Das Ende einer Durststrecke – Mario Kiss holt nach 20 Monaten endlich wieder einen Titel

Der ehemalige Ranglisten-Erste Mario Kiss hat erstmals seit September 2012 wieder ein Turnier im Rahmen der Hobby-Tennis-Tour gewonnen, und damit eine knapp über 20 Monate andauernde Durststrecke ohne Titelgewinn beendet. Der 35jährige vom TC Donaufeld besiegte am Dienstag Abend im Endspiel des 14. Juni-HTT-250-Turniers beim TC Terra Rossa den überraschend starken Tour-Debütanten Patrick Malik in 1:28 Stunden mit 6:3 und 6:4. Für den 3fachen Major-Champion war es der erste Erfolg im dritten Anlauf auf HTT-250-Ebene, und insgesamt der 12. Turniersieg seiner außergewöhnlichen Karriere. Ein Bericht von C.L

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20 Monate und 25 Turniere waren seit seinem Heim-Triumph im September 2012 ohne Titelgewinn vergangen, ehe ein Zufall für den Juni-HTT-250-Start von Mario Kiss sorgte

TC Donaufeld Star Mario Kiss hat am Dienstag Abend des 10. Juni 2014 eine 20 Monate dauernde Leidenszeit der Erfolglosigkeit endlich hinter sich gebracht. Nachdem der Power-Server im September 2012 “daheim auf Donaufeld” im Endspiel des September-HTT-500-Turniers den Rumänen Rares Maftei mit 6:0, 6:1 auseinandergenommen hatte, und diesen Erfolg ausgelassen mit einer Flasche Champagner feierte, fiel er danach in ein scheinbar nicht enden wollendes Tief. Insgesamt 25 Turnierstarts absolvierte der 35jährige seit seinem Heim-Triumph, ohne dabei auch nur einmal mit jenem Resultat abzuschneiden, mit dem er einst zu Beginn seiner HTT-Karriere oftmals für Furore sorgte. Ein Turniersieg war dem Mann den sie früher “Super-Mario” nannten, einfach nicht mehr gegönnt. Und auch an diesem heißen Pfingst-Wochenende sah es zunächst nicht unbedingt danach aus, als ob Kiss auf der “roten Erde” zu Hernals seine Durststrecke beenden würde. Zunächst einmal verdankte der Turnierveranstalter nur einem glücklichen Umstand, dass sich der Name des 3fachen Grand-Slam-Gewinners in der Nennliste des 775. Single-Turniers der Open Ära fand. Nur weil Kumpel Martin Mayerhofer wegen eines gemeinsamen Starts beim “HTT-French-Open-Doppel-Turnier”  anfragte, entschied sich Kiss auch gleich das Juni-HTT-250-Turnier anzugehen. Tja und dann waren da ja auch noch die Schreck-Momente im Viertelfinale gegen Challenger-Tour-Final-Champion Gerald Marhold, als Kiss im dritten Satz bei 3:5 und 0:15 eigentlich schon ausgeschieden war.

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Im Viertelfinale gegen Gerald Marhold eigentlich schon ausgeschieden, machte Mario Kiss 24 Stunden später das Dutzend an HTT-Karriere-Titeln voll

24 Stunden später aber hatte die Hobby-Tennis-Tour wieder einmal eines dieser unglaublichen Märchen geschrieben. Gegen Marhold eigentlich schon raus aus dem Turnier, und nach der denkwürdigen Gala-Vorstellung im Semifinale gegen Lokal-Matador Andreas Tolunay hatte Kiss plötzlich den 12. Karriere-Pokal in der Hand, und durfte einen ganz speziellen Sieg feiern. Natürlich war es “nur” ein 250er-Turnier, bei dem Kiss das Dutzend an HTT-Titeln voll machte. Doch angesichts der aktuell so hochgejazzten Hobby-Tennis-Szene, hat selbst ein 250er-Titel mittlerweile einiges an Gewicht. Und ganz ehrlich: Wenn man die beiden letzten Turniersiege des Mario Kiss beim September-HTT-500-Turnier 2012 und jenen vom vergangenen Dienstag auf 250er-Ebene vergleicht, dann sind da gar keine großen Unterschiede auszumachen. Damals im September vor mehr als eineinhalb Jahren räumte Kiss das Quartett “Gernot Hansen-Andreas Motycka-Andreas Heindl-Rares Maftei aus dem Weg, also klassische 250er-Kundschaft, während er anno Juni 2014 die Herren Florian Jagitsch-Gerald Marhold-Andreas Tolunay und Patrick Malik auf dem Weg zum 12. Karriere-Erfolg bezwingen konnte. Und auch wenn die Kiss-Kritiker nun damit argumentieren, dass der ehemalige Ranglisten-Erste seinen 12. Titel eben nur bei einem 250er-Turnier erringen konnte, so war dieser Erfolg dennoch ein ganz besonderer.

