Tour-Newcomer im Blickpunkt des Eröffnungstages

Der Eröffnungstag beim 6. Juni-Without-Top-Ten-Turnier stand ganz im Zeichen der Tour-Newcomer. 4 Neulinge starteten in den dritten Saison-Bewerb ohne die Top Ten, und gleich drei von ihnen krönten ihr Tour-Debüt mit einem Sieg. Dazu kommt noch die beinahe schon historische 12. Erstrundenniederlage in Serie des Werner Novak. Der erste Spieltag beim 10. Saisonturnier hatte es also in sich. Eine Zusammenfassung von C.L

Das “traurige Dutzend” ist voll – Werner Novak mit 12. Erstrundenpleite in Serie

Rückblick zum 23. September 2005. In der ersten Runde des September-Without-Top-Ten-Turniers startet Werner Novak furios und kurios zu gleich ins Turnier. Nachdem er in Durchgang 1von Jelena Trifunovic mit 6:0 vom Platz geschossen wird, kämpft sich der Linkshänder in den Tie-Break des zweiten Satzes und letztlich zu einem knappen Dreisatzsieg. Das besondere daran? Es war sein bis dato letzter Sieg auf der Hobby-Tennis-Tour. Seitdem kassierte Novak 11Erstrundenniederlagen in Folge, und am Freitag Nachmittag machte er im Eröffnungsspiel des Juni-Without-Top-Ten-Turniers am Centercourt das “traurige Dutzend” voll. Gegen einen engagiert spielenden und gewohnt laufstarken Mario Eberhard setzte es für den Kolumbien-Heimkehrer mit 3:6, 6:2 und 1:6 eine weitere Niederlage. “Nach dem Gewinn des zweiten Satzes, habe ich mir schon den Sieg erwartet. Es war schließlich im dritten Satz eine Kopfsache” urteilte der 12fache Erstrundenverlierer.

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Mathias Podhradsky mit der auffälligsten Vorstellung aller Debütanten

Neben dem beinahe schon obligaten Novak-Ausrutscher in Runde 1, stand der Freitag aber wie erwähnt ganz im Zeichen der Tour-Newcomer, die insgesamt einen positiven Eindruck hinterließen. Angeführt von Mathias Podhradsky, der bei seinem 6:2, 6:1 Sieg über Bernd Ruiss das auffälligste Debüt absolvierte, und nach seiner knapp 50minütigen Premierenvorstellung nicht unzufrieden wirkte. “Der Anfang war ein wenig holprig, danach ging es ganz gut”. Der glatte Auftakterfolg brachte dem 19jährigen aus Deutsch Wagram einerseits das Ticket zum Zweitrundenduell mit Johann Krammer und ein großes Lob aus dem Mund seines Gegners ein. “Mathias wird auf der Tour noch weit kommen und sehr viele Spieler hier besiegen. Da bin ich mir sicher”, streute Ruiss seinem niederösterreichischen Bezwinger Blumen.

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Peter Golser kämpft Alex Szele in drei Sätzen nieder

Ebenfalls erfolgreich, wenngleich mit weit mehr Mühe als Podhradsky, gestaltete sich der Premieren-Auftritt von Peter Golser auf der Tour. Der über Vermittlung von Franz Korger startenden Golser kämpfte in einer über weite Strecken recht ausgeglichenen Partie Alexander Szele in drei Sätzen nieder. Der 6:4, 2:6, 6:1 Erfolg Golsers löste bei den beiden Kontrahenten unterschiedlche Reaktionen aus. “Ich weiß nicht was los ist. Es läuft einfach überhaupt nicht. Ich glaube jetzt könnte eine längere Turnierpause drohen”, zeigte sich Szele nach seiner bereits vierten Erstrundenniederlage in Serie enttäuscht und ratlos. Das der Semifinalist von 2003 heuer weiter auf seinen ersten Sandplatzsieg warten muss, ist ob seiner intensiven Vorbereitung beinahe unglaublich. Entspannt und locker wirkte hingegen Peter Golser nach seiner absolvierten und geglückten Tour-Premiere. “Es war etwas ganz anderes heute hier auf der Tour zu spielen. Ansonsten matche ich mich mit einer Seniorenrunde und treffe jede Woche die selben Spieler. Ich muss zugeben, dass ich heute enorm nervös war. Ich bin vom ersten Tag und meinen Eindrücken von der Tour positiv angetan”, meinte der Neuling.

