Damian Roman holt ersten rumänischen Masters-Einzelsieg seit November 1998

Serbiens Rasenkönig Vladimir Vukicevic hat sein erstes Spiel als Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour verloren. Der 33jährige aus Sombor musste sich im Topspiel des zweiten Turniertages bei den HTT-Tour-Finals 2014 im UTC La Ville überraschender Weise dem HTT-Australian-Open-Champion Renee Glatzl geschlagen geben, und steht damit schon nach dem Auftakt-Match in Gruppe A unter Zugzwang. Mit einer 6:7, 5:7 Niederlage nach 2:19 Stunden Spielzeit, machte der 2fache HTT-Wimbledonsieger auf unfreiwillige Weise auch das Rennen um die Nummer 1 Position am Jahresende wieder spannend, zumal seine Mitkonkurrenten im spannenden Dreikampf um die Spitzen-Position, am Vortag mit Siegen vorgelegt hatten. Im zweiten Vorrunden-Treffen der Gruppe A feierte HTT-US-Open-Sieger Damian Roman im Duell zweiter Tour-Final-Debütanten einen mühevoll errungenen 6:4, 7:5 Erfolg über Harald Schachinger und seinen 35. Karriere-Einzelsieg. Ein Bericht von C.L

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Damian Roman holt ersten rumänischen Masters-Einzelsieg seit November 1998

Damian Roman hat bei den HTT-Tour-Finals im UTC La Ville am Freitag Abend erstmals nach 16 Jahren wieder für einen rumänischen Masters-Einzelsieg gesorgt. Der 32jährige aus Negresti Oas rang in einem spannenden und über weite Strecken völlig offenen Vorrunden-Match der Gruppe A den Ranglisten-Siebenten Harald Schachinger in 1:31 Stunden mit 6:4, 7:5 nieder, und feierte damit den ersten rumänischen Masters-Einzelsieg seit 1998. Fast auf den Tag genau vor 16 Jahren, am 29. November 1998 hatte ein gewisser Adrian Tismanariu am letzten Vorrunden-Tag gegen Christian Kainz für den ersten rumänischen und insgesamt sogar erst zweiten internationalen Tagessieg in der Tour-Finals Geschichte gesorgt. Mit nostalgischer Vergangenheit hat Roman freilich nichts am Hut, und so dürfte der dritte Sieg gegen Schachinger im dritten direkten Duell vorallem einen großen Stellenwert in Sachen Halbfinal-Qualifikation haben.

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Damian Roman holt ersten Satz als der konstantere Spieler

Das Debütanten-Duell der beiden Tour-Finals Newcomer am großen Babolat-Tag war gerade einmal 5 Minuten alt, da hatten beide Spieler gleich schon einmal ihren Aufschlag abgegeben, und die spezielle Atmosphäre bei den Tour-Finals kennen gelernt. Etwas früher in die Partie fand Damian Roman, der sich ein zweites Break zum 3:2 sicherte, und konstanter wirkte als Schachinger, der zwar für die speziellen Momente in Form genialer Winner-Schläge sorgte, sogar einen Breakball zum 3:3 hatte, dann aber doch immer wieder mit unnötigen Fehlern auffällig wurde. Zum Re-Break auf 4:4, kam Schachinger dann auch eher zufällig und wie die Jungfrau zum Kind. 4:3, 40:15 und eigener Aufschlag, normal ein klarer Fall für den 2fachen HTT-US-Open-Sieger, doch nicht in diesem Moment. Der 32jährige patzte zunächst mit drei Vorhand-Fehlern am Stück, und als Höhepunkt eines absoluten Horror-Games fabrizierte der Ranglisten-Vierte dann auch noch zwei Doppelfehler zum 4:4. Dennoch war er wenige Minuten später mit einer 1:0 Satzführung ausgestattet, weil Schachinger in den letzten beiden Games, von 12 ausgespielten Punkten 7 Mal den Fehler machte.

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Harald Schachinger mit unbelohnter Aufholjagd im zweiten Satz

