Brunner-Festspiele bei gigantischer OTC-Premiere

Der Hobby-Tennis-Tour-Kalender ist seit vergangenem Wochenende um ein absolutes Top-Highlight reicher! Das August-HTT-500-Turnier – in 22 Ausgaben seit 1992 in vier verschiedenen Tennisclubs etabliert – ist bei der 23. Auflage in eine völlig neue Dimension vorgestoßen. Nach dem Auszug aus der Simmeringer Leberstraße ging das von 1996 bis 2004 in Hainburg als Vorbereitungsturnier für die HTT-US-Open bekannte Tradtionsturnier zum ersten Mal beim noblen Ober St. Veiter Tennisclub über die Bühne. Und es wurde eine Premiere mit Pauken und Trompeten! Das edle Event am Jennerplatz hatte alles zu bieten, was sich ein Freizeittennisspieler bei der Ausübung seines Hobbys nur erträumen kann. Ein gigantisches Portfolio an exquisiten Sachpreisen, ein ausgelobtes Preisgeld in Höhe von 1.000,– Euro, das selbst so manches Verbandsturnier blass aussehen läßt, dazu eine noble Tennisanlage mit allem Komfort und sensationellen Courts, die hoch über der Stadt gelegen, ein Ambiente der Extraklasse erzeugte. Und obendrauf ein Teilnehmerfeld, das selbst die schärfsten Kritiker der letzten Wochen verstummen ließ. Die Ansammlung an Topstars und megastarken Newcomern – so waren sich Tour-Insider einig – hatte es so in dieser Konstellation noch nie im Rahmen eines HTT-500-Turniers gegeben. Alles zusammen ergab dann ein Premium-Event der Spitzenklasse, das am vergangenen Wochenende weit hinaus über die Grenzen der Hobby-Tennis-Tour bekannt wurde, und gar zu einem Fixpunkt in der Wiener Tennisturnierlandschaft werden könnte. Ein Bericht von C.L

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Eröffnungstag bei den OTC Open fällt ins Wasser

Alle drei aktuellen Major-Gewinner der heurigen Saison am Start, insgesamt fünf Top-Ten-Stars mit von der Partie und dazu 32 Spieler mit einer International Tennis Number unter 4,9, spielstarke und topmotivierte Akteure ohne Ende standen bereit, um sich bei der Premieren-Veranstaltung  der OTC Open die Ehre zu geben. Doch was nützt das alles, wenn das Wetter nicht mitspielt! Es ist Freitag Nachmittag, der Eröffnungstag der Saisonturniere Nr. 47 und 48 steht an, doch hoch droben über Wien am noblen Hietzinger Jennerplatz geht mit Tennis unter freiem Himmel so wie auch im Rest der Stadt absolut nichts. Tiefe Lacken auf den Courts, dunkle Regenwolken über der gediegen liegenden Anlage sorgen für Tristesse pur und Sorgenfalten im Gesicht von Gastgeber Alexander Walter. Der 42jährige, seit diesem Frühjahr im OTC-Vorstand engagiert und als Beirat für Sport & Management im Einsatz, hatte an diesem verregneten Freitag die Wetterkarten und meteorologischen Prognosemodelle permanent im Auge, und bis zuletzt die Hoffnung, “sein Turnier” pünktlich eröffnen zu können. Doch daraus wurde nichts! 20 Matches waren buchstäblich ins Wasser gefallen, der geplante Ablauf des Mega-Events war schon nach dem nicht gespielten Eröffnungstag über den Haufen geworfen. Weniger sorgenvoll nahm derweil Tour-Veranstalter und Turnierleiter Claus Lippert das Regen-Szenario mit logischer Auftakt-Absage zur Kenntnis. Regenunterbrechungen & Verschiebungen gehören zum Tagesgeschäft des seit 25 Jahren im Amt befindlichen HTT-Chefs.

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Wenn die Tennisanlage der Star ist

Die Gelassenheit in Sachen “Absage des Eröffnungstages bei den OTC Open” hatte aber freilich auch noch einen anderen Grund, und der hatte mit den weitaus besseren Wetter-Aussichten für die folgenden Tage zu tun. Zwar waren immer wieder störende Gewitter und Niederschläge vorhergesagt, die der planmäßigen Abwicklung eines mit 100 Spielern gefüllten Teilnehmerfeldes nicht gerade förderlich gewesen wären, doch insgesamt war absehbar, dass mit halbwegs brauchbarem Wetter kein Regen-Desaster und Absage-Chaos drohen würde. Tags darauf scheint dann auch tatsächlich die Sonne vom Hietzinger Himmel und läßt das “Tennis-Juwel” am Rande des Lainzer Tiergartens in jenem Glanz erstrahlen, der diese Anlage einmalig macht. Als pünktlich um 10 Uhr die Herren Schwedler, Haslinger, Schweighofer, Fessel & Co die Courts zur Ouvertüre des Mega-Events betreten, spielen sie “nur die zweite Geige”. Fans und Zuschauer sind begeistert und gefesselt über einen atemberaubenden Ausblick über Wien, von den terrassenförmig angelegten Tennisplätzen und einem über der Anlage thronenden Clubhaus, das allerbeste Sicht auf die acht Courts des OTC freigibt. Nein, die Akteure sind in diesen Auftakt-Matches des Turniers nicht das Highlight, sondern die Spielstätte auf der sie ihr Bestes versuchen. Und diese “Spielstätte” ist in der Tat etwas ganz besonderes, vorallem wenn man in der Geschichte dieses Turnieres blättert.

