Juli-Without-Top-Ten-Eröffnung am Höhepunkt der Hitzewelle

Tag 1 beim Juli-Without-Top-Ten-Turnier 2006 mit dem Höhepunkt der momentanen Hitzewelle. Bis zu 36 Grad wurden für den Osten Österreichs an diesem Freitag prognostiziert, doch die Sonne über Simmering heizte wohl mit 40 Grad und mehr auf den Centercourt der Herzig-Anlage, als Michael Berger und Mario Eberhard gegen 13 Uhr zu ihrem Erstrundenmatch auf den Platz kamen. Ein Bericht vom Berger-Comeback & die Tageszusammenfassung von C.L

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“Er ist wieder hier in seinem Revier” – Berger mit Super-Comeback

“Er ist wieder hier in seinem Revier”. Die Rede ist nicht etwa von Steffen Hofmann, der an diesem Wochenende sein Comeback in “Grün-Weiß” feiert, sondern von Michael Berger. Der 39jährige feierte am Freitag Nachmittag nach über 8 Monaten Tourpause eine triumphale Rückkehr, und deklassierte seinen Erstrundengegner Mario Eberhard mit 6:1, 6:1. Der kaum eine Stunde dauernde Premieren-Auftritt Bergers im Jahr 2006 ließ Erinnerungen an die glorreichen “Berger-Zeiten” aus dem letzten Jahr wach werden. Irgendwie hatte man das Gefühl, Berger wäre nie weg gewesen. Zumindest wenn man die knapp 60minütige Vorstellung heranzieht, in der der 2fache Without-Top-Ten-Champion eindrucksvoll demonstrierte, wie man mit einer taktischen Glanzleistung auch eine über acht Monate dauernde Pause locker wegsteckt. Dabei hatte Berger im Vorfeld seines Comeback-Auftritts kein gutes Gefühl. Die Hitze, seine lange Pause und die Ungewißheit vor dem ersten Spiel, das Unbehagen in der Magengegend wurde gleich noch stärker, als der durchtrainiert scheinende Eberhard von seinen neuen Aktivitäten als Triathlet erzählte. Doch “Super-Mario” war dem “Berger-Michi” nur in konditioneller Hinsicht überlegen. Spielerisch konnte der Juli-Without-Top-Ten-Semifinalist von 2004 dem um die Hüften etwas rundlichen “Comebacker” niemals fordern, und so endete das 70. Karriere-Match Eberhards wie es enden musste. Im Debakel, weil Berger taktisch klug agierend sein Spiel über die Rückhand des Tennis-Clowns aufzog. So sparte der 39jährige Kraft für die nächsten Runden, und jubelte am Ende über den 25. Einzelsieg seiner Laufbahn. “Es war mein erstes Match heuer, noch dazu bei diesen wirklich schwierigen Verhältnissen. Ein Sieg der mich wirklich sehr freut, auch weil ich mit Eberhard einen äußerst konditionsstarken Gegner geschlagen habe”, zeigte sich Berger zufrieden. Ein Eistee mit Mineral, Small-Talk mit Tennisfreunden, Berger zelebrierte seinen ersten Tennistag im Jahr 2006 wie in alten Zeiten. Zum Ausklang des Tages krönte “Michi” seine Rückkehr noch mit einem Auftritt im von ihm wenig geliebten Doppel-Bewerb. An der Seite von Kurt Göppner, gelang zu “später Stunde” mit einem 6:1, 6:3 über das zusammengewürfelte Duo Pröbstl-Golser noch der Einzug ins Viertelfinale, wo am Sonntag die routinierte Oldies-Paarung Krammer-Piatek wartet.

