Titelverteidiger bleibt schon in der Vorrunde auf der Strecke

Alexander Geisler und Markus Seitner haben am Sonntag Abend das Semifinale beim 21. Masters der Hobby-Tennis-Tour komplettiert. Der Tiroler Champions-Race-Achte gewann den Live-Schlager gegen WAC-Star Thomas Müller mit 6:1, 7:5 und qualifizierte sich damit als Gruppen-Zweiter hinter Mario Kiss für die Vorschluss-Runde, wo er auf Markus Seitner treffen wird. Der Salzburger deklassierte zum Abschluss der Gruppenphase den am Vortag brillant spielenden Thomas Guem mit 6:3, 6:1, und sicherte sich noch vor dem Tiroler den Gruppensieg im blauen Pool. Auf der Strecke geblieben ist hingegen Franz Mayrhuber. Dem Titelverteidiger vom SK Handelsministerium nützte auch ein abschließender Zweisatzsieg über Martin Kova nichts, und so musste der letztjährige Champion trotz zweier Vorrundensiege frühzeitig die Segel streichen. Ein Bericht von C.L

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Thomas Guem als Königsmacher im Fernduell zwischen Seitner und Mayrhuber

Mit einer faustdicken Überraschung ist am Sonntag Abend die Gruppenphase beim Masters der Hobby-Tennis-Tour zu Ende gegangen. Nicht der von vielen Insidern als Titel-Mitfavorit gehandelte Vorjahressieger Franz Mayrhuber erreichte neben dem vorzeitig qualifizierten Thomas Guem das Semifinale, sondern der nur durch die verletzungsbedingte Absage von Andreas Harbarth ins Turnier gerutschte Markus Seitner darf über ein Halbfinal-Ticket jubeln. Königsmacher in diesem Fernduell zwischen Seitner und Mayrhuber um den Aufstieg in die Vorschluss-Runde, war Thomas Guem, der sich bekanntlich mit Siegen über Martin Kova und Franz Mayrhuber schon vor dem Schlusstag einen Platz im Semifinale gesichert hatte. Speziell der zweite Guem-Auftritt am Samstag Abend gegen den amtierenden Masterssieger Franz Mayrhuber fiel imposant und grandios aus. Und genau diese Performance war es auch, die dem auf fremde Hilfe angewiesenen Franz Mayrhuber vor dem letzten Spieltag Zuversicht gab und Optimismus verlieh. “Wenn der Thomas so spielt wie gestern, dann brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Und wenn es nicht reichen sollte, dann werde ich nachher keine Namen nennen und niemanden verteufeln. Dann habe ich selbst Schuld”, legte sich der 45jährige unmittelbar vor seinem Auftritt gegen Martin Kova fest. Halbfinal-Aufstieg oder Vorrunden-Aus, diese Entscheidung lag nicht mehr in Mayrhubers Hand, und so blieb dem Tennis-Oldie nichts anderes übrig, als sein letztes Vorrunden-Match gegen Martin Kova zu gewinnen und dann abzuwarten was im Parallelspiel der blauen Gruppe passiert. Die Pflicht erledigte der “French Open-Sieger der HTT” mit einem 6:1, 5:4, w.o. Erfolg über den 12fachen Mastersstarter Martin Kova, warten ob dieses Ergebnis zum Aufstieg reicht, musste der Vorjahres-Champ aber nicht.

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Von Schiebung, Skandal und Betrug trotz Seitners Kantersieg keine Rede