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Die Geschichte des August-HTT-500-Turnier von Alt Erlaa 1992 über Hainburg bis zur OTC-Premiere 2014

1992 zur Premiere des August-HTT-500-Turniers (damals noch als August-Grand-Prix im Kalender etabliert) schlug man in Alt Erlaa auf, ehe das Sandplatz-Event für drei Jahre (1993 bis 1995) nach Floridsdorf zum dortigen TC an den Lorettoplatz übersiedelte. Eine Sandplatz-Veranstaltung im zu damaligen Zeiten recht mageren und gerade einmal 18 Turniere umfassenden Kalender, schien dem Veranstalter aber nicht mehr zeitgemäß, vorallen nicht unmittelbar vor den “HTT-US-Open”, und so ließ der Tour-Organisator kurzer Hand das Turnier von der roten Asche Floridsdorfs auf den Hartplatz der Bundessportschule Spitzerberg in Hundsheim nahe Hainburg übersiedeln. Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, Lippert habe diesen Orts- und Belagswechsel nur deshalb vollzogen, weil er auf Sand mit mässigen Erfolgen spielte, während er auf Hartplatz Ende der Neunziger Jahre und zu Beginn des neuen Milleniums in Hainburg als unschlagbar galt. In jedem Fall “tourte” man von 1996 bis 2004 beim August-Grand-Prix-Turnier als HTT-US-Open-Vorbereitungsturnier durch den Circuit, und das auf zwei Plätzen, die dem heutigen Standart von HTT-Veranstaltungen nie und nimmer mehr gerecht werden würden. Als man 2005 in Hainburg die Notbremse ziehen musste, weil die Netze keine Bänder mehr hatten, die Linien immer bleicher wurden, und starker Mooswuchs für zu rutschige, vorallem aber gefährliche Verhältnisse sorgte, war mit einem Schlag auch das Vorbereitungsturnier für die HTT-US-Open wieder gestorben. Seither geht es wieder auf roter Asche zur Sache, und die letzten neun Saisonen von 2005 bis 2013 in der Simmeringer Leberstraße, bevor man heuer der Premiere beim Ober St. Veiter TC entgegen fieberte. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Die altehrwürdige Tennisanlage in Simmering mit den spinatgrünen Mauern ist Vergangenheit. Die Gegenwart ist ein nobler und ganz schick angelegter Club mit modernster Technik, einer Ruhe-Zone mit Pool und einem riesigen Clubhaus, das vom Restaurant bis zur Umkleide keine Wünsche offen läßt.

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OTC sorgt für Event-Highlight der Extraklasse mit einer noch nie dagewesenen Dichte an Topspielern bei einem HTT-500-Turnier

“Die Spieler sind natürlich immer das Wichtigste bei einem Turnier, aber wir wollen mit dem gewissen “Drum Herum” das Ganze noch attraktiver gestalten”, hatte sich OTC-Vorstand Alexander Walter schon weit vor dem ersten Aufschlag zu diesem Super-Event mit seinen Vorstellungen positioniert. Und dieser Masterplan ging voll auf! Auch sportlich betrachtet, zumal man am Jennerplatz ein Teilnehmerfeld begrüßen durfte, das auf 500er-Ebene ihresgleiches in der Open Ära sucht. Nachdem Alexander Walter als Hauptsponsor der Veranstaltung für eine Dotation von 1000 Euro sorgte, war plötzlich nicht nur die Elite der Hobby-Tennis-Tour auf den Plan gerufen. Weit hinaus in die Clubs der Bundeshauptstadt, ja bis nach Oberösterreich hatte man vernommen, dass da von 11. bis 15. August ein Event der Superlative in Szene gehen würde. 6 bis 7 Top Ten Spieler wollte Sportbeirat Alexander Walter am Jennerplatz begrüßen, und auch wenn es letztlich nur 5 der besten Zehn wurden, strahlte der “Hausherr” an diesem August-Weekend über ein wahrlich unfassbares Teilnehmerfeld. 100 Spieler(innen) aus 9 Nationen hat ihr Kommen zugesagt, und alleine das Feld der 23. Auflage des vorgezogenen August-HTT-500-Turniers ließ Szenekenner mit der Zunge schnalzen. So dicht besetzt mit Klassespielern war wohl noch nie ein Turnier auf 500er-Ebene! Als Beweis diente wohl der Blick auf den Quali-Raster, wo sich ausgerechnet Lokalmatador Alexander Walter mit einem ITN von 4,7 als Nummer 1 gesetzt wieder fand. Er der die 1000 Euro als Hauptsponsor locker machte, hatte so viele Topspieler angelockt, dass er plötzlich den imposant besetzten Quali-Raster anführte. Es fiel angesichts der unfassbaren Dichte an starken Spielern nicht einmal auf, dass Masterssieger Philipp Schneider wegen Urlaubs fehlte, der 2fache Major-Champion Fabian Mayrhuber nach Wimbledon auch bei diesem Highlight durch Abwesenheit glänzte, und das sich der rumänische Kitzbühel und HTT-US-Open-Sieger Damian Roman entschuldigen ließ.

