Matthias Wagner schrammt nur haarscharf an Startpleite beim Erste-Bank-Masters vorbei

Die Erste Bank Open 2014 mit der 40. Auflage des Traditionsturniers in der Wiener Stadthalle beginnen am Samstag mit der Qualifikation und am Montag mit dem 28 Mann umfassenden Hauptbewerb. Einige der Wien-Starter waren diese Woche noch in Asien engagiert, und Nadal-Bezwinger Feliciano Lopez steht aktuell sogar im Viertelfinale des ATP-1000er-Turniers in Schanghai. Während man sich also noch in Geduld üben muss, bis die Topstars erstmals ihre Rackets am Vogelweidplatz auspacken werden, ging der Eröffnungstag des Erste-Bank-Open-HTT-Turniers am gestrigen Donnerstag über die Bühne. Und das ist gut so, denn mit 176 zu absolvierenden Partien, bis die am Centercourt in der Wiener Stadthalle aufschlagenden Tour-Stars feststehen, wartet ein echtes Monster-Programm auf alle Beteiligten. Wir machen einen kurzen Blick auf diesen mit Spannung erwarteten ersten Turniertag. Ein Bericht von C.L

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Ganz wichtiger Sieg im Masters-Rennen – Mathias Wagner steht nach herumgerissener Auftakt-Partie gegen Alexander Pichler in Runde 2 des Erste Bank Open Masters

2 Punkte – mehr waren es beim Stand von 2:6, 3:5, 0:30 nicht – und die Masters-Ambitionen von Juni-HTT-500-Sieger Matthias Wagner hätten am Donnerstag Abend einen herben Dämpfer erlitten. Der Ranglisten-Achte, hier beim Erste-Bank-Open-Masters an Nummer 6 gesetzt, schrammte zum Auftakt des Indoor-Saison-Auftakts nur haarscharf am zweiten Erstrunden-Aus in Serie vorbei, und behielt in einem spannenden und ausgeglichenen Duell gegen Alexander Pichler mit 2:6, 7:5, 6:4 knappest die Oberhand. 2 Punkte vor dem scheinbar sicher geglaubten Sieg, dazu mit eigenem Aufschlag agierend, steuerte Pichler gegen einen unzufrieden wirkenden und schlecht spielenden Wagner auf die zweite Runde zu, ehe ihm das Malheur mit dem “Ausservieren” widerfuhr. Wagner holte darauf hin acht Games in Serie, führte im dritten Durchgang 4:0, ehe ein tapfer kämpfender Alexander Pichler noch eine sehenswerte  – letztlich aber nicht von Erfolg gekrönte – Aufholjagd startete. “Am Ende hat sein Aufschlag den Unterschied ausgemacht”, konstatierte der Unterlegene, während sich Wagner über weitere 45 Punkte für das “Race to La Ville” freute, und frohen Mutes dem Zweitrunden-Duell mit dem Sieger der Freitags-Partie Jahn vs. Straninger entgegenblicken kann.

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Shooting-Star Peter Rössel bezwingt zum Auftakt Thomas Aigner

