Titelverteidiger Alexander Scheller müht sich ins Achtelfinale des Juni-HTT-250-Turniers

Bis zu eineinhalb Stunden Rückstand hatte man sich gleich nach den ersten Matches des gestrigen zweiten Spieltages beim Terra-Rossa-Doppelpack des Pfingst-Wochenendes aufgerissen, und mit diesem einen ganzen langen und heißen Tennistag zu kämpfen. Das  erste Turnier-Weekend dieses Jahres mit sommerlichen Bedingungen dürfte ein Mitgrund für die zwischenzeitliche Verspätung des umfangreichen Tagesprogrammes gewesen sein. Was auch nicht weiter verwunderlich ist, denn mit Bedingungen wie sie am Samstag beim TC Terra Rossa in der Rosensteingasse herrschten, waren die Hobby-Tennis-Stars schon sehr sehr lange nicht mehr konfrontiert. “Sonne satt” und Temperaturen nahe an der 30 Grad Marke, das sind schon gewöhnungsbedürftige Verhältnisse wenn man bedenkt, dass man bei den HTT-French-Open vor einer Woche in der Qualifikation teilweise noch gefroren hat. So brauchten die Spieler das ein oder andere Minütchen mehr beim Seitenwechsel, und damit war so mancher Tennis-Mararthon auch schon aufgelegt. Ein Bericht von C.L

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Künstlich erzeugte ITN-Debatte schwächt sich wie erwartet weiter ab

Das im Vorfeld wieder einmal akut gewordene und den von HTT-Kritikern aufgewärmte ITN-Thema schwächt sich wie erwartet von Tag zu Tag an diesem Pfingstwochenende weiter ab. Jene Spieler die mit unverschämten “international tennis number-Werten” nach Hernals gekommen sind, haben sich bereits in Runde 1 verabschiedet, was wiederum die Verfasser der anonymen Mails daheim an ihren Laptops in eine scheinbare Schockstarre versetzt hat. Vor Ort war das Thema weitaus “smarter” abgehandelt worden. Dort argumentierte man seitens einzelner Spieler, dass es eine “Prinzipsache” wäre, die vorgegebenen ITN-Grenzen einzuhalten. Genau weil in unserer Sportart aber überall nach Prinzip gehandelt und gearbeitet wird, ist Tennis – auch wenn es viele nicht wahr haben wollen, in vielen Bereichen eine Randsportart. Es war schon immer so, und muss immer so bleiben und weitergehen, unter diesem Motto wird vieler Orts im Tennis gehandelt und gearbeitet. Das mag auch jeder für seinen Club oder sein veranstaltetes Turnier so handhaben wie er möchte, aber auf der Hobby-Tennis-Tour laufen die Uhren anders. Hier setzt man Richtlinien außer Kraft, wenn sie nicht zeitgemäß sind, wenn sie hinderlich sind, dass sich der Tennissport – den wir angeblich doch alle so lieben – nicht entfalten kann. Dabei geht es aber immer zum Wohle der Spieler und des Turniers! Den heiligen ITN-Aposteln und den Berufs-Querulanten sei damit an dieser Stelle zum 873.942 Mal erklärt. Der ITN auf der Hobby-Tennis-Tour ist Richtwert und keine in Stein gemeiselte Grenzmarke. Um auf 250er-Ebene zu bleiben: Ein Spieler mit ITN 4,500 ist nicht stärker oder schwächer als ein Spieler mit ITN 4,499. Es gab in der Vergangenheit auch schon Fälle, wo man Teilnehmer mit ITN 4,8 nicht zugelassen hat, weil sie mit falschem ITN durch die Lande laufen und weitaus stärker sind als 4,5. Andererseits können Spieler auch mit Formschwierigkeiten kämpfen oder nach Verletzungen zurück kommen, und mit 4,3 nicht annähernd konkurrenzfähig sein. Ein bißchen Flexibilität schadet uns allen nicht!

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Kommen wir nun aber zu den sportlichen Ereignissen des zweiten Spieltages beim 14. Juni-HTT-250-Turnier “auf Terra Rossa”. Titelverteidiger Alexander Scheller hatte große Mühe, um den Kärntner Comeback-Star Christian Geiger (erstmals seit November 2012 wieder im Tour-Einsatz) nach zweieinhalb Stunden Spielzeit in drei Sätzen niederzuringen. Der 4fache Titelträger und hier beim Juni-HTT-250-Turnier als Nummer 1 gesetzte Wiener, bezwang am Centercourt des TC Terra Rossa einen zuletzt häufig verletzten Olympia-Silbermedaillen-Gewinner von 2008 mit 1:6, 7:5, 6:2, und trifft nun im Achtelfinale auf den nächsten Kärntner, nämlich auf den Olympiasieger von 2008 Christoph Mayer. Der 29jährige aus Treffen verlebte einen gemütlichen oder vielleicht sogar langweiligen Tennistag bei seinem Saison-Debüt auf der Hobby-Tennis-Tour. Im Single überließ er seinem beherzt und couargiert kämpfenden aber letztlich chancenlosen Quali-Gegner Raffael Gruber je ein Ehrengame pro Satz, insgesamt war Mayer in seinem 85. Karriere-Match aber wie erwartet ungefährdet.