Im zweiten Satz sah es zunächst so aus, als ob Damian Roman mit seinem Gegner kurzen Prozess machen wollte. 9 Minuten waren gerade einmal gespielt, da hatte der rumänische Hartplatz-König mit zwei Breaks scheinbar den Grundstein zum Sieg gelegt, während Schachinger mit Punktgewinnen geizte. Drei Pünktchen und massigst Fehler, die Anfangsphase war aus Sicht Schachingers einfach nur zum Vergessen. Umso erstaunlicher war dann das Comeback, das der 27jährige Niederösterreicher vor  den Augen seiner Eltern ablieferte. Vielleicht wäre es gar nicht zu diesem “Comeback” gekommen, wenn Roman seinen Spielball zum 4:0 mit einem nachhaltiger gespielten Netzangriff genützt hätte. Dann hätte Schachingers Debüt-Auftritt womöglich im Debakel geendet, so aber sorgte der Deutsch Wagram-Open-Sieger für eine sehenswerte Aufholjagd mitten durch den zweiten Satz. Plötzlich traf Roman keinen Ball mehr, wirkte angesichts des immer stärker werdenden Gegners zusehends verunsichert, und musste nunmehr dem konstant gut spielenden Schachinger vier Games in Folge überlassen. Von Klasse zeugt freilich, wenn man nach so einem Durchhänger wieder aufsteht, und entsprechend kontern kann. Das tat Roman, der zwei Mal sein Service hielt, ehe er zum k.o-Schlag gegen Schachinger ansetzte. Zunächst mit dem Break zum 6:5, und dann mit einem durchgebrachten Aufschlagspiel, womit der 35. Karriere-Einzelsieg fixiert war.

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Roman und Schachinger bekunden in der abschließenden Pressekonferenz ihre gegenseitge Wertschätzung

“Ich mag den Harald. Er ist einer der fairsten Spieler auf der Hobby-Tennis-Tour. Es macht immer irrsinnigen Spaß gegen ihn zu spielen. Da hat nichts damit zu tun, dass ich schon drei Mal gegen ihn gewonnen habe, sondern hängt mit Fair Play zusammen, das ich bei ihm schätze. Er hat sehr gut gespielt wie ich finde, und ich war eigentlich die ganze Zeit nur in der Defensive und am verteidigen. Aber er spielt halt relativ schnell, und ich glaube gegen ihn kannst du nur verteidigen” lachte der Sieger. Es war insgesamt sehr knapp, und es hätte auch anders ausgehen können. Ich hatte sicher auch Glück und womöglich ein paar Fehler weniger gemacht, so ist es sich am Ende mit dem Sieg ausgegangen”, so Roman. Derweil müssen die Tour-Stars vom TC Deutsch Wagram weiter auf den ersten Einzelsieg bei den Tour-Finals warten. Nach der Donnerstags-Niederlage von Martin Zehetner, startete also auch Harald Schachinger mit einer Niederlage in das Saison-Abschluss-Turnier, nahm diese aber nicht weiter tragisch. “Zunächst einmal – und das ist mir wichtig – möchte ich mich  beim Veranstalter bedanken, dass wir zumindest eine Woche so ein kleines Star-Gefühl haben dürfen. Das ganze Drumherum und was da im Internet los ist, das ist wirklich cool, dafür ein großes Danke. Zum Match muss ich sagen, dass er der komplettere Spieler ist. Ich weiß das, und ich hatte am Anfang auch zu viel Respekt und Angst vor dem Belag, auch weil das Training hier nicht so gut war. Ich hatte Angst, einen Megaabschuss von ihm zu bekommen, als ich plötzlich und überraschend 2:1 vorne war. Er hat dann zwischenzeitlich unfassbar gut gespielt, ich bin aber irgendwie drangeblieben, und auf einmal stand es 4:4. Dann waren es ein paar dumme Punkte und der Satz war weg. Im zweiten Durchgang hat er mit viel Selbstvertrauen weitergespielt und 3:0 geführt. Ich war dann ein bisserl “schei……drauf”, und dann hat sich die Partie nochmals gedreht. Ich habe dann sehr gut gespielt, nur war er mega stabil, und ich habe eigentlich über weite Strecken keinen Plan gehabt, was ich gegen ihn spielen soll, vorallem weil er keine Schwächen hat. In jedem Fall war es wieder ein cooles Match, wir haben irgendwie ein freundschaftliches Konkurrenz-Ding. Meine Eltern haben ein cooles Match gesehen, er hat verdient gewonnen, das passt und ich bin zuverischtlich für das zweite Match”, analysierte Schachinger bei der Pressekonferenz.

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Vladimir Vukicevic scheitert wie im letzten Jahr in der Tour-Finals-Gruppen-Phase an Renee Glatzl

