Linz-Challenger-Sieger Lukas Obermüller ringt bei Wien-Debüt Thomas Löffelmann nieder

Mit drei jeder Menge Spannung versprechenden “Endspielen”, geht am Sonntag Nachmittag die Gruppenphase der 5. HTT-Challenger-Tour-Finals 2014 im UTC La Ville zu Ende. Vor dem “Super-Sunday” mit seinen drei abschließenden Vorrunden-Entscheidungen, wurde am gestrigen zweiten Spieltag des 95igsten und vorletzten Saison-Turniers aber bereits die Frage nach dem ersten Semifinalisten geklärt. Und das ist für viele Insider überraschend, ein gewisser Thomas Peyerl, der sich in Gruppe B als Underdog durchsetzte, und mit einem 6:4, 6:4 Erfolg über Benjamin Knapp schon vor dem letzten und bedeutungslosen Gruppenspiel als erster Halbfinalist feststeht. Keine Blöße gab sich wie erwartet Serbiens Jungstar Nemanja Dejanovic, der Oldboy Thomas Lenzinger in knappen 50 Minuten seine zweite Vorrunden-Niederlage zufügte, und den 50jährigen in einem ungleichen Generationen-Duell unsanft in die Winterpause verabschiedete. Ebenfalls ausgeschieden und nicht mehr mit von der Partie sind nach zwei Spieltagen auch Lenzingers Clubkollege vom Floridsdorfer TV Thomas Löffelmann, der gegen Junior-Star Lukas Obermüller nach drei Sätzen den Kürzeren zog, und Deutschlands Turnierbeitrag Karsten Schütze, der sich nach starkem Beginn dem weiter groß in Form spielenden November-Challenger-Champion Gernot Brunner geschlagen geben musste. Ein Bericht von C.L

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Thomas Peyerl fixiert als Außenseiter in Gruppe B gestartet, als erster Spieler einen Platz im Semifinale der 5. HTT-Challenger-Tour-Finals im UTC La Ville

Das das von vielen Tennis-Experten als total aussagekräftig gehaltene und von Fans als exakter Gradmesser gefeierte ITN-Rating nicht immer der Weisheit letzter Schluss sein muss, hat Terra-Rossa-Star Thomas Peyerl mit seinen beiden Vorrunden-Darbietungen beim HTT-Challenger-Tour-Final eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Laut der ach so klugen “International Tennis Number”, hätte sich der 30jährige in seiner Vorrunden-Gruppe mit den Herren Benjamin Knapp und Valentin Krenkel ab Samstag Abend eigentlich schon auf seinen Doppel-Einsatz konzentrieren können. Doch das Spielstärken oftmals nur vier Ziffern mit einem Komma sind, von vielen Faktoren wie Tagesverfassung abhängen, und manchmal nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt stehen, machte Thomas Peyerl mit seinen beiden Auftritten im Rahmen der Challenger-Tour-Finals deutlich. Denn nach seinem heroisch errungenen Arbeitssieg zum Auftakt über Oktober-Challenger-Sieger Valentin Krenkel, ließ “Tom” am Samstag Abend auch noch einen zweiten Vorrunden-Erfolg über den weitaus höher eingeschätzten Benjamin Knapp folgen. Damit qualifizierte sich Peyerl als erster Spieler für das Semifinale der heurigen Challenger-Finals.

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Peyerl nach seinem 6. Challenger-Tour-Final-Sieg in Serie vorzeitig im Semifinale, und Benjamin Knapp scheint auf Kriegsfuß mit den Hallenplätzen im La Ville zu stehen