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Wie die HTT-Stars Klager, Vukicevic und Glatzl bei den HTT-Kritikern von bösen Buben zu bemitleidenswerten Mitspielern avancierten

Absagen, die für jedes andere 500er-Turnier einen herben Schlag bedeuten würden, die bei den OTC Open 2014 aber nicht ins Gewicht fielen. Das famose Teilnehmerfeld, bei dem sogar den ständigen Nörglern die kritischen Worte fehlten und bei dem die umfangreiche Kritiker-Riege der HTT scheinbar aus dem Staunen nicht herauskam, hatte jenen kuriosen Effekt zu bieten, dass jene Herren die noch vor Tagen heftigst wegen ihres Engagements auf der HTT kritisiert wurden, diesmal fast schon mit Mitleid bei den selbst ernannten HTT-Experten im Internet bedacht wurden. Klager, Vukicevic, Glatzl & Co sollten doch gefälligst die echten Hobby-Tennis-Spieler in Ruhe lassen, und ihr Glück bei ÖTV-Turnieren versuchen. Die achso bösen Superstars der HTT – vom noch böseren Veranstalter auch noch getragen – würden den wirklichen Hobbyspielern Titel und Pokale wegschnappen, und dazu beitragen, dass sich die HTT ganz düsteren Zukunftsaussichten stellen wird müssen. “Quatsch mit Sauce”, angesichts bislang 48 in dieser Saison in Szene gegangener Turniere mit 44 verschiedenen Siegergesichtern. Tja, und Klager, Vukicevic, Glatzl & Co, die noch Tage zuvor medial aufs Maul bekommen hatten, waren auf einmal die armen Jungs von nebenan, denen ausgerechnet beim ersten Preisgeld-Turnier des Jahres noch härtere und bessere Tenniskaliber vor die Nase gesetzt wurden. So schnell ändern sich auf der HTT die Zeiten, sollte man meinen, doch in Wahrheit war am Wochenende der brillanten OTC-Premiere am Spielersektor nichts anderes gelaufen als sonst auch. Spieler ab ITN 3,0 sind herzlich Willkommen, haben aber längst keinen Freifahrtsschein in Sachen Titel, Trophäen oder wie im Falle der OTC Open auf das große und verlockende Preisgeld.

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Anfänglicher Unmut über starke Tour-Neulinge wie Raffael Schaffarik und Alexander Posch, denen vorgeworfen wurde, nur des Preisgeldes wegen am Start gewesen zu sein

“Es ist nicht mehr so, dass Neulinge so stark sie auch sind (im Rahmen von ITN 3,0) auf die Tour kommen können, um beim ersten Mal groß abzuräumen. Wir an der Spitze sind richtig stark und darauf können wir stolz sein”, ließ der Ranglisten-Erste Peter Klager bei den heurigen HTT-French-Open schon einmal anklingen, was längst Gewissheit und Alltag auf Österreichs größter und stärkster Hobby-Tennis-Rangliste ist. Newcomer zahlen erstmals Lehrgeld, ehe sie groß einsteigen. Dieses Phänomen kann man schon seit Jahren beobachten, dennoch mischte sich am dritten Spieltag der OTC Open leichter Unmut über das Antreten von Spielern wie Raffael Schaffarik oder Alexander Posch in die ansonsten blendende Stimmung. Denn zunächst einmal floppten die eigentlichen HTT-Top-Ten-Stars gewaltig. Vorallem die drei heurigen Grand-Slam-Sieger kamen über das Viertelfinale nicht hinaus, was scharfzüngigen Kritikern natürlich Munition lieferte. Doch zunächst musste man einmal näher hinschauen, was die drei Major-Helden des Jahres 2014 auf der roten Asche zu Ober St. Veit ablieferten.

