Posti-Boys sorgen für olympische Fußball-Sensation

Es ist Montag früher Nachmittag, die heiße August-Sonne knallt vom – noch – wolkenlosen Himmel über Simmering, als auf den Tenniscourts des TC Top Serve und an der Tischtennisplatte die letzten Entscheidungen der IX. Olympischen Spiele 2011 über die Bühne gehen. Einsam und verlassen liegt hingegen jenes roterdige Rechteck, auf dem in den Tagen zuvor die beiden Mannschaftsbewerbe Fußball und Hockey in Szene gingen. Nur mehr ein paar leere Flaschen und die noch nicht verräumten Hockey-Schläger erinnern daran, was sich hier an diesem August-Weekend in den beiden allseits beliebten Königsdisziplinen abspielte. Es ging wie so oft heiß her, wenn die Olympiastars in Teams organisiert, dem runden Leder hinterher jagten. Kaum weniger spektakulär und aufregend entwickelte sich das Hockey-Turnier, wo die All-Stars rund um Alexander Geisler und Matthias Tader in einer hauchdünnen Finalentscheidung per Penalty-Schießen die Oberhand behielten. Endete die Hockey-Show also mit einem Favoritensieg, setzte es beim olympischen Fußball-Turnier eine große Überraschung. Walter Posteiner erfüllte sich mit seinem neu formierten Team endlich den großen Traum vom Olympiasieg. Ein Bericht von C.L

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Posteiner-Team holt Gold im trefferreichsten Fußballturnier der Olympia-Geschichte

Mit drei gewonnenen Goldmedaillen avancierte Alexander Geisler wie schon berichtet zum großen Superstar der Olympischen Spiele 2011. Einer kleiner Wermutstropfen war freilich dennoch in der kollektiven Jubelstimmung rund um den Tiroler Goldhamster auszumachen. Die Kicker-Stars aus dem Team des 30jährigen Zillertalers galten als Bank im Kampf um den olympischen Fußballsieg, doch die eigentlich fix eingeplante Goldene wurden den Vorjahressiegern im Finale überraschender Weise doch noch entrissen. Am Ende war das Quintett um Walter Posteiner, Philipp Imp, Rene Koller, Goran Becirevic und Wolfgang Lutz zur großen Sensation eines Turniers geworden, das mit 72 erzielten Toren einen neuen Olympia-Rekord zu verbuchen hatte und zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren mit einem 1:0 im Endspiel entschieden wurde.

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Posti-Boys wissen trotz Gruppensieg und einem überragenden Philipp Imp in der Vorrunde noch nicht wirklich zu überzeugen

In die olympischen Fußballturniere der Vergangenheit war Walter Posteiner stets mit großer Erwartungshaltung und noch größeren Träumen gegangen. Olympiagold sollte es sein, doch in den Jahren 2005 und 2008 musste sich der 45jährige jeweils mit Bronze begnügen. Um sich endlich den lange gehegten Traum vom Kicker-Gold zu erfüllen, formierte Posteiner ein schlagkräftiges,  kompaktes Team, technisch solide, extrem kampfkräftig und vorallem hoch motiviert. Von einem überragenden Philipp Imp dirigiert, krallten sich die “Posti-Boys” dann tatsächlich Gold, wenngleich die neuen Kicker-Könige in der Vorrunde alles andere als meisterlich spielten. Die Gruppe B verlief wie das ganze Turnier recht ausgeglichen, wobei die Posteiner-Mannen mit einem 4:0 Erfolg über die späteren Bronze-Gewinner vom Team Berzengi in das Unternehmen Gold starteten. Und bei diesem klaren Auftaktsieg trat auch erstmals Philipp Imp in Erscheinung. Mit 4 Toren schoß er sein Team im Alleingang zu drei Punkten und gab damit eine imposante Visitenkarte ab. Mit Gold spekulierte freilich in dieser Phase des Turniers noch niemand, weder im Posti-Team noch bei der Konkurrenz. Weil die späteren Olympia-Champions im zweiten Vorrundenmatch gegen Team Kreilinger trotz zweier Imp-Treffer mit 2:4 unterlagen und dabei keineswegs überzeugen konnten. Daniel Elender war mit drei Toren “man of the match”, konnte seiner Mannschaft mit diesem Triple-Pack aber auch nicht über die Vorrunde hinweghelfen. Immerhin waren die Damen und Herren rund um Daniel Elender aber die einzigen, die die späteren Goldmedaillengewinner schlagen konnten. Ein 1:5 Debakel gegen Team Szele und ein bitteres 0:1 gegen Team Berzengi war letztlich aber doch zuwenig. Enttäuschend verlief auch der Auftritt der Olympiasieger von 2009 rund um Alexander Szele. 0:4 gegen Berzengis Mannschaft und ein desaströses 1:7 gegen die von einem entfesselt aufspielenden 6fach-Torschützen Philipp Imp angeführte Posteiner-Truppe, bescherte dem Szele-Team ein ärgerliches Vorrunden-Aus.