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Mario Kiss stürmt mit Juni-HTT-250-Titel in die diversen Top-Ten-Listen der Hobby-Tennis-Tour

Denn mit dem Juni-HTT-250-Triumph hat sich Kiss nicht nur via Titelgewinn wieder zurück ins Rampenlicht geschossen, das eben nur den Turniersiegern zu Teil wird, sondern sich auch in den diversen Ewigen-Bestenlisten zurückgemeldet und in eine für einen ehemaligen Ranglisten-Ersten – angemessene Position gebracht. Mario Kiss hat mit seinem finalen 6:3, 6:4 Erfolg über Patrick Malik gleich mehrere Einzüge unter die diversen Top-Ten-Listen der Hobby-Tennis-Tour perfekt gemacht. Schon vor dem abschließenden Duell mit Tour-Neuling Malik hatte Kiss seinen 22. Finaleinzug fixiert, und damit Platz 10 in der ewigen Bestenliste aller Spieler mit dem meisten Endspielteilnahmen von Bernhard Nagl erobert. Nach dem 37. Saisonfinale auf der HTT hatte Kiss dann auch noch den Sprung unter die Top 10 jener Bestenliste geschafft, die jene Spieler mit den meisten Turniersiegen führt. Und dort rangiert der 35jährige mit seinem 12. Titel nun gemeinsam mit Franz Mayrhuber auf Platz Nr. 10. Und schließlich hievten die 250 Punkte für den Titelgewinn den 35jährigen auch noch zurück unter die Top Ten der HTT-Computer-Rangliste. Ende März war Kiss aus den besten Zehn gefallen, nun gehört er als aktuelle Nr. 9 wieder zur Creme de la Creme, zumindest wenn es nach dem Ranking geht.

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Kiss mit Traumstart, und Malik nach nervösem Beginn mit couragierter Leistung beim Final-Debüt

All diese “Highlights” verdankte Kiss aber seinem finalen Auftritt beim Juni-HTT-250-Turnier, den er am Dienstag Abend gegen Tour-Debütant und Final-Newcomer Patrick Malik am Centercourt des TC Terra Rossa hinlegte. Bei abermals brütender Hitze mit 33 Grad im Schatten, legte Kiss gegen einen logischer Weise nervös startenden Endspiel-Rookie einen wahren Traumstart hin. 14 Minuten waren gerade einmal gespielt, da hatte Kiss schon zwei Breaks in der Tasche, und bei einer klaren 3:0 Führung Kurs auf den Titel genommen. Seit seinem kruseligen 3:5 Rückstand im dritten Satz des Viertelfinales gegen Gerald Marhold hatte Kiss bis zu diesem Moment mit der finalen 3:0 Führung 20 Games in Serie gewonnen, was draußen im Publikum schon zu gewagten Rückschlüssen führte, Kiss könnte nach Tolunay gleich dem nächsten Gegner eine strafverschärfende Doppel-Null umhängen. Aber da hatte er die Rechnung ohne seinem Gegenüber gemacht, denn Patrick Malik war keineswegs gewillt, sich bei seinem ersten ganz großen HTT-Auftritt als Schlachtopfer hinzugeben. Warum auch! Der 16jährige hatte mit seinem Finaleinzug gleich beim Debüt ohnehin schon weit mehr erreicht, als man von ihm erwartet hatte. Von daher war klar, dass der Final-Rookie – nachdem er seine Anfangs-Nervosität abgelegt hatte- mit Fortdauer des Spieles seine Vorzüge und Stärken einbringen, und damit dieses Endspiel durchaus offen gestalten würde. Und so kam es dann auch: Malik schaffte zwei Breaks zum 1:3 und 2:4, dann brachte er erstmals seinen Aufschlag zum 3:4 durch, um kurz darauf bei 15:40 sogar zwei Break-Gelegenheiten zum 4:4 Ausgleich vorzufinden. Es war im Nachhinein betrachtet die entscheidende Phase dieses ersten Satzes, in der Kiss dann seine große Klasse und womöglich auch das Mehr an Routine clever ausspielte. Denn bei 15:40 packte “Super-Mario” ganz einfach mal zwei Service-Winner zum Einstand aus, und holte sich sein Aufschlagspiel zum 5:3. Für Kiss wohl die Vorentscheidung, für Malik aber ein kleiner Schock, von dem er sich in diesem ersten Durchgang nicht mehr erholen sollte. Zu Null gab er sein Service und damit den  ersten Satz nach insgesamt 42 Minuten Spielzeit mit 3:6 ab.