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Alexander Barbunopulos schickt ehemaligen Terra-Rossa-Star Rares Maftei  mit 6:1, 7:5 nach Hause

Aus heimischer Sicht der Rothemden vom TC Terra Rossa gab es am zweiten Spieltag eine ausgeglichene Matchbilanz zu analysieren. Zunächst sorgte Alexander Barbunopulos mit einem 6:1, 7:5 Sieg über den 2fachen Terra-Rossa-Sieger Rares Maftei für die positive Überraschung des Tages. Einem klaren ersten Satz – in dem der Lokalmatador mit einer richtig starken Leistung zu überzeugen wusste – kam eine Zittergeschichte in Durchgang 2 hinzu, in der sich “Barbu” letztlich über die Distanz rettete. Derweil muss Rares Maftei nach seiner Niederlage gegen den Ex-Mannschaftskollegen weiter auf seinen 115. Karriere-Einzelerfolg und den ersten Sieg in dieser Saison warten. Der mit 7 Titeln noch immer erfolgreichste internationale Spieler der Open Ära ist nach seiner langen Pause weiterhin meilenweit von seiner einstigen Topform entfernt. Sein Auftritt am Samstag Nachmittag war aber indes sicher eine sehr emotionale Angelegenheit. Denn es war nicht nur eine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte TC Terra Rossa, in der er Meisterschaft spielte und 2 Mal den Clubmeistertitel eroberte. Nein, die rote Asche hoch droben in der Rosensteingasse war auch immer ein guter Boden wenn die Hobby-Tennis-Tour hier gastierte. Insgesamt 2 Mal trug der 32jährige Rumäne hier den Titel davon, und zwar beim August-HTT-150-Turnier 2011 und  auch noch beim Oktober-HTT-250-Turnier 2012, womit er für zwei der insgesamt drei Terra-Rossa-Heimsiege verantwortlich zeichnete.

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Lokalmatador und Geburtstagskind Andreas Makovich muss sich dem stark spielenden Tour-Debütanten Patrick Malik klar geschlagen geben

Nichts wurde es hingegen mit dem erhofften Erfolgserlebnis “daheim” für Andreas Makovich. Das Geburtstagskind, Makovich wurde am Spieltag 41 Jahre alt, war wohl nicht “ganz fit” in sein Auftakt-Duell mit Tour-Newcomer Patrick Malik gegangen. Und weil der “Neue” richtig starkes Tennis auf den “kleinen Centercourt” des TC Terra Rossa zauberte, wurde es nicht mit dem selbstgemachten Geburtstagsgeschenk des Andreas M. Der 16jährige Sieger könnte im Achtelfinale übrigens gleich dem nächsten Lokalmatador gefährlich werden, steht doch am Sonntag Nachmittag das Duell mit Maftei-Bezwinger Alexander Barbunopulos an.

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Tour-Neuling Lukas Ruf mit knappem Dreisatzsieg über Thomas Janzso, Thomas Lenzinger in zwei Sätzen im Achtelfinale, Jungstar Wurzer mit der Doppel-Null und Gerald Marhold gewinnt Hitze-Schlacht gegen Thomas Vytesnik