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Favorisiertes Geisler-Team holt souveränen Gruppensieg

Klare Verhältnisse gab es indes in Gruppe A, wobei die Turnierfavoriten rund um Alexander Geisler trotzt Minimalistenfußball souverän mit dem Punktemaximum den Gruppensieg davontrugen. Dennoch war in den drei Vorrunden-Auftritten schon zu sehen, dass die Goldaspiranten Nummer 1 anno 2011 nicht annähernd an jene berauschende Galavorstellung aus dem Jahr 2010 anschließen konnten, mit der man die Olympia-Familie damals begeisterte. Dabei hatte man sich im Geisler-Team mit Armin Monsberger effektiv verstärkt, mit Christoph Wagner einen verlässlichen Keeper zwischen den Pfosten und vorne erneut auf das dynamische Duo “Geisler-Philipp” vertraut. Doch richtig dynamisch und leichtfüssig tänzelte an diesem Olympia-Weekend nur Udo Philipp durch die gegnerischen Abwehrreihen, während speziell in der Vorrunde das Geschehen am Torschützenkönig des letzten Jahres völlig vorbeilief. Als die Olympiasieger 2010 gegen die solide Handwerkertruppe rund um Clemens Lederbauer mit Mühe 2:0 siegten, als man im zweiten Vorrundenmatch gegen Team “Ich bin Liebe” einen Monsberger’schen Geniestreich benötigte um mit 1:0 drei weitere Punkte ins Trockene zu bringen, schrillten bei den Fußball-Experten erstmals die Alarmglocken. 5 Tore im abschließenden Gruppenmatch gegen das einzig sieglose Team des olympischen Fußballturniers rund um die Sladek-Familie schienen auf den ersten Blick zwar versöhnlich, andererseits offenbarte die Geisler-Truppe mit drei erhaltenen Gegentoren auch erstmals Schwächen in der Defensive.

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Team Berzengi läßt sich im Semifinale 1:10 abschlachten