Auch der zweite am ersten Spieltag im Einsatz befindliche Gesetzte hat die Auftakthürde beim Erste Bank Open Masters übersprungen. Die Rede ist von Shooting-Star Peter Rössel, der schon jetzt – knapp zwei Monate vor Saisonende – als die Entdeckung des Jahres bezeichnet werden kann. Der 17jährige, der erst im Juni und wie aus dem Nichts im Circuit erschien, hat in nur 4 Monaten Tour-Zugehörigkeit für einen kometenhaften Aufstieg gesorgt. Beim World Sports Festival trumpfte der Jungstar aus der Talenteschmiede des BMTC erstmals groß auf, und zuletzt überraschte er die Szene gar mit seinem Semifinal-Einzug bei den HTT-US-Open. Diese “big points” haben den Shooting-Star bis auf Rang 14 im HTT-Entry-Ranking gehievt, und lassen den Junior sogar mit einem Auge Richtung Tour-Final schielen. “Das kommt heuer zu früh”, wiegelt Rössel ab, der am Donnerstag Abend gegen Thomas Aigner vom TC Neugebäude einen 6:2, 7:5 Sieg einfahren konnte. Allerdings hatte der 17jährige speziell im zweiten Satz hart zu kämpfen, als er sich mit einem 3:5 Rückstand konfrontiert sah. Dabei legte Rössel – gestützt auf seinen Aufschlag – ganz ordentlich los. Mit dem ersten Break handelte sich der an Nr. 11 gesetzte Niederösterreicher aber ein 0:3 zu Beginn des zweiten Satzes und eine gewisse Unsicherheit ein, ehe er das Ruder doch noch zu seinen Gunsten herumreißen konnte.

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Italo-Stars auf der HTT als neuer Trend, und wie der Ex-Zimmerkollege von Igor Andreev zum Auftakt gegen Lokalmatador Jürgen Buchhammer siegte

Im Runde 2 bekommt es Rössel mit dem Tour-Neuling Daryl De Jori zu tun, der am gestrigen späten Abend einen ganz interessanten Trend der vergangenen Wochen und Monate prolongierte. Immer mehr Spieler aus des Österreichers liebsten Urlaubslandes finden den Weg auf die Hobby-Tennis-Tour, übrigens sehr zur Freude des Italien affinen Tour-Veranstalters. Francesco Tedesco machte vor ein paar Wochen den Anfang, Gianfranco Vittone kommt auf Challenger-Ebene immer besser in Fahrt, und ein weiterer ganz starker junger Mann vom Apennin wird in den kommenden Wochen auf der Tour erwartet. Mit einem Schlag hätten die “Italo-Server” dann ein ganz hervorragendes und äußerst konkurrenzfähiges Team für den 2015 anstehenden Hobby-Davis-Cup parat, denn mit Alex Pablo Encinas Bartos verfügen die Azzuris ja bereits über einen richtig starken Leader. Und ein weiterer Top-Mann aus dem Süden wurde am Donnerstag Abend erstmals im Circuit vorstellig. Daryl De Jori, 33jährig und aus Brixen stammend, könnte in Zukunft noch eine ganz heiße Nummer auf der Tour werden. Der 6:4, 6:1 Erfolg beim Debüt über einen – wegen der späten Ansetzung – verärgerten Jürgen Buchhammer wiegt da gar nicht so hoch, sondern vielmehr die Geschichte, die der Italo-Neuling zu erzählen wusste. So war er einst in seiner Jugend mit einem gewissen Igor Andreew unterwegs, um auf den Vorgänger-Turnieren der heutigen ITF-Future-Tour den sogenannten “Satellits”, Karriere zu machen. Während sein russischer Zimmerkollege später sogar drei ATP-Titel holte, und unter anderem den 9fachen French-Open-Sieger Rafa Nadal auf seiner persönlichen Abschussliste führte, musste De Jori verletzungsbedingt seine Karriere beenden. Danach ging es in Italien nur mehr in der Zweitklassigkeit weiter, ehe er sein Racket ganz an den Nagel hing. Jetzt und hier in Wien soll es wieder losgehen. Zunächst als Ausgleich für den bewegungshemmenden Alltag hinter dem Schreibtisch, aber in Zukunft womöglich auch, um auf der Tour ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. “Ich habe mit Tennis wieder begonnen, weil es mehr Spaß macht als alleine laufen zu gehen”, zeigte sich der 33jährige nach seinem gelungenen Einstand zurückhaltend. Trotz vieler Fehler und deutlich fehlender Matchpraxis, fügte er Lokalmatador Jürgen Buchhammer eine letztlich doch glatte Zweisatz-Niederlage zu. Seit dem vielbeachteten Erstrunden-Sieg bei den HTT-US-Open über den höher eingeschätzten Christian Kodydek – übrigens war dies der 60. Karriere-Einzelsieg von Buchhammer – läuft nicht mehr viel zusammen beim 31jährigen Wiener. “Zu dieser späten Stunde noch Leistung zu bringen, ist extrem schwer und mir heute einfach nicht gelungen”, grollte der Unterlegene.