Was tat sich sonst noch am zweiten Spieltag des 14. Juni-HTT-250-Turniers? Lukas Ruf, 17jähriger Tour-Debütant aus dem Burgenland, feierte in einer offenen und teilweise sehr starken Partie einen 6:3, 2:6, 7:5 Erfolg über Thomas Janzso. Der Neuling kämpfte sich nach 0:3 Rückstand im ersten Satz zurück und mit 6 Games in Folge zur 1:0 Satzführung, ehe er im zweiten Heat von einem glänzend disponierten und großartig servierenden Thomas Janzso phasenweise vorgeführt wurde. Allerdings zeigte der Neuling Moral, und kämpfte im alles entscheidenden dritten Satz den mit Magenkrämpfen hadernden Gegner doch noch mi 7:5 nieder. Im Achtelfinale trifft Ruf auf Benjamin Knapp, der knapp über drei Stunden lang mit Kampfmaschine Peter Baumann zu tun hatte, ehe er einen 6:3, 6:7, 6:3 Sieg unter Dach und Fach gebracht hatte. Weitaus schneller buchte Thomas Lenzinger sein Ticket für das Juni-HTT-250-Achtelfinale. Der Routinier vom Floridsdorfer TV knackte Sascha Platzer mit 6:4, 6:1, und ist nun hieß auf ein mögliches Achtelfinal-Treffen mit Lokalhero Andreas Tolunay. Still und leise, so wie er sich auch außerhalb des Platzes präsentiert, stürmte derweil Mai-HTT-150-Champion Matthias Wurzer in die zweite Runde. Der junge Niederösterreicher vom TK Big Point Muckendorf deklassierte Wolfgang Edtstadler mit der Doppel-Null, und könnte nun im Achtelfinale auf Doppel-Masterssieger Markus Krach treffen. Einen Fight auf Biegen und Brechen haben sich schließlich noch Gerald Marhold und Thomas Vytesnik geliefert, die nach über zweieinhalb Stunden schweißtreibender Tenniskunst den 2er-Court des TC Terra Rossa für die nächste Partie frei machten. Davor hatten beide Akteure alles in die Waagschale geworfen. Vytesnik stand am Ende dicht vor dem Sieg, servierte zum 6:5 im dritten Satz, ehe sich der amtierende Challenger-Tour-Final-Champion bei seinem 149. Turnierstart mit 6:4, 5:7 und 7:5 durchgesetzt hatte.

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Future-Tour-Stars “unschuldig” am verzögerten Turnierprogamm des 2. Spieltages

Für die teilweise über eineinhalb Stunden Rückstand während des zweiten Spieltages “auf Terra Rossa” hatten Beobachter vor Ort rasch den Grund ausgemacht. “Es ist doch ein Future-Turnier, da ist der Rückstand logisch”, äzte man draußen im Publikum, doch die Stars beim gleichzeitig stattfindenden Juni-Future-Turnier hatten diesmal mit der Verzögerung nichts zu tun. Wie auch? Patrick Weisz demolierte Lokalmatador Wolfgang Zissler mit 6:1, 6:0, Norbert Spanninger und Michael Kenn benötigten für ihre am Vorabend abgebrochenen Matches in der Fortsetzung jeweils kurzweilige 20 Minuten, und auch Robert Rother (6:0, 6:3 Sieger über Christoph Eigenseder) und Thomas Mund (6:1, 6:4 Gewinner über Ondrej Dostal) belasteten das Zeitmanagement des Turniers nicht wirklich. Auch Manfred Ader, der gegen den Schweizer Mirko Jovanovic mit 6:1, 6:3 die zweite Runde souverän erreichte, sorgte rasch für Entlastung des Turnierprogramms. Einzig die Herren Robert Grünwald und Sascha Mörth überschritten mit ihrem Erstrunden-Auftritt die durchschnittliche Dauer eines Tennis-Matches. Und das gleich erheblich, denn der Comebacker Robert Grünwald (war erstmals seit November 2010 wieder im Einsatz auf der Hobby-Tennis-Tour) und der Debütant Sascha Mörth lieferten sich eine wahre Hitze-Schlacht am “6er”, die Grünwald in zwei Sätzen hätte gewinnen können, ehe sein erst 13jähriges Gegenüber mit ganzer Kampfkraft und einem gewonnenen Tie-Break in Durchgang 2 die Wende schaffte. Am Ende jubelte Mörth über einen 2:6, 7:6, 6:1 Sieg, der ihm ein motägiges Achtelfinal-Treffen mit dem Sieger der Partie Skryzpek gegen Huber bescherte.

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Milan Stojkov freut sich über gelungenen Auftakt zu seinem 90. Karriere-Turnier

Während beim Juni-HTT-250-Turnier die Chancen auf einen Heimsieg der Terra-Rossa-Cracks noch voll intakt sind, muss man aus heimischer Sicht die Hoffnungen auf einen Erfolg beim Juni-Future-Turnier schon nach dem zweiten Spieltag begraben. Nach Wolfgang Zissler setzte es nämlich auch für den debütierenden Andreas Mauer vom Gastgeberverein ein frühes Auftakt-Aus. Der 46jährige unterlag dem Serben Milan Stojkov nach früher 3:0 Führung mit 3:6, 1:6, womit sich die serbische Nr. 116 der HTT-Computer-Rangliste über einen gelungenen Start in sein 90. Karriere-Turnier freuen durfte.