Dejanovic holt mit beeindruckender Solo-Show den Titel beim HTT-Challenger-Tour-Final

Serbiens Jungstar Nemanja Dejanovic hat auch am Schlusstag der 5. HTT-Challenger-Tour-Finals seine Extraklasse unter Beweis gestellt, und nach abermals überzeugender Darbietung in lediglich 67 Minuten das Endspiel des Saisonfinales der besten Challenger-Spieler im UTC La Ville gewonnen. Der 15jährige fertigte in einem spannungslosen Finale den niederösterreichischen November-Challenger-Champion Gernot Brunner mit 6:3, 6:2 ab, und feierte seinen insgesamt vierten Saison- und Karriere-Titel auf der Hobby-Tennis-Tour. Mit seinem 42. Einzelsieg im Jahr 2014, ist der frischgebackene HTT-Challenger-Tour-Final-Champion schon vor dem abschließenden HTT-Masters der – an Einzelsiegen gemessen – erfolgreichste Spieler der heurigen Saison. Just im 13. HTT-Single-Match auf Wiener Boden ging am Dienstag Abend hingegen die imposante und zuletzt auf 12 Siege in Folge angewachsene Erfolgsserie von Gernot Brunner zu Ende. Ein Bericht von C.L

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Nach Kitzbühel holt Dejanovic mit dem Tour-Final-Triumph den zweiten prestigeträchtigen Challenger-Titel

Serbiens Nr. 2 Nemanja Dejanovic hat nach dem Triumph im vergangenen Sommer beim Bet at Home Cup in Kitzbühel den zweiten der drei großen Prestige-Titel der HTT-Challenger-Tour für sich entschieden, und damit seinen Jubiläums-Auftritt beim 40. Turnierstart seiner Karriere mit einem Mega-Erfolg gekrönt. Der 15jährige in Diensten des WAT Landstrasse, finalisierte am Dienstag Abend mit einer überlegenen, allerdings keineswegs berauschenden Final-Vorstellung gegen Gernot Brunner einen souveränst fixierten Challenger-Tour-Final-Titel, und sorgte in seiner zweiten vollen Saison auf der Hobby-Tennis-Tour für den endgültigen Durchbruch. Der Teenie-Star war während der fünf Turniertage am Altmannsdorfer Ast eine Extraklasse für sich, und sowohl in der Gruppen- als auch in der Finalphase völlig ungefährdet. Dejanovic demonstrierte in vier Matches ohne Satzverlust eindrucksvoll, dass er einer der ganz großen “Stars von Morgen” werden könnte, und erntete beim finalen Showdown der “Stars aus der zweiten Reihe” jede Menge Anerkennung und Bewunderung.

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Dejanovic gewinnt den ersten Satz des 300. Hallenturniers der HTT-Geschichte nach 36 Minuten mit 6:3

Das Endspiel bei der 5. Auflage der HTT-Challenger-Tour-Finals wurde so am Dienstag Abend zur großen Bühne für den bis auf Platz 21 im HTT-Ranking vorgepreschten serbischen Jungstar. Im Finale des 300. Hallenturniers der Geschichte waren gerade einmal 13 Minuten gespielt, da schien auch schon die Vorentscheidung zugunsten des Kitzbühel-Siegers gefallen. Brunner hatte sich mit seinem ersten Doppelfehler das erste Break zum 1:3 eingehandelt, und seinem überlegenen Gegner damit quasi einen Freibrief in die Hand gedrückt. Denn mit dem Break im Rücken, wurde der vor Selbstvertrauen nur so strotzende Dejanovic für den Ollersdorfer Meisterschaftsspieler beinahe “unspielbar”, legte der Jungstar ein Höllentempo vor, und zwang einen längst verunsicherten Gernot Brunner zu haufenweise Fehlern von der Grundlinie. Brunner fehlte jeglicher Zugriff auf Match und Gegner, und so lag er weitere 12 Minuten später bereits mit 1:5 zurück. Ein wenig jugendlicher Leichtsinn, dazu die Konzentration angesichts eines einseitigen Spielstandes kurz verloren, zeigte Dejanovic im Finish des ersten Satzes dann endlich menschliche Züge eines typischen Challenger-Spielers. Brunner bekam seine ersten beiden Break-Chancen, nützte den zweiten Breakball nach einem missglückten Lob-Versuch seines Gegners mit einem verwandelten Smash zum 2:5, und verkürzte kurz darauf mit eigenem Aufschlag sogar auf 3:5. Da war sie plötzlich jene Situation, von der die Dejanovic-Gegner an diesem Wochenende immer wieder geträumt hatten. Den Ausnahme-Könner in einen engen Spielstand verwickeln, und auf einen mentalen Wackler des Teenagers hoffen. Brunner hatte dieses Momentum, an diesem Finalabend aber nicht die Tagesform, um daraus Kapital schlagen zu können. Den Breakball zum möglichen 4:5 jagte der 26jährige Ollersdorfer mit einem Vorhand-Return ins Netz, um kurz darauf die 1:0 Satzführung seines Gegners zur Kenntnis nehmen zu müssen.

