand danach bei seiner letzten Pressekonferenz im Rahmen der HTT-Tour-Finals 2014 ebenfalls Rede und Antwort. “Ja wieder ein verrücktes Match, durch und durch. Ich hab extrem schlecht begonnen, weil ich auch ziemlich überrascht war, wie passiv Vladi von Beginn an gespielt hat. Sein Slice war unglaublich bissig, und ich bin nicht und nicht ins Match gekommen. Gerade die kurzen “einladenden” Slice-Bälle hab ich einfach nicht wegspielen können und bin so immer unsicherer und ärgerlicher geworden. Ich war eigentlich in fast allen Games dran, hatte wiedermal sehr sehr viele Breakchancen aber irgendwie bis 2:4 in Satz 2 einfach kein Rezept. Dann dachte ich mir, ich spiel den Ball wirklich mal nur ganz leicht rein und schau mir an was er macht. Und das hat dann, mit höherem Tempo zwischendurch, ganz gut funktioniert – es war halt nur extrem anstrengend. Ich wusste da schon irgendwie, dass ich das nicht ewig durchhalten kann, wollte aber einerseits für mich, weil man ja nie wissen kann was in Satz 3 passiert, aber auch für meinen Freund Renee nochmal alles reinlegen was ich habe. Ich wusste natürlich um die besondere SItuation in dieser Phase.
In Satz 3 bin ich nach dem ersten Game einfach körperlich zerbrochen. Bauchkrämpfe, die ich leider öfter habe nach solcher Anstrengung, machten es mir dann unmöglich, die Spannung zu halten. Darüber bin ich natürlich wahnsinnig enttäuscht, denn ich denke, dass er auch nicht mehr 110% reingelegt hat nachdem es für ihn vorbei war. Aber ja, so ist das halt in so einem Turnier. Der Körper muss einfach mitspielen. Das Match war trotzdem auf ganz besondere Art und Weise genial und Vladi war ein super Gegner”, äußerte sich Schachinger zum Hitchcock-Krimi des Abends.

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“Ich muss nächstes Jahr mehr Konstanz in mein Spiel bringen um die Topleute hier schlagen zu können”

Zum Abschluss nahm Schachinger dann auch noch Stellung zum Ausgang der verrückten Gruppe A, und zu seinen Saisonzielen für 2015. “Ja der Gruppen-Ausgang ist natürlich ziemlich verrückt. Ich bin einerseits stolz über meine mentale Leistung in vielen Situationen in diesem Turnier, aber auch extrem enttäuscht darüber, dass ich das im letzten Satz verloren habe. Ich denke aber, dass es Renee – gerade weil er diese unfassbare Schlacht gegen mich so knapp nur verloren hat – durchaus verdient aufzusteigen”. Die Saisonziele 2015 sind auch schon definiert: “Ja ich denke die ganze Saison war so ähnlich wie das Masters jetzt. Ich hab eigentlich nur sehr selten mein bestes Tennis zeigen können, Hochs und Tiefs durchlebt – aber genau das macht diesen Sport ja irgendwie aus. Das ich noch mehr Konstanz in mein Spiel bringen muss um gerade die Topleute zu schlagen weiß ich natürlich, ist aber nicht so leicht. Das Ziel war bei diesem echt unfassbar genial veranstalteten Turnier mal dabei zu sein, sich halbwegs gut zu verkaufen und nächstes Jahr gerade bei den großen Events mal vielleicht besser abzuschneiden. Aber das muss man sowieso auf sich zukommen lassen. Jetzt freue ich mich einmal über ein paar Wochen ohne Tennis”.

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Damian Roman fertigt enttäuschend spielenden Renee Glatzl ab, und ist damit als einziger Spieler bei den HTT-Tour-Finals 2014 noch ungeschlagen

HTT-US-Open-Sieger Damian Roman hat auch sein letztes Vorrunden-Spiel bei den HTT-Tour-Finals im UTC La Ville souverän gewonnen, und sich damit ungeschlagen den Gruppensieg in Pool A gesichert. Der 32jährige aus Negresti Oas, machte im zweiten direkten Duell mit HTT-Australian Open-Champion Renee Glatzl kurzen Prozess, und fertigte den 20jährigen Jungstar vom Schwechater TC in nur 67 Minuten mit 6:4 und 6:1 ab. Der rumänische Ranglisten-Vierte ist damit der einzige Spieler im Feld, der bei der Jubiläums-Auflage der Finals noch ungeschlagen ist. Glatzl wiederum, der 2012 mit zwei Vorrundensiegen nicht den Aufstieg ins Semifinale schaffte, zog heuer mit nur einem Gruppensieg als Zweiter hinter seinem gestrigen Bewzinger in die Vorschluss-Runde ein. Damit steht der 6fache Turniersieger zum zweiten Mal nach 2013 im Semifinale, und wird dort gegen Peter Klager sein 190. Karriere-Match bestreiten.

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Damian Roman hat mit seinem dritten Vorrunden-Sieg bei den Tour-Finals aus dem Dreikampf um die Nummer 1 am Jahresende einen Vierkampf gemacht

Die 189. Partie seiner HTT-Laufbahn wird Glatzl derweil aber so schnell wie möglich vergessen wollen. Zwar holte Glatzl ein früh kassiertes Doppel-Break samt 1:4 Rückstand zum 4:4 auf, nach 46 Minuten war der erste Durchgang aber doch an Damian Roman gegangen, und damit waren auch alle möglichen Befürchtungen zerstreut, der HTT-US-Open-Sieger könnte sich vielleicht “aussuchen”, wen er als Fix-Qualifizierter mit ins Semifinale nehmen möchte. Das Gegenteil war der Fall: Roman wirkte im Duell mit Glatzl hoch konzentriert, und bemüht, auch die dritten 200 Punkte für sein Ranglisten-Konto zu erobern. Denn mit seinem bislang makellosen Auftritt, hat Roman aus dem Dreikampf um die Nummer 1 zum Jahresende längst einen Vierkampf gemacht. Sollte der Rumäne das Turnier gewinnen, dann wäre er die “Eins” am Jahresende, der insgesamt 22. Spieler der Geschichte ganz oben am Ranglisten-Thron, und nach Vukicevic der zweite internationale Nummer 1-Mann in Serie.

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Glatzl mit traurigem Schauspiel in Durchgang 2

Der zweite Satz im letztlich dann enttäuschend ausfallenden Duell zwischen dem HTT-Australian-Open-Sieger und dem HTT-US-Open-Champion ist schnell erzählt. Glatzl brachte – mit Verlaub – kein Bein mehr auf den Platz und keinen Ball ins Feld. Es war ein Bestschießen ins Verderben, das Glatzl am Centercourt veranstaltete. Jegliches Timing verloren, jagte der 20jährige beinahe die Hälfte aller ausgespielten Punkte mit Vorhandbällen jenseits der 200km/h-Marke an die Plane. Das traurige Schauspiel war nach 20 Minuten vorüber, und Glatzl ziemlich angefressen. “Ich habe keinen Kopf mehr für Tennis. Ich werde mich sowieso nicht für das Halbfinale im Einzel qualifizieren, und im Doppel komme ich morgen noch einmal, und dann ist Schluss”. Wie man sich doch irren kann!

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