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Erbärmlicher Glatzl-Auftritt in Runde 1 und wie der 2fache HTT-French-Open-Sieger Peter Klager das überraschende Achtelfinal-Aus gegen Italiens neuen Jungstar “runterschluckte”

Für die Enttäuschung schlechthin sorgte HTT-Australian-Open-Gewinner Renee Glatzl. Der an Nummer 2 gesetzte Jungstar vom Schwechater TC lief gleich zum Auftakt in Runde 1 gegen den jungen Oberösterreicher Florian Brunner in ein unansehnliches 1:6, 1:6 Debakel. Natürlich war Brunner am Ende des Turniers die große Nummer, und im Erstrundenspiel gegen den Power-Server laut eigener Meinung mit der besten Leistung während des Turniers siegreich geblieben, doch die Art und Weise wie sich Glatzl am Centercourt verkaufte, war schon richtig erbärmlich. Das er aufgrund seines derzeit laufenden Zivildienstes nicht regelmäßig zum Training kommt, entschuldigt vielleicht den einen oder andern spielerischen Mangel. Die Begeisterungsfähigkeit die Glatzl aber bei seinem 77. Turnierstart und im 177. Match seiner HTT-Karriere an der Tag legte, war gelinde gesagt eine Frechheit. Am Ende gab der 20jährige düstere Zukunftsvisionen von sich. “Ich möchte in Zukunft keine SMS-Informationen mehr von Dir erhalten”, ließ er dem Veranstalter ausrichten. “Ich werde jetzt länger kein Turnier mehr spielen, ich weiß überhaupt nicht, ob und wann ich wieder auf die HTT zurückkehre”, meinte ein trotzig reagierender Jänner-Grand-Slam-Champion. Ganz anders reagierten da die beiden Major-Kollegen von Glatzl, nämlich der amtierende HTT-French-Open-Sieger Peter Klager und der frischgebackene HTT-Wimbledon-Champion Vladimir Vukicevic. Klager hatte zunächst in Runde 1 und in seinem 60. Karriere-Single Mathias Wagner mit 6:3, 6:1 abgefrühstückt, im Achtelfinale dann aber sensationeller Weise die Segel streichen müssen. Alex Pablo Encinas Bartos, gerade einmal 16jähriger Jungstar aus Italien, hat neben einem wahrlich klingenden Namen auch bereits bestens Tennis zu bieten. Eines, mit dem er sogar die absoluten Topstars der Szene ärgern, fordern und schlagen kann. Gesehen und geschehen am Sonntag Abend, als der in Monza geborene Jungstar in einem spannenden Achtelfinal-Duell die Siegesserie des derzeit besten Sandplatzspielers auf roter Asche beendete. Mit 6:4, 7:6 entzauberte die italienische Zukunftshoffnung den 2fachen HTT-French-Open-Sieger viel früher als dem wohl lieb war. Den Frust schluckte Klager dann bei der anschließenden Players-Party runter, wo er sich intensiver als sonst üblich kulinarischen Genüssen hingab, und Koteletts, Würstel und sonstigem Grillgut mehr Aufmerksamkeit als sonst im Erfolgsfall widmete.

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HTT-Wimbledon-Sieger Vladimir Vukicevic muss den Anstrengungen der zurückliegenden Rasensaison Tribut zollen

Und auch für den serbischen Raenkönig Vladimir Vukicevic war die Reise an den Jennerplatz nicht vom großen Erfolg gekrönt. Der 32jährige aus Sombor war als der ganz große Favorit zu den OTC Open angereist, immerhin hatte der 2fachen HTT-Wimbledonsieger heuer noch kein Match verloren, und mit 14:0 Siegen sein zweites Sandplatz-Turnier in dieser Saison in Angriff genommen. Den Auftakt Ende April im UTC La Ville hatte “Vladi” noch gewonnen, und damit die schon auftauchenden Unkenrufe widerlegt, er der “King of crass” könne nur bei WAT Landstrasse wirklich um Titel mitspielen. Den geglückten sportlichen Widerruf in der Tasche, hatte sich Vukicevic danach auf die anstehende Rasensaison vorbereitet, um dort die “Mission 3000” so wie im Vorjahr mit Bravour zu erfüllen. 3000 Ranglistenpunkte für eine erfolgreiche Titelverteidigung beim Juni-Masters-Series-1000-Turnier und beim Rasen-Grand-Slam standen auf dem Spiel, und der 32jährige wurde dieser riesigen Herausforderung in der Tat gerecht. Eine heroische Leistung, die einiges an geistiger und körperlicher Substanz kostete, und diesen Kräfteverschleiß merkte man dem Rasenkönig am OTC-Wochenende deutlich an. Schon in Runde 1 tanzte Vukicevic im “bosnisch-serbischen” Duell mit Tour-Neuling Marko Djuranovic am Rande einer Niederlage, ehe er nach dreieinhalb Stunden den sportlichen Supergau mit Ach und Krach vermieden hatte. Der 3:6, 6:4, 6:4 Erfolg über den bosnischen Debütanten war der 15. Vukicevic-Sieg in Serie, dem er im Achtelfinale im 40. Karriere-Single noch ein 6:0, 6:0 über Reinhard Leopold beifügte.

