Sandplatzkönig Peter Klager stürmt zur erfolgreichen HTT-French-Open-Titelverteidigung

“Le roi est mort, vive le roi” – zu Deutsch “der König ist tot, es lebe der König”! TWR-21-Star Peter Klager ist und bleibt weiterhin unumschränkter Tenniskönig der HTT-French-Open im UTC La Ville. Der 21jährige sicherte sich am Mittwoch Abend nach seinem im Vorjahr errungenen Triumph zum zweiten Mal in Serie den Sieg beim wichtigsten Sandplatz-Turnier der Szene. Der Titelverteidiger bezwang im Endspiel den amtierenden Tour-Final-Champion Philipp Schneider in einer Neuauflage des letztjährigen Mastersfinales nach exakt 2:15 Stunden Spielzeit mit 7:5, 6:3, 6:4 und stürmte so zur ersten erfolgreichen HTT-French-Open-Titelverteidigung seit 8 Jahren. Zuletzt war Bernhard Nagl in den Jahren 2005 und 2006 das Kunststück von zwei Mai-Grand-Slam-Erfolgen in Serie gelungen. Bei den HTT-French-Open ist Peter Klager mit 12:0 Siegen weiterhin ungeschlagen, und der neuerliche Triumphator fixierte zudem im 10. Finale seiner bislang so erfolgreichen Laufbahn seinen insgesamt 5. Karriere-Titel. Einziger Wehmutstropfen an einem ansonsten triumphalen Abend ist wohl der Verlust der Nr. 1 Position in der HTT-Computer-Rangliste, die seit Donnerstag Früh der unterlegene Philipp Schneider als insgesamt erst 20. Spieler der Open Ära seit 1990 anführt. Ein Bericht von C.L

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Mit einer Stunde Verspätung ging vor bummvollen Rängen das Traumfinale beim 23. Sangenor-Sport-Mai-Grand-Slam-Turnier über die Bühne

Es hatte ein bißchen was von Nervenkrieg, dem die beiden Finalisten beim 23. Sangenor Sport Mai Grand-Slam-Turnier im UTC La Ville vor dem “Spiel des Jahres” ausgesetzt waren. Knapp eine Stunde musste man warten, ehe das “Vorprogramm” eines Senioren-Singles über die Bühne gegangen war, und die Stars des Abends endlich ihren Auftritt am Centercourt des La Ville hatten. Die Terrasse am Dr. Karl Waltl Weg war proppenvoll, und damit hatte das wichtigste Endspiel der Hobby-Tennis-Tour auch einen mehr als würdigen Rahmen. Und würdige Protagonisten unten auf dem Platz sowieso, standen sich doch mit Peter Klager und Philipp Schneider die Nummern 1 und 2 der Setzliste gegenüber, übrigens zum ersten Mal seit 2005, als sich Bernhard Nagl und Martin Kova um die HTT-Sandplatz-Krone duellierten. Und die beiden HTT-Topstars hatten an diesem herrlich milden, sonnigen und windstillen Mittwoch Abend ein sportliches Rendevouz in einer noch nie dagewesenen und irgendwie auch skurrilen Konstellation, die durchaus auch Brisanz in dieses neue Super-Duell der HTT brachte. Unabhängig vom Ausgang dieses Finales musste der als Nummer 1 angereiste Peter Klager ja seinen seit 25. November 2013 okkubierten Ranglisten-Thron nach exakt 190 Tagen räumen, und seinem Finalgegner abtreten. Vor dem Spiel gingen die Meinungen der sogenannten Experten bezüglich Ausgang des 23. Endspiels beim Mai-Grand-Slam-Turnier auseinander. Schneiders halbfinaler Triumph in einer epischen Tennisschlacht über den megastarken Martin Zehetner hatte mächtig Eindruck gemacht im Circuit, während Klagers fünf Etappen umfassender Finaleinzug ohne Satzverlust und mit nur 15 abgegebenen Games eher dazu führte, dem Titelverteidiger die Wiederholung seines Vorjahres-Coups eher nicht zuzutrauen.