Trotzdem fragte man sich, wer die amtierenden Olympiasieger rund um Alexander Geisler auf dem Weg zu erneutem Gold stoppen sollte. Denn im Semifinale walzten die Goldjungs aus den Bundesländern Team Berzengi mit 10:1 nieder. Der dritthöchste Sieg der olympischen Fußballgeschichte mit 5 Geisler-Treffern, und einem lupenreinen Philipp-Hattrick ließ Erinnerungen an die Vorjahres-Gala wach werden. Doch der zweistellige Kantersieg imponierte nur auf dem Papier. Auf dem Platz bombten sich die Titelverteidiger gegen eine inferior auftretende Berzengi-Truppe ins Finale. Was Meinhart-Hühne-Berzengi & Co in diesem Semifinale ablieferten war schlichtweg eine bodenlose Frechheit. Man ließ sich ohne Gegenwehr regelrecht abschlachten, und lieferte ein trauriges Bild einer echten Pleitemannschaft ab. Uneins ob man sich mittels entsprechender Laufbereitschaft – wohlgemerkt in einem Olympia-Halbfinale – eines Debakels erwehren sollte, kassierte man 10 Gegentore und jede Menge Spott. Weitaus spannender verlief da schon das zweite Semifinale zwischen den Posti-Boys und dem Liebe-Team. In der regulären Spielzeit stand dabei Kapitän Walter Posteiner im Blickpunkt, der sein Team zunächst mit dem einzigen Eigentor des gesamten Turniers 0:1 in Rückstand brachte, noch vor dem Schlusspfiff aber mit dem 1:1 Ausgleich den Fauxpas der ersten Halbzeit wieder ausbügelte. In der Verlängerung avancierte dann einmal mehr Topstar Philipp Imp zum großen Matchwinner. Praktisch mit dem Anstoß gelang dem neuen Torschützenkönig das 2:1, ehe er noch mit dem 3:1 für die Vorentscheidung sorgte. Mayers Anschlusstreffer kam zu spät, Walter Posteiner stand erstmals in seiner Karriere in einem olympischen Fußballfinale.

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Posti-Boys rühren im Finale Beton an und holen überraschender Weise die Goldmedaille

Und dort sorgte er dann mit seinen “Buben” für eine der größten Überraschungen der diesjährigen Olympiade. Gegen die haushohen Favoriten aus dem Geisler-Team hatte man gerade einmal eine einzige Chance. Und die hieß “Flucht nach vorne” und 1:0 in Führung gehen. Nur dann hatten Experten den Underdogs im Vorfeld eine Mini-Chance auf Gold eingeräumt. Und tatsächlich hatte der finale Kicker-Showdown aus Sicht des Geisler-Teams mit dem totalen Horror-Szenario aufzuwarten. Vielleicht die einzige Unachtsamkeit von Keeper Christoph Wagner im gesamten Turnier nützte Philipp Imp mit seinem 15ten und wichtigsten Turniertreffer zur 1:0 Führung. Ein Tor für die Ewigkeit, ein “goldener Schuss” mitten hinein ins Herz der favorisierten Geisler-Truppe. Der Schock saß tief bei den Olympiasiegern von 2010, zumal die Kicker-Stars Philipp, Monsberger und Geisler sehr wohl wussten, dass sie für den Rest des Endspiels durchaus noch Tormöglichkeiten, allerdings kaum noch Raum vor dem gegnerischen Gehäuse vorfinden würden. Und so kam es dann auch. Posteiner und seinen aufopfernd kämpfenden Mannen zogen vor dem eigenen Tor ein engmaschiges Abwehrnetz auf, und machten den Raum in der eigenen Hälfte für die Gegner beinahe “unspielbar” eng. Fortan rollte zwar Angriff um Angriff auf das Posteiner-Tor, zählbare und vorallem effektive Chancen blieben aber Mangelware. Plötzlich sah auch ein spielstarkes und technisch durchaus versiertes Team wie jenes von Alexander Geisler gar nicht gut aus. Immer wieder rannte man sich im angerührten Posti-Beton fest, ehe der Schlusspfiff die große Sensation perfekt machte. Während die Stars aus dem Geisler-Team mit betroffenen Gesichtern vom Platz trotteten, brach bei den Posti-Boys der kollektive Jubel los. “Die Finalniederlage im Fußball tut richtig weh, weil wir mit Abstand das beste Team waren. Silber schmerzt sehr, aber wir werden im nächsten Jahr wieder angreifen und uns weiter verstärken. Der Armin Monsberger hat übrigens auch schon sein Kommen zugesagt”, musste der Team-Kapitän aus dem Zillertal Fußball-Silber analysieren.