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Taxi-Orange-Star scheitert im Achtelfinale der OTC Open

Apropos Reinhard Leopold. Der Name sagt vielleicht vielen Tourspielern nichts, aber das Gesicht des achtelfinalen Vukicevic-Gegners, das kam vielen Teilnehmern am OTC-Wochenende mehr als bekannt vor. Dieses Mann war doch irgendwann einmal ein ganz bekannt im österreichischen Fernsehen? Richtig, es war im Jahr 2000 also schon vor 14 Jahren, als der ORF mit einem neuen TV-Format bei “Jung & Alt” für Furore sorgte, und 13 junge Leute in “Big Brother ähnlichem Stil” in einem Haus namens Kutscherhof lebten, und mit zwei orangenen Taxis ihren Lebensunterhalt verdienten. Das alles natürlich vor Kameras, womit ganz Österreich Anteil nehmen konnte, und schon bald ins legendäre Taxi Orange Fieber fiel. “Rausgewählt” wurde Reinhard Leopold bei den OTC Open so wie bei Taxi Orange schon vor dem Finale, nämlich wie erwähnt in Runde 2 von Vladimir Vukicevic. Für den serbischen Rasen-Gott war dann allerdings auch eine Runde später schon Schluss. Im Viertelfinale musste sich der 32jährige dem von vielen als Turnierfavoriten angesehenen Raffael Schaffarik deutlichst mit 2:6, 2:6 geschlagen geben. Nach der ersten Saisonniederlage im Jahr 2014 blieb “Vladi” dann nur noch untertauchen über.

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Königliches Grillbuffet und der Fall von Rasenkönig Vladimir Vukicevic, der im Viertelfinale gegen Raffael Schaffarik die erste Saison-Niederlage hinnehmen musste

Die Grand-Slam-Stars hatten sich also allesamt vor der am Sonntag stattfindenden Players-Party verabschiedet, die selbst ein kurzer Regenschauer am Nachmittag nicht stören konnte. Und so saß man eine Stunde vor dem WM-Finale bei einem herrlich schmeckenden und auch optisch königlich aufbereiteten Grill-Buffet zusammen, und philosopierte über Tennis. Die einen beklagten ihr frühzeitiges Ausscheiden, dass angesichts der verlockenden Siegerschecks mehr schmerzte als sonst üblich. Die anderen Akteure diskutierten die Aussichten für die finale Phase des Turniers, man analysierte die Gegner und schwärmte von einem Turnier der Superlative, das unbedingt eine Fortführung erfahren muss. Nachdem sich die siegreichen HTT-Major-Helden also frühzeitig verabschiedet hatten, und den Vorschusslorbeeren nicht gerecht werden konnten, hatten viele Experten plötzlich die Namen Martin Mayer und Raffael Schaffarik ganz oben auf der Rechnung. Mayer hatte sich mit der imposanten Saisonbilanz von 18:1 Siegen und Erfolgen über Alexander Trojer und Hans Kunst ins Viertelfinale vorgekämpft, wo aber schließlich überraschender Weise gegen den späteren Sieger Florian Brunner Schluss mit lustig war. Es war nicht der Aufstieg Brunners die große Überraschung, sondern die Art und Weise und vorallem das glasklare Endergebnis, mit dem der Welser den 3fachen Saisonsieger aus Muckendorf nach Hause schickte, und sich selbst endgültig zum Geheimfavoriten auf den Titelgewinn machte. Mit der Empfehlung eines 6:1, 6:3 Sieges über Martin Mayer empfing Florian Brunner dann auch den von vielen auf die 300 Euro programmierten Raffael Schaffarik, der im Achtelfinale die Titelambitionen von Alexander Posch bremste und im Viertelfinale das Preisgeld von Rasenkönig Vukicevic auf 30 Euro minimierte.