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54 unforced errors waren am Ende zuviel – Final-Rookie Partrick Malik verliert seine Endspiel-Premiere nach 1:28 Stunden mit 3:6, 4:6

Die Eigenfehler-Quote um die Spur zu hoch, so hatte der druckvoll agierende Malik den ersten Satz abgegeben, und so gelang es dem 16jährigen auch nicht, nach einem tollen Start in Durchgang 2 mit 5 in Serie gewonnenen Punkten vielleicht vorentscheidend davonzuziehen. Immer wieder glänzte Malik zwar mit famosen von der Grundlinie abgefeuerten Winnern, immer wieder aber auch patzte der Jungstar mit unforced errors, und das letztlich nicht zu knapp. Zwei Mal lag Malik jun. mit einem Break voran, (1:0, 2:1) zwei Mal zog der Newcomer vom Bundesbahner SV mit eigenem Aufschlag nach (zum 3:3 und 4:4) ehe das Finish dieser Partie anstand, und sich aus Sicht Maliks das Unheil zusammenbraute. Mit einem sensationell geschlagenen und Szenenapplaus einbringenden Vorhand-Winner holte sich Kiss das Game zum 5:4, und schob den gesamten Druck auf sein unerfahrenes Gegenüber. Schon im ersten Satz war das schiefgegangen mit dem “Aufschlag halten” in der entscheidenden Phase, und auch diesmal patzte der Jungstar beim Versuch, sich mit eigenem Service im Match zu halten. Weitere 4 seiner insgesamt 54 unforced errors besiegelten letztlich die Malik-Niederlage nach 1:28 Stunden, die aber keinesfalls den prächtigen Eindruck verwischen konnte, den der 16jährige bei seinem HTT-Debüt hinterließ.

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Tour-Debütant Patrick Malik: “Ich bin total zufrieden mit mir”

“Ich habe heute einfach viel mehr Fehler gemacht als mein Gegner, und er hat halt auch die entscheidenden Punkte gemacht”, resümierte der Unterlegene, der dann auch noch ein wenig Bilanz zog in Sachen Tour-Debüt: “Mir hat es sehr gut gefallen auf der Hobby-Tennis-Tour. Ich habe mein Ziel für dieses Turnier erreicht. Eigentlich wollte ich ein bis zwei Runden überstehen, das ich hier ins Finale komme, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Es war wunderschön, ich hatte gute Gegner, und ich bin total zufrieden mit mir. Ich kann mir durchaus vorstellen, in Zukunft noch viele Turniere auf der Hobby-Tennis-Tour zu spielen”, erzählte jener junge Mann, der ganz ohne Zweifel die große Entdeckung des Pfingst-Wochenendes war.

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Tour-Neuling Patrick Malik im Porträt

