Wo ist Claus?

Wo ist Claus? Das war die, mit Abstand, am meisten an mich gerichtete Frage des vergangenen Turnierwochenendes.
Und zugegeben, ein Turnier der hobbyTennisTour, bei dem nicht Claus Lippert alle organisatorischen Fäden souverän in der Hand hält, mit Spielplänen und Ergebnissen jongliert und daneben noch Interviews mit Spielern führt, erscheint für viele Beteiligte im ersten Moment doch schwer vorstellbar. So auch mir.
Doch als ich am vergangenen Sonntag vom Claus gefragt wurde, ob ich Ihn am kommenden Wochenende beim Turnier vertreten könnte, war die Neugier sofort geweckt, ein Turnier der hobbyTennisTour sozusagen „von der anderen Seite der Netzkante“ zu erleben.

Um die oben gestellte Frage zu beantworten:  Claus machte ein paar Tage Urlaub in Italien, und ich hatte die Ehre der Turnierleitung.

Karl Ader – The Story Continues

IMG_0890Eine Woche nach seinem Tourdebüt beim TC Donaufeld, fand sich der sympathische Tour-Oldie auch dieses Wochenende im Raster des September-Challenger-KAT.2 Turniers. Ganz offensichtlich auf den Geschmack gekommen und hoch motiviert spazierte der 68 jährige bereits zwei Stunden vor seinem eigentlichen Erstrundenspieltermin mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht auf die Anlage des TC TopServe.
Und diesen Erstrundenspieltermin konnte Ader dann auch in einer, teilweise recht kontroversiell geführten Partie, über Rudolf Ronovsky mit 6:3, 6:3 für sich entscheiden, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich Ronovsky von einige strittigen Entscheidungen und abhanden gekommenen Bällen aus der Konzentration bringen ließ.

Dort wartete Martin Riegler, der mit einem Erstrundensieg über Mario Ferrari die Runde der letzten acht erreichte. Auch in diesem Match zeigte Ader eine mehr als beeindruckende Leistung, kämpfte um jeden Punkt, erlief Stoppbälle auf dem sonnenüberfluteten Centercourt und musste den ersten Satz erst im Tiebreak dem ebenfalls sehr laufstarken Riegler überlassen. Doch wer glaubte, dass damit Aders Kampfwille gebrochen war, der irrte.
Der zweite Satz war nicht weniger umkämpft als der erste, doch schließlich reichte Riegler ein Break, um auch den zweiten Satz 6:4 für sich zu entscheiden und sich ein Ticket im Semifinale zu sichern.

Robert Lang – La corda troppo tesa si spezza

Auch dieses Wochenende hat wieder einen Neuling auf die hobbyTennisTour gebracht. Robert Lang, der Doppelpartner von Christian Mayer feierte seine Tourpremiere mit einem deutlichen 6:0, 6:2 Sieg über Blagoje Dogandzic.
Doch bereits bevor Lang, der in Begleitung seiner charmanten Freundin auf die Tennisanlage gekommen war, auf den Platz ging, erregte die Unterhaltung, die er mit eben dieser Freundin führte, die Aufmerksamkeit des Turnierleiters.
Warum? Ganz einfach. Die Unterhaltung wurde in perfektem und akzentfreiem Italienisch geführt und es dauerte nicht lange, bis sich herausstellte, dass der Newcomer mit dem heimisch klingenden Namen eigentlich aus Südtirol stammt.
Und so dauerte es nicht lange, bis die ersten Gerüchte auftauchten, dass Claus sogar im Italienurlaub neue Spieler für hobbyTennisTour rekrutiert.

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Im sonntäglichen Viertelfinale wartete auf den Südtiroler die vierfache Olympiasiegerin Diana Ulojan. Bereits beim Einschlagen am Centercourt des TC TopServe fasste sich Lang jedoch immer wieder mit unbehaglichem Gesichtsaudruck an den Schlagarm. Was anfangs nur eine Vermutung war, wandelte sich nach einer knappen halben Stunde mitten im ersten Satz zur bitteren Realität.
Beim Stand von 4:2 sah sich der der Südtiroler gezwungen, aufgrund der großen Schmerzen im rechten Arm abzubrechen und das Match aufzugeben, und somit Ulojan das Semifinalticket zu überlassen. Auf Nachfrage der Turnierleitung erklärte Lang, er habe bereits am Vortag nach dem Doppel über Schmerzen geklagt, aber gehofft doch spielen zu können. Als die Schmerzen aber, vor allem beim Aufschlag, immer Stärker wurden, entschied Lang wohl, dass es besser sei, den Bogen nicht zu überspannen und keine längere Verletzungspause zu riskieren.

