Mayer-Bezwinger und Geheimfavorit Stephan Brabec mit Aus im Achtelfinale

Topfavorit Martin Mayer nach 16 Siegen in Folge mit der ersten Saisonpleite in Runde 2 der HTT-French-Open ausgeschieden, natürlich war das die Topmeldung des vierten Spieltages bei der 23. Auflage des Sangenor Sport Mai Grand Slam Turniers 2014. Doch auch sonst gab es wieder jede Menge hochklassiges Tennis und einen insgesamt sehenswerten weiteren Tennistag am Altmannsdorfer Ast zu bestaunen. Die beiden sich im Kampf um die Nummer 1 duellierenden Rivalen Peter Klager und Philipp Schneider “glänzten” mit unterschiedlichen Leistungen, Tour-Newcomer Martin Zehetner und Kitzbühel-Sieger Damian Roman spazierten ins Viertelfinale, und auch Mai-Masters-Series-1000-Champion Fabian Mayrhuber kann nach seinem Sieg im WAC-Club-Duell mit Nikolaus Kremser weiterhin vom Erreichen seines sportlichen Lebenszieles träumen. Die Zusammenfassung zu Spieltag 4 gibts hier von C.L

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Mathias Wagner sorgt mit Sieg über Mayer-Bezwinger Stephan Brabec für die erste Sensation und eine Super-Story am Rande des Turniers

Es ist wieder einmal eine dieser herrlichen – weil so kuriosen – Geschichten, die die Hobby-Tennis-Tour geschrieben hat. Martin Mayer, Coach in der Tennisschule Norbert Richter muss am späten Nachmittag des vierten Spieltages bei der 23. Auflage des Sangenor Sport Mai Grand Slam Turniers gegen Tour-Debütant Stephan Brabec eine bittere 2:6, 5:7 Niederlage einstecken, und damit erstmals in diesem Jahr den Court als Verlierer verlassen. Eine Runde später im Achtelfinale versucht  mit Mathias Wagner ein Schüler des heuer so erfolgreichen Tennislehrers aus dem Tullner Land, den debütierenden Geheimfavoriten vom TC Kalksburg in die Schranken zu weisen, mit geringen Aussichten auf Erfolg, zumindest wenn es nach Martin Mayer und den Insidern der HTT-Szene ging. Knapp vor 22 Uhr war sie dann aber plötzlich doch perfekt, die erste echte Sensation der heurigen HTT-French-Open im UTC La Ville. Die Nummer 9 des Turniers Mathias Wagner wirft Stephan Brabec mit 7:6, 6:4 aus dem Turnier, und steht damit so wie im vergangenen Jahr wieder im Viertelfinale des Sandplatz-Klassikers am Altmannsdorfer Ast. Wagner legte nach seinen Auftaktsiegen über Hans Kunst und Martin Kova furios los, wohl auch wissend, als krasser Außenseiter gehandelt, hier maximal überraschen zu können. Und diese Rolle lag dem 23jährigen perfekt, der rasch 5:2 führte, ehe das Duo aufgrund eines Flutlicht-Problems den Court wechselte. Diese Situation nützte Brabec mit 8 in Folge gewonnenen Punkten, um zurück ins Match zu finden und den Tie-Break zu erreichen, den Wagner dann aber souverän mit 7:3 für sich entschied. Im zweiten Heat zog Wagner grandioser Weise mit 5:1 davon, während Brabec müde wirkte und den Strapazen des zuvor ausgetragenen Duells mit Martin Mayer Tribut zollen musste. Ein bißchen Nervosität kam bei Wagner dann noch auf, als es galt, die Sensation auch perfekt zu machen, und das Match zu finalisieren. Brabec kam mit drei in Serie gewonnenen Games noch auf 4:5 heran, ehe Wagner ein elends langes letztes Aufschlagspiel durchbrachte, und mit dem zweiten Matchball die große Überraschung fixierte. “Ich freue mich riesig über diesen Erfolg. Das hat mir wohl niemand zugetraut”, strahlte der Sieger, während der von vielen Mitspielern als absoluter Topfavorit gehandelte Stephan Brabec als höchst fairer Verlierer zur Kenntnis nehmen musste, dass auf der Hobby-Tennis-Tour die Trauben selbst für richtig stark spielenden Newcomer extrem hoch hängen. “Ich bin leider sehr müde geworden, das war am Ende entscheidend”, analysierte der 32jährige vom TC Kalksburg.