Weil noch viel schneller als Mayrhuber “das Seinige” zum möglichen Halbfinal-Aufstieg beigetragen hatte, brauste Markus Seitner im zweiten Match der blauen Gruppe zu einem Kantersieg über Thomas Guem und vorbei am Tiroler Champions-Race-Dritten zum Gruppensieg. Der 31jährige fertigte den Mayrhuber-Bezwinger aus Schönwies in nicht einmal 50 Minuten mit 6:3, 6:1 ab, und sicherte sich im fünften Duell mit dem Shooting-Star des Jahres den dritten Sieg. Die Höhe des klaren Erfolges sorgte bei der Kollegenschaft für staunende Gesichter, und ob der Brisanz dieses für den Aufstieg so entscheidenden Matches, schüttelte so mancher der Mitspieler ungläubig den Kopf. Doch von Schiebung, Skandal oder gar Betrug war keine Spur, und die Frage ob es beim überraschend deutlichen Seitner-Erfolg mit rechten Dingen zugegangen ist, kein Thema bei der Konkurrenz. “Guem bedeutet Gentleman “& Fairplay, der Thomas läßt sich auf nichts ein, der will Gruppensieger werden”, ließ Markus Seitner am Sonntag Nachmittag per SMS seinen Vereinskollegen Martin Kova wissen. Der Tiroler selbst vor dem Treffen mit Markus Seitner auf die Spekulationen rund um dieses Match angesprochen meinte: “Ich bin beim Masters hier um Tennis zu spielen und nicht um irgendwelche mathematischen Aufstiegsformeln auszurechnen. Mathematik war in der Schule, und diese Zeit ist lange vorbei. Ich bin gut in Form und ich werde mein Bestes geben. Wen ich ins Halbfinale mitnehme wird sich also auf dem Platz und nirgendwo sonst entscheiden”, stellte der Champions-Race-Dritte unmittelbar vor Spielbeginn klar. Und auch Augenzeuge Mario Kiss, beruhigte am Ende des Tages mögliche in Stellung gegangene Skandalaufdecker. “Der Guem ist auf jeden Ball ans Netz gegangen und der Seitner hat heute einen sehr guten tiefen Slice gespielt. Das war`s. Wenn die beiden irgendwas abgemacht haben sollten, dann haben sie es ganz geschickt gemacht”, so der März-Super-4-Sieger. Als das Resultat zwischen Seitner und Guem auf den oberen Courts des Sporthotels bekannt wurde, fanden die meisten Mitstreiter auch ziemlich plausible Erklärungen. “Das einzige was unter Umständen aus der Sicht Guems eine Überlegung gewesen sein könnte, ist die Frage wen er lieber im Semifinale zum Gegner hat. Und vielleicht bin ich ihm lieber als der Geisler”, meinte Mario Kiss. “Ich will dazu gar nichts sagen. Kein Kommentar. Ich bleibe dabei was ich schon vor dem Spieltag gesagt habe”, erklärte auch Franz Mayrhuber mit einem eher gequälten Lächeln im Gesicht.

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“In einer Partie wo es für dich um nichts geht, spielst du automatisch nicht 100 Prozent”

Mayrhuber hat an diesem ersten Advent-Wochenende bei seinem zweiten Masters-Start übrigens bereits zum zweiten Mal mit diesem manchmal recht diffizilen Round-Robin-Modus Erfahrungen gemacht. Im Vorjahr bei seinem großen Masters-Triumph, war er in der Rolle des “Königsmachers”. Thomas Müller hätte im letzten Gruppen-Match die Hilfe des späteren Siegers benötigt, um neben Mayrhuber die Vorschluss-Runde erreichen zu können. Mayrhubers Schützenhilfe damals fiel mit gerade einmal vier Games mager aus. Der daheim am Live-Ticker sitzende Thomas Müller musste enttäuscht ein 1:6, 3:6 Debakel Mayrhubers gegen Branislav Grznar zur Kenntnis nehmen. Paradox, das diesmal Mayrhuber mit beinahe dem selben Ergebnis Schützenhilfe im Kampf um den Aufstieg verwehrt blieb. “Das ist natürlich reiner Zufall. Als ich heute Früh auf der Homepage das Resultat vom gestrigen Match zwischen Guem und Mayrhuber sah, dachte ich mir, hoppala, jetzt wird es sehr eng für den Franz. Und eines ist auch klar: In einer Partie, wo es für dich um nichts mehr geht, hast du automatisch abgespeichert, dass du nicht 100 Prozent spielst. Der Seitner wird heute wahscheinlich auch sehr gut gespielt haben”, äußerte sich Vorjahres-Opfer Thomas Müller sachlich und ohne Schadenfreude zu diesem brisanten Thema.