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Daniel Elender – Mit einer Wildcard ins Finale

Bereits am Sonntagabend stand mit Daniel Elender der erste Finalist fest. Der Oberösterreicher, der aufgrund der kurzfristigen Absage des September-Masters-Series 1000er Turniers in Heidenreichstein, zur späten Stunde noch um die Teilnahme beim Challenger ansuchte, überzeugte vor allem mit einer beeindruckende kämpferischen Leistung.

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Bereits in der ersten Runde eliminierte er mit Serbiens Slobodan Vasiljevic die Nummer 3 des Turniers mit einem deutlichen, und in dieser Klarheit doch etwas überraschenden, 6:0, 6:3. Im Viertelfinale wartete bereits Thomas Pratsch, der im längsten Match des Eröffnungstages Markus Fessel mit 6:4, 3:6, 6:2 niederrang.

IMG_0897Und mit der Nummer 1 des Turniers hatte Elender noch eine offene Rechnung, denn das 1:6, 1:6 im Viertelfinale des Juli-Challenger beim TC Donaufeld war noch sehr lebendig in Elenders Erinnerungen.

Doch diesmal war Elender gewarnt. Wissend um die Qualitäten seines Gegners und fest entschlossen, nicht noch einmal ins offene Messer zu laufen, agierte der Oberösterreicher ruhiger und konzentrierter als in den vergangen Wochen und ließ sich auch durch die erbitterte Gegenwehr seines Kontrahenten nicht vom Kurs abbringen. Und schließlich wurde diese Zielstrebigkeit, nach fast zwei Stunden Spielzeit, mit einem 7:5, 6:4 Sieg und einem Ausgleich auf 1:1 im Head-to-Head belohnt.

Am Abend des zweiten Spieltages erwartete Elender das Semifinale gegen Martin  Riegler. Riegler, der am Nachmittag bereits Karl Ader niedergekämpft hatte, war für Elender auch kein Unbekannter. Denn hier zeigen sich erstaunliche Parallelitäten zu einem gewissen Thomas Pratsch.
Genau wie gegen Pratsch hatte Elender auch schon gegen Riegler das Vergnügen. Genau wie gegen Pratsch fand diese Begegnung beim TC Donaufeld statt. Und genauso wie gegen Pratsch endete diese Begegnung mit einer wenig schmeichelhaften 1:6, 1:6 Niederlage.

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Aber Elender machte dort weiter, wo er gegen Pratsch aufgehört hatte. Auch der laufstarke Niederösterreicher mit dem, für viele so unangenehmen Spiel, ist niemand, gegen den man einfache Punkte macht. Und so ging der erste Satz schließlich im Tiebreak an Riegler, der damit schon mit einem Bein im Finale stand. Aber es kam mal wieder alles anders. Elender kämpfte weiter, erwischte den besseren Start in den zweiten Satz und konnte diesen deutlich mit 6:2 für sich entscheiden. Das Match war wieder offen und musste über die volle Distanz gehen.
Der entscheidende dritte Satz verlief über weite Stecken ausgeglichen und schließlich war es Martin Riegler, der beim Stand vom 4:5 um den Verbleib im Dritten Satz, und somit im Match, servierte. Doch gerade jetzt patzte der Niederösterreicher und Elender witterte die Chance, schlug zu und entschied den entscheidenden Satz  für sich.

Andreas Tolunay – en passant zum ersten Turniersieg

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In der ersten Runde Martin Knab souverän mit 6:2, 6:0 nach Hause geschickt, im Viertelfinale, nach Schwierigkeiten im ersten Satz, die Partie noch gedreht und mit einem deutlichen 2:6, 6:1, 6:1 als Sieger gegen Christian Mayer vom Platz gegangen, und im Semifinale, gegen die vierfache Olympiasiegerin Diana Ulojan, mit einem 6:2, 7:5 das Finalticket gelöst.

Und während die sportliche Leistung der Nummer zwei des Turniers außer Zweifel steht, muss sich Tolunay doch die Frage gefallen lassen, ob seine Terminplanung an diesem Wochenende nicht etwas, na sagen wir mal, cäsarisch war.