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Hauser gewinnt Jugend-Derby und Berzengi bezwingt Debütant Karlik

Einen deutlichen 6:0, 6:3 Erfolg konnte Matthias Hauser im Jugend-Derby des Eröffnungstages gegen Clemens Kerschenbauer einfahren. Die beiden Future-Tour erprobten Kids lieferten sich auf Court 13 beinahe unbemerkt vom Turniergeschehen einen teilweise wilden Kampf. Das berichteten zumindest Augenzeugen, die auf Court Nr. 7 Doppel spielten und dem Jugend-Duell um einen Platz in der 2. Hauptrunde des Juni-Without-Top-Ten-Turniers unfreiwillig lauschten. “Ich kann einfach nicht gewinnen”, schrie sich “Bambini-Bomber” Clemens Kerschenbauer nach dem deutlichen Aus den Frust von der Seele. Wenig später analysierte der jüngste Spieler des Turniers und der jüngste jemals auf der Tour im Einsatz befindliche Akteur seine Leistung nochmals. “Ich war leider nicht ruhig und konzentrierte. Darum hat Matthias gewonnen”, meinte der 9jährige. Das Ruhe und Konzentration alleine aber nicht immer reichen, musste der vierte Tour-Neuling in seinem Premierenmatch erfahren. Rene Karlik, Freund von Christoph Kramer kam trotz konzentrierter Vorstellung gegen Nihad Berzengi mit 0:6, 3:6 unter die Räder. Allerdings hat der 21jährige eine längere Turnierpause hinter sich, spielte einst Tennis-Schülerliga und zeigte im Match mit seinem 16jährigen Gegner dennoch phasenweise gute Ansätze. “Man sieht das er Tennisspielen kann, und früher noch viel besser konnte”, meinte Karliks Freund Christoph Kramer.

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“Vorteil Muster” – Mersich mit deutlichen Fortschritten

Der September-Without-Top-Ten-Finalist selbst hatte im abschließenden Centercourtspiel des Eröffnungstages keine Probleme und fertigte Christian Mersich mit 6:1, 6:2 klar ab. Vor allem mit seinem gigantischen Aufschlag setzte Kramer die entscheidenden Akzente in diesem Spiel. “Sein Service ist enorm wuchtig und platziert. Ich habe auf der Tour noch keinen anderen Spieler mit einem ähnlichen Aufschlag gesehen”, lobte Merisch, der selbst allerdings auf eines seiner besten wenn nicht sogar “das beste Spiel” seiner bisherigen Tour-Karriere zurückblicken konnte. Motiviert ist das “enfant terrible” ja immer, im Match mit dem üermächtigen Gegner wuchs Merisch aber erstmals auch spielerisch so richtig über sich hinaus. Mitte des zweiten Satzes begann er sogar schon die auf ihn zufliegenden Aufschlaggeschosse Kramers zu retournieren. Das trotz Kampfgeist und Bemühen um ein anständiges Ergebnis trotzdem der Spass im Vordergrund stehen sollte, dafür ist Mersich wohl das vorbildliche Paradebeispiel. “Vorteil Muster”, der mittlerweile auf der Tennisanlage legendäre Sager hatte auch am Freitag Abend zum Gaudium der Zuseher wieder “Saison”. “Ich bin heute sehr zufrieden mit meiner spielerischen Leistung. Das Ergebnis freut mich, obwohl noch einige wirklich unnötige Fehler im Spiel waren. Aber Kramer spielt schon ein sehr starkes Tennis. Mehr war nicht möglich für mich”, resümierte Mersich.

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Claus Lippert, 10. Juni 2006