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Alexander Geisler steht nach Sieg über Thomas Müller wie im Vorjahr im Semifnale

Seitner also mit seinem 130. Karriere-Einzelsieg zum zweiten Mal nach 2008 im Masters-Semifinale, Guem, trotz erster Niederlage und dem Umstand nach der Vortags-Gala auf den Boden der Tour-Realität zurückgeholt worden zu sein im Semifinale stehend, der momentane Höhenflug der westösterreichischen Tour-Stars nimmt auch beim Masters kein Ende. Denn neben dem Salzburger Seitner und dem Schönwieser Guem, hat auch der Zillertaler Alexander Geisler am Sonntag Abend das Semifinale beim Masters erreicht. Der 30jährige gewann zum Abschluss der Gruppenphase den entscheidenden Vorrunden-Schlager im “roten Pool” gegen Thomas Müller mit 6:1, 7:5 und darf damit so wie im Vorjahr im Halbfinale um ein Endspiel-Ticket rittern. Im Live-Spiel des Tages dominierte Geisler eineinhalb Sätze lang das Geschehen am Centercourt nach Belieben. Mit seiner sicherlich stärksten Vorrunden-Leistung hatte der 2fache Juli-GP-Sieger den ersten Satz in nur 29 Minuten mit 6:1 “eingesackt”, und auch in der Folge seinem Gegenüber keine Chance gelassen. Bis zum Stand von 5:2 im zweiten Heat, als Geisler mit zwei Breaks im Rücken eigentlich locker und lässig den Vorrunden-Schlager hätte ausservieren sollen. Doch dem Zillertaler gelang dies weder bei 5:2, noch bei 5:4, erst bei 6:5 und nachdem er zwei Break-Möglichkeiten Müllers zum Erreichen des Tie-Breaks vereitelte, verwandelte der 30jährige seinen dritten Matchball mit einem genialen Passierball. Nach 1:26 Stunden phasenweise sehenswerter Tenniskunst, hatte Geisler also sein Halbfinal-Ticket doch noch gelöst. “Bis 6:1, 5:2 habe ich sehr gut gespielt. Danach, vergiß es. Was unter dem Strich zählt ist der Sieg und der Aufstieg ins Semifinale. Es wird sehr schwer werden für die kommenden Gegner, denn ich bin brand heiß auf den Titel”, so der Tiroler.

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“Geisler und Kiss sind derzeit einfach schärfer, konsequenter und fiter”

Derweil zog auch der unterlegene und in der Vorrunde ausgeschiedene Thomas Müller eine erste Masters- und Saison-Bilanz. “Ich habe heute ganz gut gekämpft, allerdings eineinhalb Sätze lang ein bisserl erfolglos. Da hat der Alex aber nahezu alles getroffen, dennoch wäre es fast noch richtig eng geworden. Denn bei 2:5 im zweiten Satz habe ich das Tempo ein bißchen herausgenommen und geschaut was passiert. Der Alex hat dann nachgelassen und es sind ihm auch ein paar Fehler passiert. Dann hätte es wiegesagt noch eng werden können. Am Schluss waren auch zwei, drei dumme und unglückliche Punkte gegen mich dabei”, so der 40jährige. Und auf die Frage wie enttäuscht er nach dem erneuten Vorrunden-Aus denn nun wäre, antwortete Müller: “Es ist weniger der Umstand, dass ich heute ausgeschieden bin, als vielmehr die Tatsache, dass am Ende des Tages in jeder der beiden verlorenen Partien gegen Kiss und Geisler mehr drin gewesen wäre. Aber die beiden sind derzeit um die Spur schärfer, konsequenter und auch fiter als ich. Dieses Resultat ist auch ein Auftrag, an der eigenen Fitness zu arbeiten, so der WAC-Star, für den erstmals überhaupt eine Tennis-Saison auf der Hobby-Tennis-Tour ohne Titel zu Ende ging. “Ja, es war ein eher durchsetztes Jahr. Es wird aber auch nicht einfacher auf der Tour. Das Finale gegen den Victor beim September-Super-4-Turnier war nicht ungewinnbar. Jetzt heißt es an der Grundlagenausdauer zu arbeiten. und dann möchte ich im nächsten Jahr wieder mit Titelgewinnen anschreiben. Am liebsten in der Rasen-Saison”, so der “HTT-Wimbledonsieger von 2009”.