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Martin Zehetner degradiert die Gegnerschaft zu bemitleidenswerten Randfiguren

Ein anderer Newcomer schleicht sich derweil “still und heimlich” in jene Sphären des Sangenor-Sport Mai-Grand-Slam-Turniers vor, wo es richtig interessant wird und jdes Match in der HTT-Öffentlichkeit eine enorme Wahrnehmung erfährt. Martin Zehetner hat auf seinem drei Matches umfassenden Weg ins Viertelfinale erst 5 Games abgegeben, und dabei den frischgebackenen Mai-HTT-250-Sieger Robert Gravogl, den an Nr. 4 gesetzten Alexander Scheller und Vorjahresfinalist Markus Kurzemann deklassiert. Eigentlich hat der 33jährige vom TC Deutsch Wagram die chancenlose Gegnerschaft degradiert, und zwar zu Statisten und bemitleidenswerten Randfiguren des größten und wichtigsten Turniers des Jahres. Alexander Scheller wehrte sich vielleicht noch mit dem ein oder anderen “Super-Schuss” von der Grundlinie, doch was Markus Kurzemann als Vorjahresfinalist im Achtelfinale auf dem Centercourt zum Besten gab, war eines ehemaligen Ranglisten-Ersten mehr als unwürdig. Am Ende im letzten Game wurde eines der dunkelsten Kapitel der Kurzemann-Karriere sogar noch “pechschwarz”, zog er sich doch laut Diagnose des AKH einen Muskelfaserriss zu. Auf diesem Weg wünschen wir gute Besserung.

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Kitzbühel-Sieger Damian Roman für Viertelfinal-Kracher mit Martin Zehetner bereit

Im ersten Viertelfinale der heurgien HTT-French-Open könnte es für Martin Zehetner aber erstmals im Verlauf dieses Turniers ernst werden. Denn dort in der Runde der letzten Acht wartet mit HTT-US-Open-Champion und Kitzbühel-Sieger Damian Roman ein echtes Kaliber, das seinerseits in drei Matches sogar erst 3 Games abgeben musste. In seiner achtelfinalen Turnübung – denn mehr war es nicht – feierte der 32jährige Rumäne gegen die Nummer 12 des Turniers Andreas Tolunay einen 6:0, 6:2 Sieg und damit den 13. HTT-Einzelerfolg in Serie.

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Englands Nr. 1 Adam Goodsell stoppt den Erfolgslauf von Altmeister Mario Kiss

Nach Siegen über Michael Schwärzli und Nemanja Dejanovic hat Altmeister Mario Kiss im Achtelfinale seinen Bezwinger gefunden. Der Mai-Grand-Slam-Champion von 2008 musste sich in der Runde der letzten 16 der britischen Nummer 1 Adam Goodsell mit 2:6, 4:6 geschlagen geben, und haderte mehrfach über die Verhältnisse am Centercourt. Als übrigens einziger der Topspieler, die sich ansonsten höchst angetan von den Bedingungen im UTC La Ville äußerten. Sei es drum, für Kiss waren die heurigen HTT-French-Open gar kein so schlechtes Turnier. Ohne Erwartungshaltung und ohne der großen Form aus seiner Glanzzeit, machte der 35jährige vom TC Donaufeld das Beste, und holte mit dem Erreichen des Achtelfinales das Maximum heraus.

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Der HTT-French-Open-Champion von 2011 Victor Stabrawa schickt Spaniens Topstar Ignacio Martin auf die Heimreise und schickt sich an, wieder einmal zu einem großen Coup auszuholen

