Sekt oder Selters – Michael Kunz feiert nach Vorwochenpleite seinen 8. HTT-Karriere-Titel

Sekt oder Selters, unter diesem Motto sind die letzten zehn Tage von Michael Kunz auf der Hobby-Tennis-Tour verlaufen. Nachdem sich der ehemalige HTT-Wimbledon-Champion noch vor einer Woche für sein Erstrunden-Aus beim März-HTT-150-Turnier gegen die völlig unbekannte Nr. 445 der HTT-Computer-Rangliste, den erst 13jährigen Fabian Dopf rechtfertigen musste, triumphierte der 42jährige Tour-Evergreen am Dienstag Abend im Endspiel der 7. Auflage des März-Challenger-Turniers, und feierte bei seiner Premieren-Vorstellung auf Challenger-Ebene auf Anhieb seinen ersten Titelgewinn. In nur 58 Minuten hatte Kunz ohne zu glänzen gegen einen total überforderten Rene Milich einen völlig ungefährdeten Erfolg eingefahren, und damit den insgesamt 8. Turniersieg seiner Karriere fixiert. Milich hingegen erlebte ein bitteres Final-Debüt, das mit 40 Fehlern letztlich im 1:6, 3:6 Debakel endete. Ein Bericht von C.L

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Michael Kunz pflegt bei seiner Challenger-Premiere das Image der “Wundertüte”

Michael Kunz bleibt auch nach bald acht Jahren Tour-Zugehörigkeit und 117 gespielten Turnieren weiter die HTT-Überraschungstüte schlechthin. Man weiß nie so genau, was der 42jährige Deutsch Wagramer so abliefern wird, wenn er einen seiner zahlreichen Auftritte im Tour-Zirkus absolviert. Von Sensatonssiegen über weitaus höher eingeschätzte Spieler, wie beispielsweise jenem im Vorjahr in Runde 1 des März-Masters-Series-1000-Turniers gegen Udo Philipp, bis hin zu fragwürdigen Pleitenummern wie jener am März-HTT-150-Wochenende, wo er bei aller Wertschätzung für seinen jugendlichen Bezwinger, wieder einmal einen seiner bekannten Aussetzer hatte, und damit sein Image – einer der unkonstantesten Spieler im gesamten Circuit zu sein, weiter pflegte. Was Kunz aber reichlich egal sein dürfte, zumal der  42jährige damit weiterhin unberechenbar für die Gegnerschaft bleibt.

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Winter-Rückkehr und Übersiedlung in die Halle spielten Michael Kunz in die Karten

Sein vorwöchiger  und als Riesen-Sensation gehandelter Auftakt-Ausrutscher gegen die Nr. 445 der HTT-Entry-List hatte zur Folge, dass Michael Kunz eine Woche später sein Debüt auf Challenger-Ebene feiern sollte. Nachdem sich der Ex-Wimbledonsieger dann auch noch über eine ganz anständige Auslosung freuen durfte, stand alsbald fest, dass der 42jährige als erster Kandidat auf den Titel beim Saison-Outdoor-Opening galt. Als dann am Sonntag auch noch der Winter seine Rückkehr feierte, und der März-Challenger von Maria Enzersdorf ins UTC La Ville übersiedelte, und Kunz nach seinen ungefährdeten Teppich-Auftritten gegen Claus Brüstl und Gerald Marhold auf den schnellen Opti-Court durfte, war die Favoritenrolle selbst für die allergrößten Kunz-Kritiker klar vergeben. Und dieser Favoritenrolle wurde der Deutsch Wagramer dann auch im gestrigen Finale vollauf gerecht. Kunz machte sich seine Routine aus 117 Turnierstarts und 14 Finalteilnahmen klar zunutze, um gleich in der Anfangsphase des 18. Saisonfinales für klare Verhältnisse zu sorgen. Der “Lange” bemühte sich von Beginn weg, mit seinem Aufschlag Druck zu machen, an der Grundlinie das Tempo zu forcieren und extrem hoch zu halten, und diese Taktik sollte alsbald von Erfolg gekrönt sein.

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Kunz gewinnt ersten Satz nach nur 24 Minuten mit 6:1

Zwei rasche Breaks, dazu bei eigenem Aufschlag ungefährdet, so legte Kunz im ersten Satz rasch 5 Games zwischen sich und seinen Herausforderer, und damit war Milich nach nur 18 gespielten Minuten auch schon früher als ihm lieb war mit der Aufgabe konfrontiert, mit eigenem Aufschlag den Verlust des ersten Satzes zu verhindern. Und das tat Milich – sogar in souveräner Manier – indem er seinem Gegner das erste Ass ins Feld knallte, und in der Folge von drei leichten Kunz-Fehlern profitierend das Ehrengame gutgeschrieben bekam. Unbeeindruckt davon, und auch von seinem ersten Doppelfehler, hämmerte Kunz daraufhin seinem erstmals in einem Tour-Finale stehenden Gegenüber drei Service-Winner um die Ohren, um nach nur 24 Minuten mit einem 6:1 den Grundstein für seinen achten Karriere-Titel zu legen.