Indes: Was laut Papierform als Überraschung durchgeht, ist bei näherer Betrachtung gar keine. Eigentlich hätte man es wissen müssen, zumindest wenn man die HTT-Statistik im Vorfeld des Gruppenschlagers zwischen Peyerl und Knapp bemüht hätte. Da wäre einerseits einmal die phänomenale Bilanz des Thomas Peyerl aufgefallen, der mit seinem Challenger-Tour-Final-Titelgewinn von 2012 und seinen beiden aktuell erfolgreich gestalteten Vorrunden-Starts, bereits 6:0 Siege zu Buche stehen hat. Ins ganz andere Extrem schlägt hingegen die Knapp’sche Erfolgskurve bei HTT-Indoor-Events im UTC La Ville. Der 34jährige scheint mit dem “Tennistempel am südlichen Stadtrand von Wien” auf Kriegsfuß zu stehen, und so wartet der Juli-Challenger-Champion auch nach vier Auftritten immer noch auf seinen ersten “La-Ville-Einzelsieg”. Beim November-HTT-250-Turnier letzten Jahres war in Runde 1 gegen Manuel Miller Schluss, beim heurigen Jänner-Grand-Slam-Turnier entpuppte sich Herbert Bittermann in Runde 1 als Spielverderber, und bei den Erste Bank Open setzte es in der Auftakt-Begegnung gegen Tour-Neuling Alexander Kramer eine ganz bittere Doppel-Null. Gerade einmal 9 Games konnte Knapp bei seinen drei La-Ville-Pleiten an Land ziehen, und die Negativ-Serie setzte sich leider auch am Samstag Nachmittag fort. Mit Knöchelproblemen gehandicapt, hatte Knapp in zwei vom Spielverlauf her völlig synchron ablaufenden Sätzen, jeweils nur zu Beginn leichte Vorteile. In beiden Durchgängen 2:0 voran, scheiterte der Niederösterreicher in zwei von massigst Breaks geprägten Sätzen mit 4:6, 4:6, und ist damit schon vor seinem zweiten Vorrunden-Duell mit Valentin Krenkel ohne Aufstiegschance ins Semifinale. “Ich stehe mit dem La Ville auf Kriegsfuß. Das ist jetzt schon die vierte Erstrunden-Niederlage und das noch dazu immer jeweils gegen schlagbare Gegner. Dementsprechend bin ich unzufrieden. Mal schauen ob ich morgen mit meinem wehen Knöchel antreten kann”, äußerte sich Knapp ziemlich frustriert vor einem möglichen Vorrunden-Match ohne Wert. Peyerl hingegen scheint mit dem Challenger-Tour-Final sein absolutes Lieblings-Turnier gefunden zu haben. Mit dem sechsten Sieg in Serie zum zweiten Mal nach 2012 ins Semifinale eingezogen, war der 30jährige beim abschließenden Presse-Gespräch logischer Weise gut gelaunt. “Es ist schön, das ich auch das zweite Match gewonnen habe, obwohl ich mit meiner Leistung nicht so zufrieden bin. Ich muss mich deutlich steigern, wenn ich hier noch weiter kommen möchte. Der Halbfinaleinzug kam für mich völlig unerwartet. Ich hoffe es geht so weiter”, strahlte der Sieger.

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Linz-Challenger-Sieger Lukas Obermüller muss ersten Satz seines HTT-Debüts auf Wiener Boden gegen Thomas Löffelmann im Tie-Break abgeben

Mit einem in über zweieinhalb Stunden errungenen Marathonsieg, hat Jungstar und Linz-Challenger-Sieger Lukas Obermüller am Samstag Nachmittag bei seinem Tour-Debüt auf “Wiener Boden” seine Chancen auf eine Halbfinal-Teilnahme bei den HTT-Challenger-Tour-Finals gewahrt. Der jüngste Spieler im Feld, rang in einer höchst ausgeglichenen Begegnung den Juni-Challenger-Rasen-Champion Thomas Löffelmann mit 6:7, 6:1, 6:3 nieder, und feierte den insgesamt 10. HTT-Karriere-Einzelsieg. Der 15jährige Oberösterreicher, der erst am Matchtag aus Linz kommend angereist war, benötigte einiges an Anlaufzeit, um gegen den routinierten und 20 Jahre älteren Konkurrenten mit der Erfahrung von 3 Challenger-Tour-Final-Teilnahmen und 60 gespielten HTT-Turnieren ins Spiel zu finden. Einen raschen 0:2 Rückstand verwandelte der technisch anspruchsvoll spielende 15jährige in ein zwischenzeitliches 4:2, und auch in der Folge glich die Partie am 10er-Court des UTC La Ville einer Hochschaubahnfahrt der “Spielstände und Gefühle”. Denn gerade ins Match gefunden, lag der Junior-Star aus Linz wenig später nach kassiertem Break 5:6 zurück, und sah sich bei drei Satzbällen Löffelmanns dem Verlust des ersten Satzes gegenüber. Abgegeben hatte Obermüller den ersten Satz aber erst im Tie-Break, und zwar mit 5:7.