Die Experten, Insider, Szenekenner und Mitspieler handeln täglich die Favoriten des Mai-Grand-Slam-Turniers wie “Börsianer die aktuellen Aktienkurse”. Da fallen Namen wie Martin Zehetner, Damian Roman, Stephan Brabec, Peter Klager und Philipp Schneider, von einem der einst die Sandplatz-Szene der HTT in famoser Art und Weise beherrschte, reden sie aber kaum. Im Viertelfinale steht er trotzdem, und das beim 4. Antreten hier bereits zum 2. Mal. Victor Stabrawa, Topstar von WAT Ottakring ist wieder heiß auf einen großen Titelgewinn! Es wäre übrigens bereits sein dritter Major-Erfolg nach seinem HTT-French-Open-Sieg 2011 und dem “HTT-Australian-Open-Triumph im Jahr 2013. Und die Gegnerschaft wäre gut beraten, wenn sie den 22jährigen Wiener auf ihrer Rechnung hätten. Denn sonst könnte es ein böses Erwachen geben, zumal sich der 2fache Major-Champion schon wieder recht erfolgsbringend an den Grundlinien der sandigen Courts des UTC La Ville eingenistet hat. Weit hinter der Grundlinie schaufelt der Jungstar seine Topspinbälle ins gegnerische Feld, und wartet dort auf Fehler der Gegner, die nicht wirklich dazu im Stande sind, richtig druckvoll auf das Tennis des HTT-French-Open-Gewinners von 2011 antworten zu können. Im Achtelfinale drückte Stabrawa auch Spaniens HTT-Topstar Ignacio Martin aus dem Bewerb, der damit als tradionell auf Sand so stark geltender Spanier, auf der roten Asche im rot-weiss-roten Österreich weiter überhaupt nicht zurecht kommt. Nach dem Erstrunden-Aus im Vorjahr war das Erreichen des Achtelfinale zwar schon eine Steigerung, für die Ansprüche des Ranglisten-Siebenten aus Madrid ist das aber entschieden zu wenig.

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Fabian Mayrhuber gewinnt achtelfinales WAC-Duell gegen Nikolaus Kremser, und träumt weiter vom Erreichen seines sportlichen Lebenszieles

“Ich glaube das Mai-Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, ist das Größte was ein Spieler auf der Hobby-Tennis-Tour erreichen kann”, umschrieb Fabian Mayrhuber in einem seiner unzähligen Interviews einmal seine ganz große sportliche Sehnsucht. In jedem Fall ist der Gewinn des “French Open-Titels der HTT” der große sportliche Lebenstraum des Fabian Mayrhuber, der sich bislang bei fünf Versuchen noch nie erfüllte. Im Gegenteil: Die Mission “Mai-Grand-Slam” wurde für den Ranglisten-Ersten stets zum Alptraum und zur “mission impossible”. 2009 im Semifinale gegen den slowakischen Jungstar Branislav Grznar 6:4, 2:0 geführt und doch noch ausgeschieden, 2010 das emotional geführte Hass-Duell mit Andreas Harbarth, in dem “Fabsch” eine 5:2 Führung samt 4 Matchbällen im dritten Satz ungenützt ließ, dann im Jahr darauf das familieninterne Abbruch-Duell im Semifinale gegen Franz Mayrhuber, als bei 4:4 im entscheidenden dritten Heat wegen Dunkelheit vertagt werden musste, und Fabian 24 Stunden später mit zittriger Hand den ersten Mai-Grand-Slam-Finaleinzug seiner Karriere verspielte. 2012 floppte “Fabsch” als Nr. 1 gesetzt im Achtelfinale mit einer Niederlage gegen Clemens Beywinkler, und last but not least ist da noch das “traurig endende” Comeback im Vorjahr, als er nach seiner Auslandszeit in Schweden in Runde 2 gegen Rumäniens Tourstar Rares Maftei verlor. Mit nur drei abgegebenen Games in den ersten beiden Runde gegen den Qualifikanten Maximilian Fötsch und Terra-Rossa-Neuling Andreas Makovich, wärmte sich der 11fache Turniersieger für das mit großer Spannung erwartete achtelfinale Clubduell mit WAC-Kollege Nikolaus Kremser auf. Der 26jährige HTT-French-Open-Finalist von 2012 hatte sich mit einem lockeren und ungefährdeten 6:1, 6:1 über Markus Eichleter für das Achtelfinale qualifiziert, und dort gegen Mayrhuber keine Chance. Mit 6:2, 6:3 zog der hier an Nr. 3 gesetzte Ranglisten-Vierte bei seinem 6. Mai-Grand-Slam-Start zum 5. Mal ins Viertelfinale ein, wo mit Victor Stabrawa eine weitere harte Aufgabe auf den WAC-Star wartet.

