Patrick Wiesmühler stoppt Rasen-Erfolgslauf von Juni-HTT-500-Champion Mathias Wagner

Mit einem “doppelten Jubiläum” kann das derzeit bei WAT Landstrasse laufende Juni-Masters-Series-1000-Turnier aufwarten. Beim insgesamt bereits 780. Single-Event der Open Ära geht es “erst” zum 60. Mal um den Titel bei einem Rasenturnier, womit Tennis auf den “diversen Grüns” dieser Stadt im Vergleich zum traditionellen Sandplatztennis und den witterungsbedingten Indoor-Auftritten auf Teppich in den Wintermonaten, ein eher stiefmütterliches Dasein fristet. Rekord-Austragungsort für HTT-Rasen-Events ist seit vergangenen September die wunderschön gelegene, hervorragend gepflegte und bei den Spieler so beliebte Tennisanlage von WAT Landstrasse, auf der bislang ein Drittel der 60 Bewerbe stattfanden. Knapp dahinter rangieren die längst aufgelassenen Rasencourts “Auf der Schmelz”, wo insgesamt 18 Mal einer der Rasen-Champions ermittelt wurde. Der Wasserpark in Wien-Floridsdorf folgt mit 8 ausgetragenen Turnieren, vor der ebenfalls nicht mehr in Betrieb befindlichen Anlage in Oberlaa und dem auch schon wegrationalisierten STAW-Platz im Wiener Prater. Tennis auf Kunstrasen ist also fast so wie Hartplatz-Tennis in der Bundeshauptstadt von einer gewissen Exotik umgeben. Kein Wunder daher, dass Spieler die in Clubs mit Kunstrasen-Courts beheimatet sind, durchaus gewisse Vorteile genießen, wenn es traditionell genau 5 Mal zu Beginn des Sommers um Titel und Punkte auf Rasen und im Rahmen der Hobby-Tennis-Tour geht. Ein Bericht von C.L

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Alexander Goodsell beim Comeback und Peter Rössel beim Debüt bleiben jeweils in zwei klaren Sätzen zum Auftakt des Juni-Masters-Series-1000-Turniers siegreich

Sommersonnenwende in Österreich, um genau 12:51 Uhr am vergangenen Samstag war es soweit, und damit war auch der längste Tag des Jahres eingeläutet. Mit 25 Partien zum zweiten Spieltag des 19. Juni-Masters-Series-1000-Turniers und des 4. Juni-Challengers versuchte man seitens der Organisation diesen längsten Tag des Jahres auch sportlich ordentlich auszunützen. Den Auftakt früh morgens machte der jüngere Bruder von Lokalmatador Adam Goodsell, der sich erstmals seit seinem Debüt im vorigen Jahr bei der Babolat-Trophy in Kitzbühel wieder auf der Hobby-Tennis-Tour präsentierte. Und Alexander Goodsell hatte in seinem Erstrunden-Treffen mit dem aus der Qualifikation kommenden Michael Kenn wie erwartet keinerlei Probleme, um sich mit 6:1, 6:1 für das Achtelfinale zu qualifizieren. Einen allerersten und gleich ganz starken Auftritt hatte am Samstag Vormittag auch ein gewisser Peter Rössel. Ein erst 17jähriger Newcomer vom BMTC – also von jenem Club aus dem auch arrivierte und gleichzeitig hoffnungsvoll Zukunftsträger wie Clemens Beywinkler oder Marco Melotte stammen – legte gleich bei seinem Debüt auf der Hobby-Tennis-Tour eine eindrucksvolle Talentprobe ab. Glücksgöttin Fortuna hatte es bei der Auslosung am Donnerstag Abend gut gemeint mit dem Debütanten, und ihm die Auftakt-Aufgabe “Markus Hobiger” beschert. Jetzt ist der Guntramsdorfer zwar in Sachen Routine und seinen 228 gespielten Turnieren ein ganz ganz schweres Kaliber, aber spielerisch und ergebnistechnisch läuft es seit längerer Zeit schon nicht rund bei der HTT-Legende aus Niederösterreich. Und so hatte Rössel – nachdem er die typische und verständliche Anfangsnervosität einmal abgelegt hatte – leichtes Spiel, um gegen Hobiger mit 6:3, 6:0 einen souveränen Premierensieg zu landen. Und während sich Rössel als Belohnung auf ein achtelfinales Duell mit dem topgesetzten Jänner-Grand-Slam-Sieger Renee Glatzl freuen durfte, kassierte Hobiger bei seinem 5. Juni-Masters-Series-1000-Antreten bereits die 4. Erstrunden-Pleite.