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Der Semifinal-Kracher zwischen Italiens neuem HTT-Star Alex Pablo Encinas Bartos und Lukas Prüger, und warum das Endspiel in diesem Duell an einem seidenen Faden hing

Ebenfalls im Semfinale standen Italiens neuer Stern am HTT-Himmel Alex Pablo Encinas Bartos und Jänner-Grand-Slam-Semifinalist Lukas Prüger, der sich still und heimlich und ohne pompösem Auftreten unter die letzten Vier spielte. Der 16jährige war auch erst am späten Sonntag Nachmittag ins Turniergeschehen eingestiegen, hatte Tour-Neuling Wolfgang Tritthart mit 6:3, 6:3 ein erfolgloses Debüt beschert, ehe er am Montag Nachmittag im Achtelfinale mit dem starken oberösterreichischen Qualifikanten Christopher Brunner Bekanntschaft machte, und erstmals über die volle Distanz von drei Sätzen gehen musste, ehe der Viertelfinaleinzug fixiert war. Im Doppelpack nahm Prüger dann die Hürden Philipp Jahn und Alex Pablo Encinas Bartos, wobei vorallem der Semifinal-Hit mit Italiens HTT-Star einiges an Spannung zu bieten hatte. Es war ein phasenweise hochklassiges Match, das die beiden erst 16jährigen Jungstars dem Publikum lieferten. Und es war auch für “Hausherr” Alexander Walter kein gewöhnliches Match wie die vielen anderen Spiele in den Runden davor. Denn, und das wussten nur die Veranstalter, das Finale der OTC-Open-Premiere hing an einem wahrlich seidenen Faden. Weil der Eröffnungsspieltag am Freitag Nachmittag gänzlich ins Wasser fiel, musste das 785. Single-Event der Open Ära um einen Tag auf Mittwoch verlängert werden. Genau an diesem Tag um 17 Uhr lief allerdings auch jenes Kreuzfahrtschiff im Hafen von Venedig aus, auf dem Italiens neuer HTT-Hero und seine Eltern eine zweiwöchige Kreuzfahrt durchs Mittelmeer genießen werden. Bei einem Sieg von Encinas Bartos wäre das Super-Turnier am Jennerplatz um sein Endspiel umgefallen, und Alexander Walter hätte wohl den Supergau schlechthin für sein Heimturnier erlebt. Doch es löste sich alles in Wohlgefallen auf. Encinas Bartos, dem ganz sicher die Zukunft gehört, verlor im dritten Satz gegen Lukas Prüger mit 2:6, holte sich 100 Euro Taschengeld für die Mittelmeer-Reise ab, und genoss Tags darauf schon den Komfort des Luxus-Kreuzers, und Prüger freute sich auf die Chance, im großen Finale womöglich seinen zweiten HTT-Karriere-Titel zu erobern.

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Mit Brunner gegen Prüger gab es nicht nur ein Teenager-Finale zu bestaunen

Am Ende hatte sich in der Tat alles in Wohlgefallen aufgelöst. OTC-Sportbeirat Alexander Walter hatte “sein Endspiel”, und obendrein noch eines, das auch der Hobby-Tennis-Tour und seinen Stars gerecht wurde. Den Kritikern war wieder einmal das Maul gestopft worden, weil eben nicht einer der für unschlagbar gehaltenen und nur zum Abstauben des Preisgeldes angereisten ITN-Topspieler siegte, denen die Hobby-Tennis-Tour ansonsten für 360 Tage im Jahr völlig egal ist. Nein, es machten sich zwei junge Herren den prestigeträchtigen Titel beim OTC Open aus, die auf der HTT in der Vergangenheit schon vorstellig wurden, und die mit ihrer Ausstrahlung und ihrer Art schon lange vor dem ersten Aufschlag für das “sympathischste Finale” sorgten. Brunner hatte am Vortag im Semifinale in drei Sätzen einen mit der Hitze kämpfenden Raffael Schaffarik bezwungen, und sich damit in eine leichte Favoritenrolle gespielt, doch angesichts dessen, was für die beiden Jungstars im diesem Teenager-Finale auf dem Spiel stand, waren wohl jegliche Rollenspiele in Sachen Favorit alsbald obsolet.

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Beide Akteure vor dem wichtigsten Match ihrer Karriere extrem nervös