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Mario Kiss als einziger Spieler beim Masters weiter ungeschlagen und Kramer-Pleite heizt wieder die Diskussion über die Sinnhaftigkeit seines Masters-Starts an

Seine weiße Weste in der “roten Gruppe” hat am Sonntag Abend Mario Kiss eindrucksvoll verteidigt. Obwohl gesundheitlich aufgund einer hartnäckigen Verkühlung schwerstens angeschlagen, feierte der 31jährige vom AZ Tennisclub im dritten Vorrunden-Spiel seinen dritten Sieg. Kiss ließ in nicht einmal einer Stunde Masters-Opfer Christoph Kramer nicht den Funken einer Chance und feierte mit 6:3, 6:0 bereits den 44. Saison-Einzelsieg, womit er vor dem Halbfinale gegen Guem (43 Saison-Einzelerfolge) wieder die Nase knapp vorne hat. War der Kantersieg von Kiss allgemein erwartet worden und daher am Sonntag-Abend nicht mehr als eine Randnotiz wert, sorgte vorallem das mäßige – um nicht zu sagen katastrophale – Abschneiden von Christoph Kramer für Diskussionsstoff. Wie schon vermutet, ließ die Diskussion unmittelbar nach Abschluss der Gruppenphase und dem feststehenden Masters-Debakel des 28jährigen Leopoldsdorfers nicht lange auf sich warten. “Es ist mühsam darüber immer wieder zu reden, aber unter dem Strich haben wir gesehen, dass Kramer beim Masters nichts verloren hat. Der Christoph ist ein leiwander Bursche mit dem ich mich sehr gut verstehe, aber da fehlen Klassen”, erneuerte Mario Kiss seine Kritik. Ins selbe Horn stieß auch Thomas Müller: “Das Kramer-Ergebnis spricht für sich, er ist in dieser Gruppe untergegangen. Er war in allen drei Gruppenspielen ohne Chance, und ich für meinen Teil habe in den drei Matches gegen ihn noch am schwächsten gespielt. Seine Leistung ins Masters zu kommen muss man anerkennen und verdient durchaus großen Respekt, aber mit ihm in der Gruppe hatte man ein echtes Freispiel”, so Müller. “Das Problem ist, dass der Christoph total überspielt ist. Ich habe ihm das schon am Samstag gesagt. Er soll jetzt einmal eine Pause machen damit er wieder geil auf Tennis wird. Und er kann natürlich uns drei (Müller, Kiss und mich) niemals schlagen. Das geht einfach nicht”, legte Geisler seine Meinung zum Thema Kramer offen. Indes: Die Diskussion über die Berechtigung und Sinnhaftigkeit eines Kramer-Starts beim Masters war schon lange vor dem ersten Ballwechsel in Gang gekommen. Experten und Insider waren am Ende auch nicht über seine magere 0:3 Match-Bilanz in der Gruppenphase verwundert, sondern über die Art und Weise wie er sich dort präsentierte. Kramers Auftreten war schlichtweg eine Riesen-Enttäuschung. Spielerisch glich sein Auftritt im Sporthotel einer sportlichen Nullnummer, und auch seine Einstellung ließ mehr als zu wünschen übrig. Bleibt nach 111 in Serie gespielten Turnieren nur die Frage, ob Kramer jetzt endlich den wohlgemeinten Rat seiner Kollegen annimmt, und sich eine ausgedehnte Turnierpause gönnt.

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Martin Kova zum dritten Mal beim Masters ohne Vorrundensieg

Zum dritten Mal nach 2005 und 2008 endete auch für Martin Kova eine Masters-Gruppenphase ohne Einzelsieg. Der 27jährige Wiener musste sich nach seinen Niederlagen gegen Thomas Guem und Markus Seitner am Sonntag Abend auch Franz Mayrhuber geschlagen geben. Bei 1:6, 4:5 und Matchball des Titelverteidigers gab Kova “angesäuert” w.o. “Ich lasse mich doch nicht auf dem Platz schulmeistern”, begründete Kova seine Aufgabe, ehe auch er eine abschließende Masters-Bilanz zog. “Ich habe drei Mal verloren, es hat ja keiner was anderes erwartet. Ich war aber in jeden Match zumindest einen Satz lang dabei”, so der ehemalige Ranglisten-Erste.

Claus Lippert, 29. November 2010