Tom Peyerl holt ersten Rasentitel des Jahres und krönt sich zum Challenger-Rekordsieger

Nur eine Woche nachdem Donaufeld-Star Mario Kiss beim Juni-HTT-250-Turnier auf “Terra Rossa” eine 20 Monate dauernde Durststrecke mit seinem 12. Titelgewinn beendete, hat auch Thomas Peyerl seine persönliche Leidenzszeit ohne Turniersieg hinter sich gebracht, und beim Juni-Challenger-Turnier am Floridsdorfer Wasserpark 17 Monate nach seinem bislang letzten Erfolg im Circuit wieder einmal zugeschlagen. Der 30jährige vom TC Terra Rossa siegte in einer auf mäßigem Niveau laufenden Finalpartie gegen Clemens Wimmer nach 1:29 Stunden mit 2:6, 6:0, 6:1 und feierte einen ganz besonderen Triumph. Beim 140. Turnierstart im 250. Single-Match und im 10. Finale seiner Karriere, kürte sich “Tom” als 3fach-Jubilar zum erfolgreichsten Challenger-Spieler der Open Ära. Mit dem 6. Turniersieg seiner seit August 2007 währenden Laufbahn, schloss der 30jährige zu den beiden bisherigen Spitzenreitern Clemens Wimmer und Friedrich Pliemitscher auf, die mit ebenfalls 6 Titelgewinnen auf Challenger-Ebene als erfolgreichste Akteure der “kleinen Tour” gelten. Ein Bericht von C.L

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Tom Peyerl schafft mit Kurz-Haarschnitt und erstem Titelgewinn seit November 2012 einen “modischen & sportlichen” Neuanfang nach Maß

Waren am Ende doch die langen Haare im Wege, dass Thomas Peyerl seit seinem großen Triumph beim Challenger-Tour-Final im November 2012 keinen der begehrten HTT-Pokale mehr erobern konnte? Nein sicher nicht, aber der “New Look” mit frechem Kurzhaarschnitt passte irgendwie perfekt ins Bild für einen Neuanfang, den Thomas Peyerl am ersten Wochenende der Rasensaison 2014 am Floridsdorfer Wasserpark “modisch & sportlich” startete. Der 30jährige, der vor seinem erfolgreichen Ausflug auf Rasen zuletzt 5 Mal in Serie in Runde 1 seine Sachen packen musste, und zuletzt ein Match im März gewonnen hatte, brauste beim Jubiläums-Turnierstart Nr. 140 ohne Satzverlust in sein 10. Karriere-Finale, und galt im Vorfeld als der Favorit für den finalen Abschluss des 9. Juni-Challenger-Turniers gegen Clemens Wimmer.

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Wie eine vergebene Break-Chance den ersten Satz beeinflusste, und Thomas Peyerl mit einer unansehnlichen Fehler-Lawine in ein 2:6 Debakel rutschte

Und zunächst lief aus Sicht des Terra-Rossa-Stars auch alles nach Plan. Peyerl hatte seine beiden ersten Aufschlagspiele souverän absolviert und eine 2:1 Führung inne, als eine vergebene Break-Chance zum möglichen 3:1 einen massiven Bruch im Spiel des 30jährigen zur Folge hatte. Es sollte der einzige Breakball Peyerls im gesamten ersten Durchgang bleiben, den er mit einer schlampigen Vorhand ins Out beförderte, und Wimmer zu einem Zwischen-Furioso animierte. Denn der 32jährige Blondschopf fackelt im Gegensatz zu Peyerl nicht lange herum, und nützte quasi im Gegenzug seinen ersten Breakball zum 3:2. Was danach folgte war eine wenig ansehnliche Fehlerorgie Peyerls in einem ohnehin schon äußerst schwachen Spiel, und so handelte sich der spätere Sieger mit 26 unforced errors im ersten Satz ein zweites Break zum 2:5 und schließlich nach nur 34 gespielten Minuten einen 0:1 Satzrückstand ein.

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Desaströser Clemens Wimmer mit Horror-Statistik beim Aufschlag

27 Minuten später war die Peyerl-Welt aber wieder in Ordnung. Der Challenger-Tour-Final-Champion von 2012 hatte den zweiten Satz mit 6:0 gewonnen, und einen katastrophal spielenden Gegner zum Statisten degradiert. Wimmers Spiel war regelrecht auseinander gefallen, nichts aber auch gar nichts funktionierte mehr wie gewohnt, und so liest sich die Bilanz des 6fachen Challenger-Siegers im zweiten Heat mehr als desaströs. 21 der insgesamt 34 ausgespielten Ballwechsel beendete Wimmer mit einem Fehler, insgesamt kam der Blondschopf auf magere 8 Punkte, und in diesem zweiten Satz wurde besonders augenscheinlich, dass Wimmers erster Aufschlag einer Korrektur bedarf. Was bringen toll zu lesende 89 Prozent am ersten Aufschlag, wenn nur 25 Prozent der Punkte nach diesem herausschauen. Und noch schlimmer ist die Situation um Wimmers “Zweiten”, den er sogar zu 100 Prozent im Feld des Gegners platzieren konnte. Ohne auch nur einen Doppelfehler zu machen, fasste der 32jährige die blamable 0 Prozent Quote in der offiziellen hobbytennistour.at-Matchstatistik aus, was wiederum soviel heißt, dass Wimmer jeden zweiten Aufschlag von Peyerl um die Ohren geschossen bekam. Nach 27 Minuten hatte Wimmer dann auch die Null ausgefasst, und seine Hoffnungen auf Challenger-Rekordtitel Nr. 7 auf den entscheidenden dritten Satz verlegen müssen.