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David Hühne als Matchwinner eines dramatischen “kleinen” Finales

Zum vierten Mal in den vergangenen fünf Jahren endete also das Endspiel des olympischen Fußballturniers mit dem knappsten aller Resultate. Das 1:0 durch Goldtorschütze Philipp Imp bescherte dem Posteiner-Team also erstmals die Goldmedaille. An Spannung und Dramatik konnte der finale Showdown aber mit dem kleinen Finale um die Bronze-Medaille nicht annähernd mithalten. Das Duell mit dem runden Leder zwischen Team Berzengi und Team “Ich bin Liebe” wurde zu einem der echten Highlights der diesjährigen Spiele. Man kann eigentlich die gesamte Partie gefließentlich übergehen und mit dem Bericht eine Minute vor Spielende beginnen. Zu dieser Zeit führte das von Clemens Wimmer organisierte Liebe-Team sicher mit 3:1, hielt die Bronze-Medaille eigentlich schon in Händen und schien in den verbleibenden 60 Sekunden nur mehr das Resultat zu verwalten. Doch dann quasi aus dem Nichts, sorgte Deutschlands David Hühne mit einem 1000-Gulden-Schuss für die nicht mehr erwartete Wende. Einen hoch aus der Luft kommenden Ball nimmt der Singener “volley” und überrascht damit “Goalie” Slobodan Vasiljevic zum 2:3. Spektakulär erzielte Ergebniskosmetik dachte man zu dieser Zeit, denn nach wie vor standen die Liebe-Kicker vor dem Sieg. Der Veranstalter zählte bereits den Countdown herunter, als sich Patrick Meinhart in der eigenen Hälfte den Ball schnappte und zu einem unwiderstehlichen Solo ansetzte. 10-9-8, Meinhart spurtete auf das gegnerische Tor zu, 7-6-5 – er umkurvte zwei Gegenspieler, und plötzlich vier Sekunden vor Schluss zappelte das runde Leder nach einem strammen Schuss im Netz der Liebe-Kicker. Der 3:3 Ausgleich quasi am letzten Abdruck machte eine Verlängerung nötig. Und dort trat dann David Hühne ein zweites Mal in diesem Endspiel entscheidend in Erscheinung. Mit einem direkt verwandelten Eckball schoss er sein Team zur nicht mehr für möglich gehaltenen Medaille und versetzte die Herren aus dem Berzengi Team in eine kollektive Jubelstimmung. Hühne, Meinhart und Berzengi rannten freudeschreiend über das Spielfeld, so als ob sie gerade die Fußballweltmeisterschaft gewonnen hätten. Ein würdiger Abschluss eines großartigen Fußball-Turniers.

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Torschützenliste des Fußballturniers

1. Philipp IMP 15 Tore
2. Alexander GEISLER 8 Tore
3. Udo PHILIPP 7 Tore
4. David HÜHNE 5 Tore
5. Fabian LAY 4 Tore
6. Armin MONSBERGER 3 Tore
Daniel ELENDER 3 Tore
Clemens LEDERBAUER 3 Tore
Martin MAYERHOFER 3 Tore
Thomas PRATSCH 3 Tore
Philipp MAYER 3 Tore
12. Stefan SCHILLER 2 Tore
Patrick MEINHART 2 Tore
Walter POSTEINER 2 Tore
Alexander SZELE 2 Tore
16. Michael DONNER 1 Tor
Ines KREILINGER 1 Tor
Peter STEINBERGER 1 Tor
Clemens WIMMER 1 Tor
Nihad BERZENGI 1 Tor
Christoph KRAMER 1 Tor
Eigentor: Walter POSTEINER

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Die Allstar-Teams des olympischen Fußball-Turniers 2011

Das A-Team
Bernhard NAGL
Udo PHILIPP – Armin MONSBERGER
Philipp IMP
Das B-Team
Christoph WAGNER
Daniel ELENDER – Fabian LAY
Alexander GEISLER