Clemens Wimmer greift nach Rekord-Titel auf Challenger-Ebene

“Es ist verdammt hart, der Beste zu sein”, dieser allseits bekannte Werbe-Slogan einer großen österreichischen Supermarkt-Kette passt auch ganz vortrefflich auf die Situation, die Österreichs beste Hobby-Tennis-Spieler Woche für Woche bei den Turnieren der Hobby-Tennis-Tour vorfinden. “Es ist wirklich extrem schwer, derzeit ein Turnier – egal ob ein Grand Slam oder einen Challenger auf der HTT zu gewinnen”, philosophierte der letztmalig im November 2012 siegreiche Thomas Peyerl am Montag Abend vor seinem Semifinal-Auftritt gegen die Nummer 1 des Juni-Challenger-Turniers Peter Baumann. Und wie recht er doch hat! Denn in der Tat war es in der bald 25jährigen Geschichte der Hobby-Tennis-Tour noch nie so schwierig, einen Titel zu erringen. Ein Blick auf die heurige Siegerliste macht sicher und belegt: Die Zeit der Seriensieger ist sowieso vorbei, aber so dicht in “Breite & Spitze” wie anno 2014, war die Hobby-Tennis-Tour noch nie aufgestellt. Nach diesem Wochenende werden bereits 40 Saisonturniere absolviert sein, und die “Hall of Fame” für die 25. Saison der Open Ära bringt unglaubliche Zahlen ans Licht. In den erwähnten und bislang ausgetragenen 40 Turnieren des Jahres 2014 gab es 38 verschiedene Gewinner, und nur einer von ihnen, nämlich Martin Mayer vom TK Big Point Muckendorf tanzte siegreich mit drei gewonnenen HTT-Saisontiteln aus der Reihe. Eine sensationelle Bilanz!

img_4986

Die zwei Seiten der sensationellen Dichte an guten Hobby-Tennis-Spielern

Wie alles im Leben, hat aber natürlich auch dieses gigantische Maß an “Quantität & Qualität” zwei verschiedene Seiten. Für Spieler die einzig nach Erfolg streben, und ihren Fun-Faktor an daheim im Wohnzimmer stehenden Pokalen messen, sind echt harte Zeiten angebrochen. Selbst die “Besten der Zunft” sind keine Dauergäste mehr bei den diversen Dienstag Abends über die Bühne gehenden Siegerehrungen. Beispielsweise wartet die Nr. 1 der HTT Philipp Schneider heuer noch auf seinen ersten Turniersieg, genauso wie prominente Namen wie Alexander Scheller, Ignacio Martin, Franz Mayrhuber, Adam Goodsell und viele, viele andere mehr aus dem insgesamt fast 670 Akteure umfassenden Pool der aktuellen HTT-Entry-List. Andererseits profitieren alle Spieler im Circuit – egal ob Topstars oder Challenger-Asse – von der nicht mehr überschaubaren breiten Masse an guten Spielern. Man ist nicht nur Woche für Woche, sondern mittlerweile fast schon von Match zu Match – und das in den Vorrunden – aufs Äußerste gefordert, um überhaupt nur in die Nähe eines Spitzen-Resultates zu gelangen. Dieser ständige Konkurrenzkampf, dieses immer wieder ans Limit gehen müssen, um die ein oder andere Runde zu überstehen, formt und prägt die einzelnen Spieler zu richtig guten und stets motivierten Wettkampf-Typen. Egal ob Top-Ten-Hero oder aufstrebender Future-Tour-Rookie, die Hobby-Tennis-Szene und jeder einzelne der Mitwirkenden entwickelt sich in rasantem Tempo immer weiter.

img_0984

Clemens Wimmer könnte mit seinem 7. Challenger-Titel-Gewinn alleinger Rekordsieger der Challenger-Tour werden