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Uralt-Saite als Mitgrund für Wimmers gar so schwache Final-Performance

Doch auch in der Entscheidung hatte Wimmer nichts mit dem Titelgewinn zu tun. Rasch führte Peyerl wieder 3:0, ehe Wimmer zumindest die Ursache für sein desaströses Auftreten herausfand. Bei einem Schlag, bei dem eigentlich keine Saite reißen kann, war es doch passiert, und so musste Wimmer zu seinem zweiten Racket greifen. Bombastisch fiel die Performance des 32jährigen danach zwar auch nicht aus, aber selbst für Laien war nun erkennbar, dass die 0:9 Pleite an in Serie abgegebenen Games wohl auch durch einen uralt-bespannten Schläger mitbegründet war. Ein Ehrengame war Wimmer noch beschieden, als er nach weiteren 26 Minuten seinem Gegner letztlich zum Titelgewinn am Netz gratulieren musste.

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“Ich bin nicht draufgekommen, dass die Saite meines Schlägers im Ar… war”

“Sehr schwer, sehr schwer”, stammelte Wimmer seine ersten Worte bei der anschließenden Pressekonferenz. Der 32jährige, der so gerne mit seinem 7. Challenger-Karriere-Titel zum alleinigen Rekordhalter dieser Serie geworden wäre, musste sich erst sammeln, um den Schock einer so nicht zu erwartenden Final-Pleite zu verdauen. “Der erste Satz ging ziemlich leicht, aber ich habe heute einen ganz großen Fehler gemacht. Ich bin nicht draufgekommen, dass die Bespannung meines Schlägers völlig im Ar… war. Erst im dritten Satz bei 0:3 als die Saite riss, ist es schließlich besser gegangen. Ich hätte mit dieser Saite heute das Match in jedem Fall verloren, auch wenn ich im zweiten Satz vorne gelegen wäre. Und ich hätte dann nicht einmal gewusst warum. Sowas passiert mir sicher nie mehr”, klagte Wimmer.

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“Natürlich ist es schön, an Titeln mit Spielern wie Clemens Wimmer und Friedrich Pliemitscher gleichzuziehen”

“Ich bin sehr froh, dass ich meinen 6. Titel einfahren konnte. Im ersten Satz war ich relativ enttäuscht von meinem Spiel. Der Clemens hat mir mit seinem Spiel ziemlich die Nerven geraubt. Ich wollte eigentlich innerlich schon aufgeben. Nach dem ersten Game im zweiten Satz dachte ich mir, einmal probiere ich es noch, und plötzlich sind die Games reihenweise gekommen. Dann war mein Plan dran zu bleiben, und Wimmer nicht mehr zurück ins Spiel zu lassen. Bei 3:0 im dritten hatten ich einen kurzen und kleinen Einbruch zum 1:3, und da war wichtig, dass Wimmer nicht auf 2:3 herangekommen ist, sonst wäre es womöglich noch einmal eng geworden. Am Ende habe ich die Partie heimgebracht, und ich freue mich sehr darüber. Vor dem Spiel habe ich mir gar nicht viele Gedanken über den Clemens gemacht. Ich war voll fokussiert, und im ersten Satz hat mir der Clemens ganz einfach sein Spiel aufgezwungen. Da habe ich mich richtiggehend in eine Lawine an Fehlern reingespielt. Danach hat der Clemens einfach selbst extrem viele Fehler gemacht, und das hat mir wieder Auftrieb gegeben. Es war dennoch ein hartes Match, vorallem mental, weil ich mir viele Gedanken über den ersten Satz machen musste”, so der Sieger, der sich dann noch zum Rekord-Titel äußerte: “Dieser Sieg bedeutet mir natürlich sehr viel. Mein letzter Sieg liegt doch schon über eineinhalb Jahre zurück. Es war wunderbar als 3fach-Jubilar hier zu gewinnen, und ich würde sogar noch eine vierte Besonderheit dazunehmen, denn jetzt habe ich auch auf Rasen einen Titel gewonnen, und jetzt fehlt mir quasi nur mehr ein Bodenbelag, um zu einem Kreis an Turniersiegern zu gehören, dem nur wenige Spieler angehören. Und natürlich ist es auch schön, wenn man an Titeln gleichziehen kann mit einem Clemens Wimmer und einem Friedrich Pliemitscher. Vielleicht ergibt sich heuer ja noch die Möglichkeit, den alleinigen Rekordtitel zu erobern”, so der glückliche Champion.

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