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Masterssieger Philipp Schneider läßt 3:0 Blitzstart-Führung aus, und muss den ersten Satz schließlich mit 5:7 abgeben

Und genau diese Skeptiker sahen sich dann zu Beginn des ersten Satzes wohl auch bestätigt, als Klager nach nur 10 gespielten Minuten mit 0:3 zurücklag, sich mit 4 Doppelfehlern zwei Breaks eingefangen hatte, und mit 3 gewonnenen Punkten aus 15 gespielten Ballwechseln wie ein Häufchen Elend über den Platz lief. Eines der beiden Breaks holte sich Klager gleich im folgenden Aufschlagspiel eines mit Eigenfehlern ganz und gar nicht geizenden Philipp Schneiders retour, während der Masterssieger das zweite Break bis fast ans Satzende transportieren konnte. Just beim “Zumachen” von Satz 1 aber begann Schneider wieder zu patzen, und zwar von seiner “schwächeren Seite” der Vorhand. Dazu packte Klager beim Breakball eine Super-Slice-Rückhand aus, und so war der erste Durchgang wieder völlig offen. Wobei, irgendwie hatte man draußen im Publikum sitzend das Gefühl, mit dem 5:5 hätte das Match seine Wende erfahren. Schneider hatte einen 3:0 Vorsprung verjuxt, und längst mit körperlichen Problemen zu kämpfen. Nun wäre es nicht so gewesen, dass sich Schneider mühsam über die rote Asche des UTC La Ville quälte oder gar am Rande einer Aufgabe gewandelt wäre, aber in Sachen “Frische & Spritzigkeit” spürte die Neo-Nummer 1 längst, dass es ein ganz schwieriger Abend werden würde, den topfiten Peter Klager in die Schranken zu weisen. Mental wurde die Aufgabe in diesem Augenblick für Schneider wohl zu einer Art “Expedition in unerreichbare Höhen”. Zumindest im Finish des ersten Satzes, hatte Schneider nichts mehr zuzusetzen. Nur einer von acht ausgespielten Punkten ging an den Zehetner-Bezwinger, der damit nach 41 Minuten den ersten Heat mit 5:7 verloren hatte.

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Nach 3:1 Führung im zweiten Satz war bei Schneider “Schicht im Schacht”

Zu Beginn des zweiten Satzes hatte Klager dann wieder seine obligaten Aussetzer, die er sich immer wieder in den Anfangsphasen leistet. Wieder kassierte er gleich im Auftakt-Game ein Break, neuerlich lag er kurz darauf 0:2 zurück, und wenn Schneider einen seiner zwei Break-Bälle zum möglich 3:0 genützt hätte, dann hätte dieses Finale womöglich doch noch eine Kurskorrektur erfahren. Doch Schneider schaffte es in diesem zweiten Durchgang nur mehr, nach Abwehr von drei Break-Chancen sein Aufschlagspiel zum 3:1 zu halten, danach war “Schicht im Schacht”. Der 34jährige musste längst seinem richtig harten Vorrunden-Programm und dem kräfteraubenden Semifinale Tribut zollen, und stand mit schweren Beinen gegen einen leichtfüssigen Gegner bald auf verlorenem Posten. Klager holte sich 11 Punkte in Folge, die Games zum 2:3 und 3:3 zu Null, und kurz darauf auch den zweiten Satz nach 45 gespielten Minuten mit 6:3.

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Klager holt nach Break-Orgie auch den dritten und entscheidenden Satz

Das Schlüsselgame des dritten und letzten Satzes war wohl jenes zum 2:1 für Klager, nachdem Schneider 14 Minuten lang vergeblich kämpfte, seinen Aufschlag zu halten, und nach drei vergebenen Spielbällen das Break zum 1:2 kassierte. Es war letztlich nicht das Break an sich – immerhin ließen die beiden Tour-Stars gleich noch vier weitere Aufschlagverluste in Serie folgen – sondern der null Erfolg bringende Kraftaufwand, der einem Spieler mit 0:2 Satzrückstand in einem Best of Five Match natürlich auch mental zusetzt. Ergebnistechnisch war letztlich das Break zum 4:3 das entscheidende, denn danach gings wieder mit dem Aufschlag, und damit hin zum Klager-Triumph in weiteren 48 Minuten mit 6:4. Mit einem sensationellen Stoppball zum 40:15 – der das Publikum draußen zu Begeisterungsstürmen hinriß, lieferte Klager noch einen abschließenden Höhepunkte, ehe Schneider bei 40:30 und bezeichnender Weise mit seiner Vorhand “durchrepetiert”, und mit einem Outball nach exakt 135 Minuten den 7:5, 6:3, 6:4 Sieg seines Widersachers fixiert.