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Die Nummer 1 Peter Klager gibt auf dem Weg zur angepeilten Titelverteidigung in den ersten drei Runden nur 5 Games ab

Immer brisanter und enger wird schließlich auch noch das “Fern-Duell” um den Ranglisten-Thron der Hobby-Tennis-Tour zwischen Peter Klager und Philipp Schneider. Erstgenannter muss hier den Titel holen, wenn er am Ende nach sieben großartigen Tennistagen im UTC La Vile weiter Österreichs größte Breitensport-Rangliste anführen möchte. Das Klager seinen “Platz an der Sonne”, nach rund einem halben Jahr freiwillig räumen wird, können sich Schneider-Fans spätestens nach Halbzeit des Mai-Grand-Slam-Turniers abschminken. Der Ranglisten-Erste und Titelverteidiger wirkt hoch konzentriert, er scheint die Herausforderung der vielen starken Gegner angenommen zu haben, und mit nur 5 abgegebenen Games ließ der topgesetzte Wiener auch keine Zweifel in den ersten Runden aufkommen, dass er ernsthaft vor hat, als erster Spieler seit Bernhard Nagl in den Jahren 2005 und 2006 das Kunststück zu vollbringen, einen HTT-French-Open-Titel mit Erfolg zu verteidigen. Auf dem Weg ins Viertelfinale, wo übrigens Englands Nr. 1 Adam Goodsell wartet, fertigte der Branchen-Primus in Runde 2 Rekordmann Christoph Kramer bei dessen 13. Mai-Grand-Slam-Start und 550. Karriere-Match mit 6:1, 6:0 ab, und auch April-HTT-250-Champion Marco Melotte – der immerhin Deutschlands Nr. 2 Jan-Philip Hupasch in Runde 2 deklassierte – waren beim 2:6, 1:6 nur zwei Games mehr als Kramer gegönnt.

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Superstarker Bernd Jaschke fordert Masterssieger Philipp Schneider bei dessen 50. Karriere-Einzelsieg, und muss sich erst nach drei knappen Sätzen geschlagen geben

Einen absoluten Tennisleckerbissen bekamen die Zuseher im UTC La Ville schließlich noch in der Night Session zum Sonntag Abend geboten. Masterssieger Philipp Schneider, der unmittelbar zuvor in Runde 2 Ex-HTT-Wimbledon-Champion Thomas Müller bei dessen 6. Mai-Grand-Slam-Karriere-Start verabschiedete, bekam es im Achtelfinale mit einem lange Zeit hervorragend spielenden Bernd Jaschke zu tun, der nach der verletzungsbedingten Absage von Julia Burgstaller – übrigens der einzigen Dame im Feld – ausgeruht den Kampf mit dem Ranglisten-Zweiten in Angriff nahm. Und Jaschke, hier im Vorjahr immerhin bis ins Semifinale vorgedrungen – lieferte Schneider mehr als nur einen offenen Schlagabtausch. Der 37jährige arbeitete im ersten Satz sehr gut mit dem Ball, spielte vorallem auch mit mehr Drall auf dem kleinen gelben Filz, und das behagte dem an Nummer 2 gesetzten Mann vom UTC Waidhofen an der Thaya weniger. Schneider fehlte lange Zeit ein adäquater Return, um das Spiel offen zu halten, während Jaschke mehr als eineinhalb Sätze großartig servierte, und bei 6:3, 4:4 und einer Break-Chance zum 5:4 wie der mögliche Sieger aussah. Doch Schneider behielt die Nerven, wehrte die Großchance seines Gegenübers ab, und fixierte seinerseits mit einem Break den Satzausgleich. Im dritten Durchgang blieb die Spannung für die Zuschauer bis 4:3 ausrecht, ehe Schneider mit einem Schluss-Spurt doch noch den 50. Einzelsieg seiner Karriere und den Viertelfinaleinzug bei seinem HTT-French-Open-Debüt fixierte. “Es war verdammt schwierig, und Mitte des zweiten Satzes habe ich ehrlich gesagt nicht mehr an einen Sieg geglaubt”, so Schneider. “Es war ein gutes Match. Ich hatte leider Probleme mit dem Flutlicht und der Sicht dadurch”, entschuldigte sich Jaschke für sein Aus im Viertelfinale der HTT-French-Open 2014.

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