Es war wahrscheinlich für beide Finalisten das bisher wichtigste Match ihrer Karriere. Florian Brunner hatte das schon vor dem Spiel seinem mitgereisten Cousin gestanden, und auch Lukas Prüger stand am Mittwoch knapp vor 14 Uhr vor dem bislang größten Spiel seiner Laufbahn. Einmal bei einem ÖTV-Jugendturnier bekam Klein-Lukas als bester Qualifikant das Nenngeld rückerstattet, das war es auch schon für den mittlerweile durchaus schon ÖTV-erprobten Jungstar. Sportlich gesehen wollten natürlich beide Akteure diesen prestigeträchtigen Titel beim wahrscheinlich am besten besetztesten HTT-500er-Turnier aller Zeiten davontragen. Doch auch materiell hatte dieses 47. Saisonfinale seinen ganz besonderen Reiz. Immerhin räumte der Champion Bargeld und Sachpreise im Wert von 850 Euro ab. Neben den 300,– in Bar, gab es eine De Longhi Nespresso Maschine im Wert von 400 Euro, dazu ein Gramm pures Gold im aktuellen Tageswert von Euro 33,– und einen herrlichen Silberpott. Kein Wunder also, dass auf den Schultern der beiden eher noch unerfahrenen Jungstars jede Menge Druck lastete. Und dieser Druck äußerte sich zunächst in einer von Nervosität geprägten Anfangsphase, in der beide Spieler mit Fehlern en masse glänzten. Je ein frühes Break dokumentierte die hektische Startphase, ehe “Florian & Lukas” zur nötigen Ruhe fanden, um dem Publikum ein sehenswertes Teenie-Finale auf hohem Niveau präsentieren zu können. Die Entscheidung im esten Satz fiel im achten Game, als Prüger beim Stand von 3:4 seinen Aufschlag abgeben muss. Doppelt bitter aus Sicht des Jungstars vom Schwechater TC, der im Game zuvor einen Brealball seinerseits zum 4:3 ausgelassen hatte, und das 3:5 mit einem Doppelfehler besiegelte. Nach 39 Minuten beendete Brunner den ersten Satz mit einem Vorhand-Winner, und Minuten später sah der junge Welser vorzeitig wie der sichere Sieger aus.

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Prüger mit sehenswerter Aufholjagd im zweiten Satz, Brunner mit dem besseren Ende in der Entscheidung

9 Punkte in Folge hatte Brunner gemacht, als er zu Beginn des zweiten Satzes mit einem abermals frühen Break auf die Siegerstraße abbog. Zumindest dachte man das draußen im Publikum, denn Brunner nützte die in dieser Phase recht augenscheinlich auftretende Aufschlagschwäche seines Gegners zu einer scheinbar komfortablen 3:1 Führung. Doch dann zeigte Prüger wieder einmal, warum er zu den hoffnungsvollsten Jugendspielern des Landes gehört. Der 16jährige startete eine sehenswerte Aufholjagd, holte sich das Re-Break zum 3:3 und erhöhte im entscheidenden Moment den Druck auf sein Gegenüber, indem er vorne weg servierend seine Aufschlagspiele fortan halten konnte. Besonders wichtig war jenes zum 5:4, denn danach zeigte Brunner beim Versuch im Satz zu bleiben erstmals Nerven, und vergeigte sein Aufschlagspiel u.a. mit Doppelfehler Nr. 4. Damit hatte das Super-Event am Jennerplatz auch entgültig ein Top-Finale und noch dazu in drei Sätzen. Spannend war es danach aber nur mehr in der Anfangsphase dieses Entscheidungssatzes, als beide Spieler ihr Service abgaben, und sich bei 1:1 ein echt spannender Showdown ankündigte. Doch daraus wurde nichts. 27 Minuten später hatte Prüger fünf Games in Serie abgegeben und einen richtig schlechten dritten Satz gespielt. Der 16jährige vom Schwechater TC hatte nicht ein einziges Mal sein sonst so wuchtiges und präzises Service durchgebracht, vier Breaks kassiert, und vorallem riesige Probleme, aus 80 Prozent an ersten Aufschlägen entsprechend Kapital zu schlagen. Nur zu 42 Prozent punktete Prüger nach dem “Ersten”, gar nur zu traurigen 17 Prozent nach dem zweiten Aufschlag. Das lag natürlich auch an der Return-Stärke Brunners, der am Ende mit 99 errungenen Punkten den Titel holte.

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Große Bescherung nach dem Finale und die abschließende Pool-Party

Der Mann für die großen Gesten ist Florian Brunner nicht, das wäre auch Lukas Prüger im Falle des Triumphes nicht gewesen, dazu sind beide Charaktäre viel zu bescheiden, was sie umso sympathischer macht. Dennoch war die Freude bei Florian Brunner nach dem größten Karriere-Erfolg natürlich riesig. Am sonnenüberfluteten Centercourt ging es nach schweißtreibenden 2:07 Stunden Spielzeit zur großen Siegerehrung, die irgendwie was von weihnachtlicher Bescherung hatte. Vor einem reichlich prall gedeckten Gabentisch stand der Weihnachtsmann in Person von Alexander Walter, und überreichte den beiden Helden des Teenager-Finales Sieger- und Sachpreise ohne Ende. Mit dem strahlenden Sonnenschein und dem gigantischen Panorma-Blick über die Bundeshauptstadt hatte diese Siegerehrung fast schon was kitschiges an sich. Den Beteiligten war es egal. Kein Wunder, räumten Brunner und auch Prüger wirklich groß ab. Dann wurden Pokale, Preisgeld und Sachpreise medienwirksam und sponsorengerecht in die Kameras gehalten, ehe man sich gemeinsam zur großen abschließenden und vorallem wohlverdienten Pool-Party zurückgezogen hatte. Gemeinsam genoss man den ausklingenden Sommer-Nachmittag mit einem Bad im erfrischend kühlen OTC-Pool, das auch dokumentierte, dass die beiden Jungstars trotz der Wichtigkeit dieses Finales und dem wertvollen Rundherum äußerst fair während des Matches und auch danach miteinander umgingen. Dieser Auftritt könnte als Vorbild dienen, für einige der rabiaten Möchtegern-Stars, die in den unteren Turnierklassen ihr Unwesen treiben.