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Philipp Schneider: “Mir fehlten heute Spritzigkeit und Killerinstinkt”

Das erste Grand-Slam-Finale seiner Karriere war also alles andere als nach Wunsch verlaufen. Mit müden Beinen, und 80 unforced errors, steht man gegen jeden halbwegs starken Gegner vor Problemen, steht drüben auf der anderen Seite des Netzes aber Peter Klager, dann sind dieses Probleme unlösbar. So sah das auch der unterlegene Finalist, der in seinem 8. Karriere-Endspiel die zweite Niederlage einzustecken hatte, und im Head to Head mit seinem Bezwinger nun 1:4 zurückliegt. “Es ist natürlich einerseits schon sehr enttäuschend, das jetzt mein erstes Grand-Slam-Finale und meine erstes Mal Best of Five in drei Sätzen gegen mich zu Ende ging. Das ist schon sehr enttäuschend. Andererseits ist es folgerichtig, denn der Peter war heute einfach der bessere Spieler. Ich habe es schon gestern nach dem anstrengenden Semifinale gegen Martin Zehetner befürchtet, das ich es körperlich bis zum Finale nicht hinkriegen werde. Und so ist es dann leider auch gekommen. Das ich 3:0 im ersten Satz führte, lag eher nur am ganz schlechten Start von Klager. Mir hat es heute ganz einfach an Spritzigkeit und dem nötigen Killerinstinkt gefehlt. Vorallem nach meiner 5:3 Führung im ersten Satz, habe ich extrem viele Fehler gemacht. Allerdings habe ich bis zum Schluss daran geglaubt, dieses Match doch noch drehen zu können”, analysierte Schneider sein finales Major-Debüt.

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“Ich bin sehr stolz, die neue Nummer 1 der Hobby-Tennis-Tour zu sein”

“Der Finaleinzug und das Erreichen der Nummer 1 sind aber wirklich großartig. Man muss ja auch ehrlich sagen, dass im Verlauf des Turniers sehr viel für mich gelaufen ist, um überhaupt hier ins Endspiel zu kommen. Punkto Fitness kann ich mir nicht viel vorwerfen. Das Semifinale war unmenschlich, und somit war es fast schon unrealistisch, einen fiten Peter Klager zu bezwingen. Irgendwann kommt halt eine Grenze”, so der neue Ranglisten-Erste, der zu seiner “Eins” auch noch kurz Stellung nahm. “Das Ziel Nr. 1 der HTT zu werden wollte ich heuer unbedingt erreichen. Das es jetzt schon funktioniert hat, und vorallem mit dem “Wie” in diesem Turnier macht mich sehr zufrieden. Im Achtelfinale gegen Jaschke war ich schon weg, und das Semifinale gegen Zehetner war ein Wahnsinnsmatch! Ich bin sehr stolz das geschafft zu haben, und vorallem auch sehr erleichtert darüber. Sonst wäre ich vielleicht nie die Nummer 1 der HTT geworden, man weiß ja schließlich nie”, so der neue HTT-Branchen-Primus.

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 HTT-French-Open 2014 hatte mehrere Gewinner

Die gesamte Anspannung von sieben aufregenden und anstrengenden Turniertagen in den Himmel über Altmannsdorf geschrien, ein freudiger Luftsprung und eine herzliche Umarmung mit Philipp Schneider am Netz hinter sich gebracht, setzte für den alten und neuen HTT-French-Open-Champion zunächst einmal die große Gratulationstour ein. Eine innige Umarmung mit der Mama, die über zwei Stunden lang auf der Terrasse hoch über dem Centercourt mitzitterte und mitfieberte, und viele geschüttelte Hände von Zuschauern und Mitspielern folgten, ehe der 2fache Mai-Grand-Slam-Champion zur Siegerehrung schreiten konnte, und dort den leicht “eingedepschten” Goldpokal – die Trophäe war bei einem Autounfall des Veranstalters unmittelbar vor dem Endspiel beschädigt worden – in Empfang nehmen konnte. Mit einer Doppel-Magnumflasche feierten die beiden Finalisten dann noch einen großen Tennisabend als Abschluss des zweiten Saison-Grand-Slam-Turniers im La Ville, der genaugenommen mehr als einen Sieger brachte. Es gab mehrere Sieger an diesem verlängerten Weekend! Klager der Sieger des Turniers, Schneider ist die neue Nummer 1, und insgesamt war das Breitensport-Tennis mit 92 Spielern in einem aufregenden Turnier auch ein Sieger. Nach der intensiven Champagner-Dusche ging es noch ins HTT-TV-Studio, wo die digitalen Medien befriedigt werden mussten, ehe Klager dann auch noch die schreibende Zunft bei der abschließenden Pressekonferenz beehrte.