Dieser scheinbar nicht mehr enden wollenden Entwicklung ist auch die Anpassung der ITN-Richtwerte für die einzelnen Turnier-Kategorien zu Beginn der heurigen Saison geschuldet. Selbst bei einem Challenger-Turnier der Kategorie II, wie jenem das gerade am Wasserpark in Wien-Floridsdorf über die Bühne geht, ist das zu betrachende Niveau längst mehr als ansehnlich geworden. Und von der Dichte an jenen Spielern, die dieses Turnier letztlich für sich entscheiden können, braucht man gar nicht erst reden. Ein Peter Baumann, ein Thomas Löffelmann, Manfred Buzek, Sascha Kobsik, Gerald Marhold, Thomas Pratsch, Markus Hobiger und wie sie alle heißen, sind längst nur mehr in der Zuschauer-Rolle, wenn heute Abend das Endspiel der 9. Auflage des Juni-Challenger-Turniers 2014 in Szene gehen wird. Für Top-Qualität im großen Finale des 40. Saisonturniers ist dennoch gesorgt, denn mit der Nummer 3 des Turniers Thomas Peyerl vom TC Terra Rossa und dem ungesetzten Rekord-Challenger-Champion Clemens Wimmer stehen sich zwei absolute Experten auf Challenger-Ebene um diesen Rasen-Titel gegenüber. Und egal wie dieser finale Showdown heute Abend im Floridsdorfer Wasserpark auch ausgehen wird, am Ende werden wir einen neuen Challenger-Rekord-Sieger feiern. Denn entweder es holt sich Thomas Peyerl den Sieg, und damit seinen 6. Challenger-Titel, womit er zu den beiden derzeit führenden Rekord-Champions Fritz Pliemitscher und Clemens Wimmer aufschließen würde, oder Letztgenannter holt sich seinen 7. Erfolg, und wäre damit endlich alleiniger Rekord-Halter an Titel-Triumphen auf Challenger-Ebene.

img_3671

Clemens Wimmer steht nach Semifinal-Sieg über Markus Hobiger zum dritten Mal in Folge im Endspiel des Juni-Challenger-Turniers

Zuvor freilich hatten die beiden Final-Protagonisten des heutigen Abends noch ihre semifinalen Hausaufgaben zu erledigen, und das taten sie letztlich mehr oder weniger souverän. In jedem Fall haben sowohl Peyerl als auch Wimmer das Endspiel des 58. Rasenturniers der Open Ära ohne Satzverlust erreicht, und damit völlig berechtigt je ein Ticket für das große Finale in Händen. Für Clemens Wimmer ist es seit seinem Tour-Debüt im April 2012 bereits die 12. Final-Teilnahme, und hier beim Juni-Challenger scheint sich der 32jährige Wiener ohnehin extrem wohl zu fühlen. Denn nachdem der Blondschopf am Sonntag Abend im Viertelfinale gegen Gerald Marhold den 100. Einzelsieg seiner Karriere feierte, legte er am Montag im Semifinal-Treffen mit Tour-Legende Markus Hobiger noch nach, und zog mit einem souveränst herausgespielten 6:1, 6:3 Erfolg zum dritten Mal in Serie nach 2012 und 2013 ins Endspiel dieses Rasen-Challenger-Turniers ein. 2012 besiegte Wimmer im Endspiel Peter Baumann, ehe er voriges Jahr am Unternehmen Titelverteidigung erst im Finale an Thomas Löffelmann scheiterte.

img_3224

Markus Hobiger präsentiert sich 6 Wochen vor seinem persönlichen Saisonziel “Kitzbühel-Challenger-Semifinale” alles andere als in Hochform