Für den frischgebackenen Ranglisten-Ersten Vladimir Vukicevic haben die Tour-Finals 2014 hingegen nicht mit dem gewünschten Erfolgserlebnis begonnen. Der 33jährige musste sich so wie im Vorjahr Renee Glatzl in der Gruppenphase geschlagen geben, und sein erstes Match als Nummer 1 mit 6:7, 5:7 verloren geben. Vor einem Jahr – HTT-Fans erinnern sich sicher – lieferten Vukicevic und Glatzl der HTT-Community ein unvergessliches Gigantenduell auf exorbitant hohem Niveau, das hobbytennistour.at am Tag danach mit dem Prädikat bestes Match der Masters-Geschichte geadelt hatte. 2:50 Stunden dauerte der epochale Vorrunden-Clash von 2013, ehe Glatzl nach 244 ausgespielten Punkten mit 7:6, 5:7, und 6:3 die Oberhand behalten hatte. Auf ein ähnlich hochwertiges Gipfeltreffen hatte man diesmal im Vorfeld eher nicht gesetzt. Vukicevic war wenige Tage vor Turnierbeginn zur neuen Nummer 1 aufgestiegen, und Glatzl schien nach einer eher durchwachsenen Saison nicht in der Lage, dem serbischen Branchen-Primus das Wasser reichen zu können. Noch vor ein paar Wochen hatte Glatzl die Tour-Finals nicht einmal auf seinem persönlichen Radar, geschweige denn die Form, um sich im Duell mit den Besten der Besten messen zu können. Doch dann strafte Glatzl am Freitag Abend im Topspiel des Babolat-Days alle seine Kriktiker Lügen, und stellte einmal mehr unter Beweis, dass er zur Creme de la Creme der HTT-Stars gehört.

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Glatzl holt ersten Satz nach 66 Minuten im Tie-Break

Irgendwie war man am gestrigen Abend stark an das Vorjahresduell erinnert, auch wenn die beiden Tour-Stars nicht annähernd jene Klasse von damals erreichten. Spannend war es aber allemal, und so richtig knapp obendrein. 88:84 Punkte standen am Ende für Glatzl zu Buche, ansonsten zeigte die Statistik fast ein Paarlaufen der beiden Tour-Heros an. Glatzl erwischte in seinem 187. Karriere-Match einen Traumstart, und sicherte sich gleich im ersten Game ein Break zum 1:0. Diesen frühen Vorteil genoss der 20jährige bis fast ans Ende des Satzes, ehe eine kuriose Szene für Aufsehen sorgte. Ein Stromausfall in der Halle unterbrach das Geschehen am Centercourt, und irgendwie – zumindest redete er sich das ein – auch den Super-Lauf des in Führung liegenden Renee Glatzl. Der 20jährige brachte zwar irgendwie sein Service zum 5:3 durch, doch unsicher und vorallem mental schwächelnd, war es nur eine Frage der Zeit, bis Vukicevic zurück in diesen ersten Satz finden würde. Das tat der Serbe mit dem Break zum 5:5, ehe kurz darauf die Entscheidung im Tie-Break fallen musste. Dort war Vukicevic der fehleranfälligere Akteur, und Glatzl daher auch nicht unverdienter Sieger mit 7:6 (7:4).

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Vukicevic entschuldigt sich bei seinen Fans auf Facebook für Auftakt-Niederlage bei den HTT-Tour-Finals

Den zweiten Satz kann man eigentlich ganz kurz und treffend wie selten als einzige Break-Orgie bezeichnen. Was angesichts zweier absoluter Kapazunder und als durchaus starke Aufschläger bekannte Spieler überraschend kam. Vukicevic war nach 7 Breaks in Serie bei 4:3 der Erste, der ein Aufschlagspiel erfolgreich durchbringen konnte. Genützt hat es am Ende aber nichts, weil der Serbe vier Games in Serie abgab, und vorallem im letzten extrem hart umkämpften Aufschlagspiel mit Doppelfehlern aufwartete, und Glatzl sowie den Zuschauern so einen dritten Satz ersparte. Um 12 Minuten nach 01:00 Uhr schraubte sich Glatzl in die Höhe, jagte einen Smash an die Linie, und ballte die Faust zum Zeichen des Sieges. “Es war sehr sehr schwer heute, das Spiel hat bei mir mehr im Kopf als auf dem Platz stattgefunden, weil ich letztes Jahr nur knapp in drei Sätzen gewonnen hatte, und mir klar war, das Vladi kein leichter Gegner wird. Keiner der Spieler in unserer Gruppe ist ein leichter Gegner, und deshalb freue ich mich heute einmal über meinen Sieg gegen Vukicevic”, so der 20jährige. Die Enttäuschung war derweil dem unterlegenen Ranglisten-Ersten anzumerken, der sich beim abschließenden Interview nur kurz zum misslungenen Tour-Finals-Einstand äußerte. “Das war mein schlechtestes Match in diesem Jahr. Irgendwie war das aber von meiner Seite zu erwarten, weil ich seit 6 oder 7 Wochen nicht mehr wettkampfmäßig gespielt habe. Meine Hand ist noch immer angeschwollen und tut weh, es ist schlimmer als vor dem Match”, entschuldigte sich der Ranglisten-Leader auch bei seinen Fans auf Facebook, die ihn allesamt im täglichen Tippspiel als Sieger gesehen hatten.

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