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Obermüller dreht Marathon-Partie und feiert seinen 10. HTT-Karriere-Einzelsieg

Obermüller war aber nicht rund 170 Kilometer Richtung Osten gefahren, um sich gleich im Auftakt-Match von seinen Semifinal-Träumen zu verabschieden, und so legte der April-Challenger-Sieger aus Linz nach verlorenem ersten Game einen furiosen Zwischenspurt mit sechs in Serie eroberten Games zum Satzausgleich hin. Löffelmann hatte ähnlich wie am Vorabend gegen Nils Klermund eine Vielzahl an guten Gelegenheiten zum Game-Gewinn ausgelassen, und den zweiten Satz damit völlig verdient abgegeben. Das Match war trotz 1:6 im zweiten Heat noch nicht verloren, und der Plan, auch beim dritten Antreten beim Challenger-Tour-Final mit einer 1:1 Bilanz auszusteigen, durchaus intakt. Fix war hingegen mit dem Satzverlust, dass Löffelmann seine semifnalen Aufstiegs-Hoffnungen begraben musste. Die Entscheidung um den Tagessieg fiel dann im achten Game des dritten Satzes, als Löffelmann bei 3:4 und eigenem Aufschlag knapp mehr als 20 Minuten vergeblich versuchte, sein Service zum 4:4 durchzubringen. Das Break zum 5:3 war die Folge, ehe Obermüller mit eigenem Aufschlag alles klar machte. “Ich bin mit meinem Challenger-Tour-Final-Debüt sehr zufrieden. Im ersten Satz war ich noch ein bißchen nervös, habe viele Fehler gemacht, und der Thomas hat auch sehr gut gespielt. Den zweiten Satz habe ich mit komplett neuen Gedanken in Angriff genommen, und obwohl er 6:1 ausgegangen ist, waren viele enge Situationen dabei, die ich allerdings gut meistern konnte. Im dritten Satz war es ein harter Fight. Das Horror-Game zum 5:3 dauerte über 20 Minuten, und jetzt bin ich wirklich froh, dass ich am Ende doch noch gewonnen habe”, freute sich Obermüller. “Ich habe heute sicher besser gespielt als gestern”, urteile derweil der unterlegene Thomas Löffelmann, der noch weiter ausführte: “Es war eine ausgeglichene Partie, und ich habe meine Chancen wieder nicht genützt. Das ist sehr ärgerlich. 0:2 Niederlagen beim Challenger-Tour-Final, das ist auch bitter. Aber was soll’s. Jetzt kommt die Winterpause, und im Jänner starten wir neu durch”.

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Weg zum Titel führt ausschließlich über Serbiens Jungstar Nemanja Dejanovic, der Oldboy Thomas Lenzinger am Samstag in die Tennis-Pension schießt

Der Weg zum Titel, da sind sich alle Experten und auch die Mitspieler einig, führt ausschließlich über Serbiens Jungstar Nemanja Dejanovic. Und das dem so ist, demonstrierte der Kitzbühel-Sieger am Samstag Nachmittag bei seinem Challenger-Tour-Final-Debüt auf eindrucksvollste Art und Weise. Der 15jährige hielt sich keine 50 Minuten mit April-Challenger-Gewinner Thomas Lenzinger auf, ehe er den 50jährigen Oldboy in einem ungleichen Generationen-Duell mit 6:2, 6:2 vom Platz bugsierte. Der erste Auftritt bei seinem 40. HTT-Karriere-Turnier ließ auch gleich einmal erahnen, was auf die Konkurrenz zukommen könnte, wenn sie den serbischen Jungstar “spielen und gewähren” läßt. Technisch brillant, mit dem Selbstvertrauen des jüngsten November-HTT-150-Triumphs, und dem Wissen, dass die Gegnerschaft mit massigst Respekt vor ihm in das Saisonfinale der besten Challenger-Spieler startet, geht es der serbischen Nachwuchs-Hoffnung vorerst recht locker von der Hand. Erwischt nicht einer der Gegner einen Spitzen-Tag, oder findet einer der Kontrahenten ein taktisches Mittel um Dejanovic das “Handwerk zu legen”, dann wird der Jungstar wohl zum überlegendsten Challenger-Final-Champion aller Zeiten avancieren. Aktuell bleibt der Konkurrenz wohl nur die Hoffnung, dass mit der Wichtigkeit dieses Turnier, auch die mentale Komponente eine Rolle spielen wird, und der 15jährige auf dieser Ebene schwächeln könnte. Anderfalls wird es für die Gegnerschaft fast zur “mission impossible”, den Jung-Serben am vierten Saisontitel zu hindern. Lenzinger jedenfalls hatte nicht die Möglichkeiten dazu, obwohl der Routinier phasenweise ganz feines Senioren-Tennis auf den Centercourt zauberte. Doch wo Gleichaltrige passen müssen, sprintete der serbische Jungspund in einem Höllentempo heran,  so als ob Lenzinger seine Angriffsbälle in Zeitlupe übers Netz befördert hätte. “Ihm gehört die Zukunft”, lobte Lenzinger, und fügte hinzu: “Das war meine Abschluss-Vorstellung auf der Hobby-Tennis-Tour. In Zukunft spiele ich nur mehr die HTT-Seniors-Tour”.