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Lukas Prüger: “Vielleicht habe ich mir auch zu viel Druck gemacht”

Der Titelgewinn und die tollen Sachpreise wären auch dem introvertiert wirkenden, und immer höflich und artigen Lukas Prüger mehr als zu gönnen gewesen. Die 130 Euro die er aus dem weißen Kuvert holte, waren sein allererstes Karriere-Preisgeld, das er mehr als verdient hatte, und in einem Endspiel das nicht immer nach Wunsch lief nicht vervielfachen konnte. “Ich habe mir heute im Finale schwer getan, weil ich noch von gestern schwere Beine hatte. Das Finale erreicht zu haben, passt eh. Mit den ersten beiden Matches war ich nicht glücklich, erst im Semifinale gegen den Alex habe ich wieder besser gespielt. Das war eine starke Partie von beiden Spielern. Vielleicht habe ich mir heute im Finale auch zuviel Druck gemacht. Ich freue mich trotzdem, dass ich hier ins Endspiel gekommen bin, und so kann ich mit dem Turnier im Großen & Ganzen doch zufrieden sein”, meinte der unterlegene Lukas Prüger.

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Brunner & Brunner die großen Abräumer beim OTC Open

Der Triumph von Florian Brunner im Endspiel war am Ende aber doch auch die bessere Story. Man muss sich das einmal vorstellen und klar vor Augen führen. Da machen sich zwei junge Oberösterreicher auf, um die Bundeshauptstadt mit ihren Tenniskünsten zu erobern, und den HTT-Stars auf der Nase herum zu tanzen. Am Samstag Vormittag machten sich Florian und sein Cousin Christopher in Wels auf, um zwei Stunden später und völlig überrascht hier oben am Berg noch eine Tennisanlage vorzufinden, beim Ober St. Veiter Tennisclub einzutreffen. Den Firmenwagen vom Papa hatten sie daheim in Wels noch leer geräumt, um sich ganz spartanisch für die ein oder andere Nacht auf der Ladefläche einzurichten. Doch dann fiel einem der Brunners ein, dass man doch noch eine zwar etwas weiter entfernte Tante in Wien hat, die noch dazu im 14. Bezirk lebt. Und so blieb den “Brunner-Boys” während der 4 Wien-Nächte der harte Pritschen-Boden ihres Lieferwagens erspart! Der leergeräumte Firmenwagen hatte aber am Ende der erfolgreichen und abenteuerlichen Wien-Reise doch noch seinen Zweck erfüllt. Denn vollgepackt mit Sachpreisen, Pokalen und reichlich Kohle ging es am Mittwoch Abend wieder retour ins Land “ob der Enns”.

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Der große Sieger im abschließenden Interview

“Es ist einfach nur geil! Da sind wir extra aus Oberösterreich hergefahren um bei diesem Turnier mitzuspielen, und das wir dann so abräumen, haben wir uns zwar gewünscht, aber erwartet haben wir das nicht. Ich habe ein richtig gutes Turnier gespielt, da wären echt super Matches dabei. Es hat einfach alles gepasst”, strahlte der Sieger, der dann auch recht kritisch das Finale analysierte. “Nachdem wir im Vorfeld ja schon gewusst haben, um wieviel es hier heute geht, und wir beide doch ziemlich jung und ich sage einmal unerfahren sind, waren wir relativ nervös und haben viele schnelle Fehler gemacht. Das hat sich so durch den ersten Satz gezogen. Ich habe dann versucht, die Bälle einmal sicher ins Feld zu spielen und ihn die Fehler machen zu lassen, was er im zweiten Satz dann leider nicht mehr getan hat. Im dritten Satz hat dann alles gepasst. Da bin ich gleich mit einem Break vorne weggekommen, und habe dann meine Aufschlagspiele doch solide durchgebracht. Insgesamt bin ich sehr glücklich und zufrieden mit dem Ausgang dieses Turniers”, betonte der Sieger.

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