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Zweiter Satz wird nach kurzer Schwächephase zu Beginn zu einer One Man Show des Nemanja Dejanovic

Das Dejanovic in dieser Phase “angreifbar” war, und Brunner bei 3:5 wahrscheinlich ein riesige Chance zur Wende ausließ, zeigte sich zu Beginn des zweiten Satzes, als Dejanovic mit drei leichten Fehlern wenig Souveränität ausstrahlte. 15:30 hatte Brunner dann im Folge-Game, und wieder die Chance, den späteren Sieger ergebnistechnisch massiv unter Druck zu setzen. Jetzt allerdings ließ Dejanovic seine ganze Klasse aufblitzen, und sicherte sich mit zwei phantastisch gesetzten Volleys das Game zum 1:1. Eigentlich war vom Resultat her nichts passiert, aber Brunner von den abermals leichtfertig vergebenen “big points” mental sichtlich gezeichnet. Zu Null gab er seinen Aufschlag zum 1:2 ab, und setzte so auch den Startschuss für einen bombastischen Zwischenspurt seines Gegenübers. Nur 13 Minuten später stand es 5:1, ehe sich Brunner zu einem zweiten Game-Gewinn aufraffen konnte. Mehr als Ergebniskosmetik war es aber nicht mehr! Dejanovic ließ zwar seinen ersten Matchball noch mit einem Doppelfehler aus, beim zweiten Versuch profitierte der nunmehr 4fache Saisonsieger aber bezeichnender Weise von einem Rückhandfehler seines Gegners. Applaus von den Zuschauern und seines anwesenden Trainer-Teams begleiteten den siegreichen Jungstar dann zum Shakehands am Netz, die großen Jubelgesten die man nach einem Triumph bei einem so wichtigen Turnier erwarten würde, bleiben aber aus. Zu überlegen agierte Dejanovic über das gesamte Turnier hinweg, und zu dominant gestaltete er auch das Finale.

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Serbien hat Deutschland den Rang als derzeit erfolgreichste HTT-Nation abgelaufen

Dejanovic schloss in Sachen Saison-Turniersiegen damit zu seinem Coach Vladimir Vukicevic auf, der es in diesem Jahr ebenfalls auf 4 HTT-Titel brachte. Insgesamt sorgte “Nemanja” für den 93. internationalen Turniersieg der Open Ära, für den 16 serbischen Erfolg der Geschichte, und den 10 Saisonerfolg für die Balkan-Server, die damit ganz klar zur erfolgreichsten internationalen Tennisnation auf der Hobby-Tennis-Tour im Jahr 2014 avancierten.

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Die erfolgreichsten internationalen Nationen auf der HTT im Jahr 2014

1. rs SERBIEN 10 Turniersiege
2. de_0 DEUTSCHLAND 3 Turniersiege
3. es SPANIEN 2 Turniersiege
fr FRANKREICH 2 Turniersiege
ro RUMÄNIEN 2 Turniersiege
6. br BRASILIEN 1 Turniersieg
cn CHINA 1 Turniersieg

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Die Stimmen zum Finale der HTT-Challenger-Tour-Finals 2014

“Ich freue mich sehr über diesen Turniersieg. Ich habe heute wieder sehr gut gespielt, wie schon über das gesamte Turnier”, schilderte der Sieger in einem ersten Kommentar. Angesprochen auf die Frage, ob der Kitzbühel-Challenger-Titel oder jener hier beim Tour-Final mehr Bedeutung für ihn habe, antwortete Dejanovic: “Da gibt es aus meiner Sicht keinen Unterschied. Jedes der beiden Turniere hat seinen ganz speziellen Reiz. Kitzbühel war natürlich ein ganz tolles Erlebnis für mich, und mit den Profis am Platz zu stehen. Beide Turniere sind aber für mich was ganz besonderes, und ich bin sehr froh darüber, auch beide Turniere gewonnen zu haben”. Zum Finale an sich nahm der Teenie-Star wie folgt Stellung: “Ich habe mich von Anfang an sehr gut auf dem Platz gefühlt, und ich hatte auch in keiner Phase des Matches das Gefühl, dass ich womöglich verlieren könnte”, so der 15jährige, der auch bezüglich seiner 42. Saison-Einzelsiege – die übrigens Saisonbestleistung bedeuten und Spitzenwert sind, seine Meinung kund tat. “Diese 42 Siege bedeuten mir persönlich eigentlich nicht so viel. Auch wenn mich der Philipp Schneider beim Masters nicht mehr überholen kann, aber der spielt letztlich ja auf einer ganz anderen Ebene. Ich habe den Großteil meiner Siege gegen Challenger-Spieler errungen, das ist etwas ganz anderes. Allerdings habe ich heuer in manchen Matches mit den Topstars wie z.B. gegen Fabian Mayrhuber schon ein bißchen “mitkochen” können. Aber sonst kann ich diese Leistung nicht für mich reklamieren”, betonte der Jungstar.