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Kurioses Aus: Ex-Hallenkönig Thomas Valek von einer Gelse und September-Future-Champion Filip Loisel gestoppt

Machen wir auch noch einen kurzen Blick zum ersten Tag beim Erste-Bank-Open-Challenger, der am Donnerstag mit gleich 11 Partien in Szene ging. 123 Damen und Herren sorgen ja mit ihrer Nennung seit gestern Abend für das größte jemals zur Austragung gekommene Single-Event in der Open Ära der Hobby-Tennis-Tour seit 1990. Und dieser 128er-Draw ist gespickt mit unzähligen jungen hungrigen Spielern, vielen arrivierten und routinierten Akteuren, und bei näherer Betrachtung auch mit einigen Tour-Legenden der Vergangenheit. Für einen dieser Alt-Stars aus der glorreichen Vergangenheit kam am Donnerstag völlig überraschend und gleichermaßen kurios das Aus in Runde 1. Thomas Valek, mittlerweile bereits 40jährig und mit 7 Hallen-Turniersiegen noch immer in den Top Ten der erfolgreichsten Indoor-Spieler aller Zeiten vertreten, kassierte im Auftakt-Treffen mit September-Future-Champion Filip Loisel eine bittere Niederlage, mit noch bittererem Beigeschmack. Von einer Gelse im Gesicht gestochen, musste der auf diese Blutsauger allergisch reagierende Ex-Champion nach mit 1:6 verlorenem ersten Satz aufgeben. 107 Siege in 167 Spielen feierte der einst als Hallenkönig bekannt gewordene Valek, der 2004 in einem denkwürdigen Viersatz-Finale beim Jänner-Grand-Slam gegen den damals als unschlagbar geltenden Patrick Schwing sogar in einem Major-Endspiel stand. Ein Jahrzehnt später schaut die Geschichte freilich ganz anders aus. Nichts ist mehr geblieben vom einst so druckvollen Grundlinien-Spiel des Thomas V., mit dem er die Gegnerschaft zumindest “Indoor” in Angst und Schrecken versetzte. Zu dieser Zeit, als Valek die Hallenturniere der HTT nach Bleiben beherrschte, hatte sein gestriger Gegner gerade den Kindergarten-Beutel gegen die erste Schultasche getauscht, und mit Tennis noch nichts am Hut. Anno Oktober 2014 aber, ist Loisel mit 5:0 Siegen und einem glänzenden Tour-Debüt einer von vielen ganz starken neuen Newcomern.

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Italo-Challenger-Star Gianfranco Vittone “ver”beißt sich seine Rückenschmerzen, und Gegner Ralph Garger aus dem Erste Bank Open Challenger-Turnier

Zeitig in der Früh hatte er seinen Start beim Erste-Bank-Open-Challenger eigentlich abgeschrieben, und per SMS an den Veranstalter sogar abgesagt. Erst nach einem persönlichen Telefonat, ließ er sich zum Kommen überreden, und jetzt steht er nach einem 7:5, 7:5 Erfolg über Ralph Garger sogar in der zweiten Runde. Die Rede ist von Gianfranco Vittone, einem 41jährigen Italiener, der geboren in Triest und aufgewachsen in Rom, nun in Wien die Challenger-Szene bereichern möchte. Gegen Tour-Neuling Ralph Garger musste sich der Italiener seine irren Schmerzen im Rücken verbeißen, um sich für das Zweitrunden-Duell mit dem topgesetzten Markus Hobiger zu qualifizieren.