Im zarten Alter von nur 7 Jahren hatte “Klein-Patrick” den ersten Kontakt mit der Sportart Tennis. In der Volksschule lernte er Tennis kennen und lieben, und spielte fortan regelmäßig zumindest einmal in der Woche mit den kleinen gelben Filzkugeln. Doch weil Patrick allgemein mit viel Ballgefühl gesegnet ist, machte er auch in anderen Sportarten gute Figur. So gab es ein einjähriges Intermezzo beim Volleyball, und auch König Fußball hatte es dem Malik-Junior angetan. Dort freilich wurde er mit der Schattenseite des Sports erstmals konfrontiert, setzte es doch gleich mehrere schwerere Verletzungen. Vielleicht auch ein Mitgrund, warum sich Patrick dann schlußendlich für den Tennissport entschieden hatte. Seit 2010 geht er auf Punktejagd für den Bundesbahner SV, und machte zudem auf diversen ÖTV-Jugendturnieren seine ersten Erfahrungen. Die nicht immer von erfolgsgarantierter Natur waren, denn in ganz jungen Jahren, gingen auch schon mal Matches in wildem Stil verloren. Niederlagen mit 25 Doppelfehlern waren keine Seltenheit, und ohne der nötigen Konstanz sind Erfolge im Tennis eben schwer zu erringen. An dieser notwendigen Kontinuität arbeitet Patrick nun seit rund einem Jahr akribisch und mit Leidenschaft in der “Tenniszone” der ATP-Profis Roland Berger und Werner Eschauer. Dort wird drei Mal die Woche am Tennis des Jungstars gefeilt, und dort in der Tenniszone fühlt sich Malik auch pudelwohl. “Meine Trainer dort sind menschlich schwer in Ordnung und höchst kompetent”, schwärmt der Juni-HTT-250-Finalist.

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Mario Kiss: “Ich denke schon, dass dieser Turniersieg relativ hoch einzuschätzen ist”

Nach 20 Monaten ohne Turniersieg war man dann auch sehr gespannt auf die Pressekonferenz des Mario Kiss: Was hatte der 35jährige nach Beendigung seiner Durststrecke zu sagen? “Ein Turniersieg ist immer schön, und freut mich natürlich schon, auch wenn es nur ein 250er-Turnier war. Ich denke es war aber ein sehr gutes Teilnehmerfeld für ein 250er. Ich glaube auch, dass dieser Turniersieg schon recht hoch einzuordnen ist, weil der Jagitsch im Achtelfinale schon ein sehr starker Spieler mit gutem ITN war. Die Marhold Partie – naja ok: Mir war heiß, mich hat es nicht gefreut, und wenn ich da ausgeschieden wäre, dann wäre es halt so gewesen. Dann kam die Tolunay-Partie wo einfach alles gegangen ist, und heute im Finale wollte ich natürlich unbedingt gewinnen, und das ist mir Gott sei Dank auch gelungen”, so Kiss, der sich dann noch zum Final-Match an sich äußerte. “Ich habe das Spiel heute bewusst komplett anders angelegt als gestern gegen den Andreas Tolunay. Ich wusste, dass es meinem Gegner taugen würde, wenn ich auf jede Kugel einfach draufgehe. Daher habe ich probiert mit langen Spin und tiefen Slice zu spielen und gehofft, dass er sich so möglicher Weise erschießt. Ich habe bei der Wahl dieser Taktik natürlich damit gerechnet, dass er mir einige Bälle um die Ohren schießen wird. Das hat er auch gemacht, aber im Endeffekt hat er doch mehr Fehler als Punkte gemacht, und auf das war ich aus heute”, so der 35jährige.

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“An einem guten Tag, kann ich jeden Spieler der Hobby-Tennis-Tour schlagen”

“Was mich noch besonders freut ist, dass zwei komplett verschiedene Spielstile von mir aufgegangen sind. Gestern gegen den Tolunay habe ich das gespielt was ich am Besten kann, einfach draufgehen auf die Kugeln. Und heute das Match gegen Malik. Natürlich hat das gestern gegen Tolunay bombatischer ausgesehen, aber ich finde meine heutige Leistung nicht weniger gut, aber halt auf eine andere Art und Weise erzielt. Mich freuts, dass ich mittlerweile mehrere Varianten spielen kann”, so Kiss. “Ich sage es auch immer wieder. Die Zeiten auf der Hobby-Tennis-Tour haben sich extrem geändert. Ich werde nicht jünger, die HTT ist um Klassen stärker geworden. Wiegesagt: Ich weiß, dass ich an einem guten Tage jeden Spieler hier schlagen kann, ich kann das aber zur Zeit leider nicht über ein ganzes Turnier bringen. Ob dieser Titel eine Genugtuung ist, das ist relativ. Man muss trotzdem die Kirche im Dorf lassen, es war ein HTT-250-Turnier, nicht mehr und nicht weniger. Es waren kein Fabian Mayrhuber, Stabrawa, Vukicevic, Klager, Schneider und wie sie alle heißen am Start, und von daher muss man das auch entsprechend einordnen”, so der frischgebackene Juni-HTT-250-Champion nach seinem 12. Karriere-Erfolg.

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