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Hochspannung vor dem “battle of sexes” zwischen Olympiasiegerin Ines Kreilinger und Deutschlands “enfant terrible” David Hühne

Für das mit Abstand größte Interesse sorgte am zweiten Spieltag aber das Erstrunden-Duell zwischen der März-Masters-Series-1000-Championesse Ines Kreilinger und der sich zuletzt wieder in starker Form präsentierenden Nr. 2 Deutschlands David Hühne. Schon am Tag zuvor war dieser “brisante battle of sexes” bei den Mitspielern in aller Munde. Die Vorfreude auf dieses Geschlechter-Duell war groß, und das aus vielerlei Gesichtspunkten. Da war zunächst einmal die Top-Performance, mit der David Hühne vor einer Woche am Wasserpark sich selbst und die Experten der HTT überraschte. Das er mit dem frischgebackenen Mai-HTT-250-Sieger Robert Gravogl derart “Schlitten fahren” würde, kam schon überraschend, richtig stark war aber auch sein semifinaler Auftritt gegen den späteren Sieger Mathias Wagner, auch wenn der wiederum eher despektierlich von einer grottenschlechten Leistung seinerseits sprach. In jedem Fall aber hatte Hühne sein zuletzt doch recht hartnäckiges Formtief endgültig abgeschüttelt, und zudem den Eindruck untermauert, dass Kunstrasen so ziemlich sein Lieblingsbelag ist. Auf der anderen Seite war man auf das Comeback der besten Frau – die jemals im Circuit spielte – gespannt. Zwei Monate lag ihr letzter HTT-Auftritt zurück, der zudem mit einem eher unrühmlichen Erstrunden-Ausrutscher auf der roten Asche des UTC La Ville beim April-HTT-500-Turnier endete. Und seither? Nun seit der April-HTT-500-Auftakt-Niederlage gegen Sascha Platzer war die 6fache Olympiasiegerin im Tour-Zirkus nicht mehr gesehen. Kurios, dass sie in dieser Zeit einen weiteren Meilenstein fixierte, indem sie ihr Karriere-High-Ranking mit Platz 9 feiern durfte, und damit so hoch wie noch niemals eine Dame zuvor in der seit 1990 existierenden HTT-Computer-Rangliste gereiht war.

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David Hühne revanchiert sich mit 4:6, 6:4, 6:3 Erfolg über Ines Kreilinger für die im November 2011 erlittene Erstrunden-Niederlage beim November-1000er-Turnier

Naja und dann hegte so manch spitzbübisch denkender Mitspieler auch noch die Hoffnung, dass es beim Duell zwischen Kreilinger und Hühne ordentlichen krachen könnte. In der Vergangenheit haben beide Akteure schon für einiges an Skandalen und für massigst Aufsehen erregende Szenen gesorgt. Kreilinger und Hühne gelten in der Szene immer noch als “enfant terribles” ihres jeweiligen Geschlechts, die wenn es einmal sportlich auf dem Court nicht rund läuft, echt bockig und kantig werden können, und sich zu einem echten “bad boy & bad girl” verwandeln. Doch beide Charaktäre scheinen “geläutert” zu sein. Nicht den Hauch eines Skandälchens, nicht den leisesten Anflug eines kleinen Disputs gab es am sonnenüberfluteten Centercourt, als sich Kreilinger und Hühne zum zweiten Mal im Rahmen der Hobby-Tennis-Tour gegenüberstanden. Für Liebhaber des “Klatches” war es ein langweiliger Tennis-Nachmittag, und auch für jene Damen und Herren die draußen im Publikum auf ein großes Erstrunden-Match hofften, endete der “battle of sexes” eher enttäuschend. Hühne hatte schneller ins Spiel gefunden und wohl auch den Vorteil genützt, in der Vorwoche beim Juni-HTT-500-Turnier schon einmal auf Rasen gespielt zu haben. Der 34jährige aus Singen überrumpelte Kreilinger mit einem Blitzstart samt 4:1 Führung, und musste eine halbe Stunde später doch überrascht und verwundert feststellen, dass dieses Anfangsfurioso nicht zum Satzgewinn reichte. Weil Kreilinger 6 Games in Folge holte, und damit Satz 1 mit 6:4 an sich riß. Doch das die Ranglisten-Elfte aus Mining bei weitem nicht in jener Klasseform wie beispielsweise noch im vergangenen März bei ihrem HTT-1000-Triumph ist, dokumentierte der Rest dieses Erstrunden-Duells. Der 24jährigen fehlten Power & Präzision, die sie sonst auszeichnen und selbst bei der HTT-Männerwelt so gefürchtet macht. Zudem klagte die 6fache Olympiasiegerin auch noch über eine im zweiten Satz erlittene Verletzung – die sogar ihren HTT-Wimbledonstart in Frage stellt. Außer Frage steht aber auch, dass Kreilinger seit ihrem Triumph beim März-Masters-Series-1000-Turnier keinen einzigen Sieg mehr auf der Hobby-Tennis-Tour landen konnte. Kann man den Ausrutscher auf Sand noch damit erklären, dass die rote Asche noch nie der bevorzugte Lieblingsbelag der Championesse aus Oberösterreich war, muss man der Samstags-Performance doch eine klare Erklärung hinzufügen. Das Kreilinger im Frühjahr in einer niedrigen Klasse zur NÖ-Mannschaftsmeisterschaft als Leaderin auftrat, und ein junges unroutiniertes Team zum Meistertitel führte, ehrt die 24jährige zwar, aber ihrem Tennis und ihrem Leistungsvermögen war dieser rund zweimonatige Ausflug in die tiefsten Ebene des Tennissports ganz und gar nicht föerderlich. Am Ende hatte sich Hühne mit 4:6, 6:4, 6:3 und seinem 168. Karriere-Einzelsieg für das Achtelfinale gegen Englands Topstar und Lokalmatador Adam Goodsell qualifiziert, und erfolgreich Revanche für die im November 2011 erlittene Erstrunden-Niederlage beim November-Masters-Series-1000-Turnier genommen.