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“Mir wäre lieber gewesen, ich hätte heute gewonnen, und nicht 12 Mal davor”

Einem ausführlichen Gespräch bei der abschließenden Pressekonferenz stellte sich dann auch der unterlegene Challenger-Tour-Final-Finalist Gernot Brunner. “Ich habe heute sicher nicht meine beste Leistung erbracht, die zudem notwendig gewesen wäre, um den Dejanovic zu fordern oder gar zu bezwingen. Vorallem auf der Rückhand war ich heute ein Totalausfall. Mein Gegner war aber heute einfach konstanter, besser, er ist einfach der bessere Spieler von uns beiden, und für mich ein würdiger Sieger des Challenger-Finals”. Auch beim Interview trauerte Brunner noch der vergebenen Break-Chance zum 4:5 im ersten Satz nach: “Solche Chancen hatte ich mir erhofft, und die muss man dann aber auch nützen. Da habe ich schon gespürt, dass etwas gehen könnte. Aber wenn man solche Möglichkeiten ausläßt, dann verschwindet dieses Gefühl auch schnell wieder. Auch zu Beginn des zweiten Satzes hatte ich gut mitgespielt und meine Chancen, aber da fehlt mir eben das gewisse Etwas, um daraus Kapital zu schlagen”, analysierte der 26jährige, dessen 12 Spiele ohne Niederlage umfassende Siegesserie am Dienstag Abend zu Ende ging: “Natürlich bin ich ein bißchen stolz auf diese Serie, aber wie schon Dejanovic vorher bezgl. seiner 42 Siege meinte, es kommt halt immer auch auf das Niveau an, wo man diese Siege feiert. Man muss auch auf Challenger-Ebene erst einmal 12 Matches in Folge gewinnen, keine Frage! Aber mir wäre lieber gewesen, ich hätte heute gewonnen, und nicht 12 Spiele davor. Trotzdem kann man auf 12 Siegen aufbauen”, so der Ollersdorfer. “Die Enttäuschung hält sich in Grenzen. Ich habe ja gewusst, was auf mich zukommt. Mir war klar, dass ich meinen besten Tag brauchen werde, der war aber leider nicht. Körperlich war ich nach 12 Matches in eineinhalb Wochen natürlich angeschlagen, aber ich habe mich von gestern auf heute sehr gut erholt, und war vollfit für das Finale. Das kann also keine Ausrede sein”, stellt der November-Challenger-Sieger klar, der zum Abschluss der Pressekonferenz auch noch seine Ziele für 2015 definierte: “Ich muss weiter an mir arbeiten, mein Spiel verbessern, und vielleicht gelingt mir ja im nächsten Jahr ein Sieg bei einem HTT-150-Turnier”, so Brunner.

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Erfolgs-Coach Vladimir Vukicevic stolz auf seine beiden “Tour-Final-Gewinner”

Der Mann im Hintergrund des Erfolges von Nemanja Dejanovic war auch vor Ort, und ist im Tour-Zirkus natürlich eine bekannte Größe. Vladmir Vukicevic ist aktuell der Erfolgs-Coach schlechthin, führte er doch schon vor einer Woche auch Spaniens Nr. 2 Luis Agullo Castill zum Titelgewinn bei den Future-Tour-Finals. In einem Gespräch nach der Siegerehrung nahm der 34jährige Serbe zu den Gerüchten Stellung, Dejanovic würde im kommenden Jahr kaum mehr HTT-Turniere bestreiten, und vermehrt auf ÖTV -Ebene und bei internationalen Turnieren sein Glück versuchen. “Wir planen viel, aber das hängt sehr von Nemanjas Leistung ab. Ich finde aber, dass die Hobby-Tennis-Tour eine sehr gute Plattform ist, wo sich junge Spieler wie Nemanja entwickeln können. Sie bekommen hier die Matchpraxis die sie brauchen. Nemanja muss sich ganz sicher noch sehr steigern, und auch wenn es im Moment sehr gut aussieht, hoffe ich doch, dass wir auch nächstes Jahr noch hier spielen. Ich finde es gibt auf der HTT noch ein paar Levels, die für ihn interessant sind”, so der 2fache HTT-Wimbledonsieger, der sich über die beiden “Final-Triumphe” seiner Schützlinge freut. “Ich bin sehr stolz auf meine Schüler. Ok, bei Nemanja habe ich den Sieg erwartet. Ich habe die Nennliste gesehen, und ihm gesagt, du bist in Topform und ich erwarte hier einen Sieg von dir. Bei Luis hingegen habe ich nicht gewusst was kommen wird. Er hat in einem Monat drei oder vier Levels übersprungen, und am Ende hat er das Future-Tour-Final sehr deutlich gewonnen und damit auch voll verdient. Er hat sich wirklich extrem bemüht, er ist ein echter Kämpfer. Beide haben tolle Leistungen in den letzten Tagen vollbracht. Jetzt bin ich noch dran”, lachte Vukicevic in Anspielung auf das bevorstehende HTT-Masters. “Wir haben vor einem Monat zu dritt darüber gesprochen, dass wir alle die “Finals” gewinnen. Ich weiß ehrlich nicht, ob ich das schaffen werde. Aber ich werde mich in jedem Fall bemühen. Luis und Nemanja waren toll, das ist wirklich super”, zeigte sich “Vladi” hoch erfreut.

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