Der Mai-Grand-Slam-Fluch – Martin Mayer kassiert erste Saisonniederlage

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Die HTT-French-Open waren noch nie ein guter Boden für Spieler, die mit einer exzellenten Siegesserie zum größten und wichtigsten Sandplatz-Turnier der Szene angereist sind. Die allerlängsten Siegesserien der allerbesten Spieler sind in der Vergangenheit stets beim Mai-Grand-Slam-Turnier gerissen, und so war es zumindest statistisch betrachtet keine große Überraschung, dass auch der grandiose Erfolgslauf des 3fachen Saisonsiegers Martin Mayer ausgerechnet beim Sandplatz-Klassiker im UTC La Ville zu Ende gegangen ist. Ein Bericht von C.L

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Nach 16 Siegen in Serie wird Martin Mayer Opfer des Mai-Grand-Slam-Fluchs

35 Single-Turniere standen bisher in der seit 10. Jänner laufenden 25. Saison der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte auf dem Programm, mit 32 verschiedenen – freilich am Ende stets strahlenden – Siegergesichtern, und nur einem Mann, der aus diesem unglaublichen Potpourri an Turniersiegern ausbrechen konnte, und zum einzigen Mehrfach-Champion avancierte. Martin Mayer, Topspieler und Coach in der Tennisschule Norbert Richter ragte in den ersten fünf Monaten des Jahres mit phantastischen Leistungen und sensationellen Resultaten aus dem Kreis des mittlerweile über 660 Akteure umfassenden Tour-Zirkus, und spielte sich spätestens mit seinem Sieg bei der HTT-Grand-Slam-Generalprobe beim Mai-HTT-500-Turnier in die absolute Favoritenrolle für den zweiten Major-Titel des Jahres. Auf dem Weg zu seinem “Saison-Titel-Triplepack”, blieb der 32jährige vom TK Big Point Muckendorf insgesamt 15 Matches lang ungeschlagen, mit seinem Auftakterfolg bei den HTT-French-Open schraubte Mayer seine Super-Serie sogar auf 16 Spiele ohne Niederlage. Doch langjährige Szenekenner und Insider der HTT wussten! Da gibt es diesen für Serientäter so gefürchteten “Mai-Grand-Slam-Fluch”, der mit schöner Regelmäßigekeit die mit hohen Erwartungen angereisten Topstars aus ihren Titelträumen reißt, und Siegesserien wie Kartenhäuser zusammenkrachen läßt.

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Hofer, Seitner, Geisler, Wagner, Stabrawa – Topstars mit Super-Serien auf roter Asche als Opfer des Mai-Grand-Slam-Fluchs

Die Top 5 Siegesserien der Hobby-Tennis-Tour-Geschichte sind beim Mai-Grand-Slam-Turnier jäh zu Ende gegangen. Klaus Hofer, der die bis heute unerreichten 26 Sandplatz-Einzelsiege in Folge aufgestellt hat, wurde im Finale des Mai-Grand-Slam-Turniers 1995 von Christian Kainz entzaubert. Sandplatzkönig Victor Stabrawa war 2011 nach 5 Turniersiegen und 20 Matcherfolgen auf Sand mit der zweitbesten Siegesserie zu den HTT-French Open als der Mega-Favorit angereist, ehe es nach einer bitteren und historischen Erstrundenniederlage gegen Alexander Geisler (Stabrawa war der erste HTT-French-Open-Titelverteidiger der Geschichte, der im Jahr darauf in Runde 1 scheiterte) mit der rekordverdächtigen Herrlichkeit vorbei war. Markus Seitner, der 2008 die Sandplatz-Szene in atemberaubender Manier beherrschte, war mit 19 Siegen auf roter Asche im Gepäck angereist, beim Mai-Grand-Slam aber gegen Christoph Wagner nicht in der Lage, den “2er” vor seine tolle Siegesserie zu bekommen. Ebenfalls nach 19 Siegen auf Sand scheiterte Alexander Geisler, der im Semifinale des Mai-Grand-Slam-Turniers 2010 an Freund und Doppelpartner Udo Philipp scheiterte. Und auch Christoph Wagner war im Jahr 2007 auf dem roten rutschigen Untergrund famos unterwegs, ehe er im Semifinal-Kracher des Mai-Grand-Slam-Turniers und nach 18 Asche-Siegen in Serie vom späteren Turniersieger Andreas Harbarth gestoppt wurde. Titelverteidigung”.

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Mayer über ausgelassene Chancen im zweiten Satz enttäuscht

Jetzt hatte Martin Mayer seine 16 Matches ohne Niederlage umfassende Siegesserie zwar nicht ausschließlich auf Sand aufgestellt, doch einen gewissen Druck wird die Super-Bilanz auf den 32jährigen schon auch ausgeübt haben. Zwar wirkt der Niederösterreich nach Außen hin immer cool und lässig, hat stets einen lockeren und flotten Spruch auf den Lippen, doch selbst der Ausnahmekönner wird sich dieser Tage bei einem Blick auf das HTT-French-Open-Tableau bewusst geworden sein, dass sein Grand-Slam-Debüt alles andere als ein Spaziergang werden würde, und die in breiter Front aufgestellte Phalanx an absoluten Topspielern nur darauf lauerte, dem Shootingstar des Jahres ein Bein zu stellen. Wobei am Sonntag Abend durchaus die Frage erlaubt ist, ob  Mayer im Zweitrunden-Schlager gegen Bittermann-Bezwinger Stephan Brabec nicht über seine eigenen Beine gestolpert ist. Im ersten Satz ging beim 3fachen Saisonsieger gar nichts, verwandelte Mayer den Centercourt in einen rasch überlaufenden”Pool an unforced erroros”. Wenn dann auf der anderen Seite des Netzes ein Muster an Beständigkeit wartet, dann wird es nochmals eine Stufe schwieriger, ein akzeptables Resultat zu erspielen. Das Mayer willens war, hier bei den HTT-French Open zum großen Schlag auszuholen, zeigte er im zweiten Satz. Der Mai-HTT-500-Champion konsolidierte sein Tennis, begann mit aggressivem Spiel das Match unter Kontrolle zu bekommen, und er legte vorallem Kampfgeist und Emotion in sein Vorhaben, das Achtelfinale gegen Clubkollege Mathias Wagner zu erreichen. Am Ende waren es zwei ungenützte Chancen, die Mayer zumindest die Chance auf einen dritten Satz verbauten. Einen Satzball ausgelassen, und im Tie-Break bei 5:5 einen Ball statt im eigentlich völlig freien Feld des Gegners knapp ins Out gesetzt, damit war die erste Saisonniederlage des 32jährigen besiegelt. “Wenn du deine Chancen nicht nützt, dann kannst du so ein Match nicht gewinnen”, analysierte Mayer, ehe er sich auf den Heimweg machte.

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