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Tour-Debütant Martin Reisenauer feiert Premieren-Sieg gegen Patrick Wimmer

Einher mit dem Kreilinger-Comeback ging natürlich auch die Rückkehr von Patrick Wimmer im Tour-Zirkus, der sich wesentlich besser verkaufte, allerdings mit Tour-Newcomer Martin Reisenauer ein anderes Kaliber in Runde 1 des Juni-Masters-Series-1000-Turniers zu bekämpfen hatte. Der 33jährige März-HTT-150-Finalist traf bei seinem Comeback auf einen ganz spielstarken Steirer, der bei seinem HTT-Debüt mit einem 6:2, 6:4 Erfolg glänzte. Der 24jährige aus Rottenmann, der für den TC Kulm Mannschaftsmeisterschaft spielt und erst seit Oktober letzten Jahres in Wien wohnt, war insgesamt im Duell mit Wimmer jener Spieler, der mit mehr technischen Möglichkeiten am Ende einen doch sicheren Zweisatzsieg nach Hause spielte. “Ich bin mit meiner Leistung beim Comeback gar nicht unzufrieden”, befand jedoch der unterlegene Patrick Wimmer.

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Das Warten auf den ersten männlichen Samba-Server hat nach 25 Jahren endlich ein Ende

Im August letzten Jahres machte bei der Ladies-Trophy auf Donaufeld eine fast 70jährige Brasilianerin auf sich aufmerksam. Die gebürtige Südamerikanerin aus Sao Paulo mit dem asiatischen Aussehen und noch asiatischeren Namen Raiko Sato, überstand damals eine Runde, und avancierte zum weiblichen Pendant von Super-Oldie Karl Ader. Auf einen männlichen Samba-Server musste die Hobby-Tennis-Tour aber fast 25 Jahre warten, ehe es am letzten Samstag endlich so weit war. Just zu jenem Zeitpunkt, als im fünftgrößten Land der Erde die Fußball-Weltmeisterschaft begann, fand sich doch glatt auch ein Racket schwingender Sambatänzer vom Zuckerhut, und das obendrein noch mit dem genial klingenden Namen Reginaldo Dos Santos Silva Junior. Der seit 3 Jahren in Österreich lebende, und im August 1976 in Santos geborene Südamerikaner hat im zarten Alter von 8 Jahren daheim in der größten Hafenstadt Lateinamerikas zum ersten Mal zum Schläger gegriffen. In einem fußballverrückten Land und vorallem einer Stadt, in der mit Pele der beste Fußballer aller Zeiten gekickt hat, ist es gar nicht so einfach, eine im Verhältnis stehende Randsportart auszuüben. Am Samstag Nachmittag feierte “Reginaldo” sein vielbeachtetes Debüt auf der Hobby-Tennis-Tour und das gleich mit einem glatten 6:2, 6:2 Erfolg über Challenger-Tour-Final-Champion Gerald Marhold. “Der Bodenbelag war rutschig und ungewohnt”, lächelte der neue HTT-Brasil-Star nach seinem Premierensieg.