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Klager gewinnt als erster Spieler seit 13 Jahren die HTT-French-Open ohne Satzverlust

Und logischer Weise war der 21jährige nach einem weiteren ganz großen Triumph in seiner Karriere überglücklich. Als erster Spieler seit 2006 (Bernhard Nagl) schaffte Klager wieder eine erfolgreiche Titelverteidigung bei den HTT-French-Open. Er ist bei diesem Turnier mittlerweile bereits seit 12 Spielen ungeschlagen, und was noch als weiterer Beweis seiner Extraklasse auf Sand dient, ist der Umstand, dass Klager als erster Spieler seit 13 Jahren (Martin Kova in der Saison 2001) das größte und wichtigste Sandplatz-Turnier des Jahres ohne Satzverlust für sich entscheiden konnte. “Das ist alles ziemlich cool. Es war schon wirklich verdammt schwer, aber einfach lässig hier zu gewinnen. Mein Sieg heute zeigt aber auch, dass die Meinung vieler sogenannter Experten nicht immer stimmen muss, wenn neue starke Spieler auf die Tour kommen. Dem Philipp und mir hat man wenig Chancen auf einen Titelgewinn eingeräumt, alle haben nur davon geredet wie sicher Zehetner, Brabec und wie sie alle heißen hier gewinnen werden. Man kommt hier nicht her, und kann so einfach einen Titel mitnehmen. Die aktuellen Topsieler die ganz vorne in der Rangliste stehen, haben einfach ein sehr gutes Niveau. Schlecht sind wir nicht, und man muss uns zuerst einmal schlagen. Den Titel zu holen, war alles andere als leicht bei dieser extrem guten Besetzung”, so der erfolgreiche Titelverteidiger.

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 “Ich habe einen verdienten und würdigen Nachfolger als Nummer 1”

Angesprochen auf seine 12 Matches umfassende Siegesserie bei diesem Turnier meinte der designierte Sandplatzkönig: “Ich bin in jedem Match das ich spiele sehr motiviert. Das hat nichts mit dem Turnier an sich zu tun, aber Sand ist natürlich ganz klar mein absoluter Lieblingsbelag”. Und zum Finale selbst stellte Klager fest: “Ich hatte heute keinen Matchplan. Es hängt in so einem Spiel einfach so viel von der Tagesverfassung ab. Und ich wusste, für den Philipp wird es extrem schwer, durch sein hartes Semifinale und auch sonst hatte er das viel anstrengendere Programm als ich. Das war ganz sicher ein Vorteil für mich. Der Start ins heutige Match war natürlich eine einzige Katastrophe. Das passiert mir derzeit leider ziemlich oft”, konstatierte die neue Nummer 2. Ein Schluss-Statement kam dann noch zu seinem Nachfolger Philipp Schneider: “Ich habe einen verdienten und würdigen Nachfolger als Nummer 1. Für mich ist der Verlust der Spitzenposition kein Problem. Ich wollte im Vorjahr Nr. 1 werden, und das ist mir gelungen. Heuer ist mein Ziel das Erreichen des Masters, und ich denke ich bin auf einem guten Weg dorthin”. “Anmerk. der Red.: Im der Jahreswertung “Race to La Ville” ist Klager mit seinem Sieg bei den HTT-French-Open mit 140 Punkten Vorsprung auf Philipp Schneider in Führung gegangen. Spannend und ehrlich war dann noch Klagers Antwort auf die Frage, worin denn nun die Triebfeder für seinen heutigen Erfolg über Schneider lag. “Es war nicht wie viele glauben, dass er mir die Nummer 1 abgenommen hat. Nein, es war vielmehr das verlorene Mastersfinale am letztjährigen Saisonende. Diese Niederlage tut noch heute weh, und dafür wollte ich Revanche”. Und die ist ihm ja bekanntlich auch gelungen!

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