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Dieter Schickbichler “überholt” zum Auftakt Rallye-Vizestaatsmeister Mario Saibel

Immer verlässlicher in seinen Resultaten wird derweil Dieter Schickbichler, der sich am Donnerstag Abend in Runde 1 gegen Mario Saibel im 58. Karriere-Single seinen 20. Sieg sichern konnte. Der 41jährige siegte überraschend deutlich mit 6:2, 6:2, und fügte seinem Gegenüber dessen vierte Erstrunden-Niederlage beim 5. Tour-Antreten zu. Es wird noch ein wenig dauern, bis Saibel mit der nötigen Spielpraxis auch die entsprechenden Resultate einfahren wird. Apropos einfahren: Auf anderer sportlicher Ebene düst der 40jährige in ganz anderen Spähren. Der symphatische Wiener ist österreichischer Rallye-Vizemeister, mit Ambitionen und dem Können, in näherer Zukunft auch den Meister-Titel zu holen. Zu empfehlen ist auch sein Internet-Auftritt mit spektakulären Bildern seines Sports auf www.mariosaibel.at.

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Erster Hauptbewerbs-Erfolg seit 12 Turnieren und März 2014 – Benjamin Rehberger mit 7:5, 6:2 Sieg über Ulrike Prokes raus aus der Krise

7:5, 6:2, das sind die Glückszahlen, mit denen Jungstar Benjamin Rehberger vom UTC Loretto am Donnerstag Abend endlich aus der sportlichen Talsohle der vergangenen Monate gefunden hat. 12 Turniere in Folge, blieb der 18jährige ohne Hauptbewerbs-Erfolg, und damit seit März dieses Jahres sieglos. Abgesehen von drei gelungenen Quali-Auftritten, herrschte in den Hauptbewerben seit seinem genialen Semifinal-Einzug beim März-Future absolute Flaute. Obwohl technisch ganz ordentlich und mehr als motiviert bei der Sache, spielte sich Rehberger zuletzt in einen wahren Strudel der Erfolglosigkeit. Der 7:5, 6:2 Sieg über Ulrike Prokes vom OTC sollte daher wie Balsam auf die zuletzt entstandenen Wunden des Juniors sein, und ihm womöglich Auftrieb geben, für einen gelungenen Auftritt hier beim Erste-Bank-Open-Challenger.

Patrick Weisz von Tour-Neuling abgefertigt, und warum Werner Kovarik sein 220. Karriere-Turnier beinahe versäumt hätte

Was tat sich sonst noch am ersten Tag des Challenger-Turniers? Patrick Weisz kam direkt vom Bundesheer und ohne Spielpraxis ins La Ville, wo gleich wieder scharf geschossen wurde auf den 19jährigen vom Schwechater TC. Gegen den zwei Jahre jüngeren Tour-Neuling Thomas Kosicek blieb nur “in Deckung zu gehen”, und mit einem Ehren-Game das Weite zu suchen. Zu Kleinholz verarbeitete derweil am späten Abend Jürgen Voglsinger sein Racket. Nach 1:1 in Sätzen gegen WTC-Star Gernot Hansen, warf Voglsinger bei 2:5 im entscheidenden dritten Durchgang das Handtuch. Christian Mayer gewann das Eröffnungsspiel des Turniers gegen die ambitionierte Tour-Debütantin Frederike Gillissen mit 7:6, 6:3, während Titel-Mitfavorit Günther Wlaschitz mit einem 6:0, 6:1 Kantersieg in Runde 2 stürmte. Und dort steht auch Werner Kovarik, der sich am Nachmittag noch erkundigte, wo in der Stadthalle denn sein Auftritt wäre. Am Ende nahm er auch mit dem La Ville Vorlieb, und feierte bei seinem 220. Karriere-Turnierstart einen 6:1 und 6:4 Erfolg über Lukas Siegel.