Im Halbfinale drückte Clemens Wimmer mit seinen bekannten Tugenden einen völlig indisponierten Markus Hobiger bei dessen 227. Karriere-Turnierstart aus dem Bewerb, und sorgte für einige Sorgenfalten im Gesicht des unterlegenen Guntramsdorfers. Der 37jährige, der vor diesem Turnier sage und schreibe 8 Mal in Folge ohne Sieg in einem Hauptbewerbsspiel blieb, hämmerte sich planlos mit 1:6 und 3:6 ins Verderben. Rund 6 Wochen vor dem Challenger-Turnier in Kitzbühel – das Hobiger als ganz großes Saisonziel ausgegeben hat – herrscht im Lager des Niederösterreichers aber großes Rätselraten, wie der 37jährige bis dahin die Kurve kriegen soll. Am Montag Abend jedenfalls präsentierte sich “Hobi” alles andere als in Kitz-Form, denn nachdem er das Eröffnungs-Game des ersten Semifinales für sich entschieden hatte, rauschte der Guntramsdorfer mit einer traurig mitanzusehenden Fehler-Lawine in “Windes Eile” in ein Debakel. 6 Games in Serie holte sich Wimmer zur Satzführung, und das ohne Großartiges zutun seiner Person. Es genügte vollauf, dem Gegner den Ball mit halbwegser Länge und entsprechender Höhe über das Netz zu “lupfen”, den Rest erledigte Hobiger mit fast schon “hirnloser” und vorallem komplett erfolgsloser Haudrauf-Taktik. Auch wenn Hobiger im zweiten Satz vielleicht um die Spur weniger fehlerhaft agierte, und mit 3:6 zumindest das totale ergebnistechnische Desaster vermeiden konnte, so war er als Nummer 2 des Turniers doch meilenweit entfernt, sein zweites Saisonfinale nach dem Linz-Challenger Ende April zu erreichen. “Ich habe heute einfach viel zu viele Fehler gemacht. Bis Kitzbühel muss sich noch einiges ändern, sonst wird es nichts aus meinem Traum vom Semifinale am Grand Stand”, so der unterlegene Hobiger.

img_4295

Thomas Peyerl wirft topgesetzten Peter Baumann aus dem Turnier, und kann sich im “3fach-runden” Final-Auftritt gegen Clemens Wimmer zum Challenger-Rekordsieger machen

Der Endspielgegner von Clemens Wimmer heißt wie schon berichtet Thomas Peyerl. Der 30jährige stürmte ohne Satzverlust in sein 10. Karriere-Finale, und räumte auf dem Weg dorthin im gestrigen Semifinale auch die Nummer 1 des Turniers Peter Baumann aus dem Weg. In einem intensiv geführten und von vielen Fehlern geprägten Duell, drehte Peyerl im Finish des ersten Durchgangs einen 3:4 Rückstand mit einem Super-Finish samt drei “en suite” gewonnenen Games noch zur 1:0 Satzführung, und ähnlich verlief dann auch die Entscheidung im zweiten Heat, wo Peyerl nach einer 3:1 Führung zwar das Re-Break kassierte, doch ab dem 3:3 trumpfte der Terra-Rossa-Star erneut mit einem fulminaten “Finale” auf, und siegte schließlich 6:4 und 6:3. Und mit diesem Erfolg ebnete sich “Tom” den Weg in ein an Jubiläen nur so wimmelndes Finale. 5 Mal in Folge hatte Peyerl zuletzt auf der Hobby-Tennis-Tour in Runde 1 verloren, doch beim heutigen Endspiel könnte der 30jährige zum ganz großen Sieger eines “3fach-runden” Auftritts avancieren. Peyerl spielt dieser Tage sein 140. Turnier, und in diesem bestreitet er heute Abend gegen Clemens Wimmer sein 250. Karriere-Single-Match. Dazu steht er im 10. Finale seiner Laufbahn, und sollte der Terra-Rossa-Crack heute Abend im vierten direkten Duell mit Wimmer zum dritten Mal die Oberhand behalten, und erstmals seit seinem Triumph beim Challenger-Tour-Final 2012 wieder einen Titel gewinnen, dann wäre er gemeinsam mit Clemens Wimmer und Friedrich Pliemitscher mit 6 Challenger-Turniersiegen umjubelter Rekordhalter dieser Turnierserie. “Es war nicht einfach gegen den Peter Baumann. Ich musste jeden Punkt drei Mal machen. Ärgerlich für mich war aber, dass ich so viele unerzwungene Fehler gemacht haben. Das hat mich derart geärgert, dass der Sieg am Ende fast schon Nebensache war. Das muss ich heute im Finale gegen Clemens Wimmer ganz sicher abstellen”, so der 3fach-Jubilar.

img_3630