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Rasenkönig Vukicevic ungefährdet, und Partrick Wiesmühler beendet Siegesserie von Mathias Wagner auf Rasen

Was tat sich sonst noch am zweiten Spieltag der HTT-Rasen-Doppelveranstaltung bei WAT Landstraße? Alexander Lovrek beendete im abendlichen Achtelfinale den Comeback-Auftritt von Alexander Goodsell mit einem 7:5, 6:3 Sieg, der dem topfiten 40jährigen ein Viertelfinal-Duell gegen Rasenkönig und Titelverteidiger Vladimir Vukicevic ermöglichte. Der serbische Ranglisten-Fünfte, schickte Schwärzli-Bezwinger Thomas Janzso mit 6:0, 6:1 nach Hause, und feierte inkl. Olympia den 15. Rasen-Einzelsieg in Serie. Nach 5 Siegen auf Rasen ist auch die kleine Erfolgsserie von Mathias Wagner am Samstag Abend gerissen. Der frischgebackene Juni-HTT-500-Champion, der am Freitag noch die Nr. 4 des Turniers Alexanders Scheller in drei Sätzen niedergekämpft hatte, musste sich im Achtelfinale dem HTT-Olympiasieger von 2011 Patrick Wiesmühler mit 4:6, 6:7 geschlagen geben. Und seinen ersten Rasen-Auftritt im Jahr 2014 erledigte schließlich auch noch Fabian Mayrhuber mit Bravour. Der Vorjahresfinalist und Juni-Masters-Series-1000-Sieger von 2008 bezwang in Runde 1 den tapfer kämpfenden und einen Satz lang auch großartig spielenden Yannik Podesser, der sich zuvor in der Qualifikation in einem Duell der Nachwuchs-Stars gegen Clemens Nani durchgesetzt hatte.

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Das Wichtigste vom 2. Spieltag beim Juni-Challenger-Turnier 2014

Was tat sich derweil beim 4. Juni-Challenger-Turnier 2014 bei WAT Landstrasse? Der an Nummer 1 gesetzte Thomas Löffelmann, der im Vorjahr bereits im Achtelfinale und nach einem Freilos in Runde 1 gescheitert war, zog diesmal mit einem “echten Ergebnis” in die Runde der letzten 16 ein. Der Wiener siegte gegen Tour-Neuling Andreas Pilliczar mit 6:0, 6:3, und “datet” nun im Achtelfinale bereits den nächsten Debütanten namens Helmut Hübl, der im Auftakt-Duell gegen den Qualifikanten Manfred Ader keine Zweifel in Sachen Achtelfinal-Aufstieg aufkommen ließ. Einen Tag nach seinem in der breiten HTT-Öffentlichkeit stehenden Erstrunden-Treffen beim Juni-Masters-Series-Turnier mit Rasenkönig Vladimir Vukicevic, kehrte keine 24 Stunden später wieder der Tour-Alltag im Hause Klapil ein. Runter vom Centercourt des WAT Landstrasse auf einen Nebencourt und mitten hinein in ein Challenger-Erstrunden-Duell gegen Non Mracna, das Klapil allerdings auch höchst engagiert anging, und am Ende mit 6:3, 6:4 nicht unverdient für sich entschied. Ebenfalls Runde 2 erreichten am Samstag Nachmittag die serbische Nr. 3 des Turniers Blagoje Dogandzic, der mit einem 6:3, 6:2 über Tour-Debütant Peter Burböck einen gelungenen Start in sein 120. Karriere-Turnier verzeichnete, und Markus Fessel, der gegen die aus der Quali in den Hauptbewerb vorgedrungene Petra Herold mit 7:5 und 6:4 siegreich blieb. In drei Sätzen zog derweil Challenger-Rekordsieger Friedrich Pliemitscher ins Achtelfinale des Juni-Challenger-Turniers ein. Der routinierte Wiener kämpfte in seinem 155. Karriere-Single den deutschen April-Future-Champion Stan Posselt nieder, und fügte der HTT-Nr. 324 die erste Saisonniederlage zu.

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