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Kurt Göppner auch beim 2. Saison-Antreten ohne Chance

Apropos Göppner. Auch das zweite Saison-Antreten des Berger-Doppelpartners endete mit einer Erstrundenniederlage. Was an und für sich noch nicht tragisch wäre, doch bedenklich scheint die Art und Weise, wie sich Göppner “beinahe chancenlos” seinen Kontrahenten geschlagen geben muss. Nach dem Erstrunden-Aus beim Juni-GP-Turnier gegen Nihad Berzengi musste sich “Kurt” diesmal Manfred Tinauer klar in zwei Sätzen geschlagen geben. Den 2:6, 1:6 Fehltritt im Eröffnungsspiel führte Göppner einerseits auf den Gegner und andererseits auf sein eigenes Spiel zurück. “Ich bin mit dem weichen Tennis nicht klar gekommen. Tinauer hat kaum Fehler gemacht. Dazu kommt, dass ich nach meiner Verletzung noch lange nicht dort bin, wo ich schon einmal war. Im Training zuletzt mit Franz Korger ist es nach einer halben Stunde schon ganz gut gegangen, aber heute im Match lief nicht viel zusammen”, erklärte Kurt. “Er ist noch zu langsam”, befand Klaus Leister, der im Vorfeld des abendlichen Doppels als Sparringpartner fungierte. “Kein Wunder, vor einem Jahr war ich auch gut 10 Kilo leichter”, konterte Göppner.

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Nemetz direkt vom Urlaub ins Achtelfinale des Juli-Without-Top-Ten-Turniers

Leicht ist auch das Stichwort für Thomas Nemetz. “Leicht, unerwartet leicht ist das heute gegangen” stellte der direkt aus dem Urlaub angereiste und gut erholte Linkshänder fest. Bei seinem ersten Juli-Without-Top-Ten-Antreten deklassierte er Juni-Grand-Slam-Achtelfinalist Jürgen Pröbstl mit 6:0 und 6:1. “Unglaublich das man mit so einer Leistung so hoch führen kann”, zeigte sich “Thommy” beim Stand von 5:0 im ersten Durchgang verwundert. Nach einer weiteren halben Stunde konnte er sich schon dem Erzählen von Urlaubsgeschichten widmen, ehe er sich beim Abgang noch über seinen nächsten Gegner informierte. “Jürgen hat viele Fehler und mir damit das Spiel sehr leicht gemacht. Wirklich gut habe ich heute nicht gespielt, nur mein Linkshänder-Service hat mich rausgerissen”, analysierte Nemetz.

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Armin Zadic holt ersten Saison-Einzelsieg im Freien

Erstmals vor dem Viertelfinale musste sich Andreas Hradtezky bei seinem dritten Juli-Without-Top-Ten-Antreten geschlagen geben. Der Niederösterreicher verlor bei seinem ersten Start seit dem Mai-Grand-Slam-Turnier in seiner Auftakt-Partie gegen Armin Zadic 2:6 und 5:7. Ein flottes, abwechslungsreiches Match, das leider nur einen Sieger haben konnte, wurde wie so oft bei Hradtezky-Auftritten auf der mentalen Ebene entschieden. Das der Traiskirchner einen 5:2 Vorsprung leichtfertig vergibt ist keine Überraschung mehr, eher die gute Laune des 29jährigen nach dem neuerlichen Mental-Ausrutscher. “Es hat trotzdem Spass gemacht. Weil es mit Armin wirklich schön zu spielen ist. Er schupft nicht herum, geht ein ordentliches Tempo, und man kann sich recht schnell auf ihn einstellen, da er nicht sehr variantenreich agiert”, meinte Hradtezky. Sein Gegner nickte beipflichtend, und zeigte sich nach seinem ersten Saison-Einzelsieg im Freien erleichert. “Das Ergebnis ist wichtig, aber die Leistung war noch immer nicht berauschend. Irgendwie läuft es heuer nicht so wie im Vorjahr. Keine Ahnung woran das liegt. Aber ich schaue nach vorne, habe die schwachen Leistungen der letzten Monate schon abgehakt”, zeigt sich der erste Viertelfinalist des Turniers optimistisch.

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Claus Lippert, 29. Juli 2006