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Milich im zweiten Satz seines Final-Debüts mit Teilerfolgen, insgesamt aber ohne Chance

Im zweiten Satz freute sich dann zunächst Rene Milich über das 1:0 und die erstmalige Führung in diesem März-Challenger-Finale, ehe ein kurioses zweites Game anstand. Kunz hatte Aufschlag und nach drei Winnern ein 40:0, als er plötzlich fünf Punkte in Folge abgab und wie aus heiterem Himmel das erste Break zum 0:2 kassierte. Zwar konterte der ehemalige Grand-Slam-Champion aus Deutsch Wagram mit einem prompt gelungenen Re-Break zum 1:2, doch genau in dieser Phase hätte ein insgesamt zu zögerlich agierender Rene Milich die entscheidenden Nadelstiche setzen können und müssen, um dem Spiel eine Wende zu geben. Kunz schwächelte plötzlich beim Aufschlag, er zeigte sich fehlerhaft von der Grundlinie und ungewohnt unsicher am Netz. So bekam Milich bei 1:2 wieder zwei Break-Chancen präsentiert, die er freilich ungenützt ließ, ehe Kunz nach etlichen “Einständen” zum 2:2 Ausgleich kam. Den Unterschied zwischen einem ehemaligen Grand-Slam-Champion und einem Final-Debütanten beim vierten Turnierstart merkte man dann in den folgenden Minuten nach dem engen und hart umkämpften Game zum 2:2. Da ließ Kunz sieben Punkte in Serie folgen, darunter das zu Null gewonnene Break zum 3:2, ehe er mit eigenem Aufschlag zum 4:2 punktete. Dennoch dürfte Milich Mitte des zweiten Satzes bemerkt haben, dass er mit aggressiverer Spielweise und mutigerem Tennis durchaus die ein oder andere Situation herbeiführen konnte, in der auch ein Michael Kunz gehörig ins Wanken geriet. Das dann durchaus auch Fehler passieren können ist klar, so passiert auch im nächsten Aufschlagspiel des 34jährigen, das er nach 30:0 Führung mit vier Fehlern am Stück zum 2:5 abgeben musste. Das Kunz entgegen seiner Selbsteinschätzung alles andere als souverän durch den zweiten Satz führte, bekam man im letzten Aufschlagspiel des 42jährigen zu sehen, als er sich wieder mit einem Doppelfehler, einem Grundlinien-Patzer und einem nachlässig gespielten Volley am Netz in Schwierigkeiten brachte. Vermutlich wäre der Routinier in dieser Phase gegen viele andere Gegner noch in Bedrängnis gekommen, nicht aber gegen Rene Milich, der sich im letzten Game mit vier Doppelfehlern verabschiedete, und für Kunz quasi den Titel herausservierte.

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Rene Milich: “Das Finale heute war nicht gut, aber eine wichtige Erfahrung für mich”

In der ersten Pressekonferenz seiner Karriere war Milich dann aber trotz Final-Debakel weit davon entfernt, richtig enttäuscht zu sein. “Ich war heute viel angespannter als erwartet. Ich denke man hat das gesehen, speziell im ersten Satz, da ist gar nichts gegangen. Ich habe den ersten Satz 6:1 verloren und überhaupt keine Chance gehabt. Der zweite Satz war dann besser, obwohl natürlich noch weit weg und entfernt von gut. Der Aufschlag hat gar nicht funktioniert, aber ich sehe das als Erfahrung. Ich bin mit dem Turnier insgesamt sehr zufrieden. Vorher hätte ich nicht gedacht, dass ich ins Finale kommen kann, und es war ja auch schon in der ersten Runde knapp mit einem möglichen Ausscheiden. Das Endspiel heute war nicht gut, aber wiegesagt eine wichtige Erfahrung für mich. Ich hoffe mein nächstes Finale geht besser aus”, erklärte Milich.

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Der frischgebackene März-Challenger-Sieger Michael Kunz im Sieger-Interview

Das ein oder andere Bierchen gönnte sich derweil der große Sieger des März-Challenger-Wochenendes, der am Dienstag Abend zum insgesamt dritten Spieler der Geschichte avancierte, der neben einem Grand-Slam-Titel nun auch einen Challenger-Turniersieg in seiner Erfolgsbilanz aufscheinen hat. Eine freilich recht zweifelhafte Erfolgsstatistik, wenn man nicht so wie Renee Glatzl zunächst auf Challenger-Ebene seine Sporen verdient, ehe der große Grand-Slam-Triumph herausschaut, sondern vom alternden Major-Champion auf Challenger-Niveau hinabsteigt. Davon merkte man bei Kunz in seinem Sieger-Statement aber relativ wenig. Beim Lauschen seiner Ausführungen hatte man fast das Gefühl, der 42jährige bejuble hier einen großartigen Titelgewinn auf höchster Tour-Ebene. “Dieser Turniersieg freut mich schon sehr, weil das Ziel für mich selber war, diesen Titel ohne Satzverlust zu holen. Das habe ich souverän erreicht, und nach der Partie in der vorigen Woche gegen den 13jährigen Buben war das heute sehr wichtig für mich. Ich wusste, ich bin nicht in großer Form, und daher bin ich mit dem Erreichten an diesem Wochenende sehr zufrieden. Jetzt schaue ich weiter nach vorne. Wir werden sehen, ob ich beim 1000er-Turnier von der Warteliste noch in den Hauptbewerb rutsche, ansonsten werden ich schauen, dass ich beim April-HTT-150-Turnier in der Südstadt gut abschneiden werde”, so Kunz, der in Zukunft aber sein Hauptaugenmerk wieder auf die größeren Turniere der Hobby-Tennis-Tour legen möchte. Der einzige Wermutstropfen aus Sicht des Siegers war wohl nur der Umstand, dass Kunz “vorerst” sein Titelgewinn nicht als Hartplatz-Erfolg gewertet wird. Damit wäre der 42jährige nämlich der 13. Spieler der Geschichte gewesen, der auf allen vier Bodenbelägen ein Turnier gewonnen hätte.