Bombastischer Major-Auftakt

Mit Superlativen sollte man ja grundsätzlich vorsichtig sein, doch bei einem Blick auf das Teilnehmerfeld des ersten Grand-Slam-Turniers der Saison, kann man nur sehr schwer nicht ins Schwärmen geraten. Man braucht nicht lange herumzureden, das Jänner-Grand-Slam-Turnier 2011 ist ohne Zweifel das stärkste und bestbesetzte Indoor-Event der 21jährigen Tour-Geschichte. Wie bombastisch sich der Mega-Raster im Vergleich zu all den anderen Turnieren der Vergangenheit ausnimmt, zeigte schon der erste Spieltag am gestrigen Freitag Abend, an dem – obwohl noch keiner der 16 Gesetzten im Einsatz – großartiges Tennis von namhaften Tour-Stars geboten wurde. Ein Bericht von C.L

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Tour-Debütant Paul Ganglberger als erster Sieger der neuen Grand-Slam-Saison

Der Faszination “Grand-Slam” erliegen derzeit viele Hobbytennisspieler, und das nicht nur in nächtlichen Schichten vor den Fernsehgeräten um die Australian Open im fernen Melbourne zu beobachten, sondern auch im nahen Wien, wo sich 61 Akteure an diesem dritten Jänner-Wochenende um den ersten Major-Titel der Hobby-Tennis-Tour im neuen Jahr bemühen. Eröffnet wurde das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres am gestrigen Freitag um 20 Uhr, und nicht einmal eine Stunde später stand auch schon der erste Sieger des Abends fest. Tour-Neuling Paul Ganglberger wurde seiner – von der Kollegenschaft – umgehängten Favoritenrolle vollauf gerecht, und deklassierte bei seinem Tour-Debüt in Runde 1 Gerald Marhold vom Freizeitpark 21 mit 6:1 und 6:1. Der 29jährige Oberösterreicher musste bei einem Premieren-Match allerdings keinen sonderlich hohen Aufwand betreiben um sich problemlos für die zweite Runde zu qualifizieren. Sicher und ruhig an der Grundlinie agierend, ließ Ganglberger sein Gegenüber sich so richtig wild austoben. Und der November-First-Series-Sieger schlitterte dann auch nur eine Woche nach seinem Jänner-WTB-Erstrunden-Ausrutscher abermals ungestüm und fehlerhaft in eine frühe Niederlage. “Ich bin weit weg von meiner Hochform”, wusste Marhold, während Ganglberger sich auf sein Zweitrunden-Duell mit dem an Nummer 9 gesetzten Markus Seitner freuen kann. “Ich nehme an das wird ein weitaus schwierigeres Match als heute”, meinte der 29jährige.

Tour-Neulinge Klusacek, Layr und Würz mit unterschiedlichen Leistungen

Apropos Newcomer: Für zwei von vier an diesem gestrigen Abend im Einsatz befindlichen Tourneulingen war dieser Eröffnungsspieltag kein erfolgreicher und das erste Saison-Major daher keine Reise wert. Einen bitteren 1:6, 1:6 Dämpfer nach gerade einmal 50 Minuten Spielzeit hatte Alexander Klusacek zu verdauen. Der 28jährige Wiener blieb im Duell mit Christian Lackermayer spielerisch weit hinter seinen Erwartungen und auch seinen Möglichkeiten. “Mein Versagen heute ärgert mich schon”, stellte der Neuling klar. “Aber ich werde mich bei einem WTB-Turnier wieder versuchen”, zeigte sich Klusacek angriffslustig. Ebenfalls eine Debüt-Niederlage hatte Emanuel Layr zu analysieren. Der 34jährige präsentierte sich beim 5:7, 3:6 in Runde 1 gegen Harald Schauer aber nicht nur ergebnistechnisch weiter als Klusacek. “Ich habe mich für das erste Mal sehr gut verkauft”, bilanzierte der Debütant. Für den zweiten Newcomer-Erfolg neben Paul Ganglberger sorgte der erst 15jährige Alexander Würz. Der Junior vom UTC La Ville meisterte in der Quali zum ersten Saison-Major die Auftakthürde bravourös, und besiegte Terra-Rossa-Lady Alexandra Schrötter mit 6:3, 6:0 doch recht deutlich. Der klare Erfolg kam auch deshalb überraschend, weil Schrötter in den letzten Wochen mit wirklich starken Leistungen zu überzeugen wusste. Drei Mal überstand die 41jährige zuletzt souverän die Quali, so auch am vergangenen Wochenende beim Jänner-WTB im UTC La Ville. “Aber irgendwie ist die Partie heute an mir vorübergelaufen. Ich war nicht so sprizig wie gewohnt, und der Alexander hat ganz klug gespielt”, so Schrötter. Wer jetzt allerdings einen Motivationsverlust bei Schrötter erwartet, der irrt gewaltig. Und so wird die 41jährige schon am nächsten Wochenende beim ersten Second-Series-Turnier der Saison wieder voll angreifen.