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Gernot Brunner nach Auftakterfolg über Karsten Schütze schon seit 10 Matches auf der Hobby-Tennis-Tour ungeschlagen

Der seit einer Woche prächtig in Form befindliche Gernot Brunner, hat am Samstag Abend mit einem 6:4, 6:1 Erfolg über Karsten Schütze dafür gesorgt, dass der Gruppe D am Sonntag Nachmittag ein echter Showdown um eines der vier Halbfinal-Tickets ins Haus steht. Der 26jährige Niederösterreicher, der sich erst 48 Stunden zuvor und quasi am letzten Abdruck mit seinem Titelgewinn beim November-Challenger seinen Platz beim Challenger-Tour-Final sicherte, war im Duell mit Deutschlands Karsten Schütze keineswegs so überlegen, wie es der letztlich glatte Zweisatzerfolg aussagen sollte. Vorallem zu Beginn hatte der November-Challenger-Champion seine liebe Mühe, um einen rasch eingehandelten 1:4 Rückstand aufzuholen, und letztlich sogar in ein 6:4 umzuwandeln. Und diese Leistung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, wenn man bedenkt, dass der 26jährige in den letzten 9 Tagen unfassbare 10 Matches absolviert hat, und obendrein alle 10 für sich entschied. Mit dem 10. Sieg in Serie warf Brunner seinen deutschen Kontrahenten aus dem Aufstiegsrennen, und tankte weiter Selbstvertrauen für den Vorrunden-Hit am Sonntag Nachmittag gegen Felix Sagasser. “Beim Einspielen hatte ich ein gutes Gefühl, im Match hat sich das leider nicht bewahrheitet. Ich habe mit einer Zitterhand begonnen, und bin deshalb auch rasch 1:4 hinten gelegen. Es war heute ein Kampf mit mir selbst, und am Ende ein Erfolg im mentalen Bereich und ein echter Arbeitssieg. Das war wirklich hart erkämpft, und ich bin stolz auf meine mentale Leistung, vorallem mit meinem Pensum der letzten Tage. Jetzt möchte ich mein Ziel realisieren, und das Halbfinale erreichen. Da ich körperlich jetzt doch schon ziemlich angeschlagen bin, lasse ich den Rest einfach auf mich zukommen. Einfach schauen was rauskommt, vielleicht gelingt ja sogar der ganz große Wurf”, schilderte Gernot Brunner bei der Pressekonferenz. “Ich bin enttäuscht, mit meinem Abschneiden kann ich nicht zufrieden sein”, kurz und prägnant brachte derweil Karsten Schütze seinen Vorrunden-Auftritt beim Challenger-Tour-Final auf den Punkt. “Es war trotzdem eine nette Erfahrung. Ich habe heute bis 4:1 ganz gut gespielt, dann aber leider zum Nachdenken begonnen, ob es sich mit dem Semifinale doch noch irgendwie ausgeht. Er hat sich dann auch gut auf mich eingestellt, und verdient gewonnen”, erklärte Schütze zum Abschied.

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