„Alles wartet auf die Helden von heute“ ist eine Textzeile aus Falcos Debütalbum Einzelhaft, welche wohl die Situation widerspiegelt, die Mitspieler, Gäste und Turnierleitung am vergangenen Wochenende erlebt haben.
Gut, über „die Helden“ kann man jetzt geteilter Meinung sein, die Betonung liegt aber eher mehr auf „Alles wartet“.
Am Samstag  mal schnell zur morgendlichen Stunde die erste Runde absolviert um im Anschluss zum nächsten Tennistermin zu eilen.
Der Sonntag ein Déja vu des Vortages, und auch das diensttägliche Semifinale wurde zeitlich scheinbar schnell in eine Terminlücke des Terra Rossa Stars hineingepfercht.
Einer der großen Pluspunkte der hobbyTennisTour und des Veranstalters ist es, auf Terminwünsche und Terminprobleme der Spieler auf eine Art und Weise Rücksicht zu nehmen, wie man sie kaum wo anders findet.
Ist es dann nicht das mindeste, dass man als Teilnehmer auch ein entsprechendes Quantum Zeit mitbringt um einen halbwegs geordneten Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten?

Zurück zum sportlichen und zur Titelentscheidung.
Bereits vor dem ersten Ballwechsel des Finales war klar, auch dieses Turnier wird ein neues Siegergesicht hervorbringen.

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Mittwoch, pünktlich, kurz nach 17:00, starteten die beiden Akteure am Centrecourt des TC TopServe in den ersten Satz des Endspiels. Und in diesem nahm Daniel Elender gleich mal das Heft in die Hand, agierte druckvoll von der Grundlinie und führte rasch mit 4:1. Erst langsam konnte sich Tolunay auf seinen Gegner einstellen, spielte sicherer und mit weniger Risiko und kämpfte sich in den ersten Satz bis zum 5:5 zurück. Doch in der Entscheidung des ersten Durchgangs war es Elender, der bei den entscheidenden Punkten konzentrierter agierte, was nach 45 Minuten mit dem Gewinn des ersten Satzes belohnt wurde.

IMG_0934Der zweite Satz begann so, wie der erste endete. Beide Finalisten waren längst aufeinander eingestellt, keiner der beiden war in der Lage seinen Gegner in Bedrängnis zu bringen und einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem anderen herauszuspielen.
Die Folge waren lange Grundlinienduelle die oft durch unerzwungene Fehler entschieden wurden.
In dieser Phase des Spiels war es Elender, der als erster versuchte, die Initiative zu ergreifen, indem er versuchte, mit einigen Stoppbällen den Rhythmus des Gegners zu brechen. Und er hatte auch Erfolg damit, zumindest am Anfang.

Doch Tolunay stellte sich rasch auf die taktische Variante des Gegners ein, erlief fast alle Stopps von Elender und konnte dabei bei vielen direkt punkten. Und so war es Tolunay, der am Ende des zweiten Satzes von den vielen direkten und indirekten Fehlern Elenders profitierte und den zweiten Satz mit 6:4 für sich entscheiden konnte.

Als die beiden Finalisten den entscheidenden dritten Satz starteten, war es kurz vor 19:00.
Und in diesem ging es nach bekanntem Muster weiter. Zwei sicher von der Grundlinie agierende Spieler, wartend auf den Fehler des Gegners. Einmal mehr war es Elender, der in dieser Phase des Spieles versuchte, aktiver zu werden. Diesmal versuchte er, bei der passenden Gelegenheit ans Netz vorzurücken und den Punkt rasch zu beenden. Dieser taktische Zug klappte auch wesentlich besser als die Stoppball-Variante, doch auch in dieser Situation konnte sich Tolunay auf die geänderte Taktik seines Gegners rasch einstellen.
War es im Eröffnungssatz Elender, so war es im Entscheidungssatz Tolunay, der, im immer rascher dunkler werdenden Centercourt, die meisten Bigpoints für sich entscheiden und einen kleinen Vorsprung erarbeiten konnte.

Den ersten Karrieretitel vor Augen, der Gegner mit dem Rücken zur Wand, behielt Tolunay die Nerven. Um genau 19:38 war es soweit – Game, Set and Match: Tolunay

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