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Tashi Liu verliert zum fünften Mal in seiner Karriere in Runde 1 des Jänner-Grand-Slam-Turniers

Die 16 Gesetzten konnten am Freitag Abend noch ihren zusätzlichen Ruhetag genießen, auf prominente Tour-Namen musste das Major-Saison-Opening am Eröffnungstag aber deshalb noch lange nicht verzichten. Ein ehemaliger Grand-Slam-Champion und ein einstiger Hallenkönig waren im Einsatz, einzig das Erfolgserlebnis blieb den beiden ehemaligen Tourstars versagt. “Mir fehlt die Spielpraxis”, urteilte Tashi Liu nach seiner 6:7, 2:6 Niederlage gegen Alexander Neuhauser. Und in der Tat scheint dem asiatischen “Wimbledonsieger der HTT” aus dem Jahre 2002 derzeit die große Form abhanden gekommen zu sein. Immerhin 6 Turniersiege und 160 Einzelerfolge konnte der mittlerweile bereits 33jährige in seiner langen erfolgreichen Karriere mit dem Höhepunkt “Rasen-Grand-Slam-Titel” einfahren. Doch heuer wartet Liu noch auf seinen ersten Matcherfolg, und so nebenbei war das Jänner-Grand-Slam-Turnier noch nie die optimale Bühne für “China-Wochen”. Zum bereits 9. Mal schlug Asiens Nummer 2 hier beim ersten Saison-Major schon auf, doch über das Viertelfinale kam Liu noch nie hinaus. Im Gegenteil: Zum bereits fünften Mal nach 2000, 2002, 2003 und 2010 rutschte der 33jährige in der ersten Runde aus. Damit verpasst Tashi auch das Zweitrunden-Duell mit der Nummer 13 des Turniers, nämlich mit dem Mai-Grand-Slam-Finalisten Udo Philipp. Auf dieses darf sich hingegen Alexander Neuhauser freuen: “Ich werde mich aber steigern müssen”, zeigte Neuhauser durchaus Respekt vor seinen kommenden Gegner.

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Jänner-Grand-Slam-Final-Held von 2004 verabschiedet sich schon in Runde 1

Am 29. Jänner 2004 war es, als die Zuschauer eines der besten und aufregendsten Final-Matches der Jänner-Grand-Slam-Geschichte zu sehen bekamen. Der damalige Tour-Dominator Patrick Schwing gewann 7:5, 1:6, 7:5, und 7:6, doch nicht minder großen Anteil an diesem bis heute legendären Endspiel hatte der knapp unterlegene Gegner. Und der hieß Thomas Valek, zu seiner besten Zeit auch Hallenkönig betitelt. Mittlerweile sind seither sieben Jahre ins Land gezogen, Valek hatte zu einem Großteil dieser Zeit seine Rackets gut verstaut und unberührt gelassen und er hat nun auch schon seine 36 Jährchen auf dem Buckel. Sieben Jahre nach seinem unvergesslichen Final-Auftritt beim Jänner-Grand-Slam 2004 kehrte “Tom” nun zurück. Und an diesem gestrigen Abend des 21. Jänner 2011 war alles anders als damals vor sieben Jahren. Nur mehr Martin Kova, Christoph Kramer, Tashi Liu, Ronald Raith und Martin Vytisk aus dem diesjährigen Teilnehmerfeld waren auch damals bei der Valek-Gala schon mit von der Partie. Damals war er einer der absoluten Topstars und die personifizierte Hoffnung auf ein Ende der Schwing-Dominanz. Und gestern? Nun da saß Valek wenige Minuten vor Spielbeginn als einer von vielen Spielern im Foyer, wartete auf seinen Einsatz für ein Runde-64-Match und verabschiedete sich beinahe unbemerkt knapp eineinhalb Stunden später von der Jänner-Grand-Slam-Bühne, auf der er 2004 noch im wahrsten Sinne des Wortes brillierte. Das 4:6, 4:6 gegen Michael Holasek bedeutete das frühzeitige Aus. Der Valek-Bezwinger hat hingegen am Freitag Abend eine “schwarze” im Vorjahr erlebte Stunde vergessen gemacht. In der Quali für das 2010er-Turnier wurde Holasek das erste Opfer einer gewissen Thea Werhahn, also jenem deutschen Fräulein-Wunder, mit dem auch Michael Kunz am Tag darauf unliebsame Bekannschaft machen musste.

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Stefan Rieger nach zwei Viertelfinalteilnahmen zuletzt, diesmal frühzeitig ausgeschieden

Was tat sich sonst noch zum Grand-Slam-Auftakt 2011? Rainer Bauer musste sich bei seinem zweiten Major-Karriere-Auftritt zum zweiten Mal in Runde 1 geschlagen geben. Dabei hatte der Terra Rossa Star die Auftakt-Begegnug mit Martin Mayerhofer lange Zeit unter Kontrolle, ehe er dem Kapellerfeld-Star den Vortritt in die zweite Hauptrunde lassen musste. 2004 und 2008 stand er im Achtelfinale, beim dritten Jänner-Grand-Slam-Start setzte es für Martin Vytisk erstmals eine Auftakt-Niederlage. Der Niederösterreicher war gegen Arek Piatek beim 2:6, 2:6 in Runde 1 chancenlos. Der Vytisk-Bezwinger kann daher auch am Samstag Abend weiter Spielpraxis sammeln. “Denn genau das ist mein Ziel derzeit. Ich bin noch nicht in Form, aber ich möchte heuer wieder angreifen”, so der 37jährige. Über einen gelungenen Major-Saison-Start durfte sich schließlich auch noch Lukas Planteu freuen. Der Kärntner warf mit Stefan Rieger immerhin den Champions-Race-Sechsten aus dem Bewerb, der zuletzt bei den beiden ersten Saison-Events jeweils das Viertelfinale erreichte. Dementsprechend enttäuscht zeigte sich der 30jährige nach dem frühen Grand-Slam-Aus. “Das ist ärgerlich, weil ich wichtige Punkte verliere. Ich hatte diesmal aber mit dem Planteu auch kein Glück bei der Auslosung”, grollte der Doppel-Masterssieger.

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Claus Lippert, 21. Jänner 2011